»Das ist nicht derselbe Wein«, sagte sie und senkte das Glas. »Er schmeckt anders.«
»Ja. Magst du ihn?«
»Aber ja. Er schmeckt großartig!« Sie lächelte. Dann fügte sie vorwurfsvoll hinzu: »Aber du hast ihn ja kaum angerührt!«
»Komm her!« bat ich.
Sie trat um den Tisch und kniete neben mir nieder. Es war das erste Mal, daß sie mir gehorcht hatte. Das gefiel mir.
»Näher.«
Sie rückte näher an mich heran.
»Noch näher.«
Sie schmiegte sich an mich. Ihre Brüste waren aufregend. Ich legte den Arm um sie, damit ich sie an mich drücken konnte. Sie sah mir in die Augen. »Du hast deinen Wein nicht angerührt«, schnurrte sie.
»Nein?«
»Trink, trink!« versuchte sie mich zu überreden, ergriff das Glas und hob es mir an die Lippen. »Trink!« flüsterte sie. »Dann können wir auf dein Zimmer eilen, wo ich dir wie eine Sklavin dienen werde.«
»Du bist sinnlich und verführerisch«, sagte ich.
»Trink!«
Ich zwang mich dazu, nicht zu vergessen, daß sie für den anderen Mann bestimmt war, der zusammengesunken auf dem Tisch schlief.
Ich nahm ihr das Glas ab und stellte es auf den Boden.
»Was ist los?« fragte sie.
»Ermuntere mich!« befahl ich.
Tutina fing an, mich zu küssen und zu lecken, im ganzen Gesicht und am Hals. Sie war recht geschickt. Nach der Sklavenausbildung würde sie es noch besser können.
»Weißt du, welcher Wein das ist?« fragte ich.
»Nein«, murmelte sie beschäftigt.
Ich drehte die Flasche so hin, daß sie das Etikett lesen konnte. Es war eine kleine Flasche von Boletas Nektar der öffentlichen Sklavengärten. Boleta ist in Ar und Umgebung ein bekannter Weinbauer, der für die Produktion großer Mengen einigermaßen guter Ka-la-na berühmt ist. Der Nektar war seine vielleicht beste Marke; sie wurde in Ars öffentlichen Sklavengärten ausgeschenkt. Ursprünglich war sie allein für diesen Markt hergestellt worden. Daher rührte auch der Name.
»Oh«, sagte sie.
»Ich hoffe, er schmeckt dir.«
»Ja, er ist gut.«
»Das freut mich.«
»Hier«, sagte sie und nahm mein Glas. »Trink schnell. Ich habe es eilig, auf dein Zimmer zu kommen.«
»Dann laß uns sofort gehen«, sagte ich. Ich hatte beschlossen, ihr diese Gelegenheit zu geben, sich zu retten. Willigte sie ein, würde ich sie am Morgen vom Ring losbinden.
»Beeil dich!« flüsterte sie. Sie hielt mir das Glas an die Lippen. »Trink!« flüsterte sie verführerisch.
Innerlich mußte ich lächeln. Sie hatte ihre Gelegenheit gehabt. Zugeben, ich hatte sie ihr nur zu meiner Erheiterung angeboten, in dem Wissen, daß sie ablehnen würde.
»Trink!«
Ich nahm ihr das Glas aus der Hand und sagte: »Aber das ist für dich!«
»Was?«
»Ich habe den Wein für dich gekauft.«
»Aber ich habe doch schon getrunken.«
»Dann trink noch mehr.«
»Du kannst mir ja noch etwas eingießen«, sagte sie unbehaglich.
»Nimm meinen«, schlug ich vor.
»Das ist doch nicht möglich.«
»Aber sicher doch.«
»Ich habe wirklich genug getrunken«, sagte sie. Sie stemmte sich gegen meine Umarmung.
»Nein, du hast nicht genug getrunken.«
Sie sah mich ängstlich an. »Ich will nichts mehr trinken.«
»Stimmt etwas nicht mit dem Wein?« fragte ich.
»Wieso? Der Wein ist gut.«
»Dann trink!« Ich hielt ihr das Glas an die Lippen. Sie versuchte, ihm auszuweichen. »Was ist?«
»Nichts«, sagte sie.
»Trink!«
»Nein.«
»Du wirst das hier trinken«, sagte ich.
»Nein!« Mein Griff war gnadenlos. »Hör auf. Bitte!«
Ich griff mit der Linken in ihr Haar und zog ihr den Kopf nach hinten. »Öffne den Mund! Verschütte keinen Tropfen!«
Sie wand sich hilflos. Die Zähne hatte sie zusammengebissen.
»Du willst also schwierig sein«, sagte ich.
Tutina verstärkte ihre Anstrengungen, aber meinem Griff konnte sie nicht entkommen. Sie drückte die Lippen fest aufeinander. Ich schloß daraus, daß sie nicht einmal einen Tropfen der Flüssigkeit in den Mund bekommen wollte. Das Mittel mußte also ziemlich stark sein. Außerdem war die Dosis für einen Mann bestimmt gewesen.
Ich sah auf und bemerkte Louise, die vom Ausschank zurückgekommen war. Sie stand da und starrte uns entsetzt an.
»Wir werden ihr etwas zu trinken geben«, sagte ich.
»Herr?« fragte Louise ängstlich.
»Mit einer einfachen, durchaus angebrachten Methode«, sagte ich. Lady Tutina starrte mich gehetzt an. »Nein!« stieß sie durch die zusammengepreßten Lippen hervor. Ich stellte das Weinglas auf dem Boden ab.
»Sklavin, nimmt Lady Tutinas Gürtel und fessle ihr die Hände auf den Rücken!« befahl ich Louise.
»Aber Herr!« protestierte sie entsetzt.
»Nein!« kreischte Tutina.
»Sie ist eine freie Frau!« flüsterte Louise.
»Muß ich den Befehl wiederholen?« fragte ich.
Sie schlug den Blick nieder. »Nein, Herr.«
Dann knotete sie Tutinas Gürtel auf, nahm ihn ab, zwang ihr die Hände auf den Rücken und fesselte sie zusammen.
»Gut«, sagte ich. Tutina, die am Boden kniete, wand sich mit den gefesselten Händen. Vergeblich.
Louise stöhnte voller Angst auf. »Herr!« bettelte sie.
»Hier«, sagte ich und reichte ihr das kleine Glas. »Gehorch mir!«
»Ja, Herr!« wisperte sie.
»Nein!« stieß Tutina hervor. Doch sie verstummte, als ich ihr Haar losließ und ihr mit den Fingern der linken Hand die Nase zuhielt. Jetzt bekam sie keine Luft mehr durch die Nase. Mit demselben Griff zwang ich ihren Kopf nach hinten. Möglich, daß ich dabei nicht so sanft vorging, wie es angebracht gewesen wäre; schließlich war sie eine freie Frau. Sie schnappte nach Luft, und ich schob ihr den rechten Daumen und Zeigefinger in den sich öffnenden Mund, ließ die restlichen Finger nachfolgen und hielt ihn offen, aber so, daß sie nicht zubeißen konnte.
»Jetzt«, befahl ich Louise.
Lady Tutina wimmerte. Sie wand sich, versuchte, den Kopf zu schütteln, aber ich hielt sie fest. Vorsichtig goß Louise ihr den Wein in den schönen Mund.
»Gut!«
Louise sah mich dankbar an.
Ich hielt Tutinas Kopf weiterhin fest. Da ich den richtigen Moment abgepaßt hatte, war nicht mehr genug Atem in ihren Lungen, daß sie die Flüssigkeit ausspucken konnte. Sie starrte mich fassungslos an.
»Ich nehme an, daß du früher oder später Luft holen willst. Doch um das zu tun, mußt du zuerst den Wein hinunterschlucken.«
Sie wimmerte vor Protest.
»Es ist wirklich sinnlos, daß du den Atem anhältst«, befand ich.
Sie gab noch ein Stöhnen von sich.
»Du bist sehr schön«, gestand ich ihr.
Tränen traten ihr in die Augen, und sie schluckte den Wein trotzig hinunter, würgte, hustete und rang keuchend nach Luft.
»Du darfst die Hände der Lady Tutina losbinden«, befahl ich Louise.
Sie beeilte sich, meinem Befehl nachzukommen.
»O nein, Lady Tutina«, sagte ich und hielt ihre zuschlagenden Hände fest. »Das ist keine gute Idee.«
Sie kämpfte erfolglos gegen den Griff an. »Ich hasse dich!« rief sie. »Ich hasse dich!«
»Du hast doch nichts zu befürchten«, erwiderte ich. »Es sei denn, es wäre etwas in dem Wein gewesen.«
»Ich hasse dich!« schluchzte sie und warf dem Mann am Nachbartisch einen entsetzten Blick zu. Er war noch immer ohne Bewußtsein. Tutina hatte sichtlich Angst. Die Dosis, die sie geschluckt hatte, war – wenn tatsächlich etwas in den Wein gemischt worden war – zweifellos für einen Mann berechnet gewesen. Darum würde sie vermutlich mehrere Ahn lang bewußtlos sein, mehr als genug Zeit, um sie in eine Zelle des Praetors zu schleppen. Sie versuchte erneut, sich aus dem Griff zu befreien, aber ich ließ nicht los.
»Ich hasse dich!« zischte sie.
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