Irgendwo tauchte zögernd ein neuer Gedanke auf: Die Idee, daß er vielleicht nicht der einzige war. Es war ein langer Krieg gewesen, in dem viele nie erzählte Dinge geschehen waren. Vielleicht war unser Erlebnis gar nicht so einzigartig? Wie auch immer, nichts konnte ihn davon abhalten, sein Geheimnis jemand zu verraten. »Wir haben entschieden, daß das höchstwahrscheinlich nicht nötig ist …«
Ich weiß nicht, wie viele von ihnen dort draußen unterwegs sind und still und unsichtbar durch Wälder und Felder und Hügel und Täler huschen. Vielleicht nur einer, vielleicht tausend. Vielleicht noch mehr. Vielleicht sind es viele, vielleicht haben sie die Gebiete außerhalb der Städte und Siedlungen und die Parks schon längst übernommen, vielleicht ist das offene Land eine Unterwelt geworden, die sich unserer Kontrolle entzieht. Wir können es nicht wissen. Vielleicht muß man sogar an das Äußerste denken. Vielleicht sollte man nicht mehr sagen, daß es tätowierte Männer im Land gibt, sondern, daß wir schon längst im Land der tätowierten Männer leben.
Gestern ist etwas passiert – etwas Gewaltiges, Außergewöhnliches. Ich habe mehrere Wochen lang weder in die Zeitung gesehen noch Radio gehört oder ferngesehen – nicht mehr, seit ich New York verlassen hatte. Ich weiß, daß etwas passiert ist, weil es in der Luft liegt wie das Summen von einer Million Fliegen. Die Schritte draußen klingen gehetzt. Die Leute auf den Straßen eilen schneller als sonst vorbei, als müßten sie rasch irgendwo eintreffen. Schreie wollen meine Ohren erreichen, aber ich kann sie nicht richtig hören. Ich habe nicht die Absicht, dieses Phänomen zu recherchieren.
Originaltitel: ›IN THE COUNTRY OF TATTOOED MEN‹ • Copyright © 1993 by Garry Kilworth • Erstmals erschienen in ›In the Country of Tattooed Men‹, Grafton/HarperCollinsPublishers: London, 1993 • Mit freundlicher Genehmigung des Autors und Thomas Schlück, Literarische Agentur, Garbsen • Copyright © 1996 der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München • Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Langowski • Illustriert von Jobst H. Teltschik.
Im Original deutsch.
Im Original deutsch.
So im Original (»Russ’, alter Russ’, bleck die Zähne, damit ich vorbeigehen kann.«)
Shakkei: wörtlich ›geborgte Landschaft‹. Begriff aus der japanischen Gartenarchitektur, der das bewußte Hineinkomponieren der Hintergrundlandschaft in den Gartenentwurf bezeichnet. Cf.: Hennig, Karl: Japanische Gartenkunst. Form, Geschichte, Geisteswelt. Köln 1980 [Dumont TB 95]. S. 160 ff., 193.
Jede hinlänglich hochentwickelte Technik ist von Zauberei nicht zu unterscheiden.
Ilium – antiker Name Trojas – Anm. d. Übers.
Hissarlik – Hügel, auf dem Troja erbaut wurde – Anm. d. Übers.
Lakedaimon – griech. für Sparta – Anm. d. Übers.
Speculum – lat. Spiegel – Anm. d. Übers.
Epitheta – Mz. von Epitheton – griech. Attribut, Beiwort – Anm. d. Übers.
Arete – Schlüsselwort griech. Ethik = Tüchtigkeit, Tugend – Anm. d. Übers.
Pentekontor – antikes Schlachtschiff – Anm. d. Übers.
Charon – griech. Mythos: Fährmann, der die Toten über den Grenzfluß in die Unterwelt bringt – Anm. d. Übers.
Hyperion – einer der Titanen des griechischen Mythos – Anm. d. Übers.
Harpyien – weibliche Unheilsdämonen – Anm. d. Übers.
Chutzpah – jiddisch: Mut, Frechheit, Stärke, Energie – Anm. d. Übers.
Suprafluidität ist ein bislang nur an Helium beobachteter physikalischer Zustand mit ganz absonderlichen Eigenschaften. – Anm. d. Übers.