Fazit: Vegetarier haben im Durchschnitt zwar geringere Eisenspeicher und damit etwas weniger Eisen im Blut (was viele Mediziner mittlerweile sogar als gesundheitlichen Vorteil ansehen!), einen Mangel an Eisen weisen sie jedoch nicht häufiger auf als Fleischesser.
Hinweis: Pflanzliche Produkte, die einen besonders hohen Eisengehalt aufweisen, sind zum Beispiel: Kürbiskerne, Sesam, Mohn, Weizenkeime, Linsen, Pistazien, Trockenpfirsiche, Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Kichererbsen, Erbsen und Haferflocken sowie Gemüse wie Spinat, Petersilie, Gartenkresse, Fenchel, Mangold und Feldsalat.
Das Vitamin B12 ist sowohl für den Stoffwechsel als auch für den Zellaufbau sehr wichtig, insbesondere für die Nervenzellen. Obwohl der Mensch pro Tag nur 1 bis 3 Mikrogramm (Millionstelgramm) dieses Vitamins benötigt, gibt es Menschen, die unter einem Vitamin-B12-Mangel leiden, und zwar wiederum unter Vegetariern und Veganern genauso wie unter Fleischessern. Mit anderen Worten: Die Versorgung mit Vitamin B12 kann nicht einfach durch das Essen von Fleisch abgedeckt werden.
Das B12-Thema sollte sehr differenziert betrachtet werden. So haben Untersuchungen gezeigt, dass in Indien lebende Vegetarier kaum unter Vitamin-B12-Mangel leiden. Inder hingegen, die nach England umzogen, bekamen dort plötzlich einen B12-Mangel, obwohl sie ihre vegetarische Ernährung beibehalten hatten. Gerade in den Industrienationen ist trotz des hohen Fleischkonsums immer häufiger ein B12-Mangel zu beobachten. Andererseits gibt es Menschen, die ihr Leben lang nie tierische Produkte konsumiert haben und keinen B12-Mangel aufweisen. Wie lassen sich diese Widersprüche erklären?
Gemäß heute weitverbreiteter Ansicht kommt Vitamin B12 nur in tierischen Produkten vor. Dieses Vitamin kann vom Körper eines Tieres leicht gespeichert werden, weshalb die Menschen, die Tiere essen, zusammen mit dem Fleisch auch deren B12-Vorrat übernehmen. Unerwähnt bleibt dabei meistens, dass die Säugetiere (Rinder, Schweine usw.) dieses Vitamin nicht selbst bilden, sondern dass es in ihrem Verdauungstrakt von Bakterien produziert wird.
Beim Menschen geht man heute davon aus, dass sein Verdauungstrakt keine solchen Bakterien enthält. Ob dies auch auf gesunde, vegan lebende Menschen zutrifft, ist noch nicht definitiv geklärt, denn es wäre durchaus möglich, dass sich bei Menschen mit einem gesunden Darmklima (ohne Übersäuerung, Verklebungen, Schwermetalle, Antibiotika usw.) nach einer oder zwei Generationen eine Darmflora regeneriert, die auch B12-Bakterien aufnehmen kann.
Bakterien, die B12 produzieren, sind jedoch nicht nur im Tierdarm vorhanden, sondern auch in jedem gesunden Humusboden sowie auf allen Pflanzen, die aus einem solchen Boden wachsen. Die pro Tag benötigten 1 bis 3 Mikrogramm B12 könnte der Mensch also leicht (indirekt) über naturbelassene pflanzliche Nahrung aufnehmen. Wenn aber die Mikrostruktur der Böden durch schwere Maschinen, Chemie und Überdüngung zerstört wird, werden auch diese Bakterien abgetötet, und so bekommen weder die Tiere noch die Menschen ausreichend Vitamin B12. Dies wird heute noch verstärkt, wenn das Gemüse chemisch «totgereinigt» wird, bevor es in den Supermarkt kommt.
Für Ovo-Lakto-Vegetarier ist B12-Mangel also kein dramatisches Problem, da sie B12 mit Milchprodukten aufnehmen. Veganern wird empfohlen, bestimmte Algenarten (v.a. Spirulina-, Nori- oder Afa-Algen) oder «fermentierte» Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, das heißt mit Mikroorganismen versehene Nahrung, die einem bakteriellen Prozess unterworfen wurde, so dass diese Bakterien zu Vitamin-B12-Lieferanten werden (z.B. Sauerkraut, Miso oder Tempeh).
Fazit: Der in den Industrienationen verbreitete Vitamin-B12-Mangel hat hauptsächlich mit der Denaturierung der pflanzlichen Nahrungsmittel zu tun. Deshalb bekommt der moderne Mensch sogar über das Fleisch nicht mehr genügend B12, und die Nahrungsmittelindustrie muss immer mehr tierische Produkte mit B12 anreichern.
Vitamin B12 können wir jedoch über gesunde, möglichst ungeschälte Pflanzen aus naturbelassenem Bio-Anbau, über Algenprodukte oder durch mit B12 angereicherte vegetarische Produkte (beispielsweise Sojadrinks) bekommen. Weitere wertvolle Quellen sind auch Gerstengras sowie ungewaschene Wildkräuter.
Eier können auch als «flüssiges Fleisch» bezeichnet werden. Im langen Darmtrakt des Menschen beginnen sie daher noch schneller zu faulen als Fleisch. Unter allen Nahrungsmitteln enthalten Eier den höchsten Anteil an Fäulnisbakterien pro Gramm, nämlich 150 bis 220 Millionen, und diese vermehren sich mit ungeheurer Geschwindigkeit. Zusätzlich zu diesen Bakterien enthält das Ei auch sehr viel Cholesterin, und in der Verdauung führen Eier, genauso wie Fleisch, zur Bildung von toxischen Schadstoffen. Eier gehören also nicht gerade zu den gesündesten und verträglichsten Nahrungsmitteln.
Wissenschaftler der Ärzteorganisation PCRM (Washington) haben im Rahmen einer Untersuchung von 57 000 Frauen und Männern festgestellt, dass diejenigen, die täglich Eier konsumierten, einem größeren Risiko ausgesetzt waren, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das Risiko erhöhte sich bei Frauen um 77%, bei Männern um 58%.
Außerdem ist ein Ei, ob befruchtet oder unbefruchtet, von Natur aus für etwas anderes als für den menschlichen Verzehr bestimmt. Die Elemente, die im Ei enthalten sind (vor allem Protein), können, wie bereits dargelegt, leicht und auf unschädliche Weise aus rein vegetarischer Nahrung bezogen werden. Selbst Kuchen, Torten und anderes Süßgebäck lassen sich problemlos ohne die Verwendung von Eiern zubereiten.
Braucht der Mensch tierische Milch?
Der moderne Mensch neigt dazu, die Frage nach der Notwendigkeit des Milchkonsums vorbehaltlos zu bejahen. Diese Ansicht ist hauptsächlich kulturell bedingt und geht zurück auf den Einfluss der Werbung während der letzten Jahrzehnte (in den vergangenen 140 Jahren hat sich der hiesige Konsum von Milchprodukten um das 24-fache gesteigert!). Doch wie beim Fleisch ist es auch bei der Milch erwiesen, dass der Mensch sehr gut ohne sie leben kann. Millionen von Veganern weltweit, die seit ihrer Geburt oder seit ihrer Ernährungsumstellung ohne Milch(produkte) leben, zeigen mit ihrem persönlichen Beispiel, dass eine gesunde vegane Ernährung durchaus möglich ist.
«Studien mit Veganern, die weltweit, aber auch von uns durchgeführt wurden, zeigen, dass Veganer im Durchschnitt deutlich gesünder sind als die allgemeine Bevölkerung. Körpergewicht, Blutdruck, Blutfett- und Cholesterinwerte, Nierenfunktion sowie Gesundheitsstatus allgemein liegen häufiger im Normalbereich. […] Wenn alle Menschen veganisch leben würden, sähe es um die Gesundheit der Menschen, der Umwelt und der Gesellschaft besser aus. Es gilt, dieses Potential zu nutzen.» (Prof. Claus Leitzmann von der Justus-Liebig-Universität in Gießen, in einer öffentlichen Erklärung am 24. März 1994 in Bonn)
Auch für Säuglinge und Kinder ist eine ausgewogene vegane Ernährung vollständig ausreichend, ja sogar gesünder als eine Ernährung mit Tiermilch und Fleisch, solange auf eine genügende Vitamin-B12-Versorgung geachtet wird. In der angesehenen amerikanischen Fachzeitschrift für Kinderärzte, Pediatrics in Review, wurde im Jahr 2004 ein Artikel zum Thema «Vegane Ernährung für Babys, Kinder und Jugendliche» veröffentlicht, der die Forschungsergebnisse einer Studie vom Children’s National Medical Center in Washington D. C. darlegte. Zusammenfassend wurde festgehalten:
«Viele Experten kamen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass die vegane Ernährung von Babys und Kindern als sicher gelten kann, dass durch sie also weder die Nährwerteversorgung noch das Wachstum beeinträchtigt wird und dass sie zudem einige bemerkenswerte gesundheitliche Vorteile bringt.» (B. C. Moilanen: «Vegan Diets in Infants, Children, and Adolescents», in: Pediatrics in Review, 2004/25, S. 174-176)
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