Владимир Каминер - Meine russischen Nachbarn
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Die meisten Kunden, die unsere Olga in der Filiale besuchen, sind ihre Landsfrauen. Russinnen parfümieren sich unglaublich gerne. So hat sich über Jahre ein besonderer Kundenstamm aufgebaut und bestimmte Produkte werden an mir ausprobiert. Anfangs wehrte ich mich dagegen, ich hasste Parfüm und pochte auf meine inneren Werte, gab jedoch mit der Zeit meinen Widerstand auf. Die beiden Olgas wollen demnächst sogar ihren eigenen Duft herausbringen: ein »Russendisko-Parfüm«. Ich bin gespannt.
Es lässt sich gut nachvollziehen, warum diese westliche Parfümwelt die Frauen aus dem Osten so stark anzieht. Unsere Heimat roch anders. Das sowjetische Parfümsortiment war karg, es bestand aus fünf Hauptsorten. Sie hießen Rotes Moskau , Schipr , Nelke , Der Dreifache und, nicht zu vergessen, das begehrte Russischer Wald . Die Parfüms leuchteten grün, halfen gut gegen Mückenstiche und taugten auch zur Insektenabwehr. Aber riechen taten sie alle gleich, nämlich wie ein handelsüblicher Toilettenluftreiniger: eine Mischung aus Tannenbaum, Maiglöckchen und Flieder. Trotzdem hatte jede Marke ihre eigene Zielgruppe. Rotes Moskau zum Beispiel hatte einen ausgefallenen Behälter in Form eines Kremlturms, war teurer als die anderen und als Geburtstagsgeschenk für ältere Leute gut geeignet. Wenn jemand in den Ruhestand ging, bekam er eine Flasche davon von seinen Kollegen mit auf den Weg. Die Nelke benutzte man hauptsächlich gegen Mücken oder auch zum Inhalieren, denn es half bei der Heilung leichter Erkältungen.
Der Dreifache und Russischer Wald tranken die besonders Durstigen, wenn es nichts anderes Alkoholisches gab. Diese Parfüms waren die preiswertesten und die hochprozentigsten. Geschmacklich stellten sie allerdings sogar für erfahrene Alkoholiker eine ungeheure Zumutung dar. Es war kaum möglich, das Zeug nach dem Schlucken im Magen zu behalten. Deswegen aß man zuerst ein paar Stückchen Raffinade-Zucker, die mit Russischer Wald getränkt waren, um den Organismus langsam an die ungewöhnliche Geschmacksnote zu gewöhnen.
Schipr wurde als Aftershave interpretiert. Es war die älteste Parfümmarke und noch vor dem Krieg produziert worden. In gewisser Weise war es der Duft des Sieges. Die Offiziere, die den Krieg überlebt hatten und nach Hause zurückgekommen waren, rochen alle nach Schipr . Wahrscheinlich deswegen hatte dieses Parfüm eine Nebenwirkung: Schipr wirkte erotisch anregend auf Frauen älteren Semesters. Manche Studenten nutzten das, um Prüfungen in den Fächern zu bestehen, in denen sie sonst sicher durchgefallen wären. So hatte mein Freund und Nachbar Sergej eine für ihn wichtige Prüfung in Psychologie bestanden. Die Vorsitzende der Prüfungskommission war eine Frau wie aus Stahl, die keinen Spaß verstand. Gegenüber Studenten ohne tiefere Kenntnisse in Psychologie war sie geradezu erbarmungslos. Aber sie hatte eine Schwäche für Schipr , das machte sie an, so erzählten sich jedenfalls die Studenten. Am Tag der Prüfung übergoss sich Sergej, der keine Ahnung von Psychologie hatte, förmlich mit dem Zeug.
» Schipr ?«, fragte ihn die Prüferin und schloss für eine Sekunde die Augen.
»Mein Lieblingsparfüm«, nickte Sergej bescheiden.
»Sie haben einen ausgezeichneten Geschmack, junger Mann!«, sagte die Psychologin, »Ziehen Sie eine Karte.«
Sergej bekam eine Drei plus - dank Schipr .
Im Alltag der Männer spielten Parfüms abgesehen von wenigen Ausnahmen kaum eine Rolle. Frauen konnten sich mit der kargen Auswahl natürlich nicht zufriedengeben. Die Düfte des Westens zogen sie an. Westliches Parfüm gab es bei uns zwar auch, aber nur an schwer erreichbaren Stellen: auf dem Schwarzmarkt, in den wenigen Dollarläden und im H/N, dem sogenannten »Haus für Neuvermählte«. Dort konnte jeder, der im Besitz eines Brautscheins war, einen einmaligen Einkauf tätigen - ein Fläschchen Aramis , Vanderbilt oder Climat von Lancôme sowie das sehr populäre polnische Parfüm mit dem vielversprechenden Namen Vielleicht . Man musste allerdings gleich danach heiraten. Ein solch dramatischer Zustand konnte natürlich auf Dauer nicht gutgehen. Deswegen sind viele Bräute in den Westen ausgewandert. Die Bräutigame zogen wenig später nach.
Natürliche Bevölkerungsentwicklung
Wenn ich das Verhalten meiner russischen Nachbarn mit dem Verhalten der deutschen vergleiche, sehe ich deutliche Unterschiede. Besonders was die Lebensplanung betrifft. Russen planen ihr Leben sehr kurzfristig, Deutsche machen sich mehr Gedanken um die Zukunft, als um die Gegenwart. Das bremst sie in ihrer natürlichen Entwicklung. Langfristige Planung ist zwar unverzichtbar für einen Schachspieler, der alle Züge des Gegners vorausberechnen muss, um zu gewinnen. Im Leben geht eine solche Rechnung aber nicht auf. Jeder, der von sich behauptet, er wisse, was in zwanzig Jahren passiert, ist ein Lügner.
In Russland hat eine solche defensive Lebenshaltung kaum Anhänger. Die Menschen dort halten nicht viel von langfristiger Lebensplanung und versuchen aus dem aktuellen Geschehen herauszuholen, was geht. Für Fragen, wie es ihnen in zwanzig Jahren gehen wird, haben sie keine Zeit. Auch ist Versicherung in Russland ein Fremdwort geblieben. Keiner wird dort für etwas Geld ausgeben, was möglicherweise irgendwann einmal passieren könnte - oder auch nicht. Die Deutschen dagegen gehören zu den bestversicherten Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft. Zur üblichen Lebensgrundlage jedes anständigen Bürgers gehören wenigstens ein Dutzend Versicherungen: eine soziale, eine Kranken-, eine Renten-, Pflege- und Lebensversicherung sowie eine Unfallversicherung, eine Reiseversicherung, eine Rechtsschutz-, eine Kfz-, eine Hausratversicherung und eine für den Fall, dass man auf die Idee kommt, sich einmal in einem Porzellanladen wie ein Elefant aufzuführen. Das alles gilt als absolutes Minimum an Sicherheit und der Inhaber der oben aufgezählten Policen kann bei seinen Freunden durchaus als wagemutig und risikobereit durchgehen.
Ein solcher Versicherungswahn hat Geschichte. Als ich, damals ein frischgebackener Flüchtling, vor fünfzehn Jahren nach einer langen abenteuerlichen Reise in einem Berliner Ausländerheim landete, besuchten uns als Erstes nicht die Zeugen Jehovas, sondern Versicherungsvertreter. Sie erklärten uns in leicht verständlicher Fingersprache, was wir als Erstes bräuchten, um in Deutschland bleiben zu können. Dieses kindische Streben nach einer Vollkaskoabsicherung fürs Leben ist menschlich durchaus verständlich, verhindert aber die Bevölkerungsentwicklung. Denn jede Entwicklung kann in einem rundum abgesicherten Leben nur Verschlechterung bedeuten. Das Kinderkriegen ist ein Zusatzrisiko, und das Sterben macht eine Entgegennahme der Versicherungsprämie unmöglich. Deswegen sterben die Bürger in einer überversicherten Gesellschaft äußerst ungern, mit großer Verzögerung oder gar nicht. Und wenn sie doch sterben, dann verwesen sie nicht.
Dieses Phänomen haben wir den großen Supermarktketten zu verdanken. Diese fingen vor dreißig Jahren an, immer größere Verkaufsflächen zu nutzen, um mehr und preiswerter verkaufen zu können. Um sich vor dem Verfall ihrer Produkte abzusichern, setzten sie auf Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Konservierungsstoffen. Letztere hatten keine direkte schädliche Wirkung auf den Organismus der Verbraucher, ließen sich dort aber nieder und mumifizierten die Bevölkerung in einem Jahrzehnte währenden Prozess. Das Ergebnis ist, dass Bürger, die bereits seit zehn oder mehr Jahren tot sind, noch immer so frisch aussehen wie die Tomaten im Supermarkt oder Lenin in seinem Mausoleum. Ihre Versicherungsprämie bekommen sie trotzdem nicht.
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