In dem Augenblick, wo, wie wir gesagt haben, der Cardinal den Brief zum zweiten Mal gelesen, fragte der Capitän Truebridge sich leicht verneigend:
»Haben Sie gelesen, Eminenz?«
»Ja, mein Herr, ich habe gelesen,« antwortete der Cardinal, »ich gestehe Ihnen aber, daß ich nicht verstanden habe.«
»Sie werden aber aus Sir Williams Briefe ersehen haben, Eminenz, daß wir, Capitän Ball und ich, da wir von Mylords Absichten vollständig unterrichtet sind, alle Fragen beantworten können, welche es Ihnen belieben wird an uns zurichten.«
»Ich werde blos eine thun, mein Herr.«
Truebridge verneigte sich leicht.
»Bin ich, fuhr der Cardinal fort, meiner Vollmacht als Generalvicar entsetzt, und ist jetzt Mylord Nelson damit bekleidet?«
»Ob Sie, Eminenz, Ihrer Vollmacht als Generalvicar entsetzt sind und ob Lord Nelson damit bekleidet ist, wissen wir nicht, wohl aber wissen wir, daß Mylord Nelson die Befehle der sicilischen Majestäten empfangen, daß er die Ehre gehabt hat, Ihnen, Eminenz, seine Absichten kundzugeben und daß er für den Nothfall zwölf Linienschiffe zu seiner Verfügung hat, um seinen Absichten Nachdruck zu geben.«
»Und haben Sie mir in Mylord Nelsons Auftrage weiter nichts mitzutheilen, mein Herr?«
»O doch. Wir haben Sie, Eminenz, um eine positive Antwort auf die Frage zu bitten: Würde im Falle einer Wiederaufnahme der Feindseligkeiten gegen die Rebellen Mylord Nelson auf Ew. Eminenz Mitwirkung rechnen können.«
»Erstens, meine Herren, gibt es keine Rebellen mehr, denn die Rebellen haben ihre Unterwerfung erklärt. Von dem Augenblick an aber, wo es keine Rebellen mehr gibt, ist es überflüssig, gegen dieselben zu Felde zu ziehen.«
»Diese Subtilität hat Mylord Nelson vorausgesehen, und ich werde daher in seinem Auftrage die Frage so stellen: Werden Sie Eminenz für den Fall, daß Mylord Nelson gegen die, mit welchen Sie unterhandelt haben, marschieren würde, gemeinschaftliche Sache mit ihm machen?«
»Die Antwort wird ebenso klar sein, als die Frage, mein Herr. Nicht blos werden ich und meine Leute nicht gegen die marschieren, mit welchen ich unterhandelt habe, sondern ich werde mich auch mit meiner ganzen Macht einer Verletzung der von mir unterzeichneten Capitulation widersetzen.«
Die englischen Officiere wechselten einen Blick. Es war klar, daß sie diese Antwort erwartet hatten und daß es ganz besonders die war, welche sie zu holen gekommen waren.
Der Cardinal fühlte, wie ihm der Zorn durch alle Glieder rieselte.
Dabei bedachte er jedoch, daß die Sache eine sehe ernste Wendung nehmen könne und er deshalb jeden Zweifel beseitigen müsse, so daß eine nähere Erklärung mit Lord Nelson unumgänglich nothwendig werden wurde.
»Hat Mylord Nelson,« sagte er, »den Fall vorausgesehen daß ich eine Conferenz mit ihm zu haben wünsche, und sind Sie, meine Herren, für diesen Fall autorisiert, mich an Bord seines Schiffes zu bringen?«
»Mylord Nelson hat uns in dieser Beziehung nichts gesagt, Herr Cardinal, dennoch aber haben wir vollen Grund zu glauben, daß ein Besuch von Ihnen ihm stets zur Ehre und zum Vergnügen gereichen würde.«
»Mein Herr,« sagte der Cardinal, »dies erwartete ich von Ihrer Courtoisie. Wenn wir vielleicht aufbrechen wollen – ich bin bereit.«
Und er mochte eine Bewegung nach der Thür.
»Wir,« antwortete Truebridge, sind bereit, Ihnen zu folgen, Eminenz. Wenn Sie bereit sind, so bitten wir uns den Weg zu zeigen.«
Der Cardinal ging rasch die in den Hof führende Treppe hinunter, lenkte seine Schritte nach dem Strande und winkte der Schaluppe heranzukommen.
Die Schaluppe gehorchte, der Cardinal sprang, sobald sie nahe genug war, mit der Gewandtheit eines jungen Mannes hinein, und setzte sich zwischen die beiden Officiere auf den Ehrenplatz. Auf das Commando: »Vorwärts!« senkten sich die zehn Ruder in das Meer und die Schaluppe flog mit der Schnelligkeit eines Vogels über die Wogen hinweg.
Fünftes Capitel.
Die lesbische Nemesis
Der Cardinal war mit seinem Purpurgewand bekleidet. Nelson, der auf dem Deck seines Schiffes stand und das Fernrohr an sein noch übriges Auge hielt, erkannte ihn und ließ ihn durch hundert Kanonenschüsse begrüßen.
Als der Cardinal die Ehrentreppe erreichte, sah er Nelson, der ihn auf der ersten Stufe erwartete.
Beide verneigten sich gegen einander, konnten aber kein Wort wechseln.
Nelson sprach weder italienisch noch französisch; der Cardinal verstand allerdings das Englische, sprach es aber nicht.
Nelson zeigte dem Cardinal den Weg nach seiner Cajüte.
Hier fand er Sir William und Emma Lyonna. Er erinnerte sich nun jener Stelle im Briefe der Königin, wo es hieß:
»Die beiden Hamilton begleiten Lord Nelson auf seiner Reise.«
Dies ging folgendermaßen zu:
Der Capitäns Foote, welcher von dem Cardinal abgesendet worden war, um die Capitulation nach Palermo zu befördern, war auf der Höhe der lybarischen Inseln der englischen-Flotte begegnet, und da er Nelson’s Schiff an der Admiralsflagge erkannt, gerade auf dieses zugesteuert. Nelson seinerseits hatte das »Seahorse« erkannt und Befehl zum Beilegen gegeben.
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