Iris las das Telegramm.
»Gibt es wohl noch auf der Welt einen zweiten Vater,« sagte sie traurig, »der seiner Tochter sagen würde, wenn sie ihn bittet, wieder nach Haus zurückkehren zu dürfen, er wolle sie versuchsweise wieder bei sich ausnehmen?«
»Sie sind ihm doch nicht gram, Iris?«
Sie schüttelte ihren Kopf.
»Nein,« sagte sie, »mir geht es wie Ihnen. Ich kenne ihn zu gut, um durch seine Art und Weise beleidigt zu sein. Er soll mich pflichtgetreu, er soll mich geduldig finden. Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht so lange zumuten, hier in Honeybuzzard zu warten, bis ich wegkommen kann. Wollen Sie meinem Vater sagen, daß er mich in ungefähr einer Woche zurückerwarten soll?«
»Entschuldigen Sie, Iris, ich sehe, keinen Grund, weswegen Sie noch eine ganze Woche hier in dieser Stadt bleiben wollen. Im Gegenteil, je angelegentlicher Sie es sich sein lassen, zu Ihrem Vater zurückzukehren, um so wahrscheinlicher ist es, daß Sie Ihren Platz in seiner Liebe und Achtung wieder gewinnen. Ich beabsichtigte, Sie mit dem nächsten Zuge nach Hause zu bringen.«
Iris sah ihn erstaunt an.
»Ist es möglich,« sagte sie, »daß das Ihre wirkliche Meinung ist?«
»Meine aufrichtigste, liebe Iris. Warum sollten Sie zögern? Welcher stichhaltige Grund könnte Sie denn veranlassen, hier noch länger zu bleiben?«
»O Hugh, wie Sie mich enttäuschen! Wohin ist denn Ihre Liebenswürdigkeit, wohin ist denn Ihr Gerechtigkeitssinn und Ihre Rücksicht auf andere gekommen? Arme Mrs. Vimpany!«
»Was hat denn Mrs. Vimpany damit zu thun?«
Iris war empört.
»Was Mrs. Vimpany damit zu thun hat!« wiederholte sie. »Nach allem, was ich der Liebenswürdigkeit dieser guten Frau verdanke, nachdem ich versprochen habe, sie zu begleiten – sie hat so wenig glückliche Tage, die arme Seele! – auf Ausflügen nach den interessantesten Punkten der Nachbarschaft, da erwarten Sie von mir, daß ich sie sofort verlassen soll – nein, noch viel Schlimmeres als das – Sie erwarten von mir, die Arme wie ein altes, abgetragenes Kleid beiseite zu werfen? Und dies, nachdem ich sie in so ungerechter, in so undankbarer Weise in meinen Gedanken verdächtigt habe? Schändlich!«
Mit Mühe bewahrte Mountjoy seine Selbstbeherrschung. Nach dem, was er soeben gehört hatte, waren seine Lippen verschlossen betreffs des wahren Charakters der Mrs. Vimpany. Er konnte jetzt nur noch sich an die Pflicht gegen ihren Vater halten.
»Sie lassen sich von Ihrem lebhaften Charakter immer gleich zu den sonderbarsten Aeußerungen fortreißen,« antwortete er. »Wenn ich es für wichtiger halte, eine Versöhnung mit Ihrem Vater so schnell wie möglich herbeizuführen, als Sie zu ermutigen, Ausflüge mit einer Dame zu machen, die Sie doch nur erst eine oder zwei Wochen kennen, was habe ich dann so Entsetzliches gethan, daß ich einen solchen Ausbruch des Zornes und Aergers verdiene? Still, nicht ein Wort mehr hievon, denn da ist Mrs. Vimpany selbst!«
Während er sprach, war Mrs. Vimpany in das Zimmer getreten; sie war von der Unterredung mit ihrem Gatten aus dem Gasthaus zurückgekommen. Sie warf zuerst einen Blick auf Iris und bemerkte sofort Zeichen von Verwirrung und Mißstimmung in dem Gesichte des jungen Mädchens.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.