Erkennen ist ein Zustand des Nichtdenkens, Nicht-Gedankens. Es ist eine Lücke, ein Zwischenraum im Prozess des Denkens, und in dieser Lücke blitzt es auf, ist die Wahrheit.
Das englische Wort für leer, empty , kommt aus einer Wurzel, die Muße, Tatenlosigkeit bedeutet. Das ist ein schönes Wort, wenn ihr an seine Wurzel geht. Die Wurzel ist bedeutungsschwer – sie bedeutet müßig, unbeschäftigt. Wann immer ihr unbeschäftigt seid, Muße habt, seid ihr leer. Und denkt daran: Das Sprichwort, das besagt, dass ein unbeschäftigter Kopf die Werkstatt des Teufels sei, ist purer Unsinn. Genau das Gegenteil ist der Fall: Der beschäftigte Kopf ist die Werkstatt des Teufels! Aber ihr müsst verstehen, was ich unter leer verstehe – voller Muße, entspannt, unverkrampft, reglos, wunschlos sein, nirgendwohin streben, einfach nur hier sein, absolut hier. Ein leerer Kopf ist eine reine Präsenz. Alles ist möglich in jener reinen Präsenz, weil die ganze Existenz dieser reinen Präsenz entspringt.
Diese Bäume hier wachsen aus dieser reinen Präsenz, diese Sterne werden aus dieser reinen Präsenz geboren, wir alle hier, alle Buddhas sind aus dieser reinen Präsenz hervorgegangen. In dieser reinen Präsenz bist du in Gott, bist du Gott. Beschäftigt fällst du; beschäftigt musst du aus dem Garten Eden vertrieben werden. Unbeschäftigt bist du wieder in den Garten zurückgekehrt, unbeschäftigt bist du wieder daheim.
Wenn der Kopf nicht mit der Realität, mit Dingen, mit Gedanken beschäftigt ist, dann ist dasjenige da, was ist. Und das, was ist, ist die Wahrheit. Nur in der Leere kommt es zur Begegnung, zur Verschmelzung. Nur in der Leere öffnest du dich der Wahrheit und geht die Wahrheit in dich ein. Nur in der Leere wirst du schwanger von Wahrheit.
Dies sind die drei Zustände des Geistes: Der erste ist Inhalt und Bewusstsein. Du hast immer irgendwelche Inhalte im Kopf – ein Gedanke, der vorüberzieht, ein Wunsch, der aufsteigt, Wut, Gier, Ehrgeiz. Du hast immer einen Inhalt im Kopf. Der Kopf ist niemals unbeschäftigt. Der Verkehr geht weiter, tagein, tagaus. Im Wachen ist er da, im Schlaf ist er da. Wachend nennt man es Denken, schlafend nennt man es Träumen – es ist derselbe Prozess. Das Träumen ist etwas primitiver, das ist alles – weil es in Bildern denkt. Es benutzt keine Begriffe, nur Bilder. Es ist primitiver; wie die kleinen Kinder denkt es in Bildern. Darum müsst ihr in die Bücher für kleine Kinder große Bilder hineintun, bunt, weil sie in Bildern denken. Durch die Bilder werden sie Wörter lernen. Nach und nach werden diese Bilder immer kleiner, und schließlich verschwinden sie.
Der primitive Mensch denkt ebenfalls in Bildern. Die ältesten Sprachen sind Bildersprachen. Chinesisch ist eine Bildersprache, es hat kein Alphabet. Es ist die älteste Sprache überhaupt. Nachts also werdet ihr wieder zu Primitiven, da vergesst ihr eure Bildung vom Tage und fangt an, in Bildern zu denken. Aber es ist das gleiche.
Und die Idee des Psychoanalytikers, in eure Träume hineinzuschauen, ist wertvoll, weil dann mehr Wahrheit da ist, weil ihr dann primitiver seid. Ihr versucht nicht, irgendwen zu täuschen, ihr seid authentischer. Am Tage zieht ihr euch eine Persönlichkeit an, die euch verdeckt – Schichten über Schichten von Persönlichkeit. Es ist sehr schwierig, den wahren Menschen ausfindig zu machen. Ihr werdet tief nachgraben müssen, und das tut weh, und der Betreffende wird sich sträuben. Aber in der Nacht legt ihr zugleich mit euren Kleidern auch eure Persönlichkeit ab. Ihr braucht weder das eine noch das andere, weil ihr mit niemandem kommunizieren werdet. Ihr seid allein in eurem Bett; und da werdet ihr nicht in der Welt sein, ihr werdet absolut in eurem privaten Reich sein, ihr braucht also nichts zu verstecken und niemandem etwas vorzumachen. Eben darum versucht der Psychoanalytiker, in eure Träume einzudringen, denn die zeigen sehr viel klarer, wer ihr seid. Aber es ist das gleiche Spiel, nur in verschiedenen Sprachen gespielt; das Spiel selber unterscheidet sich nicht. Das also ist der gewöhnliche Geisteszustand: Geist und Inhalt, Bewusstsein plus Inhalt.
Der zweite Geisteszustand ist Bewusstsein ohne Inhalt. Genau das ist Meditation. Du bist ganz und gar wach, und eine Lücke, eine Pause ist da. Du triffst keinen Gedanken an, du hast keinen Gedanken vor dir. Du schläfst nicht, du bist wach – aber es ist kein Gedanke da. Das ist Meditation.
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