•Die Frage nach dem Sinn des Ganzen: Warum muss ich sterben? Diese Frage stellen sich Kinder ab ungefähr vier Jahren. Natürlich kann man sie rein naturwissenschaftlich beantworten, doch zeigt sich in dieser Frage der Kinder ihre Suche nach dem Sinn des Lebens. Der Glaube gibt ihnen hier Antwort und Hoffnung.
•Die Frage nach Gott: Wo finde ich Schutz und Geborgenheit? Kinder suchen von klein auf Schutz und Geborgenheit. Die biblischen Geschichten knüpfen daran an.
•Die Frage nach dem ethischen Handeln: Was ist richtig und was ist falsch? Nicht zuletzt gibt der Glaube Kindern starke Orientierung bezüglich ihrer Werte und ihres ethischen Handelns (vgl. Schweitzer, Friedrich: Das Recht des Kindes auf Religion, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2013, S. 57 ff.).
Warum sollen wir Gottesdienste mit kleinen Kindern feiern?
•Religiöse Erziehung wird immer mehr außerfamiliär geleistet: In vielen Familien geschieht heute keine oder nur sehr wenig religiöse Erziehung. Die christlichen Gemeinden müssen sich dieser Verantwortung stellen und Angebote für jedes Alter anbieten.
•Ein ganz praktischer Aspekt ist die nächste Generation: Jede Gemeinde braucht Nachwuchs. Darum ist es wichtig, auch schon Angebote für die Allerkleinsten zu haben. Auch kleine Kinder benötigen eine Willkommenskultur in der Gemeinde und dürfen spüren, dass sie zur Gemeinschaft dazugehören.
•Gottesdienst und Liturgie werden von den Kindern mehr verstanden als wir Erwachsenen oft glauben. Gott, den man den Kindern nicht sichtbar machen kann, wird durch den Besuch eines Gottesdienstes verständlicher gemacht.
Zum Weiterlesen empfehle ich folgendes Buch: Schweitzer, Friedrich: Das Recht des Kindes auf Religion, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2013.
Besondere Merkmale eines Erlebnisgottesdienstes
Erlebnisgottesdienste sind für die Allerkleinsten gemacht. Sie haben besondere Merkmale:
Klare Botschaft:Kleine Kinder können komplexe Deutungen eines Bibeltextes nicht verstehen. Darum beschränkt sich der Inhalt eines Erlebnisgottesdienstes auf eine klare Botschaft, die den Kindern auf unterschiedliche Art verdeutlicht wird. So erreicht man, dass die Kinder diese eine Bedeutung verstehen und mit in den Alltag nehmen.
Aus Sicht der Kinder:Alle Geschichten und biblischen Themen müssen aus Sicht der Kinder betrachtet werden (Methode der Elementarisierung). Gerade bei der Formulierung des Zielgedankens muss darauf geachtet werden, dass dieser für die Kinder von null bis fünf Jahren relevant und alltagsnah ist. In dem Abschnitt „ Mit den Augen der Kinder sehen“ gehe ich hierauf noch näher ein.
Visualisiert und greifbar:Kleine Kinder lernen durch ihre Sinnesorgane. Sie müssen also einen Sachverhalt nicht nur hören, sondern ihn auch im Sehen und Fühlen begreifen. Darum wird in einem Erlebnisgottesdienst auch so viel wie möglich sichtbar, fühlbar und erlebbar gemacht.
Aktion und kreatives Gestalten:Jeder Erlebnisgottesdienst beinhaltet Aktionen (z. B. Spiele und/oder kreatives Gestalten). Damit werden Inhalte vertieft und die Kinder mit in das Geschehen und die Geschichte hineingenommen.
Abwechslungsreich:Kinder sind nicht zum Stillsitzen gemacht. Sie sind aktiv und haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Darum muss ein Erlebnisgottesdienst abwechslungsreich aufgebaut sein: eine Kombination aus Sitzen, Bewegen, Spielen und kreativem Gestalten.
Wiederholung:Kinder lernen durch Wiederholung. Ein Erlebnisgottesdienst wiederholt zum Beispiel den Zielgedanken und das Lied zum Thema immer wieder. So fällt es den Kindern leichter, das Grundlegende zu behalten und neue Lieder zu lernen.
Liturgie:Auch auf eine kleine Liturgie verzichten wir nicht in einem Erlebnisgottesdienst. Es läuft zwar jeder Gottesdienst anders ab, jedoch sind Beginn und Schluss jedes Mal identisch. Sie enthalten immer dieselben Lieder sowie Grundelemente des klassischen Gottesdienstes für Erwachsene: Gebete, Segen. Dies gibt den Kindern zum einen Orientierung, zum anderen werden die Kinder so langsam an eine Form des Gottesdienstes, wie ihn die Erwachsenen erleben, herangeführt. So können sie sich später besser auch in anderen Gottesdiensten zurechtfinden.
Viel Liebe zum Detail:Kinder sollen sich in einem Erlebnisgottesdienst willkommen fühlen. Sie merken es, wenn man sich viele Gedanken über Details und auch Kleinigkeiten gemacht hat. Das drückt eine ganz besondere Wertschätzung aus.
Hoher Aufwand:Aus den vorherigen Punkten ergibt sich ein relativ hoher Vorbereitungs- und Materialaufwand bei Erlebnisgottesdiensten. Darum ist es auch ratsam, ein Vorbereitungsteam aus mehreren Mitarbeitenden zu haben, so werden die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.
Grundlegende Vorbereitungen für einen Erlebnisgottesdienst
Ein guter Gottesdienst bedarf einer guten Vorbereitung. An dieser Stelle möchte ich ein paar Tipps geben, wie diese Vorbereitungen gut gelingen können.
Für alle Erlebnisgottesdienste gilt: Die in diesem Buch enthaltenen Illustrationen, die Materiallisten sowie zusätzliche Vorlagen und Beispielfotos können unter www.ejw-buch.de/shop/hallo-hereinspaziert.htmlund www.junge-gemeinde.de/hallo-hereinspaziert.htmlals digitale Daten heruntergeladen werden. Der Kauf des Buches berechtigt zum Downloaden, Ausdrucken, Kopieren und Verwenden dieser Daten, sofern sie zur Vorbereitung und Durchführung der Inhalte dieses Buches verwendet werden. Eine Vervielfältigung, Verwendung oder Weitergabe darüber hinaus ist ohne Erlaubnis ausdrücklich nicht gestattet.
Das brauche ich, um einen Erlebnisgottesdienst durchzuführen
Motivierte Mitarbeitende: Das ist die Grundvoraussetzung eines jeden Erlebnisgottesdienstes – Menschen, die das Anliegen haben, schon die Kleinsten mit Gottes Liebe zu erreichen. Durch die Vielfältigkeit der Erlebnisgottesdienste können sich alle mit ihren Gaben einbringen. Ein Team von ungefähr fünf bis sieben Mitarbeitenden ist optimal.
Geeignete Räumlichkeiten: Erlebnisgottesdienste benötigen aufgrund der gewünschten Beweglichkeit viel Platz. Hierzu eignet sich nach meinen Erfahrungen ein Gemeindehaus besser als ein Kirchengebäude. Man ist flexibler und es gibt mehr Platz für verschiedene Schauplätze. Meist wird neben einer kleinen Anspielfläche auch noch Platz für ein Bodenbild, eine kreative Bastelarbeit oder eine spielerische Aktion benötigt. Zudem können die Kinder in einem Gemeindehaus sehr gut mit Sitzkissen auf dem Boden sitzen, die Stühle werden dann im Halbkreis aufgestellt. So wird eine große Nähe zum Geschehen geschaffen.
Liturgie/Gottesdienstleitung: Um Klarheit zu schaffen, wer für die Ansagen im Gottesdienst zuständig ist, sollte eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter durch den Erlebnisgottesdienst führen und für den liturgischen Beginn und das liturgische Ende verantwortlich sein.
Begleitmusik: Ein Erlebnisgottesdienst lebt von der Wiederholung, das bezieht sich auch auf die Lieder. Hier ist es gut, eine Musikerin / einen Musiker zu haben, die/der sich auf die Geschwindigkeit der Kinder einlässt, spontane Ansagen umsetzt und eine deutlich hörbare Melodie spielt.
Requisiten: Das Bühnenbild ist häufig sehr alltäglich, sodass meist alle Requisiten von zu Hause mitgebracht werden können. Auch die Verkleidung der mitspielenden Personen ist alltäglich und zu Hause meist vorhanden. Treten biblische Personen auf, so werden Gewänder benötigt. Diese stehen häufig Gemeinden zur Verfügung, können von Nachbargemeinden ausgeliehen oder schnell selbst genäht werden.
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