Vorlagen, Fotos von Beispielen
Kurzauslegung des Bibeltextes
Mit den Augen der Kinder sehen
Erlebnisgottesdienst-Ablauf
Frühling
Gott, du hast uns deine Welt geschenkt
Der Herr ist auferstanden!
Kommt, lasst uns singen, tanzen und springen!
Sommer
Happy Birthday, liebe Kirche!
Jesus ruft: Kommt zu mir! Kindersegnung
Hab keine Angst, Jona!
Herbst
Jesus tröstet dich! Die Emmausjünger
Unter Gottes Schirm
Bartimäus vertraut Jesus
Winter
Kommt, lasst uns Geschenke machen! Nikolaus
Du bist wunderbar!
Lauft mit uns nach Bethlehem!
Verwendete Liederbücher
Über die Autorin
Mit kleinen Kindern Gottesdienste feiern
Es ist ein paar Minuten vor Gottesdienstbeginn. Die Türen des Gemeindehauses stehen weit offen. Viele Familien kommen angelaufen. Familien mit Kinderwagen oder langsam unterwegs mit kleinen Kindern an der Hand. Mit dabei sind Tanten und Onkels, Omas und Opas. Auch Gemeindeglieder mischen sich darunter. Langsam füllt sich das Haus. Die Gäste treten ein und werden freundlich begrüßt. Das Gemeindehaus ist heute anders bestuhlt. Die Stühle stehen in einem Halbkreis in mehreren Reihen. In der Mitte ist ein Gang. Vor den Stühlen liegen viele Bodenkissen. Die Kinder gehen dort hin und setzen sich. Jetzt haben sie den Blick auf die Bühne frei, die direkt vor ihnen ist. Dort stehen heute viele Kisten kreuz und quer. Was das wohl bedeuten soll? Dann fängt der Gottesdienst an. Die Musik beginnt und es wird leise. Bei der Begrüßung schauen viele gespannte Kinderaugen nach vorne. Gemeinsam wird ein Lied mit Bewegungen gesungen: „Einfach Spitze, dass du da bist“. Dann wird gebetet.
Jetzt geht die Geschichte los. Heute taucht plötzlich die Handpuppe Paula auf, die einfach in den Kisten herumschnüffelt. Wenig später erscheint auch ihr Freund Olli, der den alten Globus von seiner Oma sucht. Doch Paula kann ihm nicht helfen, sie weiß gar nicht, was ein Globus überhaupt ist. Zum Glück kann Olli es ihr erklären, und Paula überlegt: Wie hat Gott das nur gemacht mit der Welt? Olli hat eine Idee und liest in seiner Kinderbibel nach. Nach jedem Schöpfungstag dürfen die Kinder Olli und Paula helfen, auf dem Boden ein Stückchen unserer Erde zu gestalten: Sie setzen Wolken an den Himmel, schütten Erde auf den Boden, legen Blumen, bauen Meere – es gibt viel zu tun. Mit vollem Eifer sind sie dabei. Nach jedem Schöpfungstag wird gemeinsam „Du hast uns deine Welt geschenkt“ gesungen. Bald können alle den Text auswendig – die Kleinen und die Großen – und singen begeistert mit. Und am Ende? Da liegt die ganze Welt in Kleinformat auf dem Boden. Und alle staunen darüber, wie schön Gott alles gemacht hat! Nach dem gemeinsamen Segenslied gehen Kinder und Erwachsene erfüllt nach Hause.
Ziel eines Erlebnisgottesdienstes
Ein Erlebnisgottesdienst ist ein Gottesdienst, der den Glauben und Gott spürbar und greifbar macht, der nicht nur Stillsitzen bedeutet, sondern Erlebnis. Ein Erlebnisgottesdienst, bei dem man nicht nur zuhört, sondern mitmacht, der durch seine klare und einfache Sprache die Liebe Gottes und seine Taten Kindern wie auch Erwachsenen nahebringt.
So werden die Kinder die gute Nachricht nicht nur hören, sondern auch erleben und spüren. Denn das ist das Ziel eines jeden Erlebnisgottesdienstes, dessen Merkmale ich im weiteren Verlauf des Buches noch genauer erklären werde.
Die Zielgruppe der Erlebnisgottesdienste sind Kinder im Krabbel- und Kindergartenalter, also im Alter von null bis fünf Jahren. Dies ist eine recht große Altersspanne, die sich aber folgendermaßen begründet: Die Kleinsten lernen die Welt vor allem durch ihre Sinnesorgane kennen: durch Sehen, Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken (siehe Abschnitt „ Mit den Augen der Kinder sehen“). Dies wird bei jedem Erlebnisgottesdienst umgesetzt. Sie erleben die Atmosphäre, sie erleben die Geschichte. Sicher nehmen sie nicht alles auf. Aber so lernen sie einen Raum kennen, in dem sie aktiv dabei sein können und in dem eine liebevolle Atmosphäre herrscht. Die größeren Kinder nehmen durch die Vielfältigkeit und Klarheit der Erlebnisgottesdienste die Botschaft leicht auf. Durch den Wechsel der Methoden fällt es sowohl den lebhaften als auch den ruhigeren Kindern leichter, zu folgen und zu verstehen. Es wird stets drauf geachtet, dass sich Zuhören und Bewegung, Kreativität und Spiel im Gleichgewicht befinden.
Auch den „großen Leuten“ tut es oft gut, diese einfache und klare Botschaft zu hören. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, auch mal den klassischen Erwachsenengottesdienst durch einen Erlebnisgottesdienst zu ersetzen.
Warum schon mit den Kleinsten Gottesdienste feiern?
Aus biblischer Sicht
„Und sie brachten die Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie“ (Mk 10,13-16 Luther). Diese Bibelstelle begründet sehr gut, warum es so wichtig ist, Gottesdienste schon mit den Allerkleinsten zu feiern:
• Die Jünger sind zu den Kindern unfreundlich und wehren sie ab.Wie oft erleben kleine Kinder diese Situation in Kirchen und Gemeinden? Sie müssen stillsitzen und leise sein. Sie verstehen nicht, was vorne gesagt wird. Die Kinder lernen: Kirche und Glaube sind langweilig und nur etwas für große Leute. So werden sie durch die Art des klassischen Gottesdienstes ausgeschlossen. Möchte man Kinder auch willkommen heißen, so muss man ihnen einen Raum geben, in dem sie sich entfalten können und wohl fühlen.
• Jesus wird gegenüber den Jüngern unwillig und bittet die Kinder zu sich!Jesus gefällt das Verhalten der Jünger gar nicht: Er möchte die Kinder bei sich haben! Er möchte, dass auch schon Kinder etwas von ihm erfahren. Für ihn sind sie mündig! Indem er sie zu sich kommen lässt, sagt er: Glaube ist auch etwas für Kinder! Und das muss ihnen vermittelt werden, z. B. bei einem Erlebnisgottesdienst.
• Jesus segnet sie und herzt sie.So sollen wir Kinder in unseren Kirchen und Gemeinden empfangen: Sie sind ein Segen und geliebt! Das muss ihnen vermittelt werden!
Aus religionspädagogischer Sicht
Die Religionspädagogik betrachtet die Dinge aus dem theologischen wie auch aus dem pädagogischen Blickwinkel. Sie hilft, den Glauben für Kinder in ihre Alltagswelt zu übertragen. Dadurch liefert sie uns weitere Gründe, warum Gottesdienste mit und für kleine Kinder wichtig sind.
Warum ist Glaube so wichtig für Kinder?
•Die ersten Lebensjahre prägen Kinder grundsätzlich. Während dieser Zeit entsteht das Urvertrauen, welches ihnen eine Sicherheit in ihrem Leben gibt. Lernen Kinder schon früh Gott als den liebenden Vater kennen, schafft dies eine wichtige Grundlage für ihr Leben: Sie wissen, dass sie gewollt und geliebt sind. Dieses Denken ist Grundlage für ein positives Selbstwertgefühl.
•Kinder benötigen schon früh Orientierung in elementaren Lebensfragen. So stellen sie sich die Frage nach sich selbst: Wer bin ich und wer darf ich sein? Durch den Glauben erfährt das Kind, dass es nicht nur Produkt seiner Eltern und seiner Umwelt ist. Vielmehr lernt es Gott als sein großes Gegenüber kennen, der es gewollt hat und liebt. Dadurch wird das Ich des Kindes gestärkt.
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