WICHTIGE DETAILS: VOM GABELMASS BIS ZUM GEPÄCKTRÄGERGEWINDE
Neben Material, Form und Größe lohnt es sich, bei der Rahmenwahl auch auf die Ausstattung zu achten. So legen spezifische Details wie Bohr- und Gewindemaße fest, welche Bremsen, Schaltungen und Anbauteile Sie nutzen können. Wer beispielsweise Scheibenbremsen fahren möchte, braucht einen Rahmen, der entsprechende Befestigungsmöglichkeiten an der Gabel und am Hinterbau hat. Der Standard an den meisten Rahmen sind Bohrungen für Felgenbremsen. Und Rahmen unterscheiden sich auch dahingehend, ob sie für Kettenschaltungen (Montagemöglichkeit für ein Schaltauge am Ausfallende) oder Nabenschaltungen bzw. als Single Speed ausgelegt sind (waagerechte Ausfallenden zum Spannen von Hinterrad und Kette). Wer als Antrieb einen Carbonriemen nutzen möchte, benötigt zwingend einen Rahmen mit Öffnung am Hinterbau, da Riemen nicht teilbar sind und nur am Stück verbaut werden können. Nicht zuletzt hängen auch Reifenbreite und Reifengröße vom Rahmen ab: Wer dicke Reifen fahren will, benötigt eine breite Gabel und einen breiten Hinterbau. Für 29 Zoll große Reifen sind andere Rahmenmaße nötig als für 26-Zöller. Bei Schutzblechen und dem Gepäckträger ist die Ausstattung des Rahmens ebenfalls wichtig, aber nicht ganz so entscheidend. Passende Gewinde erleichtern die Montage, alternativ kann hier aber auch mit Schellen gearbeitet werden.
Durch die Rahmenwahl legen Sie eine wichtige Grundlage dafür, wie robust Ihr Pendlerfahrrad wird, wie gut es zu Ihrem Körper passt und was für ein Fahrradtyp es werden wird. Um Ihre Vorstellungen von einem perfekten Pendlerfahrrad zu realisieren, sollten Sie also bereits beim Rahmen gut überlegen und genau hinschauen. So können Sie ein individuelles Fahrrad realisieren und sich bei Bedarf auch von den üblichen Radtypen lösen. Beispielsweise ist es möglich, ein robustes Rennrad mit Scheibenbremsen aufzubauen, das auch einen Kindersitz tragen kann und fest montierte Schutzbleche hat. Oder Sie entscheiden sich für ein schnelles und leichtes Cityrad, das aber dennoch über eine aufrechte Sitzposition verfügt.
BRINGEN DIE DINGE INS ROLLEN: LAUFRÄDER UND REIFEN
Wenn der Rahmen als Grundgerüst das statische und stabile Element eines Fahrrads ist, dann sind die Laufräder und Reifen der dynamische Teil. Gemeinsam mit dem Antrieb sorgen sie für die Fortbewegung und stellen den Kontakt zum Boden her. Entsprechend stark wirken sie sich auf das Vorankommen und das Fahrgefühl aus. Tritt ein Problem in diesem Bereich auf – sei es durch entweichende Luft, gebrochene Speichen oder einen gerissenen Mantel –, ist die Fahrt schnell vorbei, oder es wird eine längere Reparaturpause erforderlich.
Pendelnde wollen aber vor allem eins: zuverlässig und pünktlich ankommen. Einen Defekt an so wichtigen Bauteilen wie den Laufrädern und Reifen gilt es daher zu vermeiden. Auch sollten die Reifen bei möglichst jeder Witterung guten »Grip«, also Bodenkontakt haben, damit das Fahrrad nicht wegrutscht. Ihre Wahl sollte also auf zuverlässige und sichere Laufräder und Reifen fallen. Folgende Punkte gilt es dabei zu beachten.
26 Zoll, 27,5 Zoll, 28 Zoll oder 29 Zoll – die Auswahl bei der Laufradgröße ist erheblich und geht mit unterschiedlichen Fahreigenschaften, Einsatzzwecken und Fahrradtypen einher. Die Größe 26 Zoll findet sich bei Reiserädern und älteren Mountainbikes, 27,5 Zoll bei modernen Mountainbikes, 28 Zoll bei City-, Touren- und Rennrädern und 29 Zoll ebenfalls bei Mountainbikes, vor allem bei etwas schnelleren Modellen. Fahrradpendelnde werden meist bei 28 Zoll landen, für spezielle Bedürfnisse können aber auch die anderen Reifengrößen relevant sein. So eignen sich 29-Zoll-Reifen etwa für zügige und komfortable Fahrten über Schotter- und Waldwege. Die großen Reifen überrollen Unebenheiten oder Schlaglöcher vergleichsweise komfortabel und bieten einen guten Vortrieb. 26-Zoll-Felgen können wiederum für kleinere Menschen und in Kombination mit kleinen Rahmen interessant sein. Die kompakte Laufradgröße bringt Sie näher an den Boden, ermöglicht einen sicheren Stand und agiles Fahrverhalten. Für 27,5 Zoll können Sie sich etwa entscheiden, wenn Sie mit einem gefederten Mountainbike zur Arbeit fahren möchten und häufig auf unbefestigten Wegen unterwegs sind.
Die Laufradgröße hängt immer auch von den Vorgaben und Maßen des Rahmens ab. Außerdem hat die Laufradgröße direkte Folgen für die Reifen- bzw. Mantelwahl. Wer 26-Zoll-Felgen hat, benötigt auch 26-Zoll-Mäntel.
Laufräder unterscheiden sich in Material, Gewicht, Einspeichung, Nabentechnik, Felgenform und anderen Faktoren. Insbesondere bei Rennrädern und Mountainbikes gibt es sogenannte Systemlaufräder, die nicht selten mit Felgen aus Carbon, speziell geformten und sparsam verbauten Speichen und besonderen Lagern (etwa aus Keramik) aufwarten. Sie sind häufig optisch auffallend, leicht und aerodynamisch. Von einer Verwendung im Pendelalltag ist aber grundsätzlich abzuraten. Hierfür eignen sich klassisch aufgebaute Laufräder mit vielen, gekreuzt verbauten Speichen und Aluminiumfelgen besser. Sie sind zwar etwas langsamer und schwerer, in der Regel aber deutlich belastbarer, langlebiger und besser zu reparieren. Auch ist die Bremsleistung von Felgenbremsen auf Aluminium besser als auf Carbon, das darüber hinaus teure Spezialbeläge erfordert.
Achten Sie beim Kauf darauf, dass Ihre Laufräder Hohlkammerfelgen und geöste Speichendurchlässe haben, da dies die Stabilität erhöht und die Felge nicht so schnell Risse bekommen kann bzw. Speichen seltener ausreißen. Bei der Felgenbreite sollten Sie sich wiederum an der gewünschten Reifenbreite orientieren. Auf schmale Rennradfelgen mit 18 mm Innendurchmesser lassen sich keine breiten Trekkingreifen über 40 mm montieren, auf einer Felge mit 22 mm Innendurchmesser hingegen schon.
Früher galt: Schmale Reifen sind schnelle Reifen. Diese Regel haben auch heute noch viele Radfahrer verinnerlicht. Inzwischen sind Wissenschaft und Reifenindustrie aber weiter: Auch breitere Reifen können schnell sein. Wichtig für den Rollwiderstand sind vor allem die Gummimischung und das Profil. Über die Geschwindigkeit entscheidet außerdem, wie gut Reifen- und Felgenbreite aerodynamisch zusammenpassen. Wer als Pendler schnelle Pneus fahren möchte, greift am besten zu Modellen zwischen 30 und 40 mm mit wenig Profil. Schmalere Reifen aus dem Rennradbereich mit 20 bis 28 mm Breite erlauben zwar einen höheren Luftdruck, dieser geht aber zulasten des Komforts. Außerdem passen diese Reifen meist nicht gut zu einer (breiter gebauten) Trekkingfelge. Wer betont komfortabel mit wenig Luftdruck und viel Reifenvolumen unterwegs sein möchte, kann 47 mm breite oder noch breitere Reifen fahren. Einen guten Kompromiss für Pendelnde stellen Reifen mit 37 oder 42 mm Breite und leichtem Profil dar. Sie bieten gute Haftung, sind nicht zu hart und rollen dennoch gut. Auch passen sie meist problemlos in den Rahmen und unter Standardschutzbleche.
PROFIL UND PANNENSICHERHEIT
Neben der Breite der Reifen ist es für Pendelnde insbesondere von Bedeutung, welches Profil und welche Pannensicherheit Reifen haben. Grundsätzlich ist etwas Profil für Alltagsradler immer empfehlenswert, da es den Grip und damit die Sicherheit auf losem Untergrund und bei Nässe verbessert. Stollenreifen hingegen sind auf Asphalt laut und langsam und ergeben nur bei längeren Geländefahrten Sinn. Wirkungsvolles Profil bei sportlichen Reifen bieten etwa der Contintental Grand Prix 4 Seasons oder der Schwalbe G-One.
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