Einen weiteren Teil des Buches nimmt die Beantwortung der Frage ein, welche Ausrüstung sinnvoll ist – von der Radtasche über wetterfeste Kleidung bis zum robusten Schloss und der Miniluftpumpe. Ein gutes Rad und eine gute Ausrüstung allein reichen aber nicht immer aus, um sicher am Ziel anzukommen und das Fahrrad nach der Arbeit wohlbehalten wiederzufinden. Um Stürze zu verhindern und das Diebstahlrisiko zu senken, empfehlen sich vorausschauende Verhaltensweisen, über die das Buch ebenfalls informiert. Etwas Planung macht es auch möglich, immer frische Kleidung (auch mit Bügelfalten) im Büro zu haben, ohne diese kompliziert per Rad transportieren zu müssen.
Beschäftigte haben schließlich sehr unterschiedliche Voraussetzungen, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Für die einen ist der Weg weit, für die anderen kurz, für die einen hügelig, für die anderen flach, die einen sind sportlich, die anderen nicht, manche müssen ihre Kinder auf dem Arbeitsweg transportieren, andere nicht. Mithilfe des Buches können Sie als Pendler oder Pendlerin die passende Lösung für Ihre individuelle Situation entwickeln. So bietet sich für längere Strecken, Berge oder den Kindertransport beispielsweise die Nutzung von Pedelecs mit Motorunterstützung an. Diese Räder sind allerdings teuer; bei einem hochwertigen Kinderanhänger sieht es nicht anders aus. Das Buch berät Sie nicht nur hinsichtlich passender Modelle, sondern zeigt Ihnen auch, wie Sie das wertvolle Material am besten sichern und welche Möglichkeiten es etwa über Ratenkauf beim Händler oder Dienstrad-Leasing beim Arbeitgeber gibt, die Neuanschaffung zu finanzieren.
Auch muss das Fahrrad nicht immer die alleinige Lösung für Ihre Mobilitätsbedürfnisse sein. Mit einem Faltrad können Sie Verkehrsmittel wie Zug und Fahrrad oder Auto und Fahrrad kombinieren und so auch weite Strecken zügig bewältigen. Eine möglichst attraktive Route für Ihren Arbeitsweg finden Sie durch Ausprobieren, Tipps von Kollegen oder die Nutzung von Navigations-Apps für Radfahrende, die am Ende des Buches vorgestellt werden.
Ich hoffe sehr, dass Ihnen dieses Buch dabei hilft, das Fahrrad für Ihren Arbeitsweg zu entdecken und die Vorzüge des Radfahrens im Alltag bestmöglich nutzen und genießen zu können.
Matthias Dietz
SCHLÜSSELBAUTEILE DES FAHRRADS
HÄLT ALLES ZUSAMMEN: DER RAHMEN
Der Rahmen bildet das Grundgerüst eines jeden Fahrrads. An ihm sind alle wichtigen Teile des Fahrrads wie Laufräder, Lenker, Bremsen und Schaltung befestigt. Beim Fahren wirken große Kräfte auf ihn. Gleichzeitig ist der Rahmen häufig das beständigste Teil des Fahrrads. Er kann viele Jahre halten und mehrere Generationen von Reifen, Felgen, Ketten oder auch komplette Neuaufbauten »überleben«. Damit dies auch beim Pendeln der Fall ist, sollte Ihr Rahmen möglichst robust und zuverlässig sein. Pendler fahren viele Kilometer und sind bei fast jedem Wetter unterwegs. Auch fällt das Rad bei täglicher Nutzung garantiert einmal um, oder es ereignet sich im Laufe der Jahre sogar der eine oder andere Sturz. Bei der Wahl eines Rahmens für ein Pendlerfahrrad sollten Sie vor allem auf die folgenden Punkte achten.
MATERIAL: VON STAHL BIS BAMBUS
Fahrradrahmen werden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt. Am verbreitetsten ist Aluminium. Stahl, früher fast ausschließlich genutzt, ist aktuell wieder im Aufwind. Carbon findet sich vor allem an sportlichen Rädern. Als auffällige und ökologische Alternative gilt Bambus. Für das Pendeln ist von den letzten beiden Materialien jedoch abzuraten. Carbon ist zwar leicht und steif, aber auch teuer und empfindlich. Ein Rahmen aus Kohlenfaser verzeiht keine Stürze und erlaubt es beispielsweise nicht, einen Kindersitz zu befestigen. Bereits durch Montage und Nutzung eines Gepäckträgers können Belastungen entstehen, die den Rahmen beschädigen. Bambusrahmen sind zwar robuster und auch relativ haltbar, die Auswahl an Modellen und Größen ist aber gering. Der Naturstoff kann zu Asymmetrien im Rahmen führen, und auch die Herstellung ist durch wetterfesten Kleber, Transport etc. nicht so nachhaltig, wie es auf den ersten Blick scheint. Bambusrahmen sind außerdem sehr auffällig und werden gerne entwendet. Aus Vernunftsicht bleiben Pendlern also Aluminium und Stahl als Rahmenmaterial zur Auswahl. Stahl wirkt im Fahrgefühl häufig etwas gedämpfter und komfortabler, dafür ist er aber auch etwas schwerer und kann rosten. Aluminium ist leichter und steifer, kann aber als hart und unbequem empfunden werden.

Insbesondere bei gebrauchten Stahlrahmen sollten Sie auf Rost achten und diesen ggf. entfernen. Auch ist es sinnvoll, die Steifigkeit des Rahmens zu prüfen – ist ein Steg hinter dem Tretlager verbaut, hat dies oft einen positiven Effekt auf die Stabilität.
Einfache und günstige Abhilfe bei einem zu harten Aluminiumrahmen schaffen breite Reifen oder Federungselemente (etwa in der Sattelstütze oder Gabel).
FORM: VON TIEFEINSTIEG BIS SLOPING
Es existiert eine große Vielfalt von Rahmenformen. Die klassische ist das Dreieck (sog. Diamantrahmen), es gibt aber auch Trapezrahmen (zweite, parallel zum Unterrohr verlaufende Stange), verschiedene Tiefeinsteiger, Fahrräder mit leicht abfallendem Oberrohr (»Sloping«) oder spezielle Rahmen mit Y-Form (häufig in Kombination mit einer Rahmenfederung). Für Pendelnde wichtig zu wissen ist, dass die klassische, dreieckige Rahmenform die stabilste und leichteste ist. Insbesondere von extremen Tiefeinsteigern mit nur einem Unterrohr ist abzuraten, da diese Rahmen bauartbedingt sehr schwer sind und bei höheren Geschwindigkeiten oder größerem Gepäck zu »flattern« beginnen, d. h. instabil werden. Wer einen Tiefeinsteiger benötigt, sollte auf ein kurzes Verstärkungsrohr über dem Tretlager achten und den Rahmen unbedingt Probe fahren. Alternativ bieten sich für Damen Trapezrahmen oder Männerrahmen in kleiner Größe an. Ein abfallendes Oberrohr erleichtert das Auf- und Absteigen und ermöglicht einen sicheren Stand.
Die Größe des Rahmens ist wichtig, sollte aber nicht überbewertet werden. Der Rahmen sollte grob zur Körpergröße des Pendlers bzw. seinen Proportionen (z. B. kurze oder lange Beine) passen. Das ermöglicht eine gute Kraftübertragung und verhindert Fehlbelastungen. Es muss aber kein Maßrahmen sein, da es Anbauteile wie Sattelstütze und Vorbau in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Winkeln gibt und sich der Körper auch bis zu einem gewissen Grad an die Maße eines Fahrrads gewöhnt. Grundsätzlich sollten Sie es aber vermeiden, einen zu großen Rahmen zu fahren. Das erschwert das Auf- und Absteigen und kann auch während der Fahrt zu gefährlichen Situationen führen. Ein etwas zu kleiner Rahmen ist hingegen meist unproblematisch. Er macht das Fahrrad wendiger und bietet ein einfacheres Handling. Eine Probefahrt zeigt Ihnen schnell, ob ein Fahrradrahmen passt – nämlich dann, wenn Sie sich auf Anhieb oder nach einigen Nachjustierungen auf dem Rad wohlfühlen und nicht zu gekrümmt, zu aufrecht oder gestreckt sitzen. Das bedeutet aber auch, dass es problematisch ist, einen Rahmen oder ein ganzes Fahrrad zu kaufen, ohne vorher damit gefahren zu sein. Machen Sie sich diesen Punkt bewusst, bevor Sie ein Rad im Internet bestellen!
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