Stefan Großmann - Ich war begeistert

Здесь есть возможность читать онлайн «Stefan Großmann - Ich war begeistert» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Ich war begeistert: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Ich war begeistert»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Er war einer der bedeutendsten Journalisten Österreichs und Berlins. Zudem Theaterimpresario, Dramaturg, Autor, Feuilletonkorrespondent. Und er gab eine der wichtigsten deutschsprachigen Zeitschriften des 20. Jahrhunderts heraus, Das Tage-Buch. Für den Wiener Stefan Großmann (1875-1935) schrieben Alfred Polgar und Thomas Mann, Robert Walser und Alexander Roda Roda, Walter Benjamin, Robert Musil und Egon Friedell. Die ersten Reportagen Egon Erwin Kischs wurden von Großmann redigiert. Und 1925 stammte die erste, Aufsehen erregende und erschreckend prophetische Rezension von Hitlers Mein Kampf aus seiner Feder. Stefan Großmanns außergewöhnlich kluge, ehrlich persönliche und vor allem politisch ebenso realistische wie visionäre Autobiografie Ich war begeistert (1930) gehört „zu den großen Erinnerungsbüchern" (Wiener Zeitung) der Wiener Literatur nach 1900.

Ich war begeistert — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Ich war begeistert», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Meine Übersiedlung nach Berlin kam ihm gelegen. Er konnte mich als Gehilfen beim Sozialist gebrauchen. Gefängnis drohte ihm immer wieder, und er hatte eigentlich nur eine Stütze, seinen Freund, den Schriftsetzer Albert Weidner, der der Polizei soviel Kopfzerbrechen verursacht hat, weil sie manches Manuskript trotz eifrigen Suchens nicht finden konnte. Es existierte nämlich gar nicht. Weidner hatte die Fähigkeit, seine Beiträge aus dem Hirn direkt in den Setzkasten zu übertragen. Besonders willkommen war ich Landauer aber auch deshalb, weil damals gerade wieder ein »Sklavenaufstand« – um mich der hier vielleicht deplacierten Terminologie Nietzsches zu bedienen – gegen den Führer Landauer einzusetzen drohte. Es ist überall dasselbe in den großen Parteien wie in den kleinen Gruppen, in der Weltgeschichte wie im engen Familienkreise: Der Bedeutende ist im Grunde der Verhaßteste. Die Mittelmäßigen fühlen sich nur ganz wohl und sitzen in Hemdärmeln da, wenn sie unter sich sind. Wenn sie spüren, daß einer übers Mittelmaß reicht und keine Fabrikware der Natur darstellt, so bringen sie ihm Mißtrauen und einen kleinlichen Neid entgegen. Nichts wäre natürlicher, als daß der Größere, der reicher Begabte der Führer ist. Nichts ist unnatürlicher, als daß er sich fortwährend umdrehen muß, damit ihn die Gefährten nicht hinterrücks überwältigen. Jeder Führer erlebt ein Stück vom Schicksal Coriolans. Diese Verschwörung der Stumpfen gegen den Beweglicheren, der Phantasielosen gegen den Phantasten, der Bürger gegen die Persönlichkeit verbitterte dem jungen Landauer die Freude an der Arbeit. Er war von Natur aus antidemokratisch, und nun lieferte dieser Aufstand der anarchistischen Philister die stärkste Begründung für seinen Instinkt. Alles gärte noch in dem jungen Menschen; von seinem Todespredigertum war er selber schon weit entfernt. Die radikale Großmäuligkeit – und vielfach bedeutet ja Radikalismus nur gewohnheitsmäßiges Benutzen des Lautsprechers –, er hatte das alles über. Von allen Parteien ist die anarchistische Partei die sinnloseste. Anarchismus als tollkühne Vorreiterpolitik eines Einzelnen kann Sinn haben: es muß im Kriege Nachtpatrouillen geben, die auf eigene Rechnung und Gefahr handeln. Aber Anarchismus als Vereinsfunktion oder gar als Vereinsausflug, das erwies sich als ebenso lächerlich wie sinnlos. Dagegen begegneten Landauer und ich um diese Zeit einem unvergleichlichen Mann, der aus dem sächsischen Heere kam. Es war ein Oberst, der den Dienst quittiert hatte, Moritz von Egidy. Man sah dem kleinen energiestrotzenden Mann auf hundert Schritt den früheren Reiteroffizier an. Seine Rede war militärisch knapp, seine Schreibe war vollkommen phrasenlos. Er hatte ein Buch herausgegeben Ernste Gedanken , das die Frucht einer vollkommen selbständigen inneren Entwicklung darstellte. Egidy hatte in Sachsen, wo er in der Nähe des Königs lebte, plötzlich die Verwüstungen des Industrialismus wahrgenommen. Es bedrückte ihn ebensosehr, daß der Waldbestand von Sachsen innerhalb von drei Jahrzehnten auf ein Drittel seiner natürlichen Ausdehnung zurückgegangen war, wie es ihn erschütterte, wenn er bei den Musterungen das kleine Längenmaß der jungen Menschen wahrnahm, die alle Degenerationsmerkmale des jugendlichen Fabrikarbeiters aufwiesen. War es nicht sinnlos, herrliche Wälder niederzuschlagen, um auf dem gewonnenen Papier miserable Zeitungen zu drucken? Was sollte die virtuoseste Textilmaschine, wenn der Brustumfang des Menschen, der sie bedient, kleiner und seine Widerstandslosigkeit gegen die Tuberkulose größer wird. Egidy hatte die herrliche Frische eines Menschen, der sehr wenig gelesen hat, sein Auge war unbestechlich und glänzte vor innerer Rechtschaffenheit. Mit Landauer traf er sich in der Verachtung des Parteiwesens, in einer glühenden Aktionslust und in einem Mangel an Skeptizismus, den beide noch bitter gebüßt hätten, wenn der eine, Egidy, nicht jählings nach einem kurzen kometenhaften Aufstieg gestorben wäre, und wenn der andere, Landauer, nicht rechtzeitig sich von allen Genossen getrennt und von seiner zweiten Frau, der Dichterin Hedwig Lachmann, in eine stillere Welt gelenkt worden wäre. Eine gewisse Pädagogenstrenge war damals in Landauer noch nicht stark ausgebildet. Der stirnrunzelnde Revolutionär mit dem erhobenen Zeigefinger ist er erst später geworden. Auch der literarische Salonredner, der vor Berliner Bankiersfrauen frappierende Kühnheiten wagte, war er damals noch nicht. Ach, welche Entstellungen unseres Selbst malt uns beharrliche Not ins Gesicht! Landauer, geschaffen zum großen Universitätslehrer, mußte die Fülle seines universellen Wissens vor Damen ausschütten, die von Tee zu Tee klapperten und plapperten, wenn er mit Frau und Kindern nicht glatt verhungern wollte.

»Du mußt bei mir wohnen«, das war Landauers Vorschlag am dritten Tag meiner Anwesenheit in Berlin. Als junger Mensch entschließt man sich zu solchen Gemeinschaften, ohne allzuviel nachzudenken. Ich hing in der Luft. Alle vier, fünf Wochen brachte ich einen kleinen Aufsatz zustande, der erste erschien damals in Hardens Zukunft , der zweite, mir noch wichtiger, ein Essay über Montaigne, in der Frankfurter Zeitung . Mit den vierzig, fünfzig Mark, die ich auf diese Weise einnahm, konnte ich kaum leben. Andererseits hätte man es für entehrend gehalten, für die Beiträge in Landauers Sozialist Honorar zu nehmen. Dagegen schien es zulässig, das Angebot des Freundes anzunehmen, ein Zimmer seiner kleinen Wohnung mit Beschlag zu belegen und mitzuessen an seinem kargen Abendtisch.

Mittags war ich nie zu Hause. Wenn wir, Annie R. und ich, von Theaterkanzlei zu Theaterkanzlei sausten, dann pflegten wir einen kleinen greulichen Imbiß in den akademischen Bierhallen, einem Kellerlokal in der Nähe der Universität, einzunehmen. Wir mußten haushalten und durften keine Zeche über eine Mark machen. Aber das Lachen von Annie R. eroberte auch die akademischen Bierhallen, man schaute in unsere Nische, wie ich seinerzeit nach ihrer Ecke im Griensteidl ausgelugt hatte, und wahrscheinlich gab es unter den Studenten auch einige Gabriel Grams, die mit Sehnsucht und ein wenig Neid in unsere Ecke schielten. Aber war ich denn zu beneiden? Meine politischen Freunde, die Unabhängigen, Landauer selbst, sahen mich mit einigem Mitleid an. Ich kam aus der Rolle des armen Asra, der täglich bleich und bleicher wurde, nicht heraus. Vielleicht lag in dieser Schwärmerei, die nicht ihren natürlichen Ausweg finden konnte, ein ungesundes Element. Die Mitarbeiter des Sozialist , die sich zwanglos trafen, beschlossen auch im Interesse der freisozialistischen Bewegung bei Annie R. zu intervenieren. Eines Tages, während ich in der Druckerei war, klopfte eine Deputation von drei Genossen an Annies Tür. Sie war erstaunt. Was wollten die revolutionären Politiker von ihr, die nichts wollte als eine dankbare Rolle im Wallner-Theater? Die Deputation ließ sich nieder. Einer sah den anderen an. Keiner wollte mit der Rede recht heraus. Endlich sagte der energischste der drei Genossen: »Sie müssen nämlich wissen, Fräulein, daß Großmann für die Bewegung viel mehr leisten könnte, wenn …« Er stockte. Der zweite wollte aushelfen: »Es ist nämlich auch vom hygienischen Standpunkt aus gewiß nicht gesund für ihn. Er sieht ja jämmerlich aus.« Schließlich platzte der dritte heraus: »Sie sind es einfach der revolutionären Bewegung schuldig, ihn zu erhören!« Das Lachen, mit dem Annie antwortete, soll, wie mir die Deputation später erzählt hat, über eine halbe Stunde gedauert haben. Ach, sie gab im Grunde der Deputation ganz recht, und mit einem Händedruck versprach sie den Genossen, für die Bewegung so ziemlich alles zu tun, was in ihren Kräften stand.

Ich habe lange Zeit gehabt, aus dem Berliner Traum zu erwachen. Eines Abends legte sich plötzlich unter dem dunklen Stadtbahnbogen der Friedrichstraße eine schwere Hand auf meine Schulter. Ich war verhaftet. Eine halbe Stunde später saß ich in einer Untersuchungszelle auf dem Alexanderplatz. Ich zerbrach mir den Kopf, was ich denn angestellt haben könnte, es war nicht zu erraten. Im Polizeipräsidium hatte man meine Taschen durchsucht, und in einer Brieftasche fand sich eine kleine spöttische Glosse über Wilhelm II., der damals gerade mit Hilfe seines Leibmalers Knackfuß ein Bild unter dem Titel Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter verfaßt hatte, ein dummes Bild gegen die gelbe Gefahr. Aber dieses Manuskript lag ja noch unveröffentlicht in meiner Brieftasche, und ich konnte doch nicht wegen einer Äußerung verhaftet werden, die ich ja noch in den Falten meines Gewandes trug. Ein Kommissar der politischen Polizei verhörte mich, und ich lernte den potenzierten Kasernenton kennen, diese Mischung von Quälerlust und unbewußter Brutalität. Nach einigen Verhören hatte ich eine dunkle Ahnung, um was es sich handelte. Landauer hatte sich vorher den Spaß gemacht, die politische Polizei und ihre Spitzel ein bißchen an der Nase herumzuführen. Irgendein Denunziationsbrief muß bei der Polizei eingelaufen sein, und sie hielt mich für einen Urheber dieser Neckereien. Und da sie keinen Spaß verstand, so nahm sie mich hopp. Nach drei oder vier Tagen stellte sich heraus, daß ein Verfahren gegen mich unmöglich war. Aber da ich Österreicher war, so wurde ich, wie die schöne Formel noch heute heißt, »als lästiger Fremder« ausgewiesen. Es wurde mir eine Frist von drei Tagen gewährt. Als ich wieder auf dem Alexanderplatz stand, bemerkte ich, daß ich nicht einmal eine Geldbörse bei mir hatte. Annie R., von deren Seite ich unter dem Stadtbahnbogen weggerissen worden war, trug sie in ihrer Tasche. Was war zu tun? Ich mußte nach Pankow hinaus. Der Weg vom Alexanderplatz dorthin zieht sich in die Länge. Ich brannte darauf, Landauer und Annie, die sicher bei ihm wartete, die Nachricht von meiner Befreiung zu geben, und nun sollte ich zwei Stunden lang marschieren, weil ich nicht einmal das Geld für die Straßenbahn in der Tasche hatte? Dazu kam, daß ich mich in der Stadt, die allen fremd bleibt, gar nicht auskannte und den Weg nach Pankow nicht wußte. Vorläufig marschierte ich also gegen das Stadtzentrum zu, in der Hoffnung, daß mir allmählich irgendeine Lösung einfallen würde. Bei irgendeiner Gelegenheit drehte ich mich um und bemerkte, daß mir zwei Detektive folgten. Nun also, dann war die Lösung ja gegeben. Ich ging auf die beiden zu und sagte: »Entweder müssen Sie mir das Fahrgeld für die Straßenbahn leihen, oder Sie müssen mich zu Fuß nach Pankow begleiten.« Die Polizisten, über die Zumutung eines so weiten Marsches erschrocken, beeilten sich, mir zwanzig Pfennige zu übergeben, und so fuhren wir wortlos, und doch durch eine gemeinsame Schuld verbunden, zu Landauers Wohnung. Vor oder gar in das Haus des Feindes wagten sich die Agenten nicht. Sie hielten sich in einiger Entfernung von Landauers Haus. Wir hätten gern ihre Gesichter gesehen, als wir ihnen durch ein Mädchen den entliehenen Betrag zusandten, aber die Polizei hielt es nicht für ratsam, sich direkt unter den Fenstern Landauers aufzupflanzen.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Ich war begeistert»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Ich war begeistert» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Ich war begeistert»

Обсуждение, отзывы о книге «Ich war begeistert» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.