Hanno Millesi - Der Schmetterlingstrieb

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Der Sinn des Lebens lässt sich ebenso unter dem eigenen Sofa aufspüren, wie ein Stück Unendlichkeit im auslaufenden Badewasser verlorengehen kann.
Hanno Millesi erzählt in seinem humorvollen und hintergründigen Roman von einem Menschen, der sich auf Expeditionen begibt, ohne die eigene Wohnung zu verlassen: ein Winterspaziergang bei geöffneten Fenstern, eine Radtour von der Küche ins Schlafzimmer, ein paar Stunden im Schrank bei den Winterkleidern oder Detektivarbeit vorm Bücherregal – auf hingebungsvolle und inspirierende Weise wird der Alltag zum Abenteuer und die Wohnung zu einer eigenen Welt.

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Hat man sich einmal dafür entschieden, ist es wichtig, konsequent zu bleiben. Meine Partnerin und ich schreiben uns beispielsweise mehrmals in der Woche Briefe. Und zwar mit der Hand, benötigt es doch deutlich mehr Zeit, Briefe mit der Hand zu schreiben und zu verschicken. Gingen E-Mails zwischen uns hin und her, müssten wir ein Vielfaches an Korrespondenz fabrizieren, in die sich alsbald ein gewisses Maß an Belanglosigkeit einschliche. Telefonate heben wir uns für besondere Anlässe auf. Jubiläen und Feiertage, persönliche Triumphe über den Alltag, aber auch Krisensituationen: Momente, in denen die Sehnsucht überhandzunehmen droht, Nächte, welche die Einsamkeit stockdunkel werden lässt. Lichte Gedanken verbinde ich hingegen mit der Ära der Faxgeräte. Die Beförderung des Geschriebenen hatte damals zwar bereits ein Tempo aufgenommen, das uns bedrohlich vorkam, mir gefiel jedoch die Idee, meine Worte würden, wenn auch aus dem Mund einer Maschine, in ihr Vorzimmer ragen, mitunter sogar zu Boden gleiten und dort liegen bleiben wie von den Bäumen gefallene Blätter.

Spontane Kontaktaufnahme kommt für uns nicht infrage. Ab und zu eine Postkarte mit einem ästhetisch ansprechenden oder einem humorvollen Motiv. Spontaneität geht mir, um ehrlich zu sein, am allerwenigsten ab. Ich betrachte sie vielmehr als überwunden, stand sie doch im Grunde fortwährend zwischen uns. In Form von Aufmerksamkeiten und Überraschungen, in Form von Grübeleien, wie was zu verstehen sei – und zwar ohne sich etwas davon anmerken zu lassen. Jetzt erzählen wir uns, wo wir einkaufen, welche Erfahrungen wir mit welchen Erlebnissen verbinden, wie wir uns ernähren. Im Alltag nehmen wir auf niemanden Rücksicht und laufen selbst nicht Gefahr, unbewusst Rücksichten einzufordern. Über unser Aussehen informieren wir uns mithilfe von Fotografien. Sowie ich den Eindruck habe, ein winziger Aspekt ihres Antlitzes verblasse in meiner Erinnerung, trete ich vor das Tischchen, auf dem ihr gerahmtes Konterfei steht. Gelegentlich sage ich auch ein paar Worte zu dem Möbelstück.

Ich informiere sie über jede Neuerung in meiner Wohnung, wobei ich darauf achte, keine Fragen zu stellen, sondern bereits getroffene Entscheidungen zu kommunizieren. Sie hingegen lässt mich wissen, wenn sie ihrer Garderobe ein neues Kleidungsstück hinzugefügt hat. Gelegentlich bekomme ich sogar Bilder von Alternativen zu sehen und werde gebeten, auszuwählen. Schließlich, schreibt sie, bin ich es, dem sie gefallen will. Ich vermute allerdings, dass es sich dabei um eine eigens für mich inszenierte Liebenswürdigkeit handelt, liegen die auszuwählenden Kleidungsstücke doch gewöhnlich schon bei ihr zu Hause herum. Diesen Umstand versucht sie nicht einmal zu verheimlichen, als wüsste ich ohnedies, wie das Spiel gespielt wird. Eine Fernbeziehung funktioniert eben nach eigenen Regeln. Wem an der Entfernung zwischen ihm und seinem Partner nicht wirklich gelegen ist, läuft Gefahr, an der Unbequemlichkeit, die ein solches Arrangement bereithält, zu zerbrechen. Auch wir haben Zeit benötigt, uns darauf einzustellen. Angefangen hat es mit eigenen Vorstellungen, dann kamen separate Zimmer, getrennte Wohnungen, unterschiedliche Ernährung und verschiedene Freundeskreise. Mittlerweile wohnt sie am anderen Ende der Stadt, was es unwahrscheinlich macht, dass sich unsere Wege im Alltag kreuzen.

Heute ist Tag der Selbstversorger. Ich verschränke meine Arme auf dem Rücken, beuge mich über die Obstschale und beiße in einen darin liegenden Apfel. Der ist mir bereits aufgefallen, als ich in die Küche gekommen bin. Den Apfel zwischen den Zähnen setze ich mich an den Küchentisch. Ich beiße ab, und die Frucht fällt auf die Tischplatte. Ich kaue, schlucke und beiße noch einmal hinein. Das mache ich so lange, bis nur noch Gehäuse und Stängel übrig sind. Die nehme ich zwischen meine Lippen und deponiere sie im Aschenbecher. Danach gleitet meine Zunge ein paar Mal über jene Stellen, an denen der Apfel, während ich ihn verspeist habe, mit der Tischplatte in Berührung gekommen ist.

Als Selbstversorger lebe ich bewusst und belaste meinen Organismus mit keinerlei industriell hergestellten Lebensmitteln, von deren Zusammensetzung ich keine Ahnung habe; allein schon, weil ich an dergleichen nicht herankomme. Der Einkauf eines Selbstversorgers besteht darin, jene Lebensmittel aufzuspüren, die sich ohne Zuhilfenahme seiner Hände verzehren lassen. Die Kühlschranktür kriege ich mit der Spitze meines Fußes und einem Knie auf. Ich könnte an der Butter lecken. Ein Ei ließe sich mit meinen Lippen aus der Verpackung nehmen, in der Spüle aufschlagen und sein Inhalt von der Nirosta-Oberfläche schlürfen. Diese Form der Verköstigung klärt einen rasch darüber auf, worum es in Wahrheit geht – um Tischmanieren jedenfalls nicht. In der Küche avanciert meine Nase zum wichtigsten Körperteil. Sie hilft mir etwa dabei, ein Käseeck aus der Schachtel mit acht anderen zu bekommen, die Lade mit den Süßigkeiten zu öffnen und eine Schwedenbombe herauszunehmen, indem ich sie zwischen Nasenspitze und Oberlippe klemme.

Manchmal habe ich den Eindruck, der Mensch würde sich am liebsten mit allen Gliedmaßen gleichzeitig verköstigen. Er betrachtet das als Errungenschaft der Zivilisation. Was er Besteck nennt, symbolisiert seine Sehnsucht, die Funktionalität seiner Extremitäten würde seinen abwegigen Vorstellungen entsprechen, und diese ließen sich zu bestimmten Anlässen auswechseln.

In einem geflochtenen Körbchen liegen ein paar Walnüsse. Mit der Nase kicke ich zwei davon auf die Küchenablage und nehme mir vor, es genauso zu machen wie mit dem Ei. Auf die Suppe folgt die Hauptspeise, sage ich mir und verhöhne damit, was man in Kreisen, die von sich behaupten, distinguiert zu sein, die Speisefolge nennt. Ein Großteil der Menschheit ist bereit, sich zu vergiften, Hauptsache niemand verstößt dabei gegen eine der geltenden Regeln. Von einer solchen Politik der verbrannten Erde lasse ich die Finger. Ich will mir selbst demonstrieren, was es heißt, sich nach archaischen Grundsätzen zu ernähren. Kopfnuss, fällt mir ein, und ich haue ohne jegliche Vorwarnung mit der Stirn auf eine der beiden Nüsse. Ein stechender Schmerz fährt mir augenblicklich durch den gesamten Schädel. Als würde ein Nagel in meine Stirn getrieben, von dessen Spitze ausgehend die Schmerzen in jeden Quadratzentimeter meines Körpers ausstrahlen. Die Nuss ist heil geblieben, mir jedoch wird schwarz vor Augen. Ich bin benommen und vergesse beinahe, dass Arme und Hände an diesem Tag nicht zum Einsatz kommen dürfen. Meine Knie fühlen sich an wie aus Gummi, ich kann ihnen nicht länger zumuten, mich auf den Beinen zu halten. Tatsächlich spüre ich, wie ich zur Seite hin wegsacke. Im Grunde geht das einigermaßen sanft vor sich, als nähme mich ein außerirdisches Kommando mit auf eine Spritztour durchs All, da ich auf der Erdoberfläche fortwährend Schwierigkeiten mache. Reaktionsschnell ziehe ich meine Hand zurück, schlage mit der Schläfe an die Kante der Arbeitsplatte und verliere das Bewusstsein.

Für eine gelungene Séance lege ich beide Hände auf den Tisch, spreize die Finger und lasse meine Daumen einander berühren. Ich habe zwei Paar Handschuhe vorbereitet, die meine Gesprächspartner darstellen oder aber gemeinsam mit mir dem Übersinnlichen nachspüren. Braune aus Wildleder, die stumm wie zierliches Gehölz auf mich gewartet haben, und grobe Schihandschuhe, die Sportsgeist und Ausdauer symbolisieren. Die Schihandschuhe erwecken den Anschein, als befänden sich nach wie vor Hände in ihnen, die während eines Wettkampfes vom Körper abgetrennt wurden. Winterhände, denke ich, die man saisonbedingt abschraubt wie entsprechende Reifen, um sie gemeinsam mit der kalten Jahreszeit in der Garage verschwinden zu lassen. Mitsamt meinen Händen bilden die vier Handschuhe einen Kreis. Unmittelbar vor der Kontaktaufnahme fällt mir ein, dass sich einer der beiden Wildlederhandschuhe hervorragend für ein Messerritual eignen würde. Dabei legt man den Handschuh, ganz ähnlich wie ich es für unsere Séance gemacht habe, mit gespreizten Fingern auf die Tischplatte, nimmt ein Jagdmesser zur Hand und sticht es zwischen Daumen und Zeigefinger. Damit ist das Ritual eröffnet. Als nächstes rammt man das Messer in den Zwischenraum, der Zeige- und Mittelfinger trennt. Dann kehrt man zum Ausgangspunkt zurück, also zwischen Daumen und Zeigefinger, atmet ein, sticht in die Tischplatte, zieht das Messer wieder heraus, springt zwischen Mittelund Ringfinger, atmet aus, setzt erneut beim Daumen an, geht dann weiter zu Ringfinger und kleinem Finger, sticht zu, atmet ein, wieder zurück, zustechen, eins weiter, zurück und so fort. Hinzukommt, dass die Geschwindigkeit von Mal zu Mal gesteigert wird. Zurückspringen, einatmen, zustechen, ausatmen. Ob ich es mit beiden Händen versuchen soll? Schließlich habe ich zwei Handschuhe, und mir fällt kaum eine Tastatur ein, der sich mit fünf Fingern auch nur ein Hauch von Virtuosität entlocken ließe. Außerdem kann ich das Paar ohnedies wegschmeißen, sofern ich einen der beiden Handschuhe demoliere. Ehe eine Entscheidung fällt, hat mich die spirituelle Umnachtung jedoch bereits in ihrem finsteren Griff.

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