»In Ordnung«, meldete der Mann jetzt über Bluetooth. »Wir sind bereit.«
Zwölf Sekunden später öffneten sich die Fahrstuhltüren.
»Auf dem Tastenfeld solltest du einen Knopf mit der Aufschrift BL-3 sehen können«, sagte die Stimme. »Drücke ihn. Wenn sich die Türen wieder öffnen, werden dort zwei Wachposten stehen, einer links, einer rechts. Neutralisiert sie.«
»Verstanden.«
Während der Fahrstuhl nach unten fuhr, reichte der Mann seinen Aluminiumkoffer an Mohammed weiter, dem dritten Mann im Team, zog die Glock wieder aus seinem Schulterholster und schraubte anschließend einen Schalldämpfer auf die Mündung, welcher fast so lang wie der Lauf selbst war. An Mohammed gewandt, sagte er: »Gib mir Rückendeckung und sorge dafür, dass sich mir niemand von hinten nähert.«
Mohammed nickte.
Als der Fahrstuhl anhielt und die Türen aufglitten, bewegten sich die beiden schnell und effizient voran. Der Mann im Anzug zielte mit seiner schallgedämpften Waffe auf den Wachmann auf der linken Seite, zog den Abzug zurück, dann schwang er die Waffe nach rechts und feuerte zwei weitere Schüsse ab. Die Waffe ging mit einem unterdrückten Knallen los und die beiden Wachleute fielen zu Boden.
Der Mann spähte sorgfältig den Korridor auf und ab und tippte dann erneut auf sein Bluetooth-Gerät. »Wir sind drin.«
»Gut. Jetzt müsst ihr den Korridor zu eurer Rechten nehmen«, wies ihn der Navigator an. »An dessen Ende befindet sich auf der linken Seite eine Tür. Diese wird ebenfalls von zwei Männern bewacht.«
Der Mann im Anzug umfasste seine Waffe daraufhin mit beiden Händen, streckte sie vor sich aus und lief dann in die angegebene Richtung.
»Diese Türen führen in das Hauptlabor, wo sie den Kampfstoff lagern. Ihr werdet dort auf drei schwer bewaffnete Wachleute stoßen, also seid vorsichtig.«
»Verstanden.«
Wie angewiesen bewegten sie sich mit schussbereiten Waffen den Korridor hinunter. Als sie die Türen erreichten, fiel ihr Blick auf die spiegelnde Oberfläche, in der ihre Gesichter seltsam verzerrt und deformiert wirken, wie in einem dieser Spiegel in einem Gruselkabinett.
»Okay«, sagte der Mann, während er die Waffe auf Augenhöhe hielt. »Wir sind an der ersten Doppeltür angelangt.«
»Macht euch bereit«, warnte ihn der Navigator.
Auf der linken Seite der Türen befand sich ein Tastenfeld. Über dessen Anzeige ratterten jetzt unentwegt LED-Ziffern. An seiner geheimen Position außerhalb der Einrichtung war der Navigator gerade damit beschäftigt, die Sicherheitsvorkehrungen des Mainframes zu überschreiben. Dabei hackte er sich nicht nur in die Code-Datenbanken, sondern veränderte außerdem die Anzeigen auf den Haupt-Kontrollbildschirmen innerhalb des Labors. Die bewaffneten Sicherheitskräfte, die die Monitore überwachten, bekamen nur einen leeren Korridor zu sehen – Bilder, die der Navigator vorher aufgenommen hatte und nun in einer Dauerschleife abspielen ließ, was den Männern den Anschein vermittelte, dass die Einrichtung weiterhin leer war. Wären die Sicherheitsleute etwas gewissenhafter gewesen, wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass die Zeitanzeige auf den Monitoren mehr als zwölf Minuten hinter der tatsächlichen Zeit herhinkte.
»Nur noch ein paar Sekunden«, verkündete der Navigator.
Die Zahlenketten auf der Anzeige wurden nun langsamer und eine Zahl nach der anderen blieb stehen, bis schließlich alle fünf Ziffern zum Stillstand gekommen waren, dann öffneten sich die Türen.
Der elegant gekleidete Mann drang schnell in den Raum ein und streckte die Wachmänner mit gezielten Schüssen in den Kopf und die Brust nieder. Noch während die Sicherheitskräfte zu Boden sanken, traten Mohammed und der Mann im Anzug über die Wachleute hinweg, als wären sie nichts weiter als leblose Gegenstände.
»Sehr gut«, kommentierte der Navigator über ihre Ohrhörer. »Nur noch ein kleines Hindernis. Erledigt die Tangos und stellt den Kampfstoff sicher. Lasst mich wissen, wenn ihr ihn habt.«
»Verstanden.« Der Mann und Mohammed schlichen jetzt zur letzten Doppeltür. Mohammed umklammerte den Aluminiumkoffer so fest, als würde sich eine besonders heilige Reliquie darin befinden.
Vor der Tür angekommen, erkannten sie, dass diese der vorherigen spiegelblanken glich. In der oberen rechten Ecke des Raumes war jedoch eine Kamera montiert, deren Linse genau in ihre Richtung zeigte.
Der Mann im Anzug tippte daraufhin auf sein Bluetooth-Gerät. »Wir haben ein Problem«, sagte er. »Wir werden beobachtet.«
»Macht euch deswegen keine Sorgen«, antwortete der Navigator. »Ich lasse gerade zehn Minuten alte Aufnahmen in einer Dauerschleife ablaufen. Alles, was sie momentan sehen, ist ein leerer Flur.«
»Also sind wir unsichtbar?«
» Im Moment schon .«
Ohne eine Antwort zu geben, positionierte sich der Attentäter neben der Tür, stemmte seine Füße fest auf den Boden und hob seine Waffe. »Dann lass es uns endlich hinter uns bringen.«
»Ich brauche noch ein paar Sekunden, um die Firewalls zu überwinden « , erklärte der Navigator.
Als sich die Türen endlich öffneten, glitt der Mann durch den Türspalt, wandte sich sofort nach links und betätigte in schneller Folge den Abzug. Das Geräusch, das seine Pistole verursachte, war kaum lauter als ein Spucken.
… fffttt … fffttt … fffttt … fffttt …
Der Wachmann hinter der Konsole wurde von einem sauberen Kopfschuss getroffen, der ihn sofort tötete und den Körper des Mannes auf einem Bürostuhl mit Rollen rückwärts gegen die Wand trieb. Die anderen beiden Wachmänner reagierten allerdings schneller. Sie rissen ihre Waffen augenblicklich nach oben. Dem Wachmann auf der linken Seite gelang es sogar noch, eine schnelle Salve abzufeuern, die den Mann im Anzug dazu zwang, den Kopf einzuziehen, als die Schüsse in einer horizontalen Linie hinter ihm in die Wand einschlugen. In hockender Position hob er seine Pistole und gab zwei schnelle Schüsse ab. Beide trafen den Sicherheitsmann genau in die Brust. Der Mann schien jedoch eine Kevlarweste zu tragen, denn es gelang ihm, seine Waffe jetzt für einen tödlichen Schuss auszurichten. Der andere Mann gab ebenfalls einen weiteren Schuss ab und traf den Wachmann in die Kehle, direkt in den Adamsapfel, was ihn sofort in die Knie zwang. Mit beiden Händen umklammerte er nun seine Kehle. Seine Augen waren aus Überraschung über seine eigene Sterblichkeit weit aufgerissen und zwischen seinen Fingern quoll Blut hervor. Würgend und gurgelnd sank der Mann schließlich leblos auf die Knie, in der Position eines Gläubigen, der zu seinem Gott betete.
Der zweite Wachmann war offenbar nicht ganz so geübt im Umgang mit einer Waffe. Mohammed, der sehr gut mit einer Pistole umzugehen wusste, schaltete den Mann mit einem makellosen Schuss in dessen linkes Auge aus. Der Hinterkopf platzte auf, als würde er die Konsistenz einer Melone besitzen, und Blut und Gehirnmasse spritzten hinter ihm an die Wand.
Nachdem beide Wachleute überwältigt worden waren, näherten sich der erste Mann und Mohammed der Konsole. Wortlos wies der Mann Mohammed mit einer Geste an, sich neben den Milchglastüren, die in das Labor hineinführten, in Position zu bringen.
Er tippte abermals auf sein Bluetooth-Gerät. »Wir sind drin«, meldete er leise. »Tangos sind ausgeschaltet.«
»Überaus beeindruckend« , erwiderte der Navigator.
»Wieso? Hast du etwa an meinen Fähigkeiten gezweifelt?«
Der Navigator ignorierte die Frage und gab stattdessen weitere Anweisungen. »Ihr seid praktisch am Ziel« , erklärte er. » Es verbleiben nur noch zwei Hindernisse. Beide sind Wissenschaftler. Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Keine Zeugen.«
»Verstanden.« Der Mann versuchte die Türen zu dem Laborbereich zu öffnen, aber sie waren verschlossen. »Was sollen wir jetzt tun?«
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