Selbst Witze können Argumente sein, auch wenn die Gründe albern erscheinen mögen.
Das Leben auf der Erde kann hart sein, aber dafür bekommt man jedes Jahr eine kostenlose Fahrt um die Sonne.2
Eine kostenlose Fahrt um die Sonne ist nicht gerade die Art von Grund, die man normalerweise erwartet, um Mut in einer schwierigen Lebenslage zu fassen. Genau das macht den Witz lustig. Doch trotzdem ist es ein Grund: ein Versuch, die Behauptung zu rechtfertigen, dass das Leben gar nicht so übel ist, wie es einem manchmal vielleicht vorkommt. Es ist ein lustiges Argument.
In Regel 1 – Bestimmen Sie Ihre Prämissen und Ihre Konklusion – hat das Wort »bestimmen« zwei verwandte Bedeutungen. Die eine ist, Prämissen und Konklusion zu unterscheiden . Ihre Gründe unterscheiden sich von Ihrer Konklusion: Halten Sie sie klar voneinander getrennt. Eine kostenlose Fahrt um die Sonne zu bekommen, ist eine andere Vorstellung als die, Mut in einer schwierigen Lebenslage zu fassen, und sie steht logisch gesehen an erster Stelle. Es handelt sich um eine Prämisse. Besser in der Lage zu sein durchzuhalten, könnte eine Folge davon sein. Es handelt sich um eine Konklusion.
Haben Sie erst einmal Ihre Prämissen und Ihre Konklusion voneinander unterschieden, stellen Sie sicher, dass beides Behauptungen sind, zu denen Sie sich bekennen wollen. Das ist die andere Bedeutung von »bestimmen«. Sollte das der Fall sein, fahren Sie fort. Falls nicht, ändern Sie sie! Sich selbst Klarheit zu verschaffen, ist auf jeden Fall notwendig, bevor Sie sich gegenüber jemand anderem klar ausdrücken können.
Dieses Buch bietet Ihnen eine griffbereite Liste mit verschiedenen möglichen Arten von Argumenten. Nutzen Sie diese Liste für die Entwicklung Ihrer Prämissen. Möchten Sie zum Beispiel eine Verallgemeinerung vertreten, schlagen Sie in Kapitel II II. Beispielargumente Einige Argumente führen ein oder mehrere Beispiele an, um eine Verallgemeinerung zu untermauern. Frauen wurden in früheren Zeiten sehr jung verheiratet. Julia in Shakespeares Romeo und Julia war nicht einmal 14 Jahre alt. Im Mittelalter war 13 das normale Heiratsalter für eine jüdische Frau. Und während des Römischen Reichs wurden viele römische Frauen im Alter von 13 oder jünger verheiratet. Dieses Argument verallgemeinert von drei Beispielen – Julia, jüdische Frauen im Mittelalter und römische Frauen während des Römischen Reiches – auf »viele« oder die meisten Frauen in früheren Zeiten. Um die Form dieses Arguments möglichst klar zu zeigen, können wir die Prämissen einzeln auflisten, mit der Konklusion als unterster Zeile bzw. Fazit: Julia in Shakespeares Theaterstück war nicht einmal 14 Jahre alt. Jüdische Frauen im Mittelalter wurden normalerweise mit 13 verheiratet. Viele römische Frauen wurden während des Römischen Reichs im Alter von 13 oder jünger verheiratet. Also wurden Frauen in früheren Zeiten sehr jung verheiratet. Es ist hilfreich, kurze Argumente so aufzuschreiben, wenn wir verstehen wollen, wie sie genau funktionieren. Wann stützen Prämissen wie diese in angemessener Weise eine Verallgemeinerung? Eine Bedingung ist natürlich, dass die Beispiele korrekt sind. Denken Sie an Regel 3 : Gehen Sie von verlässlichen Prämissen aus! Wenn Julia nicht um die 14 Jahre alt war oder wenn die meisten römischen oder jüdischen Frauen nicht mit 13 oder jünger verheiratet wurden, dann ist das Argument sehr viel schwächer. Wenn keine der Prämissen trägt, gibt es überhaupt kein Argument. Um die Beispiele eines Arguments zu überprüfen oder um gute Beispiele für Ihre eigenen Argumente zu finden, müssen Sie vielleicht ein wenig recherchieren. Angenommen aber, die Beispiele sind korrekt. Selbst dann ist ihre Verallgemeinerung nicht unproblematisch. Die Regeln in diesem Kapitel bieten eine kurze Checkliste für die Bewertung von Beispielargumenten.
nach. Es wird Sie daran erinnern, dass Sie eine Reihe von Beispielen als Prämissen anführen müssen, und Ihnen erklären, nach welcher Art von Beispielen Sie Ausschau halten müssen. Erfordert Ihre Konklusion ein deduktives Argument, also ein Argument, in dem die Konklusion logisch aus den Prämissen folgt, erfahren Sie durch die Regeln in Kapitel VI
, welche Arten von Prämissen Sie benötigen. Möglicherweise müssen Sie mehrere unterschiedliche Argumente ausprobieren, bevor Sie eines finden, das gut funktioniert.
2. Legen Sie Ihre Ideen in einer natürlichen Reihenfolge dar
Argumente sind in Bewegung , sie müssen sich entwickeln . Gründe und Belege führen zu Konklusionen. Doch wie jede andere Form der Bewegung können Argumente elegant oder plump, scharfsinnig oder konfus, klar oder verworren sein. Streben Sie nach Klarheit und Wirksamkeit – wenn möglich sogar Eleganz.
Betrachten wir noch einmal das Argument zu den Bohnen. Wenn Sie nun Ihr Argument schriftlich ausarbeiten wollten, wie könnten Sie vorgehen? Eine gute Möglichkeit wäre folgende:
Wir sollten mehr Bohnen essen. Zum einen sind Bohnen gesund. Sie enthalten mehr Ballaststoffe und Eiweiß und haben einen geringeren Fett- und Cholesteringehalt als das, was die meisten Menschen heutzutage essen. Zum anderen können Bohnengerichte auch sehr vielfältig und spannend sein. Denken Sie etwa an scharfe Tacofüllungen mit schwarzen Bohnen oder an Hummus.
Jeder Satz in diesem Abschnitt ebnet den Weg für den nächsten, an den der wiederum nächste nahtlos anschließt. Das Argument beginnt mit der Formulierung seiner Konklusion bzw. der Aussage, die begründet werden soll. Das wiederum lädt zur Darlegung der Prämissen ein, und das Argument kommt dem nach, indem es sofort eine Hauptprämisse anführt und dann wiederum einen kurzen Grund für diese angibt und erklärt, warum Bohnen gesund sind. Dann führt es die andere Hauptprämisse und ihre Beispiele an. Man könnte das Argument dabei auf unterschiedliche Weisen anlegen: Zum Beispiel könnte die zweite Hauptprämisse zuerst genannt werden, und/oder die Konklusion könnte, statt als zu begründende Aussage am Anfang zu stehen, erst am Ende gezogen werden – doch in beiden Fällen befindet sich jedes Glied an einer passenden Stelle.
Ein Argument in dieser nahtlosen Weise zu entfalten, ist eine Leistung, besonders wenn die Argumentationen ausführlicher und komplexer werden. Es ist nicht einfach herauszufinden, welcher Platz für jedes Glied der richtige ist – und für gewöhnlich sind viele falsche Stellen möglich. Nehmen wir beispielsweise an, wir würden das Argument stattdessen folgendermaßen formulieren:
Denken Sie an scharfe Tacofüllungen mit schwarzen Bohnen oder Hummus. Bohnen enthalten mehr Ballaststoffe und Eiweiß und haben einen geringeren Fett- und Cholesteringehalt als das, was die meisten Menschen heutzutage essen. Bohnengerichte können ziemlich abwechslungsreich und spannend sein. Wir sollten mehr Bohnen essen. Bohnen sind gesund.
Die Prämissen und die Konklusion sind dieselben, doch die Reihenfolge ist anders, und die Passage lässt die Orientierungs- und Verbindungswörter aus, die den Leser*innen helfen, Prämissen und Konklusionen zu erkennen (wie etwa »Zum einen … Zum anderen …«). Das führt dazu, dass das Argument völlig durcheinandergewürfelt ist. Die Beispiele für die Hauptprämissen, etwa wie lecker Bohnengerichte sein können, finden sich über die Passage verstreut, statt direkt bei der Formulierung dieser Prämissen angeführt zu werden. Man muss die Passage zweimal lesen, nur um sich zu vergewissern, was die Konklusion ist. Rechnen Sie nicht damit, dass Ihre Leser*innen so geduldig sind.
Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie Ihre Argumentation mehrmals neu anordnen müssen, um die natürlichste Reihenfolge zu finden. Auch dabei wiederum sollten die Regeln, die dieses Buch Ihnen bietet, helfen. Sie können sie nicht nur dazu verwenden, herauszufinden, welche Arten von Prämissen Sie benötigen, sondern auch, wie Sie sie in die beste Reihenfolge bringen.
Читать дальше