„Ach nein, kleine Ruth,“ sagt Ellen und bietet dabei Ingwer und Salzmandeln an, „weisst du, solche Dinge, wie Kino und Automarken, und Golfspielen und Grosskampftage — es kann auch anders heissen! — und Sechstagerennen und Radio, das hebe ich mir alles für das nächste Mal auf. Dieses Mal habe ich noch mit anderen Dingen zuviel zu tun.“
„Siehst du, wenn du wenigstens Radio hättest,“ ruft Ruth und chassiert etwas mit den weit vorgestreckten Fussspitzen ihrer silbergrauen Seidenbeine auf der Stelle, lässt sie im Takt umeinanderkreisen und allerhand imaginäre Tanzfiguren beschreiben, „jetzt muss doch gleich London kommen. Da könnten wir sogar ein bisschen tanzen, Fred. Glaube nur nicht, dass er das nicht kann, Tante. Wenn der nur solch ein bedeutender Arzt wäre, wie er Charlestontänzer ist, wäre mein Junge schon längst Professor.“
„Ich denke, Charleston ist gar nicht mehr modern?“ meint Ellen. Und jetzt sieht sie Ruth ähnlich harmlos nach den Lippen, und in diesem Augenblick fällt es dem Doktor Meirowitz auf, dass sie, diese ältliche und seelisch abgenutzte und herbe Frauensperson, die mit aller Anstrengung und vielem Training der Willenskraft ihre Energien zusammenhält, doch immer noch diesem wunderschönen Mädchen da, das er nun seine Braut nennt, sehr ähnlich sieht, ja vielleicht einmal genau so aussah, wie sie ... wenn man eben die Verschiedenheit in Abzug bringt, die im Wechsel der Generationen bedingt ist. Diese Tatsache beglückt ihn nicht sehr. Auch kränkt es ihn etwas, dass diese beiden Frauen, die geistig sehr aufeinander eingespielt sind, ihn doch scheinbar nicht so ernst nehmen, wie er gern genommen sein möchte.
„Du bringst ja deiner Tante einen netten Begriff von mir bei,“ sagte er unmutig.
„Bist de beese?“ zwitschert Ruth.
Ellen Stein fühlt, dass es Zeit ist, etwas vom Familienton loszukommen: „Und was machen Sie jetzt, Herr Doktor? Wollen Sie sich niederlassen?“
Fred sieht, dass nun sein grosser Augenblick gekommen ist. „Oh, ich bin im Fichtenwaldsanatorium seit einiger Zeit,“ sagt er mit liebenswürdig bescheidener Geste.
„Ach ... in dem!“ meint Ellen Stein, ebenso liebenswürdigverständnisvoll, und nur Ruth merkt, dass ihr das in Anbetracht der Antezedenzien sehr wenig imponiert.
„Ich muss dann sogar noch mal anrufen, wenn Sie gestatten,“ fährt Fred, seine berufliche Unersetzbarkeit unterstreichend, fort: „Eigentlich nämlich habe ich heute du jour. Aber es wird nichts sein. Und deswegen ... und die Oberschwester ist auch ausgezeichnet.
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