Dass er meinen Körper auf jede Art und Weise kontrollierte, nur mit einer einzigen Berührung. Ich lehnte mein Gesicht an die kühlen Fliesen und realisierte, dass es nur noch eine Sache gab, die ich tun konnte, um meinen Höhepunkt zu bekommen.
Betteln.
Meine Augen flogen auf, als sich das Sonnenlicht in mein Bewusstsein bohrte und mich aus meinem Traum katapultierte. Verflixt und zugenäht! Ich hatte verdammt nochmal schon wieder geträumt und mich in dem aufregendsten Sex verloren, den ich jemals gehabt hatte. Ich lächelte in mein Kissen. Das war ein verflucht fantastischer Traum gewesen und mein Slip war klatschnass. Ich war im Schlaf gekommen. Verdammt. Diese Träume hatten meinen Verstand in Beschlag genommen, seit ich den Auktionsraum gesehen hatte. Das Mädchen, das sich allen präsentiert hatte.
Es war an der Zeit mich endlich am Riemen zu reißen oder ich würde noch den Verstand verlieren!
Sechs Monate später hatte sich in der Club V Filiale in Jersey nicht viel verändert. Ich ging immer noch jeden Tag, an dem ich eine Schicht hatte, dorthin und schmiss die Bar, wenn Suzy nicht da war, und schmiss sie mit ihr, wenn sie da war. Wir waren laut dem Management ein Dreamteam und hatten beide im Verlauf der Zeit, die wir dort verbracht hatten, großartige Gehaltserhöhungen erlebt.
„Ich weiß nicht, wie ich jemals zu einem Job in der Geschäftswelt wechseln soll. Dort kriegt man kein Trinkgeld, oder?“, fragte Suzy mit einem Lachen und Stirnrunzeln.
„Sie werden dir zwar kein Trinkgeld geben, aber manchmal bekommst du einen Firmenwagen, wenn du dich wirklich gut benimmst. Oh, und Weihnachtsgeld!“
„Okay, das klingt schon besser.“
„Aber in dem Setting ist es Leuten nicht erlaubt, dir fünfzig Dollar zwischen die Brüste zu schieben. Und wenn sie es doch tun, dann kannst du sie vor Gericht zerren und sie zu fünfhunderttausend Dollar machen.“
Suzy lachte abermals. „Im Ernst, Samara, du machst mir dieses Geschäftsleben wirklich schmackhaft.“
„Ladies, nicht alles, was glänzt, ist Gold“, warf Tommy Rollins von der anderen Seite der Theke ein. „Ganz egal, wie es aussieht, glaubt mir, jede Geschichte hat auch immer eine andere Seite. Wisst ihr, ihr denkt, ihr seht all diese Leute… all diese Leute, die hier jedes Wochenende reinkommen, und ihr denkt, sie haben alles. Ich sag euch was. Diese Leute haben einen Scheiß.“
Tommy Rollins, Topinvestmentbanker, saß zum fünften Mal in eben so vielen Wochen betrunken an meiner Bar. Ich wusste nicht, was mit dem Mann los war, da ich versucht hatte, meine persönlichen Gespräche mit ihm einzuschränken, aber es war eindeutig, dass bei ihm irgendetwas schieflief, entweder zu Hause oder in der Arbeit. Ich tippte auf letzteres und wollte nicht nachfragen. Er hatte mit einer Menge sehr wichtiger Leute zu tun und in dem unwahrscheinlichen Fall, dass irgendetwas, das mit seinem Geschäft zu tun hatte, den Bach runterging, wollte ich nicht in einer Situation landen, in der ich vor Gericht aussagen musste, was mir Tommy Rollins anvertraut hatte, während er auf einem Barhocker gesessen hatte.
„Niemand hier hat nichts…“ Seine Worte verschwammen alle zu einem Brei. „Vielleicht ihr zwei“, sagte er, als er sich wieder zu Suzy und mir drehte und uns nachdenklich musterte. „Yeah, wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass ihr zwei vermutlich die reichsten Leute hier drin seid. Habt ihr eine Familie, die ihr liebt?“
Suzy ging zu einem anderen Kunden und schluckte den Köder nicht. Dadurch fiel es mir zu, mich allein um Tommy zu kümmern.
Ich nickte. „Ja, das habe ich.“
Er hob sein Glas. „Gut für dich. Weißt du, was ich habe? Einen Scheiß. Ich hatte früher eine Frau und wir hatten ein Baby… und dann starb das Baby, sie. Und meine Frau kam damit nicht klar. Oder eher, ich war nicht ‚da für sie‘ und sie ging zurück zu ihrer Mom nach Toronto. Ich meine, meine Güte Frau, was soll ich denn tun? Dich im Arm halten, während du weinst, oder für den ganzen Scheiß bezahlen, den du angeblich zum Leben brauchst?“
Ich schenkte ihm ein mitleidiges, leichtes Lächeln. „Es tut mir leid, Tommy. Ich wusste nicht von dem Baby.“
„Da gibt’s nicht viel, was du machen kannst“, sagte er. „Babys sterben. Verrückt, oder? Sie sind da und sie sind so klein und du würdest alles tun, um dich um sie zu kümmern, aber sie sind so winzig und was macht man überhaupt, um sie am Leben zu halten? Dann eines Tages wachst du auf, wie auch an jedem anderen Tag während deiner gesamten beschissenen vierzig Jahre auf dieser Erde… aber dein Baby wacht nicht auf. Verdammte Scheiße, was soll das, Gott?“
Ich hatte überlegt, ihn zu unterbrechen und ihm ein Taxi zu rufen, aber nachdem ich das gehört hatte, brachte ich es nicht übers Herz. Ich hatte keine Ahnung, wie frisch sein Verlust war.
„Der geht auf mich, Tommy“, sagte ich und schob ihm noch einen Scotch hin. „Aber lass es langsam angehen, okay? Ich möchte mir keine Sorgen darum machen müssen, dass du nicht sicher nach Hause kommst oder auf dich aufpasst.“
Er sah aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen und ich blickte mich hektisch nach Servietten um für den Fall, dass er welche bräuchte.
„Samara, Süße. Versprich mir nur eines: Mach, was immer nötig ist, um deine Familie zusammenzuhalten. Mir ist egal, wie schwer es ist, nichts ist schlimmer, als in dieser Welt allein zu sein. Dinge werden einem einfach entrissen und man hat vielleicht keine Kontrolle über die Situation, aber wenn du doch eine hast – um Himmels willen, dann tu für deine Familie was auch immer du musst.“
Ich nickte rasch und ging an der Bar weiter, um einem anderen Clubmitglied zu helfen. Es passierte nicht oft, dass ich diese Art von Gesprächen an meiner Bar führte. Wir waren immerhin ein Sexclub. Daran bestand kein Zweifel, wenn man den Hauptbereich betrat. Aber die Barhocker neigten dazu, von Leuten besetzt zu werden, die am Rand des ganzen Sex und der Aufregung saßen. Es war, als ob sie Teil davon sein wollten, aber irgendetwas in ihnen sie irgendwie davon abhielt, zu hundert Prozent anwesend zu sein und die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Was wirklich eine Schande war, wenn man den Preis bedachte, den sie zahlten, um durch die Tür laufen zu dürfen, sich hinzusetzen und sich von mir Drinks servieren zu lassen.
An meinem Platz hinter der Bar, wo ich einige Gläser abtrocknete, wandten sich meine Gedanken meiner eigenen Lebenslage zu. Vielleicht war das ganze Zeug darüber, am Rand zu stehen und nicht mitzumachen, etwas, worüber ich in meinem eigenen Leben nachdenken sollte. Ich verwandte so viel Zeit auf die Arbeit und das College, dass es vieles gab, das mir entging. Ich sollte wirklich auf meine eigenen Worte hören und anfangen, sie auf mein Leben anzuwenden, wenn ich hinter der Theke solche Ratschläge von mir geben wollte.
„Wie geht’s Tommy?“, erkundigte sich Suzy, als sie zu mir kam und sich neben mich stellte. „Das sah aus, als würde es übel enden.“
„Yeah, aber ich glaube, es ist jetzt okay. Ich mach mir Sorgen um ihn, aber er scheint wenigstens zu wissen, was im Leben wichtig ist. Ich hatte nur keine Ahnung, dass er so ein Trauma durchgemacht hat.“
Suzy schaute hinaus in den Raum auf unsere Freitagabendmeute. Im Moment ging es ziemlich zahm zu, aber mit Voranschreiten der Nacht würde es zweifellos wilder werden.
„Man weiß einfach nie, was die Leute mit sich herumschleppen.“
Ich nickte und spürte plötzlich, dass mein Handy vibrierte. Ich wurde nicht oft angerufen, wenn ich auf der Arbeit war, weshalb ich nach dem Handy griff und sah, dass es meine Mom war.
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