»Verlauster Köter«, murmelte er. Unschlüssig betrachtete er den groben Stoff in seinen Händen. Nein, er hatte keine Wahl. Missmutig streifte er den Umhang über.
Der Geruch traf ihn wie ein Hammer. Ein köstlicher Hammer. Der Duft des Alphas umhüllte ihn und weckte Sehnsucht nach dem Frühling, der draußen auf sich warten ließ. Süß wie Honig und herb wie Starkbier und gut. Einfach gut. Und geil.
Beschämt spürte Finn, wie sein Glied anschwoll. Was war das? Diese Wolle, die noch warm vom Körper des steinernen Mistkerls war, dieses Bergs, dieses Felsen aus dem Norden.
Finn schluckte. Er sah sich kurz um, aber niemand war zu sehen. Dann vergrub er die Nase im Stoff und sog den Duft ein. Kribbeln strömte durch seinen Körper. Wie ein heißes Bad, nachdem man aus der Kälte kam. Unbekannte Gefühle rasten durch seine Adern. Sie bündelten sich zwischen den Beinen, wo seine Rute die Stofffalten hob. Dass seine Härte den Stoff berührte, machte es nicht leichter, sich abzuregen. Ungefähr da, wo sich seine Eichel in die kratzige Wolle grub, musste auch der Schritt des Steinernen gewesen sein.
Sein Geruch war überall. Finn stöhnte leise.
Was ist das? , dachte er. Das ist doch nicht normal.
Für gewöhnlich stieß ihn der Duft der Alphas ab. Zu herb, zu beißend. Zu arrogant. Aber das hier … Es war, als hätte man den Frühling in Flaschen gefüllt und dann über diesem Stoff hier verschüttet. Ja, vielleicht war es das. Irgendeine Seife, mit der sie im Norden ihre Wäsche wuschen. Oder ein Wald, durch den der Steinerne gelaufen war. Roch es nicht ein wenig nach harzigen Stämmen? Nach kühlem Waldboden und nach Sonnenschein?
»Sonnenschein riecht nach nichts«, knurrte Finn und ballte die Fäuste.
Ja, es musste Seife sein, beschloss er. Dieser Duft konnte nicht von einem Alpha kommen. Alphas stanken. Er riss sich zusammen und ging zurück zur Schreibstube.
»Wo ist dein Umhang?«, fragte Fraser, als sie ihr neues Quartier bezogen. Eine Kammer mit drei Strohsäcken und einem winzigen Fenster. Klamme Steinmauern umgaben sie und sonderten muffigen Geruch ab.
Caelan zuckte mit den Achseln. Er sehnte sich nach dem Feuer, das nachher im Speisesaal lodern würde. Er fror nicht schnell, und anmerken ließ er es sich schon gar nicht. Aber die Kälte ihrer Reise war bis in seine Knochen gedrungen.
»Hat er dem kleinen Omega gegeben«, sagte Myles und grinste. »Dem Feuerschopf. Kein schlechter Anblick, oder? Ja, ich glaube, der war mir die liebste Begrüßung. Nicht, dass der Rudel-Chief unfreundlich wäre, aber der Kleine war einfach nackter.«
Caelan warf ihm einen warnenden Blick zu. Myles verdrehte die Augen. Er saß auf seinem Bett und zog sich die Stiefel aus. Fraser fluchte leise.
»Pack deine Schweißmauken wieder ein«, knurrte er. »Das stinkt ja erbärmlich.«
»Niemals.« Myles wackelte mit den Zehen. »Ich warte seit Wochen darauf, endlich wieder die Pfoten ausstrecken zu können.«
»Dann mach das woanders.« Fraser packte einen der Stiefel und warf damit nach ihm. »Im Abort zum Beispiel. Da stinkt es eh schon.«
Myles wich aus und lachte. »Du liebst meinen köstlichen Duft doch. Hast du mir selbst gesagt, letzte Nacht.«
»Da war ich nicht bei klarem Verstand.« Fraser fletschte die Zähne.
»Nein, das warst du nicht.« Myles' Grinsen wurde breiter. »Ganz und gar nicht.«
In Ermangelung williger Omegas vergnügten Caelans Kameraden sich miteinander, schon die ganze Reise über. Und nicht zum ersten Mal. Es fiel Caelan schwer, einzuschlafen, wenn die gehetzten Geräusche zu seinem Lager herüberwehten. In ihrem Rudel war Sex unter Alphas nicht ungewöhnlich. Normalerweise wurde nicht darüber gesprochen, aber es wurde getan. Zumindest von unbeherrschten Gesellen wie Fraser und Myles.
»Ich kann es kaum erwarten, die Zähne wieder in zartes Omega-Fleisch zu schlagen statt in Myles' behaarten Nacken.« Fraser seufzte schwer. »He, Caelan. Was ist mit dem Kleinen? Dem Rotschopf?«
»Was soll mit dem sein?«, fragte Caelan und verstaute seine Habseligkeiten in der brüchigen Kiste am Bettende.
»Erhebst du Anspruch auf ihn?«
Was? Caelan musterte Fraser, um herauszufinden, ob der Scherze machte. Machte er nicht.
»Nein. Er ist schwach, wie alle Omegas.« Er erinnerte sich an seine Begegnung mit der ruppigen Kackbratze. »Und er hat keine Manieren.«
»Der war ganz schön wütend, dass wir sein Techtelmechtel mit dem Großen unterbrochen haben. Harris.« Myles schüttelte den Kopf. »Oder was war da los?«
»Ich denke, Harris wollte ihn zurechtweisen, weil er in den Alphaturm eingedrungen ist«, sagte Caelan. »Was nur richtig ist.«
»Was nur richtig ist«, äffte Myles ihn nach. »Caelan, wenn dir nicht so wichtig wäre, was richtig ist, könntest du ab und zu Spaß haben.«
»Wir haben einen Auftrag.« Caelan trat ans Fenster und schaute aus dem winzigen Fensterspalt. »Da ist keine Zeit für Spaß.«
»Dafür ist immer Zeit.« Myles zwinkerte Fraser zu. »Was sagst du, wollen wir um den Rotschopf wetten?«
Der lächelte. »Wenn es dir nichts ausmacht, zu verlieren.«
»Gewinnen werde ich. Der Kleine wird unter mir schreien wie ein abgestochenes Ferkel.«
»Willst du ihm wehtun?«
»Ha, ha.«
Caelan ignorierte das Gekabbel seiner Kameraden. Er blickte aus dem Fenster und sah nichts. Grauer Nebel hing über den Hügeln. Ihre Formen waren halb verborgen, sanft geschwungen wie die Schultern des rothaarigen Omegas. Finn. Schwacher Körper, störrischer Geist. Haut weiß wie Milch, bedeckt von unzähligen Sommersprossen.
Caelan seufzte leise. Es war nicht, dass er Omegas körperlich abstoßend fand. Wenn es so weit war, würde er sich mit seinem Gefährten paaren, um Nachkommen zu zeugen. Und er würde es gern tun, da war er sicher. Der Gedanke, sich mit einem Omega zu vereinen war reizvoll. So reizvoll, dass er ein paar tiefe Atemzüge nehmen musste, um Finns Bild aus seinem Kopf zu bekommen.
Aber Omegas waren schwach. Caelan, der sein Leben lang gekämpft hatte, widerte ihre Hilflosigkeit an. Ihre Unfähigkeit, sich selbst zu verteidigen. Die Tatsache, dass sie ohne Alphas nicht überleben konnten. Ohne ihren Schutz, den Schutz der Krieger, die ihr Leben für sie gaben. Für ihre Gefährten. Er dachte an all die Brüder, die er im Kampf verloren hatte. An ihre nutzlosen Omega-Gefährten, die sich in der Burg verkrochen hatten, unfähig, zu helfen. Natürlich war es nicht ihre Schuld, dass sie unbrauchbar waren. Sie waren so geboren. Sanft, nachgiebig, zart.
»Na ja, offensichtlich nicht alle«, murmelte er. Dieser Finn war zusätzlich zu all seinen Schwächen auch noch ungehorsam. Eine furchtbare Kombination schlechter Eigenschaften.
Immerhin sorgte er dafür, dass Myles und Fraser Spaß hatten.
»Seine Hüften, die waren so schmal, dass ich sie mit einer Hand umfassen könnte«, sagte Fraser und klang wie ein schnurrender Kater. »Und das werde ich. Vor dir.«
»Das werden wir sehen.« Myles grinste. »Ich wette, dass ich vor dir in den Fuchsbau stoße.«
Seine Kameraden waren unerträglich, befand Caelan. Wenn die beiden nicht so gute Kämpfer gewesen wären, hätte er sie für leichtlebige Schürzenjäger gehalten. Aber Myles hatte ihm das Leben gerettet, und er ihm. Mehrfach. Also sah er über ihre Unzulänglichkeiten hinweg.
»Was ist mit dir, Caelan?«, fragte Fraser. »Schließt du dich unserer kleinen Wette an?«
»Auf gar keinen Fall«, knurrte Caelan und wandte sich wieder dem Fenster zu. Immer noch Nebel.
»Ich finde, er hat keine Wahl.« Der Spott in Myles' Stimme war fingerdick. »Wenn wir beide beschließen, dass er mitmacht, ist er überstimmt.«
»Da hast du recht«, sagte Fraser.
»Nein.« War da eine Bewegung, auf der Kuppe des Hügels links? Verdammter Dunst.
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