Als erstes deutsches Schiff passierte die Hamburger Fregatte Hammonia 1799 das Kap, auf einer Reise von Kalkutta nach Rio de Janeiro. Jede Passage ums Kap der Stürme glich einem Abenteuer mit offenem Ausgang. Mancher Kapitän brach nach mehreren Wochen den Kampf gegen den Sturm ab, drehte bei und zog den weiten Weg über drei Ozeane und die ganze Welt vor, um den Bestimmungshafen an der Pazifikküste Amerikas zu erreichen.
1905 benötigte die Susanna – ebenfalls ein Schiff mit dem Heimathafen Hamburg – wegen eines fehlerhaften Chronometers, der eine genaue Positionsbestimmung unmöglich machte, 99 Tage um Kap Hoorn. Wie durch ein Wunder kam während der Irrfahrt kein Besatzungsmitglied ums Leben, aber die Berichte der Seeleute handeln von unmenschlichen Entbehrungen, von Hunger, von Skorbut, von Verletzungen, wenn Matrosen von Wellen erfasst und gegen die Aufbauten geschleudert wurden. Von der gemeinen Kälte, die dazu führte, dass einigen an Bord Hände und Füße erfroren. Als das Schiff nach mehr als 600 Stunden im schweren Sturm in den Hafen von Caleta Buena einlief, konnten noch acht der 24 Besatzungsmitglieder arbeiten.
An Bord der Admiral Karpfanger , einem anderen Segelschulschiff der Hamburg-Amerika-Linie, das mit 60 Mann Besatzung und einer Ladung Weizen auf der Reise von Australien nach Europa auf Höhe von Kap Hoorn verschwand, überlebte niemand. Nur eine Tür und ein Rettungsring wurden später an der Küste von Feuerland angetrieben. Vermutlich kollidierte das Schiff in schwerer See mit einem Eisberg.
Die Admiral Karpfanger sank 1938, ein Jahr vor unserer Reise.
Unsere Erschöpfung ist nach Wochen im Orkan in einer Sphäre angelangt, in der das Unterbewusstsein das Kommando über den Körper übernimmt. Wir sind mit unseren Kräften am Ende. Wir funktionieren nur noch, irgendwie, um die Strapazen zu beenden. Um das Kap zu überleben.
Das Meer kocht regelrecht, und die Priwall , einer der berühmten Flying P-Liner, wie die Schiffe der Reederei F. Laeisz wegen ihrer schnellen Reisen genannt werden, rollt schwer in der See. Es ist anstrengend, sich auf den Beinen zu halten und nicht mitgespült zu werden, wenn eine große See überkommt. Wieder und wieder müssen wir hinauf in die Rahen, um Segel zu bergen. Sicherheitsleinen gibt es dort oben nicht. Aber Angst? Angst spüre ich nicht, das ist seltsam. Ich denke nur an den Augenblick. Daran, wie es in der nächsten Minute weitergeht. Wie ich die nächste halbe Stunde überlebe. Ich hoffe, dass mein Körper nicht einfach versagt, nicht aufgibt vor Müdigkeit.
In manchen Momenten frage ich mich: Kann ich das noch ertragen?
Es wäre so einfach: nur die Hände von der Rahe nehmen. Die Augen schließen. Mich nach hinten fallen lassen.
Soll ich die Qual beenden?
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