Längst hätte entdeckt werden können, dass eine Gesellschaft, die sich auf eine freie Marktwirtschaft stützt, völlig andere Formen einer Krankenversicherung braucht, eher eine Haftpflicht- (siehe Kraftfahrzeugversicherungen) als eine überholte Solidaritätsversicherung. Denn eine Gesellschaft der Solidarität im Allgemeinen sind wir nicht! Wir denken nicht nach dem christlichen Motiv „Was ihr einem meiner geringsten Brüder angetan habt, das habt ihr mir getan“ (Matth.2,40). Und vor allem handeln wir nicht danach.
Schauen wir nun auf die Aufgabe, im Namen einer christlichen Medizin die geschilderten Verhältnisse wieder in eine ethisch-moralische Haltung einzubetten und sie damit neu zu gestalten, dann wird eine erste grundsätzliche Notwendigkeit ganz deutlich: Die Veränderungen müssen von Einzelnen ausgehen, von jedem von uns! Das grund-christliche Motiv ist die Nächstenliebe, und aus ihr kann ich eine neue Medizin entwickeln. Und das heißt an erster Stelle Selbsterziehung, und davor noch Selbsterkenntnis. Jeder müsste sich fragen, inwieweit er durch sein Verhalten an der Misere mitgewirkt hat. Habe auch ich als Arzt Leistungen manipuliert, mir ein Arzneimittel besorgt, das ich brauchte, im Austausch mit einem, das auf dem Rezept stand, das ich aber nicht wollte? Oder als Patient: Habe ich mich krankgemeldet, obwohl ich hätte arbeiten können?
Die Zulieferer der Medizin, an erster Stelle die Arzneimittelhersteller, müssen sozialisiert werden, womit ich meine: Ihnen muss klar werden, dass ihr Platz in der Gesellschaft ein dienender ist, dass sie im Dienste des krank gewordenen Menschen arbeiten müssten, ihn nicht als Kunden missverstehen, durch den der Gewinn des Unternehmens maximiert werden kann. Die Gewinne der Hersteller müssten Stiftungen zufließen, durch die wiederum medizinische Forschung gefördert werden kann. Es müssten Präventionsprogramme finanziert werden, um sich von einem Motto für das 21. Jahrhundert leiten zu lassen, das ich so formulieren möchte: „Es muss immer wichtiger werden, Gesundheit zu erhalten, als Krankheiten zu behandeln“. Es muss eine präventive Medizin ausgearbeitet werden, die diesen Namen verdient, die sich nicht in Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen erschöpft, sondern mit der Gesundheitserziehung schon in der Kindheit beginnt. Welche die Arbeitswelt so gestaltet, dass nicht immer mehr Menschen wegen „psychischer Ursachen“ (deren wichtigste wohl das weite Feld der Depressionen ist) „krankgeschrieben“ werden müssen. Wir müssen Arbeit wieder als zentralen Anteil eines gesunden Menschenseins definieren, dürften als solidare oder eben christlich-geprägte Gesellschaft Jugendarbeitslosigkeit überhaupt nicht zulassen, müssten ein Recht auf Arbeit festschreiben.
Doch zum Anfang zurück: Diese Veränderungen können nur von Einzelnen ausgehen, jeder von uns kann damit anfangen. Und das Element der Liebe kann uns dabei leiten. Liebe zu uns selbst, zu unserem uns so treu ein Leben lang dienenden Leib, den wir zu pflegen lernen müssen, dem wir zu danken lernen müssen. Liebe auch zu unserem Nächsten, Liebe zur Natur und zur ganzen Erde und letztlich auch zu den göttlichen Kräften, die uns, die Welt, ihre Gesetzmäßigkeiten geschaffen haben und ihren Blick auf alles gerichtet halten, auf dass es Zukunft habe, im Zentrum den Menschen als eine einmal gedachte Krone der Schöpfung. Christus hat die Liebefähigkeit in unsere Welt getragen, er ist substanziell Liebe und durch ihn in Verbundenheit mit der Menschheit kann die Erde zum Planeten der Liebe werden. 17
Hier möchte ich wieder zurücklenken auf die Medizin und meine Blickrichtung als Arzt, dem Menschenliebe als die zentrale Kraft, aber auch als Befähigung für seinen Beruf notwendig ist. Aus der Kraft vieler Einzelner wird immer mehr Kraft für das Ganze entstehen. Das wird dauern, nicht schnell gehen, aber es wird Veränderungen bewirken, wie sie schon heute erlebbar sind. Es gibt ein reales Bild dafür: Ein steter Tropfen höhlt den Stein.
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