Wenn Mt. Gox und andere Ereignisse zur künstlichen Manipulation des Preises nicht stattgefunden hätten, wäre der Preis genau der von Luka Magnotta beschriebenen Kurve gefolgt. Faszinierend!
Andreas:Und warum ist der Hype gerade jetzt so groß?
Toni:Institutionen, die vorher Angst vor Bitcoins hatten, erkennen jetzt, dass man mit ihnen Geld verdienen kann! Also investieren sie. Das wiederum animiert auch andere Institutionen, in Bitcoins zu investieren. Sie investieren selbst dann, wenn gezielt falsche Gerüchte über Bitcoins gestreut werden, um das Vertrauen in sie zu erschüttern. Ich nenne euch ein Beispiel: Als der Chef der größten amerikanischen Bank J. P. Morgan, Jamie Dimon, Bitcoins Betrug nannte und die Leute, die Bitcoins kaufen, als »dumm« bezeichnete, kaufte am nächsten Tag die Bank JPMorgan Chase – interessanterweise eine Tochter von J. P. Morgan – Bitcoins in großen Mengen! Nach dem Motto: Jetzt erst recht! Wie gesagt, der Mensch ist ein Herdentier, also haben mittlerweile andere nachgezogen wie beispielsweise Goldman Sachs, die nun Lösungen auf Blockchain-Technologie und Bitcoin integriert haben. Dadurch gewinnen wiederum andere Institutionen und institutionelle Investoren Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit in die neue Technologie.
Andreas & Florian:Wie interpretierst du diese Vorgänge?
Toni:Ganz einfach: Das war der Durchbruch. Als es passierte, wussten wir, dass in Zukunft niemand mehr Bitcoins ignorieren wird! Die Leute haben verstanden, was es mit dem virtuellen Geld auf sich hat. Gezielte Desinformationen können im Informationszeitalter nicht mehr die gleiche Wirkung entfalten wie zuvor, denn echte Informationen sind heute genauso mächtig wie eine Strategie der Desinformation – sie führen heute zu einer Wertsteigerung. Der eigentliche Hype aber brach aus, als Bitcoin sich wirklich entlang der eigenen Preisschätzungen entwickelte. Das hat alle beeindruckt. Das war es, was den entscheidenden Umschwung in der Branche verursacht hat. Und es ist doch immer so: Geld folgt dem Geld.
Florian:Du sagst immer wieder, dass die Bitcoins helfen, den Wohlstand gerechter zu verteilen. Wie soll das funktionieren?
Toni:Zunächst einmal: Bitcoins verändern die Finanz- und Wirtschaftswelt grundlegend. Viele Menschen in vielen Ländern dieser Erde haben kein oder kaum Geld. Das aber braucht man, um zu kaufen, zu verkaufen und vor allem: um zu investieren. Mit Bitcoins kann in Zukunft jeder an Geld herankommen, alle Vermögenswerte dieser Welt sind dann zugänglich. Bitcoins können als das Internet des Geldes verstanden werden. Der Vorteil liegt auf der Hand. Das System basiert auf Daten, und Daten sind in der heutigen Zeit eine nicht endende Ressource. Mit dem souveränen Besitz der eigenen Daten, Informationen und dem Wert, der daraus generiert werden kann, verändert sich das ganze System der Wertschöpfung. Ein Handy reicht, um dabei zu sein!
Florian:Das hört sich sehr cool an!
Toni:Das ist es auch! Deswegen brenne ich ja auch so für das Thema! Nationale Grenzen oder die Frage, ob wir ein Bankkonto haben, spielen in Zukunft keine Rolle mehr. Der Geldtransfer läuft zwischen den Usern direkt ab. Eine Bank brauchen wir dafür auch nicht mehr. Das wird die wirtschaftlichen Machtverhältnisse grundlegend ändern! Nun können auch ärmere Bevölkerungsschichten mitspielen. Die sind jetzt dabei! Sie können Geschäfte aufbauen, Geld verdienen und investieren. Das wird die Wirtschaft ankurbeln, aber auch die Verteilung von Wohlstand gerechter machen. Unser Mindset ist das Einzige, was uns tatsächlich bremst, dieses System wirklich zu leben, weil wir es erst verstehen müssen.
Andreas:Dann müssen sich die Armen aber mächtig beeilen, denn du sagst voraus, dass bereits nächstes Jahr ein Bitcoin 100 000 Dollar wert ist. Wie sollen die einen Bitcoin kaufen können?
Toni:Es gibt unzählige Wege. Ich würde empfehlen, eine Art Schenkungsprotokoll mit dem ausdrücklichen Zweck der Umverteilung von Reichtum durch Umverteilung des aus »Gebühren« gewonnenen Wertes zu erstellen. Klingt vielleicht auf den ersten Blick sehr komplex und technisch, ist es aber eigentlich nicht. Es wäre in etwa so, als wenn wir bei allen Banküberweisungen immer eine Transaktionsgebühr in einen Topf werfen würden und diese Gebühren dann nutzen, um Wohlstand neu zu verteilen.
Bitcoins können in sogenannten Wallets gespeichert werden, dafür bedarf es noch nicht mal eines Bankkontos. Die bekanntesten Wallets sind aktuell Coinbase, Xapo, Breadwallet, Jaxx und mein persönlicher Favorit Exodus.io. Vielleicht müssen es auch keine Bitcoins sein, sondern andere digitale Währungen, obwohl die Bitcoin-Blockchain aktuell die sicherste und vertrauenswürdigste Lösung auf dem Markt ist.
Florian:Gut, okay, aber wer bringt diesen Menschen das nötige Wissen bei?
Toni:Das Internet. Ich bin ein Kind des Internets. Der Zugang zu stundenlangem Spielen in absoluter Freiheit hat mich von klein auf fasziniert und wird auch die Kinder der kommenden Generationen in seinen Bann ziehen. Überlegt mal, was mit der ganzen Technologie wie Virtual Reality schon heute möglich ist! Das Internet ist der Ort, an dem die nächste Generation, ohne Zugang zu oder Bedarf an Ivy-League-Universitäten, lernen und wachsen wird. Neben dem Internet spielen aber auch lokale Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Wenn wir uns in dynamische Gemeinschaften integrieren, die über Ressourcen und Lernmöglichkeiten verfügen, werden wir neue Fähigkeiten erlernen und diese Fähigkeiten nutzen können, um einen sinnvollen Beitrag für die Welt um uns herum zu leisten.
Diese neue Art des Lernens und der Wertschöpfung wird zu einem globalen Imperativ werden; die Menschheit beginnt bereits, sich neu zu organisieren. Es gibt 25 Millionen Flüchtlinge, mehr Menschen, als in New York, Los Angeles, San Francisco und ganz Singapur zusammen leben. Dabei handelt es sich nur um diejenigen Flüchtlinge, die erfasst worden sind! Es gibt wahrscheinlich noch viel mehr. Darüber hinaus haben wir noch nicht einmal begonnen, die Auswirkungen der durch Klimawandel bedingten Wanderungsbewegungen zu quantifizieren. Auch andere Nomadenpopulationen entstehen, wobei die Zahl der digitalen Nomaden bis 2035 auf 25 Millionen geschätzt wird. Der Planet organisiert sich unbestreitbar neu. Unsere Aufgabe in diesem globalen Wandel sollte es sein, allen einen integralen Zugang zu Wohlstand, Gemeinschaft und Chancen zu bieten. Deshalb habe ich CULTU.RE gegründet: eine Bewegung, die Technologie und Menschlichkeit verbinden und dazu nutzen will, Wohlstand zu erzeugen und globalen Frieden herzustellen. Ja, ich gebe zu, das ist ein sehr hohes Ziel, aber wir haben heute die Technologie und das Wissen, um einen Riesenschritt in diese Richtung machen zu können.
Florian:Wow!
Toni (lacht) :Ja, finde ich auch cool.
Andreas:Toni, du bist nicht nur von Bitcoins begeistert, sondern auch ein politisch denkender Mensch. Du beschäftigst dich mit Fragen über Demokratie und der gerechten Verteilung von Wohlstand. Sind Bitcoins auch politisch relevant?
Toni:Und ob! Bitcoins verändern die Welt! Das hört sich bombastisch an, ist aber ganz simpel: Wer wirtschaftlich mitspielt, kann auch politisch mitreden. Bisher sind viele Entwicklungsländer auf die Spenden aus anderen Ländern oder auf das Geld von internationalen Organisationen angewiesen. Mit diesem Geld sind immer auch Auflagen verbunden, die meistens den jeweiligen Geldgebern nützlich sind. Die Spielregeln können jetzt geändert werden. Bitcoin hat schon jetzt eine Marktkapitalisierung von über 160 Milliarden Dollar (Stand 1. Quartal 2018). 160 Milliarden Dollar – stellt euch das mal vor! Das ist mehr als das geschätzte Vermögen von 85 % der Nationen, wobei Bitcoin nach weniger als zehn Jahren des Bestehens zwischen Finnland (Platz 28) und Tschechien (Platz 29) rangiert.
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