Seine Schriften sind folgende, die er selbst anführt:
1. Yammetros, ein Inschriften-Buch in verschiedenen Versarten auf berühmte Männer. Dies führt er sehr häufig an, und rückt Verse daraus ein. Das ganze Buch ist verloren, und dieser Verlust in Rücksicht auf Poesie gewiss nicht groß, wie die noch daraus vorhandenen Verse zeigen. Es kommen auch Epigramme von ihm in der Anthologie des Maximus Planudes, und in Joan-nes Tzetzes Chiliaden vor, die vielleicht aus diesem Pammetros sind.
2. Zehn Bücher von dem Leben, den Meinungen und Denksprüchen berühmter Philosophen, die noch vorhanden sind. Vor diesem Werke scheint sich eine Zuschrift an ein gelehrtes Frauenzimmer, das er im dritten und zehnten Buch anredet, befunden zu haben, die verloren gegangen ist, wie Menage, Fabricius und Heumann schon bemerkt haben. Menage hat in seinen Anmerkungen schon den Gedanken geäußert, dass sich sehr viele unechte Einschübe in diesem Werke finden, die nicht von Diogenes sind, und dass der Stil desselben ganz ungebildet sei. Auch Bayle beschuldigt ihn der Ungenauigkeit, Dunkelheit und Zweideutigkeit. Sein Übersetzer Ambrosius, Hieronymus Froben in der Vorrede, Casaubon in der Vorrede, und Barthol. Kekermann bemerken, dass Laertius mehr Fleiß aufs Sammeln, als auf die Verarbeitung und Anordnung seiner Sammlungen verwandt habe, und dass es ihm oft an richtiger Beurteilung fehle. Auf gleiche Art urteilen von ihm Lipsius, Parker, Stanley, Stoll. Ich habe meine Gedanken über diese Schrift in der Vorrede gesagt, worauf ich mich hier beziehe.
Ich komme nun auf die Ausgaben und Übersetzungen unseres Diogenes Laertius.
Eine lateinische Übersetzung Diogens erschien zuerst von dem Kamaldulenser Mönch und nachherigen General seines Ordens, Ambrosius Civenius, der Franz Philelphus ersuchte, die im Laertius vorkommenden Verse wieder in Lateinische Verse zu übertragen. Philelph aber tat dies aus Neid lange Zeit nicht, obgleich er es in einem Briefe heilig versprach, und sie wurden erst nach Ambrosius’ Tode in die Brognolische Ausgabe der Übersetzung desselben eingerückt. Ob sich gleich diese Ambrosische Übersetzung durch ihre Simplizität empfiehlt, so hat Ambrosius doch in vielen Stellen den Sinn des Laertius verfehlt, und einige ganz ausgelassen, ja nach Menagens Urteil hat er sich bei seiner Übersetzung solche Freiheiten genommen, dass man sie eher eine Geschichte der Philosophen nach Laertius, als eine Übersetzung desselben nennen könnte. Philelph verdammt auch diese Ambrosische Übersetzung als schlecht, und voller Irrtümer. Nach Ambrosius’ Tode hat sie Benedikt Brognoli durchgesehen und sie in Venedig durch Nikol. Jenson im Jahr 1475 in Quart und schöner Schrift abdrucken lassen, welche Ausgabe nachher oft nachgedruckt worden ist, so in Nürnberg 1476 und 1479. Ohne Angabe des Jahrs druckte sie auch Jean Petit in Paris in Quart, dessen Abdruck aber sich durch nichts empfiehlt; doch befindet sich in derselben der Brief des Ambrosius an Brognoli, welchen auch Stephanus in seinen Ausgaben wieder hat abdrucken lassen, mit verschiedenen Proben Brugnolischer Verbesserungen. Sie kam auch zu Basel bei Valentin Curio 1524 in Quart heraus, in welcher Ausgabe Konrad Heresbach nach Vergleichung einer griechischen Handschrift des Matthäus Aurogallus einiges verbessert, besonders die Epigramme, und einige von Ambrosius und Brognoli ausgelassene Verse lateinisch übersetzt und griechisch beigefügt hat. In der Folge kam Laertius wieder lateinisch heraus, zu Köln 1542 in Oktav, zu Leiden 1546 in Oktav und bei Sebastian Gryphius 1559, 1583 in Duodez, in Paris 1585 in Duodez. Bei Plantin zu Antwerpen wurde sie 1566 in Oktav, von Johann Sambuk von Tirnau und Fulvius Ursin neu durchgesehen, gedruckt; wie auch zu Lyon 1592 in Duodez bei Anton Gryphius und zu Leiden in der Plantinschen Druckerei bei Fr. Rapheleng 1596 in Duodez, nach der Sambukischen verbesserten Ausgabe, und bei Jakob Chouet 1595 in Duodez.
Griechisch wurde der ganze Diogenes Laertius zuerst in Basel in der Druckerei Hieronymus Frobens und Nikol. Episkopius im Jahr 1533 in Quart gedruckt, nach einer Handschrift des Matthäus Aurogallus, die schon Valentin Curio bei seiner lateinischen Ausgabe gebraucht hatte. Vorher waren schon die Leben Aristoteles’ und Theophrasts in der Aldinischen Ausgabe der Werke Aristoteles’ zu Venedig 1495 in Folio und in der Aldinischen Ausgabe Theophrasts bei von den Steinen zu Venedig 1497 griechisch abgedruckt, so wie man seitdem auch die Leben aus Laertius den Ausgaben der Werke Platons, Xenophons und anderer vorgesetzt hat; aber der ganze Laertius war vor der angeführten Frobenischen Ausgabe von 1533 noch nicht griechisch gedruckt. Die Ausgabe von 1531 ist ein Irrtum.
Die erste griechisch-lateinische Ausgabe des Laertius ist die Heinrich Stephanische 1570 in Oktav. Sie enthält am Schluss die Ambrosische Übersetzung, Heinr. Stephans Verbesserungen und die Fragmente der Pythagoräer aus Stobäus in griechischer Sprache. Die zweite Heinrich Stephanische Ausgabe erschien 1593 in Oktav mit seinen Castigazionen und der Brugolischen Rezension der Ambrosischen Übersetzung und den Fragmenten der Pythagoräer. Die Ambrosische Übersetzung aber steht zur Seite des griechischen, und Isaak Casaubons gelehrte Anmerkungen über Laertius, die zuerst einzeln unter dem Namen Isaak Hertibons 1583 in Oktav erschienen waren, sind hier vermehrt und verbessert. Sie enthält auch Hesychius Illustrius’ Leben der Philosophen. Die dritte Ausgabe mit Heinrich Stephans und Isaak Casaubons Noten, den Fragmenten der Pythagoräer, dem Hesychius Illustrius, und Adrian Junius’ Übersetzung mit dessen und Heinrich Stephans Castigazionen, erschien in Genf 1615 in Oktav bei Johann Vignon, Jakob Stoer, Peter und Jakob Chouet, und Samuel Crispin. In einigen Exemplaren befindet sich auch noch Eunapius’ Leben der Sophisten griechisch mit Junius’ Übersetzung, und wird auch auf dem Titel erwähnt, in anderen aber ist dies nicht befindlich, und auch auf dem Titel nicht erwähnt.
Eine vierte griechisch-lateinische Ausgabe mit Thomas Aldrobandins Übersetzung und dessen gelehrten Anmerkungen, die aber nicht über Leukipps Leben im neunten Buche hinausgehen, weil der Verfasser vor der Vollendung seiner Arbeit gestorben, erschien zu Rom, bei Aloys Zanneti 1594 in Folio. Der Herausgeber war der Kardinal Peter Aldrobandin, der Oheim des Übersetzers. Sie enthält auch den griechischen Text nach alten Handschriften, besonders einer Farnesischen, sehr verbessert. Aldrobandins Übersetzung ist elegant und mit Fleiß gearbeitet, und würde vollkommener sein, wenn er die letzte Hand hätte daran legen können.
Die fünfte griechisch-lateinische Ausgabe erschien nicht zu Leiden, wie in den Brandenburgischen Pandekten unter Aldrobandin steht, und auch nicht, wie Lipen schreibt, zu Haag 1656 in Quart mit Heinr. Stephans, Isaak Casaubons, Thom. Aldrobandins und Gassendis Noten; sondern in London 1663 in Folio. In dieser ist die römische Ausgabe mit Aldrobandins Übersetzung und Noten wiederholt, zu welchen Ägidius Menagens gelehrte Kommentare und ein Register der von Laertius angeführten Schriften hinzugekommen. Menage gebrauchte außer der Florentinischen drei Pariser Königliche Handschriften, ließ seine Kommentare auf seine Kosten in Paris bei Edmund Martin 1662 in Oktav abdrucken, und schickte sie so zum neuen Abdruck Johann Pearson in London zu. Diese Menageschen Kommentare sind bis jetzt die besten über Diogenes. Ferner befinden sich in dieser Londoner Ausgabe noch die Anmerkungen Isaak Casaubons und dessen Sohnes Mericus Casaubons, in welchem unter anderen Olympiodors Leben Platons mit Jakob Vindets Übersetzung und Anmerkungen eingerückt ist. Menage hat auch in seine Kommentare ein noch nicht gedruckt gewesenes Leben Aristoteles eingerückt und erläutert. Schade, dass das Äußere dieser Ausgabe, die ich vor mir liegen habe, dem Inneren nicht entspricht; (bei englischen Ausgaben ein seltener Fall!) und dass sie sehr viele Druckfehler in Text und der Interpunktion hat. Menage schrieb in den Jahren 1679 und 1680 an den Leipziger Senator Friedrich Benedikt Carpzov, dass seine Pariser Ausgabe des Laertius durch den großen Londoner Brand zu einer äußersten Seltenheit geworden sei, und dass er sich mit einer neuen, sehr verbesserten und vermehrten beschäftige.
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