Ich stehe tief in Carolyn Bonds Schuld, durch deren hervorragendes Lektorat das Buch klarer und verständlicher wurde.
Außerdem, obwohl ich sie nicht persönlich kenne, muss ich mich bei Suzanne Somers bedanken. Den größten Teil des vorliegenden Buches hatte ich bereits vor einigen Jahren geschrieben, jedoch nichts weiter damit angefangen, bis Suzanne Sommers Buch The Sexy Years (nicht auf Deutsch erhältlich, Anm. d. Verlages) erschien. Nachdem ich ihr Buch gelesen hatte, wurde mir klar, dass Frauen auf eine alternative Methode der Hormonersatz-Therapie aufmerksam gemacht werden müssen. Das war mein größter Antrieb, dieses Buch zu veröffentlichen.
Meine größte Anerkennung gilt jedoch den Tausenden von Patienten, die mir ihr Verständnis und Feedback zukommen ließen und es mir ermöglichten, ihnen zu helfen.
Was sind bioidentische Hormone?
Bioidentische Hormone sind Hormone, deren biochemische Strukturen identisch sind mit denen, die der Körper selbst produziert – eine Tatsache, die wichtige therapeutische Möglichkeiten bietet und potenzielle Risiken minimiert.
Pharmazeutische Firmen wie Upjohn und Pfizer stellen bioidentische Hormone in Form eines Pulvers her, das aus natürlichen Bestandteilen gewonnen wird, normalerweise aus Soja oder der Yamswurzel (Süßkartoffel). Diese Rohstoffe sind von der FDA, der amerikanischen Zulassungsbehörde für Nahrungsmittel und Medikamente, zugelassen. Das Pulver wird dann von so genannten „Compounding Pharmacies“ (Apotheken, die noch selbst Medikamente in verschiedenen Darreichungsformen herstellen, Anm. d. Übers.) verarbeitet, und zwar genau nach den vom Arzt verschriebenen Rezepturen. Firmen wie Upjohn stellen seit mehr als 70 Jahren bioidentische Hormone her.
Ein überaus wichtiger Vorteil im Umgang mit bioidentischen Hormonen ist die Tatsache, dass die Dosierung genau an den individuellen Hormonbedarf der Patienten angepasst werden kann.
Bioidentische Hormone, die oral eingenommen werden, werden in der Leber in andere Hormone umgewandelt. Deshalb ist die transdermale Verabreichungsform (über die Haut) von bioidentischen Hormonen die günstigste – also in Form von Cremes, Gels oder Zäpfchen –, denn dadurch werden die Hormone direkt und ohne Umweg vom Blut aufgenommen.
1. Warum ich dieses Buch geschrieben habe
Mein Name ist Michael E. Platt. Ich bin Mediziner und habe eine Facharztausbildung zum Internisten absolviert. Der Schwerpunkt meiner ärztlichen Tätigkeit liegt auf der Therapie mit bioidentischen Hormonen, zusammen mit der Förderung des körperlichen Wohlbefindens und der Regulierung des Stoffwechsels zur Gewichtskontrolle. Ich habe dieses Buch geschrieben, um meine Erfahrungen aus 35 Jahren klinischer Tätigkeit an Menschen zu vermitteln, die sich der Wichtigkeit des hormonellen Gleichgewichts für Gesundheit und Wohlbefinden nicht bewusst sind.
Meine grundsätzliche Herangehensweise an Krankheiten bestand immer darin, die Ursache der Krankheit herauszufinden. Da Hormone jedes System unseres Körpers kontrollieren, kann man leicht erkennen, wie wichtig sie für unsere Gesundheit sind. Einer Frau ein Schmerzmittel gegen ihre Menstruationsbeschwerden zu geben, mag ihre Schmerzen lindern, ihr aber das richtige bioidentische Hormon zu verschreiben, würde die Entstehung der ursächlichen Krämpfe verhindern. In diesem Buch werde ich mich mit einem weiten Gebiet von Gesundheitsstörungen befassen, die direkt auf Störungen im Hormonhaushalt zurückzuführen sind – Wechseljahre von Frauen und Männern, Diabetes, Asthma, Adipositas (Fettleibigkeit), Migräne, Fibromyalgie, Arthritis, Krebs, Myome, Zysten, Endometriose, ADHS und andere.
Hormone sind ausgesprochen stark wirksame Substanzen, die die Fähigkeit haben, einen Menschen gesund zu erhalten oder krank zu machen. Sie beeinflussen jede Zelle unseres Körpers. Obwohl der Vorteil bioidentischer Hormone gegenüber patentrechtlich geschützter Hormone in Bezug auf die Erhaltung der Gesundheit auf der Hand liegt, werden viele Leser überrascht sein zu erfahren, dass die meisten Ärzte so gut wie nichts darüber wissen. Nahezu alles, was Ärzte während ihrer medizinischen Ausbildung lernen, beruht auf Forschungen, die von Pharmafirmen durchgeführt wurden. Firmen, die Medikamente herstellen, können natürliche Produkte, wie bioidentische Hormone, nicht patentieren lassen und haben deshalb keinerlei Interesse daran, Hunderte von Millionen Dollar für Studien auszugeben, wenn sie dafür kein Patent anmelden können. Die meisten Endokrinologen, die sich auf Hormone spezialisiert haben, kennen die Zusammensetzung der synthetischen Hormone, die von Medikamentenherstellern produziert werden. Nur einige wenige setzen jedoch bioidentische Hormone ein, da die Pharmaindustrie sie nicht empfiehlt. Viele Ärzte wissen gar nicht, dass bioidentische Hormone in Pulverform von Pharmafirmen wie Upjohn und Pfizer bezogen werden können und auch zugelassen sind.
Ich habe eine eher unübliche Herangehensweise an die Medizin, da ich mich mit den Ursachen der Krankheiten beschäftige – statt mit den Symptomen. Einige Menschen behaupten möglicherweise, dass ich „alternative“ Medizin betreibe. Wie auch immer, da ich bioidentische Hormone verwende, die den vom Körper selbst produzierten Hormonen 1:1 entsprechen, glaube ich, dass ich die „richtige“ Medizin praktiziere. Alle bioidentischen Hormone werden aus natürlichen Produkten gewonnen, meistens aus Soja oder der Yamswurzel (Süßkartoffel), und im Labor hergestellt. Man kann sie auf Rezept von einer Apotheke beziehen, die dafür zertifiziert ist, individuelle Rezepturarzneimittel selbst herzustellen – solche Apotheken werden als „Compounding Pharmacy“ bezeichnet. Die Zahl dieser Apotheken in den USA, aber auch in Deutschland, wächst (Adressen siehe S. 227).
Die neue (nicht so viel bessere) Medizin
Die umfassende Idee, Krankheiten zu verhindern, ist eigentlich einleuchtend – welches Argument könnte dagegensprechen? Früher war die Hauptaufgabe von Krankenversicherungen, Krankheiten zu verhindern, indem eine präventive Medizin stattfinden konnte, weil sie erstattet wurde. In den frühen 1970er-Jahren habe ich als Arzt für die beiden größten US-amerikanischen Krankenversicherungsgesellschaften (Kaiser und Ross-Loos) gearbeitet. Damals wurde jede Laboruntersuchung sowie jede erbrachte medizinische Leistung noch bezahlt. Die Erstattung jeglicher Medikamentenverordnung war selbstverständlich und ich hatte pro Patient etwa eine Stunde Zeit zur Verfügung. Am Anfang wurden diese Versicherungen noch von Ärzten geleitet, deren Hauptaufgabe es war, sich um das Wohlbefinden der Patienten zu kümmern. Irgendwann übernahmen große Konzerne die Krankenversicherungen; präventive Medizin wurde von der Agenda gestrichen und durch das Steuerungsmodell der „Managed Care“ ersetzt (dieses Modell versucht Angebot, Nachfrage und Finanzierung miteinander zu verknüpfen; erste Ansätze dieses Modells werden deutlich in dem Ansatz der „Integrierten Versorgung“. Hierbei wird versucht, die Gesundheitskosten zu senken, ohne die Qualität der ärztlichen Versorgung zu verschlechtern; Anm. d. Übers.). Dahinter stand wahrscheinlich der Gedanke: „Mit wie wenig Geld können wir den Patienten gerade noch am Leben erhalten?“ Das ist ein Zustand, der verständlicherweise weder Ärzte noch Patienten dienlich ist, und sicherlich bald auch den Versicherungen nicht mehr, da der Einfluss durch den Gesetzgeber zunimmt.
Unter dem Einfluss der Versicherungsgesellschaften hat sich die Medizin verändert. Die zunehmende Spezialisierung der Ärzte hat den Status des Hausarztes gemindert. Die Versicherungsgesellschaften haben die Beitragssätze erhöht, während sie die Leistungen reglementiert haben. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass die Medizin gar nicht mehr in der Lage ist, die Menschen umfassend zu versorgen. Insbesondere war es den Menschen nicht mehr möglich, Vorsorgeangebote in Anspruch zu nehmen. Teure Behandlungen, die höhere Profite versprachen als die gängigen Herangehensweisen, wurden zum medizinischen Standard. Hohe Investitionen wurden getätigt, um die neuesten medizinischen Geräte anzuschaffen, und um diese Kosten zu rechtfertigen, mussten die Patienten herhalten, damit sich diese Investitionen auch irgendwann rechneten. Ärzte wurden zu Technologen. Sie hatten kein Interesse mehr an natürlichen, nicht-invasiven Vorgehensweisen.
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