Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz - Frau - Männin - Menschin

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Wer heute zum Thema «Weiblichkeit» schreibt, wagt sich in ein Minenfeld unterschiedlichster Standpunkte. Doch auch in der Diskussion um Gender und Feminismus ist die Frauenfrage nicht allein eine Frage weiblichen Selbstverständnisses, sondern ebenso eine von Geschichtsdeutung und Selbstverständnis des Menschen. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz definiert das «Frausein» nicht biologisch, sondern kulturell. Sie stellt kritische Anfragen und bringt aus christlichem Kontext neue Denkanstöße in die Diskussion ein. Ihr Fazit: Die Frau ist weder Männin noch Menschin, sie ist Frau.

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In Abbildungen früher Zeit fehlt vielfach der Mund, stattdessen erscheint in Andeutungen eine Aura oder Ausstrahlung um den Kopf oder den ganzen Leib 13– Zeichen jenes eigenartigen vitalen Kontaktes mit der Außenwelt. Übrigens ist auf die Betonung des Ohres als des frühen Organs hinzuweisen 14: Die deutsche Wortfolge hören, gehören, gehorchen, hörig sein, gibt, gerade in letzterem Wort, jene unbedingte Bindung an das gehörte Außen an, die beispielsweise auch für Ekstase durch Rhythmus und Heilung durch Besprechen Voraussetzung ist.

In breiter Fülle ist belegt, dass diese magische Welt nicht nur auf Erde, sondern ebenfalls auf Mond und Nacht bezogen ist. Nicht allein weil sich das Leben vorwiegend in der lichtlosen Höhle, der fensterlosen Hütte, im Dämmer des Urwaldes vollzieht, sondern weil die Nacht auch Schutz bietet, weil an den Mondphasen und der Sternenwanderung die erste Zeitbestimmung möglich wird (Mond und Monat hängen etymologisch zusammen), weil vom Mond die Fruchtbarkeit der Erde abhängt – ein unerhört reiches Netz von Bezügen spannt sich von der Erde zu Nacht, Mond und Sternen. 15Das Lebensgefühl dieser zeitlosen Zeit sitzt noch unbedingt im Bauchraum: in den Eingeweiden und Genitalien und dem Mutterschoß. Wenn die Psalmen die „Eingeweide der Barmherzigkeit Gottes“ (viscera misericordiae Domini) anrufen, so bedeutet das hebräische rahamim /Barmherzigkeit zunächst den Plural von rahem /Mutterschoß (auch die deutsche Silbe „Barm-“ hat mit „gebären“ zu tun). Psalm 39 geht vom selben kraftvollen Leibempfinden aus: „Dein Gesetz ist in meinen Eingeweiden.“ 16

In diesem Zusammenhang ist erhellend, dass die Ägypter, wie von Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. berichtet, die Eingeweide der Toten mühsam und sorgfältig konservierten, während sie das Gehirn durch die Nase entfernten und einfach wegwarfen – ein Hinweis darauf, wo in der magischen Bindung das „Leben“ am dichtesten empfunden wird. Vom kannibalischen Verzehren der Genitalien und dem Aufreißen des Unterleibs durch Harakiri bis zur Eingeweideschau der römischen Priester reicht dieselbe magische Besetzung der eigentlichen „Lebensquelle“. Dieser fremd anmutende Befund sei deswegen erwähnt, weil sich die unterschiedlichen Strukturen auch in ihrem Leibempfinden sondern lassen.

Zweifellos ist dieses noch raum- und zeitlose Erleben durchdrungen von einer Verehrung des Mütterlichen . In unzähligen weiblichen, deutlich geschlechtsbetonten Idolen wird die mater foecunda , die Fruchtbare überhaupt, dargestellt. 17Weil die Frau offensichtlich das biologische Leben weitergibt, wird sie zur Trägerin naturhaft sakraler Machtfülle. Geschlecht und Fruchtbarkeit sind numinos. So sehr dies auch für die Überwältigung beim männlichen Geschlechtsakt gilt – Überwältigung ist immer ein Zeichen der nahenden Gottheit –, so scheint doch lange die Zeugung nicht als entscheidend für die Weitergabe des Lebens begriffen; ohnehin ist das Ursache-Folge-Denken noch nicht ausgeprägt. Vielmehr wird das Mütterliche aufgefasst als eine von selbst empfangende Kraft, die von Mond und Wind (als „Windsbraut“), von Meer, von Früchten, vom gegessenen Fisch befruchtet oder auch von der fruchtbaren Göttin selbst gesegnet wird 18. Freilich muss die Frau gebären; außerhalb des Mutterdaseins kommt ihr keine Berechtigung zu. Noch im Alten Testament gilt die Unfruchtbare als verflucht, ihr Mann als von Gott bestraft, so im Fall von Hanna und Elisabeth. Daher stammen die vielen Praktiken, der Unfruchtbaren über die Magd wenigstens stellvertretend Leben zu erwecken (wie bei Sara und Hagar). Hierher gehört auch die in heutigen Ohren skandalöse Geschichte von Lots Töchtern, die sich in der Nacht nach dem Untergang von Sodom und Gomorra zu ihrem Vater legen – weil verantwortlich für die Fortdauer des Lebens und des Stammes.

So gestaltet die Frau als Mutter und Groß-Mutter (die die Geburten überlebt hat), als Zauberin, Richterin (die die Tabuverletzungen bestraft), als Heilerin und Töterin, als Weissagende, als Priesterin in der rituellen Erweckung der Fruchtbarkeit, das Leben der Sippe. In diesen Zusammenhang gehört das berühmte Wort des Tacitus, die Germanen hätten die Frau als „etwas Heiliges und Seherisches verehrt“. 19

Die Frage erhebt sich seit Johann Jakob Bachofens Werk Mutterrecht und Urreligion (1861), wie diese Weisen des vom Mütterlichen getragenen Zusammenlebens zu bezeichnen seien. Ein Terminus dafür lautet „Mutterkultur“. Die Schwierigkeit richtiger Einschätzung liegt jedoch darin, dass Mutterkulturen nicht mit umgekehrten Vorzeichen dasselbe sind wie Vaterkulturen; ihre Herrschaft besteht eher im Unterschwelligen, Indirekten, auch Unbewussten, wie es der magischen Struktur eignet – und was übrigens deutlich ihre Macht ausmacht. Auch legen die Ausdrücke „Mutterrecht“ (Bachofen) oder „Matriarchat“ (Lewis H. Morgan) eine ausgeprägte Rechtsstruktur nahe, während das Magisch-Mütterliche eher im Sinn von Tabuisierungen und Einflusszonen arbeitet. Ausdrücklich rechtliche Regelungen mit breiter historischer Beweisbarkeit gibt es jedoch in zwei bezeichnenden Fällen: als weibliche Erbfolge (Matrilinearität) und als lebenslängliche Zugehörigkeit auch des auswärts verheirateten Mannes zur Muttersippe (Matrilokalität) , was besonders im Kriegsfall wichtig wurde, deswegen aber eine unstabile und sich rückbildende Rechtsform war. 20Historisch nicht festzumachen scheint ein Amazonenstaat 21– im Gegensatz zu den allgegenwärtigen Spuren weiblicher Macht über die Geheimnisse des Lebens und des Sterbens.

Ein im Allgemeinbewusstsein fast immer falsch eingeschätztes Problem ist noch deutlich anzusprechen. Auch in matrilinearen oder -lokalen Gruppen liegt die Dominanz in der Regel bei Männern – jene Dominanz, die über den häuslichen Bereich mit seiner Zuständigkeit für Geburt, Wachsen, Sterben und deren rituelle Sicherung hinausgeht. Gerade die augenfällige Tatsache der Mutterschaft – im Unterschied zu der nicht augenfälligen Vaterschaft – macht die Frau für den häuslichen und mütterlichen Bereich zuständig, dort auch im beschriebenen Sinne mächtig; auch ihre wirtschaftlichen Domänen lassen sich zeigen. Dennoch: Unzweifelhaft nimmt der Mann kraft seiner stärkeren Physis die ausgreifenden Aktivitäten wahr: Jagd, Pflugkultur im Unterschied zum Gartenbau, Viehzucht, Verteidigung, Kampf. 22Dazu gehören ferner die „politische“ Sphäre, aber auch unterschiedliche Formen der Herrschaft über die Frau, z. B. der – genetisch wichtige – Tausch der Frauen durch die Männer und nicht umgekehrt 23oder auch das „Verleihen“ der Frau an den Gast. Die Verehrung, ja Vergöttlichung des Mütterlich-Fruchtbaren geht also durchaus einher mit einer gleichzeitigen Herrschaft des Mannes nach außen; oder, um es deutlicher auszudrücken: Mutterkulturen bedeuten in der Regel nicht eine soziopolitische Höherstellung der Frau über den Mann – tatsächlich kann die Frau ausgeprägt „rechtlos“ sein. 24

Ein Beispiel mag die differenzierte Ordnung der Geschlechter anschaulich machen. Bei einem Jagdzauber der Pygmäen im Kongourwald, der um 1900 von Leo Frobenius beobachtet wurde, trafen sich vor Sonnenaufgang drei Jäger und eine Frau. Die Aufgabe der Frau war es, das zu erlegende Wild durch eine Zeichnung in den Sand zu beschwören und durch den ersten Sonnenstrahl „töten“ zu lassen – all dies in unverbrüchlichem Schweigen. Erst danach begann die Jagd, an der nur die drei Männer teilnahmen. 25Für den Bereich der Bannung, das Knüpfen des „Bezugsnetzes“, war also vorrangig die Frau zuständig (ähnlich auch für die Ent-Schuldigung durch ein Opfer nach der Jagd), für den physischen Vorgang aber der Mann.

Im Ganzen zeigt sich also ein verwickelter Befund; und so sehr hier nur Grundsätzliches gesagt werden kann, so sehr muss man sich bei eingehender Beschäftigung mit einer magischen Kultur auf deutliche Differenzierungen der Geschlechter einlassen, auch wenn sie heutigen Erwartungen „anderer“ („besserer“) Geschlechterordnungen entgegenlaufen mögen.

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