1.13 Kriterien aus dem Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz
• Schrittweise kriteriengestütztes pflegefachliches Erfassen von mit der Demenz einhergehenden Unterstützungsbedarfen in der Lebensgestaltung (zu Beginn des Pflegeauftrages und anlassbezogen).
• Erkennen, Schaffen und Berücksichtigen von Rahmenbedingungen für personzentrierte Angebote und Beachtung der Vorlieben und Kompetenzen des Menschen mit Demenz.
• Planung von individuell angepassten personzentrierten Maßnahmen auf Basis einer Verstehenshypothese unter Einbeziehung des Menschen mit Demenz und seiner Angehörigen sowie allen beteiligten Berufsgruppen.
• Koordination von Angeboten und Durchführung von beziehungsfördernden und -gestaltenden Maßnahmen unter Einbeziehung der Angehörigen und anderer Berufsgruppen.
1.14 Arbeitshilfen zur Maßnahmenplanung
1.14.1 Explizite Maßnahmenschwerpunkte
1.14.1.1 Selbstbestimmung
Erfassung der Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen aus seiner eigenen Perspektive (der/die Pflegebedürftige hat auch das Recht, Pflegemaßnahmen abzulehnen):
• biografieorientierte Pflegemaßnahmen und Tagesstrukturierungen,
• gezielte Bewegungsförderung zur Vermittlung eines Gefühls von Freiheit und Selbstbestimmung sowie Berücksichtigung der Wünsche des Pflegebedürftigen.
Erfassung der Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen
• aus der Perspektive der Angehörigen und der Bezugspersonen oder des gesetzlichen Betreuers, da nicht alle demenziell erkrankten Pflegebedürftigen ihre Wünsche ausreichend äußern können.
1.14.1.2 Individuelle Orientierungshilfen
Konzept zur orientierungsfördernden und individuellen Milieugestaltung (der Zimmer und Aufenthaltsräume und der Außenflächen) mit:
• örtlichen Orientierungshilfen (Unterstützung der individuellen Raumgestaltung),
• zeitlichen Orientierungshilfen (Kalender, Uhren),
• situativen Orientierungshilfen (Tagesstrukturierung),
• persönlichen Orientierungshilfen (persönliche Fotos und Erinnerungsgegenstände).
1.14.1.3 Ermittlung und Dokumentation, Auswertung und Anpassung des Wohlbefindens von Menschen mit Demenz
• Ermittlung der Bedürfnisse und Gefühle sowie der Handlungen und Aktivitäten, welche die Zufriedenheit des Pflegebedürftigen fördern.
• Aussagen des Pflegebedürftigen zu seinem Wohlbefinden erfassen.
1.14.1.4 Überschaubares Pflegeteam
• Auf den Dienst-/Tourenplan mit separater Spalte »Wunsch-Personal« und/oder Spalte »Bezugspflegeteam« hinweisen.
• Auf die Übersicht »Interne Bezugspflegeteams« hinweisen.
1.14.2 Textbausteine von A–Z zur Maßnahmenplanung
Bitte jeweils differenziert inklusive »Wer/Wie/Was/Wann/ggf. Wo/Wie oft?« formulieren!
• … Anschuldigungen ignorieren, nicht mit der zu betreuenden Person diskutieren
• … auf nonverbale Körpersprache achten
• … auf Wunsch etwas vorlesen
• … auf Wunsch Seelsorger informieren
• … beruhigendes Gespräch
• … Bewusstseinskontrolle
• … Blickkontakt herstellen
• … die pflegebedürftige Person für jede Tätigkeit loben, die er/sie selbst verrichtet, z. B. mit Worten, durch Berührung etc.
• … Gespräche führen, aktives Zuhören
• … Gespräche anbieten, Zuwendung
• … Gespräche und Kontaktpflege, Vertrauensaufbau
• … Hörgerät einsetzen und Funktionsweise erklären
• … in einfachen kurzen Sätzen sprechen
• … Information über Tageszeiten, Örtlichkeiten, Personen, Situationen
• … intervenierendes Gespräch
• … jahreszeitliche Orientierung fördern
• … kleine Aufgaben zuteilen (soweit möglich, z. B. hauswirtschaftliche Tätigkeiten)
• … Konfrontation mit demenzieller Symptomatik vermeiden
• … Kochen, Bereitstellen der Nahrung
• … langsam, aber deutlich und bestimmt sprechen
• … Lebensgewohnheiten ermitteln
• … motivierendes und ermutigendes Gespräch
• … Nähe und Verständnis akzeptieren
• … Nähe und Verständnis zeigen
• … orientierendes Gespräch
• … Orientierungshilfen geben (realitätsorientiertes Training)
• … reflektierendes Gespräch
• … Schreibhilfen zur Verfügung stellen
• … Situation erklären
• … situatives Gespräch
• … Uhr/Kalender/Orientierungstafeln verwenden
• … Validation, Wertschätzung
• … wichtige Informationen bei Bedarf wiederholen
• … Zeit lassen, aktiv zuhören
• … zu nonverbaler Kommunikation (Mimik, Gestik, Schreiben) auffordern
• … zum Sprechen ermutigen
• … zur selbstständigen Haushaltsführung beraten und anleiten
• … ____________________________________________________
• … ____________________________________________________
• … ____________________________________________________
2 SIS®-Themenfeld: Mobilität und Beweglichkeit
2.1 Initialfrage
Inwieweit ist die pflegebedürftige Person in der Lage, sich frei und selbstständig innerhalb und außerhalb der Wohnung bzw. des Wohnbereichs, auch unter Beachtung von Aspekten des herausfordernden Verhaltens, zu bewegen? Gibt es emotionale oder psychische Aspekte, die sich auf die Mobilität auswirken?
2.2 Positionswechsel im Bett
Einnehmen von verschiedenen Positionen im Bett, Drehen um die Längsachse, Aufrichten im Liegen.
Ressourcen
• … kann die Position unter Nutzung von Hilfsmitteln (Aufrichthilfe, Bettseitenteil, Strickleiter, elektrisch verstellbares Bett) selbstständig verändern.
Probleme
• … benötigt das Anreichen eines Hilfsmittels oder Reichen der Hand, um die Lage im Bett überwiegend selbstständig zu verändern.
• … ist beim Positionswechsel überwiegend unselbstständig und kann dabei nur wenig mithelfen, z. B. auf den Rücken rollen, am Bettgestell festhalten, Aufforderungen folgen, wie z. B. »bitte die Arme vor der Brust verschränken und den Kopf auf die Brust legen«.
• … kann sich beim Positionswechsel nicht oder nur minimal beteiligen.
2.3 Halten einer stabilen Sitzposition
Sich auf einem Bett, Stuhl oder Sessel aufrecht halten.
Ressourcen
• … kann/muss beim Sitzen gelegentlich ihre/seine Sitzposition korrigieren.
• … kann sich für die Dauer einer Mahlzeit oder eines Waschvorganges selbstständig in der Sitzposition halten.
Probleme
• … benötigt personelle Unterstützung zur Positionskorrektur.
• … kann sich aufgrund eingeschränkter Rumpfkontrolle auch mit Rücken- und Seitenstütze nicht in aufrechter Position halten.
• … benötigt auch während der Dauer einer Mahlzeit oder eines Waschvorganges personelle Unterstützung zur Positionskorrektur.
• …kann sich nicht in Sitzposition halten.
• … kann bei fehlender Rumpf- und Kopfkontrolle nur im Bett oder Lagerungsstuhl liegend gelagert werden.
2.4 Aufstehen aus sitzender Position/Umsetzen
Von einer erhöhten Sitzfläche, Bettkante, Stuhl, Sessel, Bank, Toilette usw. aufstehen und sich auf einen Rollstuhl, Toilettenstuhl, Sessel, o. ä. umsetzen.
Ressourcen
• … benötigt keine Personenhilfe, um sich umzusetzen.
• … kann ein Hilfsmittel oder einen anderen Gegenstand zum Festhalten oder Hochziehen benutzen.
• … kann sich auf dem Tisch, Armlehnen oder sonstigen Gegenständen abstützen, um aufzustehen.
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