Der Zorn

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Der Zorn hat keinen guten Ruf. Wir kennen nur noch die ressentimentgeladene Variante eines 'gerechten Zorns', der auf Vergeltung sinnt, es dem Anderen heimzahlen will. Mit Zorn assoziieren wir den 'Zorn Gottes' oder den Affektausbruch mythologischer Heroen, allenfalls gebrauchen wir das Wort noch im Sinn von Jähzorn, einer Unbeherrschtheit. An die Stelle des Zorns sind Begriffe wie 'Aggression' oder 'Empörung' getreten. Die Essays in diesem Band thematisieren die unterschiedlichen Varianten des Zorns unter historischen und gegenwartsdiagnostischen Vorzeichen. Dabei geht es auch darum, die produktiven Seiten eines modernen Begriffs von Zorn auszuloten. Philosophische, psychologische, politische, sozialwissenschaftliche, kulturelle und moralische Aspekte des 'Zorns' werden miteinander in Beziehung gesetzt. Mit Beiträgen von Jürgen Busche, Ute Frevert, Peter Glaser, Claus Leggewie, Jutta Limbach, Wolf Lotter, Bascha Mika, Christian Nürnberger, Alan Posener, Jürgen Werner, Uwe Wittstock und mit einem Nachwort von Michel de Montaigne.

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Schon das Verhältnis zwischen Empörung und Zorn ist eindeutig schwer zu bestimmen. Beide Gefühle sind eng benachbart und können ineinander greifen. Christoph Demmerling und Hilge Landweer, die sich in ihrem Buch Philosophie der Gefühle mit dem Zorn und anderen Aggressionsaffekten beschäftigen, nennen einige hilfreiche Kriterien zur Differenzierung. »Das Gefühl des Zorns muss ein personales Objekt besitzen, es muss jemanden geben, dem gezürnt wird. Sodann sind es im Fall des Zorns häufig der Zürnende selbst oder zumindest ihm Nahestehende, die durch das Unrecht geschädigt wurden, um derentwillen Zorn empfunden wird. Beide Bedingungen gelten für Empörung nicht unbedingt. Empörung kann abstrakt bleiben und ist damit stärker als der Zorn anfällig für Gerechtigkeitsvisionen, die von konkreten Konflikt lagen losgelöst sind.« Während also Empörung noch vage sein kann in der Zuschreibung von Verantwortung und kausaler Zuständigkeit, übertroffen nur noch von einer diffusen »Betroffenheit«, muss im Zorn – so die Autoren – der Gegner bereits identifiziert sein. »Gezürnt werden kann nur jemandem«.

Was aber die Empörung auslöst, die Wut aufkommen lässt und den Zorn mobilisiert, das wiederum scheint auch mit unseren jeweilig gesellschaftlich geprägten Erfahrungen von Moral verbunden zu sein. Und die Moral, das wissen wir, ist eine prekäre Angelegenheit. Sicher: jeder Begriff von Norm setzt bereits eine Generalisierung voraus, aber für den Einzelnen können diese ganz unterschiedliche Autorität besitzen. Voraussetzung ist die subjektive Handlungsfreiheit, die Fähigkeit eines Menschen, zu erkennen, zu beurteilen, ob etwas seinen Moralvorstellungen zufolge richtig ist, und entsprechend zu handeln. Es ist die Fähigkeit, Nein zu sagen.

Die subjektiven Gefühle und Handlungsmaximen freilich sind kaum zu vereinheitlichen: Wo der eine augenblicklich in Wut gerät, ein anderer sich öffentlich lauthals empört, zeigt sich bei einem Weiteren nichts als kühler Zorn. Wütend darf der Mensch sein, aber das Recht zum großen Zorn kommt – das haben wir bereits festgestellt – allenfalls den Göttern, niemals aber dem Menschen zu. Denn Wut, darauf weist auch Wolfgang Sofsky hin, mag ungestüm, laut und maßlos sein, aber sie verpufft oder verraucht auch rasch. »Wut ist ein Ereignis, eine Eruption. Sie reißt mit großer Geste alles um, schlägt blind um sich, behilft sich notfalls auch mit Ersatzobjekten.« Wut ist wie ein heftiger innerer Überfall.

Anders der Zorn. Er hat einen langen Atem. »Die Zeit des Zorns beginnt mit einer Verärgerung, die sich nach und nach zu einer grundlegenden Missstimmung ausweitet. Die Kraft der Gedanken wird zum Werkzeug des Zorns. Er behält sein Ziel im Auge, verfolgt es bis zum bitteren Ende.« Sofkys scharfsinnige Betrachtungen bescheinigen dem Zorn eine zähe Destruktivität. »Im Gegensatz zur Wut, die sich selbst erschöpft, hat der Zorn einen definitiven Schlusspunkt. Er ist erreicht, wenn der Bösewicht bestraft, der Feind für immer geschlagen ist. Zorn erstrebt kein friedliches Ende und keinen gütlichen Ausgleich.« Man mag Sofsky hier gerne widersprechen, denn die Bewertung des Zorns hat historisch und kulturell stets variiert. In unserem Kulturkreis ist durchaus eine klare Zuordnung erkennbar: Hass gilt »fast immer als schlecht, Wut als unbeherrscht, Zorn dagegen kann ›gerecht‹ sein«. Im allgemeinen Werteempfinden wird dieser individuelle »gerechte Zorn« durchaus akzeptiert.

Bei Sloterdijk ist Zorn etwas Positives: etwas »Gebendes«. Man schenkt jemanden seine Aufmerksamkeit – also das Gegenteil von Destruktion und Ignoranz. Die Austreibung des produktiven Zorns aus Gesellschaft und Kultur ist für ihn lähmend. Den politischen Wissenschaften wirft er vor, sie litten substantiell unter der Verleugnung des Zorns. Und Sloterdijk identifiziert im Menschen neben der Libido eine weitere, bislang völlig verdrängte Art von Energien, die er in Anlehnung ans Griechische die thymotischen nennt. Thymos war in der Antike ein Sammelbegriff aus Zorn, Stolz, Scham, Ehrgeiz, Geltungswillen und Rechtsempfinden. Dementsprechend fordert Sloterdijk auch eine neue Theorie des Stolz-Ensembles . Seine Kritiker monieren, damit habe er die genuin politische und soziale Dimension des Themas zugunsten einer tiefenpsychologischen geopfert.

In der Tat ist die »Wut in den Städten« zu einer der beherrschenden Phänomene der Gegenwart geworden. Ob New York, Barcelona oder Berlin: in der weltweiten Occupy-Bewegung findet sich eine neue Art von Volkszorn , die von Exponenten der politischen und wirtschaftlichen Eliten gerne als zerstörerische Energien junger Männer missverstanden – oder denunziert? – wird. Wer aber den Protest- Bewegungen das Politische und das Soziale abspricht und auf eine tiefenpsychologische Grundkraft reduziert, der ignoriert freilich die produktive Potenz des Zorns – individuell und gesellschaftlich.

Nein, der Zorn erschöpft sich nicht in einem situativen Aus bruch , er ist Ausdruck einer kritisch-produktiven Geistes- und Emotionshaltung, die sich mit der Welt und ihren Zumutungen so nicht abfinden und befrieden will. Haltung statt Eruption, Prozess statt Ereignis.

Die Kultur des Zorns

Die Aufsätze in diesem Band thematisieren die unterschiedlichen Facetten des Zorns und setzen diese zueinander in Beziehung. Es geht also vor allem darum, die produktiven Seiten des Zorns sichtbar zu machen. Psychologische, politische, sozialwissenschaftliche, kulturelle und moralische Aspekte werden – ganz und gar subjektiv, wie es der Gegenstand nun einmal erfordert, beschrieben. So unterschiedlich Fokus und Duktus der Texte auch sein mögen, der gemeinsame Grundton aller Beiträge ist die Rehabilitierung des antiquierten Zornbegriffs. Es geht darum, den Zorn vom Makel des Destruktiven zu befreien. Die Autorinnen und Autoren meinen es ernst mit der Aussage, dass gesellschaftliche und soziale Veränderung durchaus den Zorn braucht, denn vom »widerständigen Menschen« lebt die Zivilgesellschaft. Zorn ist Energie, und Energie braucht es, um Dinge zu verändern.

Und was hat es mit Nachwort dieses Buches auf sich? Es ist ein historischer, dennoch ungemein aktueller Text, verfasst 1571. Der Autor: Michel de Montaigne, ein achtunddreißigjähriger, freigeistiger Adelsmann. Von seinem Amt als Parlamentsrat gerade zurückgezogen, beginnt er im Turmzimmer auf Schloss Montaigne, umgeben von Büchern, seine Essais zu schreiben: »Von meiner Bibliothek überschaue ich mein ganzes Hauswesen mit einem Blick. Sie liegt über dem Eingangstor, und ich sehe unter mir meinen Garten, meine Stallungen, meinen Innenhof und die meisten Teile meines Anwesens. (…) Die Bibliothek liegt im zweiten Stockwerk eines Turms. Das Erdgeschoss wird von meiner Kapelle eingenommen, das erste Stockwerk besteht aus einem Schlafgemach mit Nebenraum, wo ich mich oft hinlege, um allein zu sein; und darüber nun befindet sich die Bibliothek, die früher als große Kleider- und Wäschekammer diente und der unnützeste Raum meines Hauses war.«

Da oben schreibt er also seine Essais , Aufsätze zu verschiedensten Themen, wie: »Über Traurigkeit, Furcht, Freundschaft, Einsamkeit, Alter, Trunksucht, Bücher, Dünkel, Erfahrung, Eitelkeit« und Zorn. Auffallend ist, dass er sich dabei nicht wie üblich an die gewählten Themen hält, sondern frei und eigenwillig seinen Assoziationen folgt. Das Ganze ist durchsetzt mit Geschichten und Anekdoten aus seiner Zeit und aus der Antike und immer wieder zitiert er aus antiken Quellen (ohne sie anzugeben). Wie er selbst schreibt, haben spielerische und gut klingende Formulierungen ihm besondere Freude bereitet. »Alle Welt richtet den Blick aufs Gegenüber, ich jedoch nach innen, dort halte ich mich dauerhaft beschäftigt.«

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