Die Aborigines in Australien sind der Überzeugung, dass wir, bevor wir auf die Welt kommen, auf der höchsten Ebene unseres Seins mit manchen Seelen Verabredungen treffen, wann wir einander in diesem Leben treffen, zum beiderseitigen Nutzen und zum Wohle aller. Liebe Hanni, wir beide haben diese Verabredung sicher getroffen! Möge dieses Buch, das aus einer dieser Seelenfreundschaften entstanden ist, alle Menschen 50+ erreichen und allen Leserinnen und Lesern neue Perspektiven für ein langes, gesundes, zufriedenes Leben eröffnen!
Susanne Strobach
Als mich Susanne einlud, dieses Buch mit ihr zu schreiben, war ich sofort voll Freude und Dankbarkeit für diese Möglichkeit. Ich schätze Susanne sehr und bin dankbar für die Freundschaft, die uns verbindet. Ich fühlte gleich die Kraft, die dieses Projekt in sich trägt und damit uns Schreibende trägt. Viel Freude war und ist zu spüren, dass ich mein über Jahrzehnte angesammeltes Wissen und die große Lebenserfahrung auch über dieses Buch weitergeben darf.
Ich weiß für mich, dass ich noch lange nicht zum alten Eisen gehöre, sondern – im Gegenteil – so viel Spaß und Freude an meinem Leben habe wie noch nie. Ich fühle mich frei, mein Leben zu kreieren. Meinen Fokus gebe ich auf Projekte, die mir Freude machen, wo ich Sinn spüre und ich meinen Beitrag für das große Ganze zum Wohle für andere Menschen leisten kann. Im Wissen, dass wir alle verbunden sind, dass letztlich alles mit allem verbunden ist, ist es auch ein Beitrag für die Erde.
„Energie folgt der Aufmerksamkeit“, ist für mich dabei ein wichtiger Leitspruch. Mit diesem Bewusstsein haben wir das Zepter für unser Leben in unseren Händen. Das heißt, wir können die Energie, die den Lauf unseres Lebens steuert, auf das lenken, was wir eigentlich wollen, was uns guttut, uns erfreut, uns gesund erhält und glücklich macht.
Was wäre, wenn wir die Narben, die das Leben uns zugefügt hat, nicht mehr verstecken müssten? Wenn unsere Verletzlichkeit keine Schwäche mehr darstellte, sondern eine Chance auf Wachstum und ein Zeichen innerer Stärke? Kintsugiist die alte japanische Kunst, zu reparieren, was zerbrochen ist. Meister dieses Handwerks verfügen über die Fertigkeit, aus Scherben mithilfe von Goldpuder Kunstwerke zu schaffen, die noch kostbarer sind als die ursprünglichen Gegenstände.
Wenn wir älter werden, haben wir alle neben viel Erfreulichem, wofür wir dankbar sein können, auch erfahren, dass unsere Pläne, unsere Ziele, unsere Gesundheit, unsere Ehen zerbrechen können. Aber wir können diese Scherben aufheben und sie liebevoll zu einer neuen Form zusammensetzen: behutsam, achtsam, mutig und unsere Erfahrungen wertschätzend! Und diese Erfahrungen sind Gold wert! Sie lehren uns das Geheimnis innerer Stärke, die uns durch schwierige Zeiten trägt und mit deren Hilfe wir uns immer wieder ein neues Leben aufbauen können, das noch kostbarer ist als das alte.
Hanni Reichlin-Meldegg
A
Morgenstück I
Schau in den Spiegel. Begrüße deine Lachfalten. Sie leiten dich fröhlich durch den Tag.
Ganz unter uns und wirklich ehrlich: Wie geht es Ihnen mit Ihrem Alter? Fühlen Sie sich wohl, zufrieden, dankbar, kuschelig eingebettet in Ihr Leben? Erwachen Sie an den meisten Morgen Ihres Lebens mit einem Lächeln und dem Gedanken: Hallo, junger Tag, was wollen wir beide heute anstellen, welche Wunder warten auf uns?
Oder gibt es da kleine Stimmen, die sich manchmal leiser, manchmal lauter zu Wort melden und flüstern: War das schon alles? Da muss doch noch mehr drin sein! Das kann nicht alles gewesen sein, ich hatte doch so viele Pläne, als ich jünger war!
Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 10 der höchste Wert ist, wie glücklich sind Sie mit Ihrem Leben?
Wenn wir ehrlich sind, die unbeschwertesten Jahre haben wir oft zu einer Zeit, in der uns diese Qualität noch gar nicht bewusst ist – als Kinder! Wir mussten uns damals um nichts Sorgen machen, für uns wurde gesorgt. Wir wurden bedingungslos geliebt, wir hatten ein Zuhause, zu essen, Kleidung und unendlich ZEIT!
Dann kam die Schule, wo die ersten Anforderungen an uns gestellt wurden, danach der Job, die große Liebe, eigene Kinder – Verpflichtungen emotionaler und finanzieller Natur, kaum noch Zeit für uns und irgendwann hält Mann/Frau inne …
Für Frauen kommt dieser Moment oft, wenn das letzte Kind auszieht, auch bekannt als „Empty-Nest-Syndrom“, bei Männern geht – wenn sie nicht gut vorbereitet darauf zusteuern – mit der Aussicht auf die immer näher rückende Rente eine Altersdepression einher. Hochglanzmagazine suggerieren mit Reklame für Superfood, verjüngenden Ayurveda-Kuren, Anti-Aging-Cremen oder plastischer Chirurgie, dass „Altern“ unattraktiv und zumindest optisch tunlichst zu vermeiden ist. Also Anti-Aging nach dem Motto: 50 ist das neue 30, 70 ist das neue 50.
Wenn wir mit dieser Haltung leben, leben wir in der Vergangenheit, denn wir sind nicht mehr 30 oder 50, sondern eben 54 oder 63 oder 76. Unser Verstand geht oft mit dieser Realität in Widerstand, in der Hoffnung, damit eine unangenehme Situation auflösen zu können. Das Ergebnis ist jedoch nur, dass wir damit dieser Unzufriedenheit zusätzliche Energie geben, wodurch sie nur weiterwächst.
Durchlässig sein wie ein Sieb ist ein Bild, mit dem wir in der Achtsamkeit oft arbeiten. Es bedeutet: aus dem Widerstand gehen. Auch Hingabe ist in diesem Zusammenhang eine passende Haltung – die Hingabe an das Sein, an die Zyklen des Lebens. Sich dem Leben hingeben bedeutet, Ja dazu zu sagen, wie es ist, Ja zum natürlichen Zyklus des Lebens, zu den vier Jahreszeiten, zum Werden und Vergehen mit all seinen Facetten.
Dabei gilt es, sich zwischendurch einmal Zeit und Muße zu nehmen, stehen zu bleiben und Rückschau zu halten, was wir in diesem Jahr bzw. im Laufe des Lebens „gesammelt“ haben.
Da ist viel zusammengekommen, viel haben wir erlebt. Nicht alles war nur Freude, auch Berg- und Talfahrten gab es, Schicksalsschläge haben uns durch- und manchmal auch wachgerüttelt. Die Frage ist, lassen wir uns durch Schicksalsschläge schlagen oder können wir akzeptieren, dass das Leben aus Polaritäten besteht, wie Yin und Yang, weiblich und männlich, wie Tag und Nacht – dass es auch Schatten braucht, um die Sonne bewusst wahrnehmen und wertschätzen zu können? Es ist ein Schwingen wie auf einer Schaukel als Kind und am besten schwingen wir mit, mit allem, was ist und noch kommen wird.
Mit zunehmendem Alter können wir die Fähigkeit entwickeln, Ereignisse aus unserer Lebenserfahrung heraus mit größerer Distanz und damit gelassener zu sehen. Sich selbst mit Verständnis und Liebe zu beobachten, kann befreiend sein.
In der Achtsamkeit finden wir Qualitäten wie Nicht-Beurteilen, Geduld, Vertrauen, Akzeptanz, Loslassen, Mitgefühl, Sanftmut, Großzügigkeit, liebende Güte und Dankbarkeit, die es im Leben zu kultivieren gilt. Finden Sie einige dieser Qualitäten in Ihrem Leben? Wenn ja, wo werden sie für Sie sichtbar, spürbar? Und wo spüren sie die Menschen in Ihrem Umfeld? Würden sie es genauso einschätzen?
Mindful aging – achtsam altern – bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein mit allen seinen Facetten und bunten Herbstfarben. Es bedeutet, die körperlichen Veränderungen wahrzunehmen und sie zu akzeptieren, ohne sie zu bewerten, die Haare, die grau und dünner werden, die Haut, die da und dort Altersflecken bekommt und an Spannkraft verliert, das Gehirn, das sich mit dem Erlernen neuer Dinge manchmal schon schwerer tut, die körperliche Ausdauer, die geringer wird, die durchgemachten Nächte, die weniger werden und sich am nächsten Tag schlimmer bemerkbar machen als in jungen Jahren …
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