Doch wir leben in einer Zeit, in der wir uns mit großen politischen, gesellschaftlichen und spirituellen Umbrüchen konfrontiert sehen. Die Menschheit wird sich in vielerlei Hinsicht neu orientieren müssen. Und so ist es an der Zeit, dass sich die Menschen über ihre Stellung im Universum bewusst werden und die Spielregeln des Lebens verstehen. Daher ist der Augenblick gekommen, dem interessierten Menschen das Wissen der Eingeweihten zugänglich zu machen.
Der dreifach größte Hermes
Über Hermes Trismegistos ranken sich viele Mythen und Legenden. Während einige Wissenschaftler meinen, es hätte ihn physisch nie gegeben und seine Person wäre einfach Erfindung, sind die meisten Menschen, die sich mit dieser Thematik befassen, der Meinung, dass Hermes Trismegistos eine tatsächliche historische Persönlichkeit war. Der Beiname »Der dreifach Größte« stammt vermutlich daher, dass Hermes als größter König, größter Priester und größter Philosoph angesehen wurde. Was die Zuordnung seiner Person so schwierig gestaltet, ist die Tatsache, dass er unter so vielen verschiedenen Namen bekannt war. Einig ist man sich weitestgehend nur in der Datierung seines Wirkens – dass das Entstehen seiner Werke in die Zeit des Moses fallen müsste.
Hermes Trismegistos wird als Begründer aller Weisheitslehren gefeiert, als Meister aller Meister verehrt, als Entdecker der Alchemie und Begründer der Astrologie angesehen. Arabische Schriften bezeichnen ihn als Bewahrer und Beschützer von universellem Wissen. Auch in unserer westlichen Welt wird Hermes Trismegistos als erster und größter aller Weisheitslehrer angesehen.
Hermes Trismegistos war in die »Geheimnisse der Nacht« eingeweiht und verfügte über die Technik, zu Lebzeiten in das Jenseitsland zu reisen. Diese Fähigkeit, mit der geistigen Welt zu kommunizieren und sich in der geistigen Welt zu bewegen, versetzte ihn in die Lage, das Wissen über universelle Gesetzmäßigkeiten in die physische Welt zu bringen.
Dieses Wissen war aber nicht für jedermann zugänglich und es wurde viel später als die »hermetischen Lehren« bekannt. Diese wurden nur von Eingeweihten an Geläuterte weitergegeben. Als Eingeweihte sah man früher Menschen an, deren Bewusstsein höher entwickelt war und deshalb in die hermetischen Lehren unterwiesen werden durften.
Den Eingeweihten wurde bei der Initiation der Weg in das Jenseitsland gewiesen und das Jenseitsland war danach für die betreffende Person jederzeit erreichbar. Für einen Eingeweihten war die geistige Welt stets allgegenwärtig.
Wurde man in das hermetische Wissen eingeweiht, hatte man darüber eisern zu schweigen. Aus dieser Tatsache ist noch heute der Begriff »hermetisch verschlossen« bekannt.
Zu Zeiten der religiösen Intoleranz – sprich der Inquisition – reichte es, als Hermetiker angeklagt zu werden, um sein Ende am Scheiterhaufen zu finden. Also war jedermann, der in den Lehren unterwiesen worden war, schon aus Selbstschutz bestrebt, nicht als Eingeweihter erkannt zu werden.
Obwohl die hermetischen Lehren nur mündlich weitergegeben wurden, finden sich im Laufe der Zeit auch schriftliche Aufzeichnungen davon. Vermutlich trafen die Ägypter zu Zeiten der griechischen und römischen Herrschaft Maßnahmen, damit die Lehren nicht in Vergessenheit geraten würden. So entstand eine Sammlung von Weisheitstexten, welche dem Hermes zugeschrieben werden. Diese Texte stellen ein Konglomerat von Wissen aus dem ägyptischen Totenbuch, den Pyramidentexten und verschiedenen Sargtexten dar. Aus der doch beachtlichen Anzahl von Schriften heißt die bekannteste Der göttliche Pymander.
Viele der Schriften verloren sich im Laufe der Zeit. In der Renaissance wurden einige davon wiederentdeckt. Cosimo de Medici kam im Jahre 1462 in den Besitz einiger Texte, die wir heute als Corpus Hermeticum kennen. Als er die Bedeutung der Texte erkannte, beauftragte er seinen Übersetzer Marsilio Ficino alle anderen Übersetzungsarbeiten zu unterbrechen, um das Corpus Hermeticum ins Lateinische zu übersetzen.
Hermes Trismegistos traf aber noch eine andere Vorkehrung, um sein Wissen der Nachwelt zu erhalten. Er schrieb die Kernaussagen der Weisheiten auf eine Tafel, welche aus grünem orientalischen Korund bestand. Er fasste die Weisheiten in fünfzehn Thesen, welche durch die Verwendung von Analogien nur den Eingeweihten verständlich waren.
Diese Tafel ist heute bekannt unter dem Namen Tabula smaragdina und ist seit langer Zeit verschollen. Es ist anzunehmen, dass ein reicher Sammler die Tafel in seinen Besitz genommen hat und der Öffentlichkeit vorenthält. Doch obwohl die Tafel seit langer Zeit nicht mehr gesehen wurde, ist ihr Text sehr wohl bekannt.
Im Folgenden sei der Text im Original wiedergegeben:
Die Tabula smaragdina des Hermes Trismegistos
1 Wahr ist es ohne Lügen, gewiss und aufs Allerwahrhaftigste.
2 Dasjenige, welches unten ist, ist gleich demjenigen, welches oben ist: Und dasjenige, welches oben ist, ist gleich demjenigen, welches unten ist, um zu vollbringen die Wunderwerke eines einzigen Dinges.
3 Und gleich wie von dem einigen Gott erschaffen sind alle Dinge, in der Ausdenkung eines einigen Dinges. Also sind von diesem einigen Dinge geboren alle Dinge, in der Nachahmung.
4 Dieses Dinges Vater ist die Sonne, dieses Dinges Mutter ist der Mond.
5 Der Wind hat es in seinem Bauche getragen.
6 Dieses Dinges Säugamme ist die Erde.
7 Allhier bei diesem einigen Dinge ist der Vater aller Vollkommenheit der ganzen Welt.
8 Desselben Dinges Kraft ist ganz beisammen, wenn es in Erde verkehret worden.
9 Die Erde musst du scheiden vom Feuer, das Subtile vom Dicken, lieblicherweise, mit einem großen Verstand.
10 Es steiget von der Erde gen Himmel, und wiederum herunter zur Erde, und empfänget die Kraft der oberen und der unteren Dinge.
11 Also wirst du haben die Herrlichkeit der ganzen Welt. Derohalben wird von dir weichen aller Unverstand. Dieses einige Ding ist von aller Stärke die stärkste Stärke, weil es alle Subtilitäten überwinden und alle Festigkeiten durchdringen wird.
12 Auf diese Weise ist die Welt erschaffen.
13 Daher werden wunderliche Nachahmungen sein, die Art und Weise derselben ist hierin beschrieben.
14 Und also bin ich genannt Hermes Trismegistos, der ich besitze die drei Teile der Weisheit der ganzen Welt.
15 Was ich gesagt habe von dem Werk der Sonnen, daran fehlet nichts, es ist ganz vollkommen.
***
Die Bedeutung der Texte ist unermesslich groß. Das Wissen über diese Gesetzmäßigkeiten hat die Menschen von jeher in ihren Bann gezogen. So wird es in Geheimgesellschaften gehütet und ihren Mitgliedern nur Stück für Stück beigebracht.
Doch diese Gesellschaften verfügen selbst nur über einen Teil dieser geistigen Gesetzmäßigkeiten. Die wahre Bedeutung der Texte ist ihnen unbekannt, denn ihre Mitglieder kennen die ursprünglichen Inhalte der Rituale der Initiation nicht mehr, und so haben sie auch keinen Zugang zur geistigen Welt, durch welchen sie den Wahrheitsgehalt ihrer Lehren überprüfen könnten. Daher ist ihr Wissen nur Wissen aus dritter Hand, welches aus Mangel an Kontrollmöglichkeit vor Manipulation nicht gefeit ist.
Und vor etwas sei an dieser Stelle explizit gewarnt: Wer die geistigen Gesetzmäßigkeiten nicht für sich, sondern gegen andere Menschen einsetzt, darf sich nicht wundern, wenn er sich schlussendlich auf der dunklen Seite, in einer Position wiederfindet, welche ihm nicht zum Vorteil gereicht.
Wir wollen uns hier mit den positiven Möglichkeiten der geistigen Gesetze befassen. Viele der brillantesten Köpfe der Welt waren in die hermetischen Lehren eingeweiht – ob Bach, Beethoven, von Braun, Dante, Dostojewski, Edison, Ford, Goethe, Heine, Hesse, Karl der Große, Leibniz, Leonardo da Vinci, Lessing, Michelangelo, Morgenstern, Mozart, Napoleon, Platon, Pythagoras, Schiller, Schopenhauer, Shaw, Sokrates, Tolstoi, Voltaire, oder Wilde. Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen.
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