Leider wissen nur wenige schwangere Frauen, dass die Vorsorge bei einer Hebamme von den Krankenkassen übernommen wird.
Der Besuch beim Gynäkologen ist Ihnen bekannt und bringt meist die eine oder andere Wartezeit mit sich. Das Verhältnis zu dem Arzt/der Ärztin sollte persönlich und vertrauensvoll sein, er/sie sollte sich für die schwangere Frau Zeit nehmen und alle Fragen beantworten.
Im Vergleich dazu arbeiten die Hebammen mit weniger Technik und mehr Zuwendung. Sie sind fachlich ebenso qualifiziert wie Ärzte und bieten ein breites Angebot für schwangere Frauen und Wöchnerinnen. Diese Betreuung „von Frau zu Frau“ empfinden viele Schwangere mehr als Fürsorge denn als Vorsorge. Zudem haben Sie die Möglichkeit, bei Ihrer vertrauten Hebamme einen Geburtsvorbereitungskurs oder auch einen Babypflegekurs zu absolvieren. Sie lernen dort andere Schwangere kennen und können so schon erste Kontakte mit Gleichgesinnten knüpfen und sich mit anderen Frauen austauschen.
Im Hinblick auf eine Hausgeburt sollten Sie sich frühzeitig mit einer Hebamme in Verbindung setzen.
In vielen Städten Deutschlands gibt es sogenannte „Beleghebammen“. Das bedeutet, dass Sie durch eine Hebamme während der Schwangerschaft betreut werden und diese dann mit Ihnen in die Klinik (dies ist dann die Klinik, mit der die Hebamme einen Vertrag hat) zur Entbindung geht und bei Ihnen bleibt, bis das Baby geboren ist.
Was macht eigentlich eine Hebamme?
Als mein Frauenarzt mir bestätigte, dass ich schwanger war, freute ich mich total. Danach bin ich erst einmal ziemlich sorglos durch die nächsten Wochen gegangen. Bis ich von einer guten Freundin einen Ratgeber über Schwangerschaft und Geburt und einen über die verschiedenen Wehenphasen geschenkt bekam. Ich blätterte darin herum, las quer und saß am Abend ziemlich deprimiert im Sessel, weil mir das alles viel zu viel war. Und nun? Wer konnte mir jetzt weiterhelfen? Zu meinem viel beschäftigten Arzt konnte ich wohl kaum gehen, um alle Fragen loszuwerden, die sich mir aufwarfen. Und eine Hebamme – die war doch meines Wissens erst gefragt, wenn es „zur Sache geht“, sprich: kurz vor der Geburt. Ich grübelte ein paar Tage darüber nach, recherchierte im Internet und rief irgendwann ziemlich aufgelöst bei einer Hebamme aus dem Nachbarort an: „Ich habe keine Ahnung, was Sie eigentlich machen“, sagte ich. „Aber ich bin schwanger und habe jede Menge Fragen, die mich bedrücken. Können Sie mir da vielleicht weiterhelfen?“ Sie konnte! Ich bekam kurzfristig einen Termin und wurde von einer fürsorglichen Person empfangen, die mich wieder auf einen normalen Gefühlslevel brachte. Und ich erfuhr, dass eine Hebamme mehr ist als eine reine Geburtshelferin … (Katharina)
In jedem Ratgeber über Schwangerschaft und Geburt finden Sie ein ausführliches Kapitel über die Vorsorgeuntersuchungen sowie das erste, zweite und dritte Schwangerschaftsdrittel. Ich möchte diese Informationen nur der Vollständigkeit halber erwähnen, ohne in die Tiefe und Details zu gehen.
Denn in diesem Buch möchte ich Ihnen Tipps und Hilfestellungen anbieten, damit Sie mit all Ihrem Theoriewissen aus Ratgebern Ihren individuellen Weg gehen und Ihre Selbstbestimmtheit während der Schwangerschaft und Geburt stärken können.
Eine kurze Zusammenfassung der Vorsorgeuntersuchungen und deren Bedeutung:
In der Regel übernimmt die Krankenkasse:
• 3 Ultraschalluntersuchungen
• Ultraschall zwischen der 9. und 12. SSW
• Ultraschall zwischen der 20. und 22. SSW
• Ultraschall zwischen der 30. und 32. SSW
• Bestimmung der Blutgruppenzugehörigkeit (wichtig ist vor allem der Rhesusfaktor)
• Möglicherweise ein Antikörper-Suchtest (Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind)
• Röteln-HAH-Test (Röteln-Immunität)
• Generell nicht vorgesehen sind der Toxoplasmose- sowie der Listeriose-Test, aber auch der HIV-Test
• Nachweis von Chlamydia-trachomatis-Antigen aus der Zervix (Chlamydieninfektion in der Scheide)
• LSR-Test (Nachweis einer Syphilis)
• Nachweis von HB’s-Antigen aus dem Serum (Nachweis von Hepatitis-B-Erregern)
• CTG-Untersuchungen etwa ab der 34. SSW (beim CTG werden die Herztöne vom Kind und die Wehentätigkeit gemessen und auf einem langen Papierbogen ausgedruckt)
Des Weiteren wird eine gründliche Anamnese (Krankengeschichte) erhoben und im Mutterpass festgehalten.
Eine ausführliche Beratung der Schwangeren über Ernährung, Medikamente, Genussmittel, Sport, Reisen, Tätigkeiten, Beruf, Geburtsvorbereitung, Schwangerschaftsgymnastik und Krebsfrüherkennungsuntersuchung sollte danach erfolgen.
Den Mutterpass sollten Sie immer bei sich tragen und zu jeder Vorsorgeuntersuchung mitbringen. Er gehört Ihnen, nicht dem Gynäkologen oder der Hebamme. Sie können ebenfalls Notizen reinschreiben oder sich den Umschlag farbig schön gestalten.
Im Mutterpass finden Sie auch ein sog. Gravidogramm (Übersicht über den Verlauf der Schwangerschaft), welches im Laufe der Schwangerschaft von Ihrer Hebamme/Ihrem Gynäkologen mit Informationen gefüllt wird. Während der Schwangerschaft werden außerdem folgende Untersuchungen durchgeführt:
• Zweiter Ak-Suchtest (24.– 27. SSW)
• Anti-D-Prophylaxe (28.– 30. SSW) bei Schwangeren mit negativem Rhesusfaktor
• Untersuchung auf Hepatitis B (32.– 40. SSW)
• 2–3-mal wird der Hämoglobinwert (hb) ermittelt
Vaginale Untersuchungen
Bei der vaginalen Untersuchung werden die erhobenen Befunde festgehalten, d. h. alle Veränderungen am Muttermund, Gebärmutterhals, Lage des Kindes und Position des Kopfes.
Urinuntersuchungen
Bei jeder Untersuchung im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge werden Sie gebeten, Urin abzugeben. Hierbei wird Ihr Urin auf Sedimente (feste Bestandteile im Urin), Eiweiß, Zucker, Nitrit und Blut untersucht.
Tipp
Bereiten Sie sich auf die Anamnese bei der Erstuntersuchung vor, sprechen Sie alle Ihnen bekannten Krankheiten und die Ihres Partners an.
Suchen Sie sich eine vertraute geburtserfahrene Person, mit der Sie über all Ihre Fragen, Ängste und Wünsche sprechen können.
Wägen Sie ab, wie viel „Vorsorge“ für Sie persönlich wichtig ist und wie viel „Fürsorge“ Sie brauchen.
Führen Sie ein Gespräch mit einer Hebamme und entscheiden Sie dann, ob Sie bei ihr die Vorsorgeuntersuchungen vornehmen lassen möchten oder ob Sie sich bei Ihrem Gynäkologen gut aufgehoben fühlen.
Verraten Sie den errechneten Geburtstermin nur Ihrem Partner, allen anderen Personen nennen Sie nur den Monat, in dem das Kind geboren wird. Das erspart Ihnen viel nervende Fragerei rund um den errechneten Termin, die Sie dann nur aus der Ruhe bringt und unter Stress setzt, endlich das Kind zu gebären.
2.2 Lernen Sie sich und Ihre Bedürfnisse kennen
Natürlich gibt es unterschiedliche Bedürfnisse – diese sind nicht nur von Mensch zu Mensch verschieden, sondern eben auch bei schwangeren Frauen sehr individuell. Es ist auch wichtig, den unterschiedlichen Bedürfnissen von Frauen, die ihr erstes Kind erwarten und noch berufstätig sind, und von Frauen, die bereits ein Kind oder mehrere geboren haben, Beachtung zu schenken.
Grundsätzlich möchte ich aus Erfahrung sagen: Tun Sie, wozu Sie Lust haben! Wenn Sie keine Lust haben, lassen Sie es sein und haben Sie kein schlechtes Gewissen – Ruhe, Entspannung, Tagträumereien und auch Langeweile gehören in einen ganz normalen Alltag, auch als Schwangere. Sie „müssen“ jetzt nicht zwanghaft nach Dingen suchen, die vermeintlich viele andere Schwangere auch machen, nur um sich und Ihrem Kind etwas „Gutes“ zu tun.
Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers: Wenn Sie Durst haben, trinken Sie – und zwar nicht erst in einer halben Stunde, sondern sofort! Und freuen Sie sich über die Signale Ihres Körpers, auch wenn Ihnen am Anfang der Schwangerschaft übel ist – häufig dienen die Signale auch dazu, dass Sie lernen, wieder mehr auf sich zu achten. Wasser trinken ist ein wichtiges Ritual, das es lohnt, während der Schwangerschaft zu beginnen.
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