Johannes Schweikle - Grobe Nähte

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Sie heißen Victor, Benedikt und Korbinian. Sie leben in München. Mehr Gemeinsamkeiten haben sie nicht. Victor stammt aus Nigeria. Als Stürmer wird er für seine Tore gefeiert. – Benedikt spielt Tuba. Er hofft, bald von der Musik leben zu können. – Korbinian schreibt als Journalist für eine bessere Welt. Mit seiner Familie lebt er in einem bunten und begehrten Viertel.
Dann kommen die Flüchtlinge, und die reiche Stadt empfängt sie mit offenen Armen. Was aber folgt auf die erste Willkommensbegeisterung? Der Ton wird rau. Benedikts Wohngemeinschaft bricht auseinander. Hält seine Beziehung? – Victor stolpert außerhalb des Spielfeldes durch die Widersprüche der deutschen Gesellschaft. – Korbinian kämpft um die linksliberale Deutungshoheit: Die Geflüchteten sind ein Glück für unser Land. Doch wie reagiert seine Frau, als neben dem Kinderladen ihrer Tochter Migranten untergebracht werden sollen?
Schweikles Roman prüft die Nähte im Gewebe einer Metropole. Packend beschreibt er die Zerreißprobe während der sogenannten Flüchtlingskrise. Eine Art ›Blitzlichtroman‹ von hoher gesellschaftspolitischer Relevanz.

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Die Maschine mit den Killerfüßen

Die Natur hat ihn zum Torjäger bestimmt

DAS DACH MÜSSEN WIR ERKLÄREN. Mit dem Olympiastadion wollten wir der Welt zeigen, dass Deutschland sich gebessert hat, und zwar gründlich. Keine Monumentalbauten mehr, die Menschen erschlagen. Keine Heldenfiguren wie 1936 in Berlin, kolossal aus Stein gemeißelt. Stattdessen dieses Dach, schwebend wie ein Zelt. Ein Dackel wurde das Maskottchen unsrer Spiele, harmlos und bunt. Diesmal nahmen wir keinen Marmor, sondern Plüsch. Rings um die Sportstätten haben wir einen Park angelegt. Es gab einen See, aber weder Mauern noch Zäune. Den Schutthügel mit den Trümmern aus dem Weltkrieg verwandelten wir in den Olympiaberg. Mit Wegen zum Spazierengehen. Betreten des Rasens ausdrücklich erwünscht.

Wir haben uns wirklich angestrengt, entspannt zu sein und heitere Spiele zu bieten. Leider war die Welt nicht gut genug für unser Ideal. Arabische Terroristen haben elf Sportler aus Israel ermordet.

AUSNAHMSWEISE NAHM EVA DIE SCHLIMME STRASSE. Die hieß nicht nur so, wenn die Mosers mit ihren Kindern redeten. Sie war wirklich schlimm. Eine Häuserschlucht mit Fassaden, an denen sich schon der Stadtstaub angelagert hatte, als dies noch ein Armeleuteviertel gewesen war. Einfach verglaste Fenster in ausgelaugten Holzrahmen. Die Kneipe am Eck hatte gelbe Butzenscheiben, der Eingang war zugenagelt. Eine bleiche Stelle im Putz, da hatte mal das Wirtshausschild gehangen. Von hier torkelte niemand mehr nach Hause, diese Schneise diente nur noch dem Verkehr: schmaler Gehweg, keine Bäume, zwei Spuren stadtauswärts. Diese Einbahnstraße markierte die Grenze des Viertels, keiner überquerte sie zu Fuß oder gar mit dem Rad. Auf der anderen Seite gab es eine Turnhalle, in der Boxer trainierten. Keine schillernden Thai- oder Kickboxer, sondern die letzten Vertreter des Arbeitersports. Blasse Männer mit starkem Nacken, Bantam- und Weltergewicht. Schräg gegenüber hatte ein Möbelgeschäft eröffnet. Schau da mal rein, hatte ihre Freundin Barbara empfohlen, die Adresse geht gar nicht, aber die wollen die Wahnsinns-Mieten in den Fünf Höfen nicht bezahlen, was ja echt sympathisch ist.

Die Verkäuferin sprach mit holländischem Akzent, ironisch hob sie den Vorteil der schlechten Lage hervor: Hier fährt halb München raus nach Grünwald. Im Feierabendstau hat man Zeit, unser Schaufenster zu betrachten.

Wie es sich für eine Boutique gehört, gab es nur wenige, ausgewählte Stücke. Eine Parodie auf das Hirschgeweih des bayrischen Jägers, geformt aus Draht und Moos. Der absolute Hingucker war jedoch ein Sessel aus Indonesien. Reduzierte Formen, die ins Exotische spielten. Rattanstäbe waren zu einer Sitzfläche gebogen, in der hohen Lehne liefen sie weit über Kopfhöhe einzeln aus, jeder hatte seine eigene Länge. Sie federten elastisch, Eva saß bequem, mitten in der Stadt hatte sie üppig wucherndes Schilf im Rücken. Sie fühlte sich wie am Ufer eines Sees, geborgen in der Natur, und feierte einen kleinen Triumph über ihre Mutter. Mit ihrem spießigen Ordnungssinn würde sie nie verstehen, wie man ein Möbelstück gut finden konnte, das der Schreiner nicht exakt in Form gebracht hatte. Die Holländerin erzählte von einer kleinen Manufaktur auf Sumatra, und Eva fand den Preis von 990 Euro in Ordnung. In Gedanken ersetzte sie bereits den braunen Schaukelstuhl im Wohnzimmer, in dem Korbinian gerne saß und las, seit er ihn als Student bekommen hatte, als Prämie für ein Zeit -Abonnement.

Um drei war sie mit Barbara verabredet. Zum Schokotraum waren es fünf Minuten zu Fuß. Früher war das eine Filiale der Stadtsparkasse, entsprechend schlicht wirkten die Räume. Die Pächterin hatte nicht genug Geld, um die abgehängte Funktionsdecke herauszureißen und durch etwas Schöneres zu ersetzen. Sie war mit fünf Kameras bestückt. Schwarze, fiese Pickel, die unangenehm an Überwachung erinnerten. Die Pächterin war eine Französin, wohl mit afrikanischen Wurzeln, mit marokkanischen Accessoires hatte sie die Strenge des Ladenlokals gemildert. Sie sagte, sie sei froh über die Kameras, weil Kriminelle schon dreimal versucht hätten, nachts durch die großen Scheiben einzubrechen. Auch der Schokotraum lag an der Grenze des Viertels.

Im hinteren Teil des Cafés konnte man den Konditoren bei der Arbeit zusehen. Eva bestellte nie aus der Karte. Sie ging jedes Mal an die Theke und verwandelte sich in ein Kind, das sich nicht entscheiden kann, weil ihm die Augen übergehen. Links war die Truhe mit zehn Sorten hausgemachtem Eis, rechts die Vitrine mit Torten für Hochzeit und Kindergeburtstag. Aber das Beste war der lange Tresen in der Mitte: hinter Glas Petits Fours und Törtchen – rund und eckig, Nougat und Baiser, von Cassis bis Pistazie. An der Wand hing ein Schild: Ich mache erst Diät, wenn mir der Schal nicht mehr passt . Beim ersten Mal hatte Eva herzlich über diesen Spruch gelacht, und jedes Mal, wenn sie ihn las, freute sie sich wieder. Auch ohne viel Sport hatte sie nach zwei Schwangerschaften ihre Konfektionsgröße gehalten. In Jeans sah ihr Po noch immer begehrenswert aus, und sie hatte keine Winkearme, das war ihr wichtig. Gut, über den Hüften hatte sie ein wenig zugelegt, aber Korbinian machte keine Bemerkungen, nicht mal mit den Augen. Wegen ihr hatte er seine Ex und die beiden Mädchen verlassen. Am Anfang hatten sie gemeinsam Dessous ausgesucht, damals war er scharf auf Spitze. Irgendwann stand sie wieder allein in der Umkleidekabine. Sie wusste, dass in seinem Waschbeutel neben Aspirin und Pflaster immer ein Kondom steckte. Wenn er von den kurzen Reisen nach Berlin oder Brüssel zurückkam, kontrollierte sie. Es hatte erst einmal gefehlt.

Eva entschied sich für eine Pfirsich-Maracuja-Schnitte, Barbara nahm nur einen Latte Macchiato. Auf der Fensterbank lagen Zeitungen. Barbara zeigte auf das zwei Wochen alte Magazin, in dem Evas Bildreportage über die Ankunft der Flüchtlinge in München erschienen war, und sagte mit unvergifteter Anerkennung: Echt eine tolle Arbeit! Eva musste das Magazin nicht aufschlagen, sie wusste auswendig, dass ihre Bildstrecke von Seite 12 bis 22 ging. Am Schluss hatte die Redaktion richtig Mut bewiesen, das letzte Foto verstand der Betrachter nicht auf Anhieb. Es zeigte zwei junge Männer, die in einem Zelt knieten und ein Gerät verkabelten – Helfer der Münchner Freifunker versorgten eine Notunterkunft mit WLAN. Eva seufzte und sagte: Ach, weißt du, ich würd’ so gern mehr arbeiten. Aber ich bin ja praktisch alleinerziehend.

Barbara nickte mitfühlend – es gehörte zur Grundausstattung der Frauensolidarität, sich in diesem Punkt gegenseitig zu bestärken. Eva ließ Vanillecreme auf der Zunge zergehen, dachte wehmütig an den Tag, an dem sie mit ihrer Kamera diese intensiven Momente festgehalten hatte, und klagte weiter: Gerade ist es ganz schlimm. Korbinian reist von einer Talkshow zum nächsten Vortrag. Und wenn er mal hier ist, schreibt er an seinem neuen Buch.

Barbaras Antwort gefiel ihr nicht. Sie sagte: Sei froh, dass er der Politik ins Gewissen redet. Und Deutschland an seine Verantwortung erinnert. Europa darf keine Festung werden!

Vor drei Tagen, bei einer Lesung im Kulturzentrum, hatte der Moderator ihren Mann mit den gleichen Worten gefeiert, und Eva war stolz auf ihn. Aber von einer Freundin erwartete sie keine politisch korrekte Analyse, sondern Zuspruch. Und jetzt fing Barbara auch noch von einem anderen Thema an. Es war Herbst, und sie müssten endlich die große Frage klären: welches Gymnasium? Barbaras Tochter Philine ging mit Lennart in die vierte Klasse, die Freundschaft zwischen den Kindern war noch inniger als die zwischen den Müttern. Barbara hatte schon das Max-Joseph-Gymnasium besichtigt, obwohl der Tag der offenen Tür noch lange nicht anstand. Ihr Urteil: schöne Anlage, auch die Klos sind sauber, moderner Computerraum, fahren regelmäßig Preise ein bei Jugend forscht , aber halt die alten Sprachen. Ich weiß nicht recht – Latein schon ab der fünften Klasse?

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