Johannes Schweikle - Grobe Nähte

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Sie heißen Victor, Benedikt und Korbinian. Sie leben in München. Mehr Gemeinsamkeiten haben sie nicht. Victor stammt aus Nigeria. Als Stürmer wird er für seine Tore gefeiert. – Benedikt spielt Tuba. Er hofft, bald von der Musik leben zu können. – Korbinian schreibt als Journalist für eine bessere Welt. Mit seiner Familie lebt er in einem bunten und begehrten Viertel.
Dann kommen die Flüchtlinge, und die reiche Stadt empfängt sie mit offenen Armen. Was aber folgt auf die erste Willkommensbegeisterung? Der Ton wird rau. Benedikts Wohngemeinschaft bricht auseinander. Hält seine Beziehung? – Victor stolpert außerhalb des Spielfeldes durch die Widersprüche der deutschen Gesellschaft. – Korbinian kämpft um die linksliberale Deutungshoheit: Die Geflüchteten sind ein Glück für unser Land. Doch wie reagiert seine Frau, als neben dem Kinderladen ihrer Tochter Migranten untergebracht werden sollen?
Schweikles Roman prüft die Nähte im Gewebe einer Metropole. Packend beschreibt er die Zerreißprobe während der sogenannten Flüchtlingskrise. Eine Art ›Blitzlichtroman‹ von hoher gesellschaftspolitischer Relevanz.

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Die Sinfonie endet mit der Nacht, in meinem Fall mit einem gehauchten Ton im dreifachen Piano. Ich muss mich zusammenreißen, dass er nicht wegbricht. Weil mir fast die Tränen kommen, als der letzte Akkord im Saal schwebt.

DER HÖCHSTE BERG DEUTSCHLANDS steht in Bayern, wo auch sonst? Drei Bahnen bringen Touristen bequem auf den Gipfel. Man kann freilich immer noch zu Fuß hinauf. Eine beliebte Route führt durch das Höllental. Zuerst geht es in eine Schlucht. Sie bietet Grusel mit Geländer, deshalb ist die Klamm auch bei Familien mit Kindern beliebt und kostet Eintritt. Dann überquert man mit Steigeisen einen der letzten Gletscher unseres Landes. Wer die schwierige Randkluft ohne Sturz überwindet, klettert am steilen Fels nach oben. Diese Tour ist mit Anstrengung verbunden, sinnvollerweise übernachten die meisten Bergsteiger in der Hütte, die auf halbem Weg am Höllentalanger liegt. Sie wurde 1893 von der Münchner Sektion des Alpenvereins gebaut. Sechs Lager auf Matratzen und 16 im Heu schienen damals ausreichend. Doch das Blockhaus mit den grünen Fensterläden wurde bald zu klein und entsprach irgendwann nicht mehr den Vorschriften für Brandschutz und Hygiene, mit denen bei uns auch das Leben im Gebirge geregelt wird. Der Alpenverein beschloss, eine neue Hütte zu bauen. Mit Heißwasser, Dusche und Empfang fürs Mobiltelefon. Außerdem sollte sie ein Flachdach bekommen – Lawinen würden darüber hinweggleiten, statt mit ihrer Wucht ein Satteldach zu zerstören.

Der Widerstand war enorm. Unterschriften wurden gesammelt. Eher fließt die Loisach bergauf, als dass so ein Schandfleck am Wetterstein gebaut wird, hieß es in Bergsteigerkreisen. WLAN auf der Hütte – braucht’s das? Planen die ein Tagungshotel? Dieses Häusl ist ein Refugium, vor dem die Modernisierung Halt machen muss. Am Berg soll das Leben gefälligst so bleiben, wie es im Tal schon lange nicht mehr ist.

Als die neue Hütte eingeweiht wurde, verkehrten sich die Verhältnisse. Das Flachdach im Höllental erinnert an einen Bungalow aus den Siebzigerjahren, die Lampen in der Stube an dänisches Design. Die Fenster sind so groß wie im Neubaugebiet, und der Hubschrauber bringt genügend Bier. Das historische Blockhaus wurde abgebaut, man kann es jetzt in München besichtigen. Es steht neben der Zentrale des Alpenvereins, als Erinnerung an das alte Gebirge.

DIE AMATEURE HABEN HEIMRECHT. Deshalb musste Bavaria München beim Wettbewerb um den deutschen Fußballpokal in der Provinz antreten. Der Verein hatte einen lustigen Namen. Im Bus wurden Witze gemacht, die Victor nicht verstand. Die Fahrt zog sich, irgendwann wurde ihm klar: Der Platz, auf dem sie heute spielen sollten, lag nicht mehr in Bayern. So groß konnte auch dieses Land nicht sein. Er stellte sich also auf schwierige Verhältnisse ein, denn so hatte der Mann aus Afrika seinen Betreuer Hermann verstanden: Bayern war toll. Den Rest von Deutschland musste man nicht unbedingt gesehen haben. Victor dachte an Belgien, sein erstes Land in Europa. Anderlecht hatte ihn gekauft. Von dort war er an einen Verein aus der zweiten Liga verliehen worden. Am schlimmsten war der Wind. Bis in den Mai hinein wehte er eiskalt über die Plätze. Er zog Handschuhe und lange Hosen an, aber das tat er nur einmal. Die Weißen hänselten ihn, und Victor verstand schnell, warum der Verteidiger aus Algerien, der schon länger hier spielte, in kurzen Hosen bibberte. Ein Afrikaner musste zeigen, dass er hart genug war, um in Europa zu bestehen. Auch an den Rasen musste Victor sich gewöhnen. Er staunte, wie viel Wasser ein Fußballplatz nach dem Regen speichern konnte, und es regnete oft. In Lommel wurde er zum Gespött der ganzen Tribüne, als er aus vollem Lauf eine Flanke schlagen wollte, aber den Ball nicht traf, weil er den matschigen Boden unterschätzt hatte. Sein Standbein rutschte weg, auf dem Hintern schlitterte er bis zur Eckfahne. Alle lachten, Victor schämte sich. So etwas war ihm zuletzt als Junge passiert. Im Norden Nigerias, wo die Plätze holprig waren und man keinen Rasen erwarten durfte. Die nackte Erde staubte, deshalb sah er die Kuhle nicht, die sich nach dem Regen gebildet hatte. Ihm versprang der Ball, die Zuschauer höhnten schadenfroh, in dieser Hinsicht waren die Menschen anscheinend gleich. Auf den Dörfern in Nigeria hatten allerdings die Tore kein Netz, das musste jeder Stürmer bedenken. Einmal erwischte er eine Flanke perfekt. Traf mit dem Spann, es war ein Traum, der Schuss ging genau ins linke Eck. Aber weil er so viel Energie hatte und von keinem Netz gebremst wurde, flog der Ball weiter, viel weiter, über die Böschung, die zum ausgetrockneten Fluss hinunter führte. Zu dritt mussten sie ihn aus dem Gestrüpp holen, er kratzte sich blutig, und alle schimpften mit ihm, obwohl er ein Tor geschossen hatte. So lernte er, dass es besser ist, Verteidiger und Torwart auszuspielen, danach den Ball nur noch mit einem kleinen Stoß lässig über die Linie zu schieben. Das sah überlegen aus und hatte außerdem den Vorteil, dass es den Gegner demütigte.

Und dann lief er in diesem deutschen Dorf auf einem Rasen, der nicht einmal dort braune Löcher hatte, wo die Torhüter standen. Die Linien waren schnurgerade mit weißer Kreide gezogen, kein bisschen anders als in der Arena in München. Es gab nicht nur Netze an den Toren, sondern hinter jedem Tor auch noch einen hohen Gitterzaun aus Metall. Er funkelte in der Sonne, noch nicht mal an den Schrauben konnte Victor beim Warmlaufen Rost entdecken. Neben dem Rasenplatz gab es einen zweiten, zum Üben, mit Kunstrasen. Er hatte Flutlicht und lag in einem Käfig mit einem abschließbaren Tor im Gitterzaun. Victor fragte sich, ob die Spieler beim Training nicht herausdurften. Oder ob die Kinder aus dem Dorf davon abgehalten werden mussten, ohne Aufsicht Fußball zu spielen. Am Geländer vor der kleinen Tribüne hingen ein paar Schilder, die Victor auch nicht verstand. Auf einem sah er ein Stück rotes Fleisch, das von weißen Streifen durchzogen war. Darunter stand:

METZGER SCHENKELS

MEISTERSCHINKEN – LECKER!

Als er seine Dehnungsübungen machte, beobachtete Victor aus den Augenwinkeln die deutsche Provinz. Einer der Gegner war so nervös, dass ihm beim Schuhebinden der Schnürsenkel riss. Es gab keinen Sicherheitszaun, der die Zuschauer auf Abstand hielt. Das war auch nicht nötig, alle blieben brav hinter dem Geländer, das so dicht neben der Seitenlinie verlief, dass man die Spieler aus München beim Einwurf oder Eckball piesacken könnte. An der Bude hinter dem Tor stand eine Schlange, vom Grill wehte Bratwurstgeruch in den Strafraum. In Plastikbechern wurde Bier ausgeschenkt. Es musste richtiges Bier sein, mit Alkohol, Victor sah Männer mit roten Köpfen. Er wusste nicht viel über Deutschland, aber er verstand: In diesem Dorf war heute Festtag. Neben der Tribüne hatte der Verein Bierbänke aufgestellt. Ein einzelner Mann versuchte, sich in die schmale Lücke neben einer Familie zu quetschen. Der Vater wollte schon rutschen, aber die Mutter schimpfte ihn weg: Wir sitzen hier seit einer Stunde – und du glaubst, du kriegst kurz vor dem Anpfiff noch einen Spitzenplatz?

Nach sieben Minuten bekam Victor die erste Chance. Der Ball ging knapp am linken Pfosten vorbei und donnerte in den Fangzaun. Es gab einen dumpfen Knall. Alle hörten, welche Wucht dieser Schuss hatte, die Zuschauer raunten ehrfürchtig. Als der Stürmer aus Afrika zurücktrabte, kam das Glück des Spiels über ihn. Ich hab nicht getroffen – aber das macht nichts. Keiner schimpft, der Rasen ist perfekt, und ich hab Energie für viele weitere Versuche.

An seinen Augen konnte jeder sehen, wie er sich fühlte. Das Weiß der Augäpfel war ständig in Bewegung. Als Erster bemerkte der Spanier im Münchner Mittelfeld Victors Spielfreude. Aus der eigenen Hälfte schickte er einen Steilpass. Victor rannte los, nahm den Ball aus der Luft, umspielte den ersten Verteidiger, tunnelte den zweiten, und der Torwart hatte keine Chance.

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