Johannes Schweikle - Grobe Nähte

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Sie heißen Victor, Benedikt und Korbinian. Sie leben in München. Mehr Gemeinsamkeiten haben sie nicht. Victor stammt aus Nigeria. Als Stürmer wird er für seine Tore gefeiert. – Benedikt spielt Tuba. Er hofft, bald von der Musik leben zu können. – Korbinian schreibt als Journalist für eine bessere Welt. Mit seiner Familie lebt er in einem bunten und begehrten Viertel.
Dann kommen die Flüchtlinge, und die reiche Stadt empfängt sie mit offenen Armen. Was aber folgt auf die erste Willkommensbegeisterung? Der Ton wird rau. Benedikts Wohngemeinschaft bricht auseinander. Hält seine Beziehung? – Victor stolpert außerhalb des Spielfeldes durch die Widersprüche der deutschen Gesellschaft. – Korbinian kämpft um die linksliberale Deutungshoheit: Die Geflüchteten sind ein Glück für unser Land. Doch wie reagiert seine Frau, als neben dem Kinderladen ihrer Tochter Migranten untergebracht werden sollen?
Schweikles Roman prüft die Nähte im Gewebe einer Metropole. Packend beschreibt er die Zerreißprobe während der sogenannten Flüchtlingskrise. Eine Art ›Blitzlichtroman‹ von hoher gesellschaftspolitischer Relevanz.

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Mein Großer, du weißt doch: Wir müssen über die schlimme Straße, wo alle Autos höllisch rasen.

Lennart: Dann will ich wenigstens mein Kickboard!

Seine Schwester stimmt ein, gekonnt weinerlich: Laufrad haben!

Die Mutter gibt diese Anweisungen weiter an ihren Mann: Mosi, holst du’s bitte? Beides müsste unter der Treppe zur Galerie stehen.

Unwillig unterbricht Dr. Korbinian Moser die Inspektion seines Hollandrads, es hat in beiden Reifen wenig Luft. Aus dem Hof mit Sandkiste und Rutsche geht er in den vierten Stock des Altbaus. Überlegt im Treppenhaus, ob sie eine Luftpumpe haben, und, falls ja, wo diese sein könnte. Frisch abgeschliffene Stufen knarzen. Das Laufrad lehnt am Trampolin im Wohnzimmer, eine Pumpe findet er nicht. Treppab scheppert das Kickboard gegen das geschmiedete Geländer, auf das der Makler mit dem Sehnsuchtswort Jugendstil hingewiesen hat, als im dritten Stock eine Wohnung frei wurde und sich sieben Dutzend Interessenten bei drei Besichtigungen quetschten. Eva Moser verlädt das Laufrad quer zur Fahrtrichtung in der Cargobox. Das geht aber nur, wenn sie die Kühltasche anders positioniert. Sie stellt diese zwischen die Kinder, was zu Protesten führt. Das Kickboard verstaut sie so, dass der Lenker seitlich heraushängt und sich in den Speichen des Laufrads verhakt.

Befriedigt schaut sie auf dieses Arrangement, benutzt das Wort süß und sagt: Da muss ich unbedingt ein Foto machen, von der ersten Fahrt mit unsrer Familienkutsche.

Korbinian, rasch: Aber die Kamera holst bittschön selber.

Die Überquerung der schlimmen Straße verläuft reibungslos. Trotz korrekten Halts an allen Ampeln rund um den Platz mit dem Blumenkiosk und der Eisdiele dauert die Fahrt an die Isar nur sieben Minuten. Gegen 16 Uhr breitet Eva Moser am Ufer die Picknickdecke aus.

In der Arena, die hinter dem Müllberg aus der bayrischen Schotterebene ragt, herrscht eine andere Zeit. Hier läuft die 70. Minute, und München liegt hinter den Erwartungen zurück. Der Statistik zum Hohn steht es noch immer null-null: 68 Prozent Ballbesitz, neun zu eins Ecken, Schussgenauigkeit 34,1 Prozent. Die Choreographie auf den Rängen wird lahm, bereits nach einer halben Runde verebbt die Welle. In der BMW-Lounge fragt der Verkaufsleiter eines Autohauses aus Rheda-Wiedenbrück: Was haben die eigentlich im Trainingslager gemacht? In Block 112 stapft ein Mitglied des offiziellen Fanclubs Wurmannsquick nach oben. Im Umgang lädt er an einer Aufwertstation seine Arenakarte, schimpft über den bargeldlosen Schmarrn und holt eine Palette Frustbier. Dann kann der Sprecher endlich das erste Tor verkünden, in einstudiertem Wechselsprech mit seinem Publikum, das beliebte Ritual Wir-gegen-die:

München – eins

Hannover – null

Danke – bitte.

Der Name des Torschützen geht ihm weniger routiniert über die Lippen. Er ist neu in der Mannschaft und erst nach der Halbzeit eingewechselt worden: Victor Akbunike. Im Überschwang reißt der Stürmer das rote Trikot vom Oberkörper, lässt es hubschraubernd ums Handgelenk kreisen und rennt so zur Kurve. Dieser Jubel entspricht nicht den Regeln des Deutschen Fußballbunds, der Schiedsrichter zeigt die gelbe Karte. Seine Verwarnung befeuert das Toben auf der Tribüne. Verwandelt die Begeisterung der Roten in Raserei, die Grünen klatschen höhnisch. Vor der Kulisse großer Gefühle halten Kameras dieses Bild fest: Ein halbnackter Mann tanzt. Er besteht aus Muskeln: Muskeln an den Armen, Muskeln über dem Brustkorb, Muskeln vor dem Bauch. Die Sehnen an den Schultern glänzen im Schweiß, das Gesicht gerät zur Nebensache. Dabei zeigt es einen Ausdruck, der im Berufssport selten zu sehen ist. Nicht diese routinierte Freude, die gemischt ist mit Gedanken ans weitere Funktionieren: zurücklaufen, nicht träumen, das Spiel geht weiter, noch ist nichts gewonnen. Dieses Gesicht sieht so aus, dass die besseren Deutschen es lieber nicht genau beschreiben, aus Angst vor der Rassismusfalle. Es ist schwarz, kohlrabenschwarz. Umso heller strahlen die Augen in einem ungehemmten Gefühl des Triumphs. Der Ball, riskant aus der Luft genommen, ist drin. Fehlschüsse, Niederlagen, Probetraining – alles weg. So sieht Glück aus.

Auch Benedikt Scholl trägt rote Stutzen. In kurzen Hosen steht er breitbeinig an der Isar. Sein Sousaphon hält den Laden zusammen. Weiche Töne bauen eine Treppe mit breiten Stufen, die verlässlich aus dem Keller nach oben führen. Im Erdgeschoss angekommen, geht der Bass brav wieder hinunter und steigt, verlässlich wie Sisyphus, Mal um Mal hinauf. Über dem Vollmondklang schmachtet das Saxophon. Die Trompete gibt dem Funk die Härte, das Glissando der Posaune vermischt sich mit Grillgeruch. Der Sänger verstärkt seinen Rap mit einem Megafon und kommt gerade so an gegen den Freizeitlärm:

Sehr geehrter Herr der Lage

Ich schreibe Ihnen, weil ich eine Beschwerde habe

Ich wohn in einer Stadt in einem Haus in einer geteerten Straße

Irgendwo zwischen Kraftwerk und Kläranlage

Und es läuft nicht rund bei uns auf der Etage

Irgendwo muss es einen geben

Der sich wirklich einen Arsch voll Kohle verdient

Mit der Herstellung von grauer Farbe

Lennart Moser wippt mit dem Oberkörper im Takt. Er kaut an einem Gurkenstift, den seine Mutter geschnippelt hat, stößt seinen Vater an, zeigt auf die Stutzen des Musikers mit dem Sousaphon und fragt: Spielt der auch für München?

Korbinian Moser versteht nicht, was sein Adoptivsohn meint. Er liegt auf der Picknickdecke an der Isar, mit seinem Jack Wolfskin-Rucksack als Kopfkissen, ist allerdings am Mittelmeer. Hat die Beine aufgestellt, auf den Schenkeln liegt ein Dossier, zusammengestellt von der Dokumentarin. Das Agenturfoto verstört: Ein Junge, feingliedrig, mit schwarzem Haar, liegt tot am Strand. Das Kind ist ertrunken und etwa so alt wie seine Tochter, die gerade versucht, mit ihrem Laufrad durch den Kies am Stadtstrand zu kommen. Morgen will er einen Leitartikel schreiben zu diesem Bild.

Geistesabwesend sagt er zu seinem Sohn: Nein, der spielt nicht Fußball. Sondern Tuba, oder so was Ähnliches.

Ein Student mit Surfer-Bermudas holt Bier aus einer Kiste, die im Fluss gekühlt wird. Ein ausgemergelter Mann zieht einen Einkaufswagen holpernd hinter sich her und sucht die Wiese nach Leergut ab. Das rote Bonanzarad lehnt an einem blauen Dixiklo. Warmes Licht fällt schräg auf eine Kiesbank, das Wasser strömt smaragdgrün. Kristallwellen spülen die Hitze eines großen Sommers weg. Die Fotografin Eva Moser lässt ihre Kinder aus den Augen und greift zur Kamera. Sie muss den südlichen Zauber dieses Abends festhalten. Bälle fliegen durch den Himmel, ein Hund paddelt im Fluss. Auf der Weideninsel sitzt einer im Liegestuhl und zupft selbstvergessen an den Saiten seiner Gitarre. Die Clique um den Surfer planscht bis zum Nabel in der Isar, die Jungs recken die Arme mit den Bierflaschen in die Höhe und posieren um die Wette.

Eva bedauert, dass man auf ihren Bildern keine Dialoge hören kann. Einer trumpft auf: Wo gibt’s das sonst, dass du mitten durch die Stadt schwimmen kannst?

Der nächste, nach einem Schluck aus der Flasche: Man könnt das Wasser sogar trinken, wenn wir’s nötig hätten.

Der dritte: Müüünchen!

Eine Frau mit gezielt nassgespritzem Top grinst herausfordernd: Wer war schon mal in Basel? Da gibt’s eine Badeanstalt am Rhein.

Der Surfer: Du mit deiner Schweiz – das ist doch Bullerbü!

Süßlicher Geruch wabert zur Brücke mit dem Reiterstandbild. Eigentlich wollte BrassXpress nur zwei Blöcke spielen, Stücke für das geplante Album live testen, das war der Plan. Ganz entspannt beim Grillen, da kann man was probieren. Ist egal, wenn noch nicht alles hinhaut. Aber das Zufallspublikum am Ufer geht ab, und die Band lässt sich mitreißen. Nach einer Stunde kommt Benedikt auf den Felgen daher, seine Lippen sind längst durch, trotzdem wagt er noch ein Solo: Aufgeblasene Backen hüpfen im Gesicht, Augenbrauen zucken hoch und runter, auf den Ventilen tanzen die Finger, aus dem Brummen katapultieren sich Läufe in schrille Höhe. Der Bass befreit sich aus dem Unaufdringlichen, eine Hand reibt den Schallbecher, die Sousi klingt jetzt wie ein DJ beim Scratchen, abgerissen und hysterisch, dann geht’s ab nach ganz unten, wo die Töne brüchig werden und kaum noch ansprechen. Bene verliert beinah die Balance, ihm wird schwummrig, und die Hörer bibbern: Geht’s noch tiefer – wie weit treibt er das Spiel? Der gräbt ja noch einen aus, Wahnsinn!

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