Array Wirsching - Von Erbfeinden zu guten Nachbarn

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Aus heutiger Sicht erscheint es kaum noch vorstellbar, dass die beiden großen Länder im Herzen Europas einander jahrhundertelang so argwöhnisch wie eifersüchtig beäugten – und immer wieder in blutigen Konflikten aufeinandertrafen, etwa im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Dass die zwei Nationen nach 1945 überaus zügig zu einem freundschaftlichen Verhältnis gefunden haben, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass sich zahlreiche Menschen auf beiden Seiten immer wieder um Verständigung bemüht haben. Nicht zuletzt ist die Geschichte des deutsch-französischen Verhältnisses eine Geschichte der politischen Paare – von Helmut Kohl und François Mitterrand bis hin zu Angela Merkel und Emmanuel Macron. In einem lebhaften Gespräch entfalten Hélène Miard-Delacroix und Andreas Wirsching die wechselvolle Geschichte einer einzigartigen Nachbarschaft und erklären, wie wichtig die Kenntnis der gemeinsamen Vergangenheit für die deutsch-französische Zusammenarbeit in der EU des 21. Jahrhunderts ist.

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HMD: Es macht die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts so verwickelt, dass diese Ideen von 1789 bei einem Teil der deutschsprachigen Bevölkerung Begeisterung, bei den Anhängern der Ordnung und des Ancien Régime aber eine Abwehrreaktion auslösten. Andererseits fiel die Entstehung des Nationalgedankens, die ja untrennbar mit liberalen Forderungen verbunden war, nach dem Sieg über Napoleon I. mit der Restauration zusammen: Die Gründung des Deutschen Bundes von 1815 warf die fortschrittlichen Kräfte in Deutschland in einen Zustand zurück, der sie auf lange Zeit lähmen sollte. Wie man 1830 am Beispiel des Hambacher Fests oder der 1848er Revolution sehen kann, blieb Frankreich eine Inspirationsquelle, sozusagen ein Leuchtturm des Fortschritts und der Freiheit. Es symbolisierte eine liberalere Art, zu regieren und regiert zu werden, als dieser restaurative Deutsche Bund, in dem die Anhänger des Fortschritts verfolgt wurden und wie Heinrich Heine in Frankreich Zuflucht suchen mussten. So wurden beispielsweise 1837 die sogenannten Göttinger Sieben, diese sieben Universitätsprofessoren, die gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten liberalen Verfassung im Königreich Hannover protestierten, entlassen und zum Teil des Landes verwiesen.

AW: Diese Verbindung von Nationalgedanken und Freiheit war wichtig. Frankreich hatte mit der Revolution einerseits vorgemacht, wie es gehen konnte: Die Nation befreite sich vom Joch der Ständegesellschaft und ihrer Privilegienherrschaft; im Grunde waren alle Nationsbildungen in Europa von einem entsprechenden Freiheitspathos getragen. Die deutsche Geschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist da keine Ausnahme. Andererseits hatte die Französische Revolution gezeigt, wie rasch die proklamierte Freiheit in neue Unfreiheit, ja sogar in den Terror umschlagen konnte. Hinzutrat auch in Frankreich sehr bald der reine Nationalismus, der für die eigene Nation eine nicht weiter begründbare Exklusivität beanspruchte.

Auch das deutsch-französische Verhältnis ist in gewisser Weise beispielhaft für das Kippen zwischen einem ›linken‹ Nationsbegriff, der mit Fortschritt, Freiheit und universalen Ansprüchen verbunden wird, und einem stärker partikular-exklusiven Nationsbegriff, der die Konkurrenz bis hin zur Feindschaft zwischen Nationen noch stärker betont, um sich selber seiner eigenen Identität gewiss zu werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts finden wir dieses Dilemma in ganz Europa vor, etwa in Italien, Polen oder Griechenland. Überall dort bilden sich Nationen, die auf Exklusivität und der identitären Abgrenzung von anderen aufbauen. Sehr häufig ist Krieg die Folge dieser Gemengelage. Manche heutigen Entwicklungen in Ost- und Ostmitteleuropa erinnern an diese Prozesse.

HMD: Ja.

AW: Tatsächlich kann man sich fragen, ob in der Ukraine, aber auch in Ungarn oder Polen derzeit verspätete oder gewissermaßen neu-alte Nationsbildungsprozesse stattfinden. Die Vermittlung zwischen Staat und Bevölkerungen oder Nationen und Staatsformen, ja, der Widerstreit zwischen Demokratie und Autokratie war in Westeuropa zwischen 1815 und 1945 ein großes Thema. Manches davon wird heute in weniger traditionsstarken Gebieten, vor allem in Osteuropa, nachgeholt.

HMD: Deutschland und Frankreich haben im 19. Jahrhundert sehr gute Beispiele dafür gegeben, wie sich das Eigene über die Abgrenzung vom anderen definieren lässt. Die Rheinkrise von 1840 etwa war ein typisches Manöver der französischen Diplomatie. Nachdem Frankreich in der Orientkrise 1839–1841 eine ziemliche Niederlage erlitten hatte, setzten die französische Presse und die Diplomatie die Forderung Frankreichs nach dem Rhein als seine natürliche Ostgrenze in die Welt. Also wieder dieser Rhein. Mit unglaublicher Schnelligkeit löste das eine ernstliche Krise zwischen Deutschland und Frankreich aus, in der eine ziemlich atemberaubende Lyrik entstand. Man muss sich die sogenannte »Rhein-Lyrik« mit ihren frankreichfeindlichen Komponenten des deutschen Nationalismus einmal anschauen. Etwa die berühmte »Wacht am Rhein«, die 1840 von Max Schneckenburger verfasst wurde. Darin beteuert etwa »der deutsche Jüngling fromm und stark«:

Du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust!

[…]

Und ob mein Herz im Tode bricht,

Wirst du doch drum ein Welscher nicht.6

Mit »du« ist hier der Rhein gemeint, der nicht französisch werden darf. Oder das »Rheinlied«:

Sie sollen ihn nicht haben

Den freien deutschen Rhein,

Bis seine Flut begraben

Des letzten Manns Gebein!7

Aus unserer Sicht klingt diese Rheinlyrik ziemlich schwülstig, aber sie hat dazu beigetragen, dass sich in der »Wacht am Rhein«, ja sogar in der Germania als Statue, die den Fluss hütet, ein Gefühl kristallisiert hat. Nicht nur das Volk, sondern wieder einmal auch die deutschen Liberalen waren nun überzeugt: ›Der Rhein gehört uns, wir sind wir und die andere Seite ist wieder einmal gefährlich.‹ 1840 wurden aber auch um Paris herum Festungen gebaut für den Fall, dass Deutschland angriff – Festungen, die dann eine Rolle spielen werden bei der Besetzung von Paris im Rahmen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71.

AW: Zur unmittelbaren Vorgeschichte des Krieges von 1870/71 gehört natürlich auch die Schlacht von Königgrätz 1866 und damit die Auflösung des deutschen Dualismus zugunsten der neuen Großmacht Preußen. Dass Preußen im späteren Kleindeutschland mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 die Vorherrschaft erlangte, war für die Franzosen ein gefährlicher Wendepunkt, gerade für die Bonapartisten. In Frankreich gewann man den Eindruck, dass das Mächteverhältnis sich zwischen Frankreich einerseits und der Mitte des Kontinents zu verschieben drohte, und zwar dauerhaft. Deswegen ist in Frankreich oft von der Revanche für Sadowa die Rede, wie die Schlacht von Königgrätz im Französischen genannt wird.

HMD: Diese Schlacht ist tatsächlich in Frankreich zu einem Trauma geworden. Aus französischer Sicht lässt sich die Geschichte des 19. Jahrhunderts so zusammenfassen: Man wohnt der deutschen Nationalstaatsbildung mit ihren verschiedenen Etappen bei. Zunächst einmal wird Deutschland wirtschaftlich groß, etwa mit dem Zollverein von 1834, aber man denkt sich, die sind zum Glück mit diesem Dualismus beschäftigt. Schließlich gibt es im Süden mit Österreich eine zweite deutsche Macht, die der Gefahr, die aus Preußen kommen könnte, die Waage hält. Österreich konnte ein sehr guter Verbündeter Frankreichs sein. Durch den Krieg um Schleswig und Holstein 1864 sowie den Krieg zwischen Österreich und Preußen mit dem Sieg Preußens geriet aus der Sicht Frankreichs (damals das Kaiserreich Napoleons III., das sich als die Großmacht Europas verstand) das Gleichgewicht in Europa ins Wanken.

AW: Traditionell wird in den deutschen Schulbüchern all das als Werk Otto von Bismarcks beschrieben, der an den Schalthebeln gesessen habe. Zuerst habe er die deutsche Frage durch den Sieg über Österreich-Ungarn gelöst und dann sehr zielgerichtet auf die Auseinandersetzung mit Frankreich hingewirkt, während er die süddeutschen Staaten mit Schutz- und Trutzbündnissen im Namen einer deutschen Nation an Preußen zu binden versuchte.

HMD: So wird es auch in Frankreich erzählt. Das passt zur Vorstellung eines heimtückischen und kriegslüsternen Realpolitikers Bismarck, der einen Masterplan hatte und so kaltblütig wie bedenkenlos Frankreich provozierte.

AW: Ja. Aber schaut man sich die französische Haltung an, dann ist das nicht mehr so eindeutig.

Napoleon III., der von 1852 bis 1870 Kaiser der Franzosen war, ist ja einerseits ein Champion der Nationalbewegungen in Europa, jedenfalls solange diese Nationalbewegungen im machtpolitischen Interesse Frankreichs liegen. In diesem Sinne unterstützte Frankreich die Einigung Italiens, die Camillo Benso von Cavour und das Königreich Sardinien vorantrieben. Über das Haus Piemont hat Napoleon III. die italienische Nationalstaatsgründung von 1860 ganz gut unterstützt. Als Gegenleistung sicherte er sich die Stadt Nizza, die damals französisch wurde.

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