Array Wirsching - Von Erbfeinden zu guten Nachbarn

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Aus heutiger Sicht erscheint es kaum noch vorstellbar, dass die beiden großen Länder im Herzen Europas einander jahrhundertelang so argwöhnisch wie eifersüchtig beäugten – und immer wieder in blutigen Konflikten aufeinandertrafen, etwa im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Dass die zwei Nationen nach 1945 überaus zügig zu einem freundschaftlichen Verhältnis gefunden haben, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass sich zahlreiche Menschen auf beiden Seiten immer wieder um Verständigung bemüht haben. Nicht zuletzt ist die Geschichte des deutsch-französischen Verhältnisses eine Geschichte der politischen Paare – von Helmut Kohl und François Mitterrand bis hin zu Angela Merkel und Emmanuel Macron. In einem lebhaften Gespräch entfalten Hélène Miard-Delacroix und Andreas Wirsching die wechselvolle Geschichte einer einzigartigen Nachbarschaft und erklären, wie wichtig die Kenntnis der gemeinsamen Vergangenheit für die deutsch-französische Zusammenarbeit in der EU des 21. Jahrhunderts ist.

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AW: Das Deutsche Kaiserreich entsteht auf der Basis der Demütigung Frankreichs, das kann man auf jeden Fall so festhalten. Im Grunde beobachten wir den Beginn einer endlosen Kette von symbolpolitischen Demütigungen. Interessant ist auch die Wahl des 18. Januar, an dem sich 1701 der damalige Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum ersten König in Preußen krönen ließ. Die Zeremonie fand im späteren Ostpreußen statt, das außerhalb des Heiligen Römischen Reiches lag, sonst hätte sich ja kein Reichsstand zum König krönen können. Aber Friedrich I. setzte sich sozusagen selbst die Krone auf, weil er der Souverän im östlichen Teil Preußens war. Deswegen wurde der 18. Januar 1871 für die Kaiserproklamation in Versailles gewählt, und natürlich folgte mit dem Versailler Frieden unmittelbar die Revanche. Die Pariser Friedenskonferenz, auf der er ausgehandelt wurde, begann nämlich ebenfalls an einem 18. Januar – am 18. Januar 1919. Der französische Präsident Georges Clemenceau begrüßte später die deutsche Delegation mit den Worten: »Der Tag der Abrechnung ist gekommen«. Um Versailles herum begann gewissermaßen ein geschichtspolitisches Pingpongspiel zwischen Deutschen und Franzosen.

HMD: Deswegen ist Versailles für die Geschichte der Deutschen und Franzosen nebeneinander und miteinander ein zentraler Ort. Vielleicht kommen wir auch später darauf zurück, weil ganz viele Symbole damit verbunden sind, auch in der französischen Geschichte. Das Schloss ist tatsächlich das Herz der französischen Monarchie, und es war für die innerfranzösischen Konflikte und Kämpfe wie jenen um die Commune ebenfalls von Bedeutung. Das ist eine interessante Dynamik der Feindbilder. Damit meine ich nicht nur die Wahrnehmung des anderen als Feind, sondern auch die Konstruktion, dass man nur groß sein kann, wenn man den anderen erniedrigt.

Denn diese Kaiserproklamation im Versailler Schloss ist nicht nur eine Antwort auf die Reunionspolitik von Ludwig XIV., sondern auch eine Antwort auf Napoleon I. und die französische Eroberung der linksrheinischen Gebiete nach der Französischen Revolution, oder gar im Rahmen der Französischen Revolution 1795. Bekanntlich, wie du vorhin schon angedeutet hast, hatte der Wunsch, den französischen Erorberer Napoleon aus deutschen Landen zu verjagen, zur Herausbildung einer ›deutschen Identität‹ beigetragen. In dieser Kette fungiert Versailles als Ort des Sieges über den anderen und damit der Reparation für erlittene Ehrverletzungen. All das zeigt, wie das Feindbild des Franzosen den Deutschen im 19. Jahrhundert geholfen hat, sich als Deutsche zu verstehen.

AW: Ebendieser Volkshass ist in einem bestimmten, auch zur Aggression neigenden Traditionsstrang der deutschen Nationalbewegung ein ganz wichtiges Element. Der Historiker Friedrich Rühs schrieb 1815 Eine historische Entwickelung des Einflusses Frankreichs und der Franzosen auf Deutschland und die Deutschen . Darin heißt es:

Man würde nicht Unrecht haben, wenn man die ganze neue Geschichte als eine Kette von Verwirrungen, Unruhen und Kriegen darstellte, die lediglich dadurch entstanden sind, dass ein einzelnes Volk – das französische – durch seine überwiegende Macht im Stande war, so oft es wollte, seinen rohen Übermuth und seine unersättliche Begierde nach Eroberungen zu befriedigen.3

Genau diese Vorstellung herrschte in Teilen der deutschen Nationalbewegung bis 1870 vor: Frankreich galt als eroberungslustiges, auf Länderraub orientiertes Land.

Dieser Hass ist selbstverständlich nicht notwendig. Eine Konstruktion wie die der sogenannten Erbfeindschaft birgt immer die Gefahr, dass die Öffentlichkeiten beider Länder gar nicht mehr anders können, als den Hass als unüberwindbar zu empfinden.

HMD: Er ist nicht notwendig, aber er hat so funktioniert, wenn man an die Befreiungskriege gegen Napoleon denkt. 1813–15 wussten die Deutschen selbst noch nicht, dass sie Deutsche sind. Sie waren Sachsen, sie waren Bayern, sie waren Württemberger etc. Dennoch haben sie sich vereint, um sich von dem fremden Tyrannen zu befreien. Diese ganzen Gedichte von Ludwig Börne oder Ernst Moritz Arndt, die zu dieser Zeit entstanden sind, sind aus heutiger Sicht schlimm zu lesen. »Was ist des Deutschen Vaterland?« fragt Arndt in seinem bekannten Lied. »Ist’s Baierland? […] O nein, o nein! sein Vaterland muss größer sein!« Später heißt es: »Soweit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt, das soll es sein!« In der Beschreibung dessen, was das deutsche Vaterland sein soll, will Arndt den Truppen Mut geben, indem er sagt: »Wo jeder Franzmann heißet Feind, wo jeder Deutsche heißet Freund. Das soll es sein!«4 Vielleicht war ein Feindbild nicht notwendig, aber es war sehr nützlich. Um zu verstehen, was das ist, ein Deutscher zu sein (und nicht nur ein Sachse, ein Bayer, ein Preuße), brauchte man damals den bösen Franzmann.

AW: Trotzdem muss man betonen, dass es auch andere Stimmen gab. Auch wenn das ein bisschen klischeehaft sein mag: Goethe etwa hat sich zum Nationalhass ganz anders geäußert. Interessanterweise waren die Franzosen ja 1870/71 enttäuscht – sie hatten eigentlich immer dieses Goethe’sche Deutschland geschätzt, im Sinne der Madame de Staël, und es überraschte sie, auf einmal ein ganz anderes Preußentum in Deutschland entstehen zu sehen. Goethe jedenfalls meinte zu Eckermann 1830: »Ich hasste die Franzosen nicht, wiewohl ich Gott dankte, als wir sie loswurden.« Aber er sagt dann:

Wie hätte ich auch, dem nur Kultur- und Barbarei Dinge von Bedeutung sind, eine Nation hassen können, die zu den kultiviertesten der Erde gehört? Und der ich einen großen Teil meiner eigenen Bildung verdanke? Überhaupt ist es mit dem Nationalhass ein eigenes Ding. Auf den untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn immer am stärksten und heftigsten finden.5

HMD: Dem würden wir uns heute ja wahrscheinlich anschließen.

AW: Weiter heißt es bei Goethe: »Es gibt aber eine Stufe, wo er – der Nationalhass – ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht.« Dieses kosmopolitische, universale, an eine europäische Einheit des Geistes gemahnende Denken setzte sich natürlich auch in Deutschland unter Gebildeten und Intellektuellen fort. Allerdings stimmt eines nicht, was Goethe sagt, nämlich dass »auf den untersten Stufen«, bei den Ungebildeten, der Nationalhass existiere, bei den Gebildeten aber nicht. Ich denke, man muss das für beide Länder festhalten: Gerade unter Gebildeten, auch Hochgebildeten, Historikern, Philosophen, Publizisten usw., spielte dieser Nationalhass eine wichtige Rolle, da er der eigenen Identitätssicherung diente.

HMD: Wenn ich mich nicht täusche, wurde der Pariser Platz in Berlin 1814 in Erinnerung an den preußischen Sieg über Frankreich so getauft. Heute freuen sich vielleicht viele Franzosen über den schönen Namen und den prominenten Standort, weil sie glauben, man habe ihnen zuliebe Frankreich den schönsten Platz am Brandenburger Tor vor der französischen Botschaft widmen wollen. Diese kleine Anekdote belegt, dass im 19. Jahrhundert nicht nur die Plebs, sondern auch die Eliten Frankreich als Gegner empfanden. Das gilt umso mehr, als die Eliten in Deutschland, auch die Liberalen, die Ideen von 1789 mit dem damit verbundenen revolutionären Impetus ablehnten. Und im Grunde glaubte niemand an die angebliche Mission der Franzosen, die dem Herzen Europas die Zivilisation brachten.

AW: In der Tat hängt die Idee des deutsch-französischen Gegensatzes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch mit diesem Kampf um den Zivilisationsbegriff zusammen, und zwar bevor sich vor dem Ersten Weltkrieg die Gegenüberstellung Zivilisation – Kultur etablierte.

HMD: Ja, das ist wichtig.

AW: Kultur spielt in der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs eine Rolle, aber im 19. Jahrhundert stritt man auch in Deutschland noch durchaus über den Zivilisationsbegriff. Den Anspruch Frankreichs, mit der eigenen Nation eine universale Zivilisation zu verkörpern, konnte man in Deutschland nicht akzeptieren.

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