Array Wirsching - Von Erbfeinden zu guten Nachbarn

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Aus heutiger Sicht erscheint es kaum noch vorstellbar, dass die beiden großen Länder im Herzen Europas einander jahrhundertelang so argwöhnisch wie eifersüchtig beäugten – und immer wieder in blutigen Konflikten aufeinandertrafen, etwa im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Dass die zwei Nationen nach 1945 überaus zügig zu einem freundschaftlichen Verhältnis gefunden haben, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass sich zahlreiche Menschen auf beiden Seiten immer wieder um Verständigung bemüht haben. Nicht zuletzt ist die Geschichte des deutsch-französischen Verhältnisses eine Geschichte der politischen Paare – von Helmut Kohl und François Mitterrand bis hin zu Angela Merkel und Emmanuel Macron. In einem lebhaften Gespräch entfalten Hélène Miard-Delacroix und Andreas Wirsching die wechselvolle Geschichte einer einzigartigen Nachbarschaft und erklären, wie wichtig die Kenntnis der gemeinsamen Vergangenheit für die deutsch-französische Zusammenarbeit in der EU des 21. Jahrhunderts ist.

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Es ist eine unumstößliche Wahrheit, daß alles, was Leben und Bestand haben soll, eine bestimmte Abneigung, einen Gegensatz, einen Haß haben muß, daß, wie jedes Volk sein eigenes innigstes Lebenselement hat, es ebenso eine feste Liebe und einen festen Haß haben muß, wenn es nicht in gleichgültiger Nichtigkeit und Erbärmlichkeit vergehen und zuletzt mit Unterjochung endigen will. Ich könnte traurig hinweisen, wodurch die letzten Jahre über Teutschland gekommen sind. Wir liebten und erkannten das Eigene nicht mehr, sondern buhlten mit dem Fremden.2

Nun gehörte es aber zu der historischen Entwicklung in Europa, dass Frankreich schon früher ein Nationalstaat gewesen war, schon im Ancien Régime war es das in gewisser Weise: Zudem erhob die Französische Revolution einen neuen Nationsbegriff zum Träger staatlicher Souveränität, den die Deutschen so nicht haben konnten. Bei ihrer Revolution 1848 fehlte ihnen noch der Staat dazu. Diese Ungleichheit änderte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Die (lange) Vorgeschichte der »Erbfeindschaft«

HMD: Um die Vorgeschichte des Krieges von 1870/71 zu verstehen, muss man allerdings auch wissen, dass in Deutschland in sehr vielen Milieus der Eindruck vorherrschte, Frankreich sei, vor allem seit Ludwig XIV. (1638–1715), immer ein kriegerischer Staat gewesen, ein Staat, der es auf das deutsche Territorium abgesehen habe und dem endlich Grenzen gesetzt werden müssten.

AW: Ja. Das ist für die deutsche Nationsbildung prägend gewesen. Die Reunionspolitik Ludwigs XIV. war in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein großes Thema in der deutschen Öffentlichkeit, gerade in den gebildeten Schichten. Mit Reunionspolitik ist gemeint, dass Ludwig XIV. nach historischen Rechtstiteln suchte, die in seinen Augen Frankreichs territoriale Ansprüche auf das Elsass oder die drei Bistümer Metz, Toul und Verdun legitimierten. Diese Ansprüche versuchte er mit mehreren Kriegen bis hin zum Pfälzischen Erbfolgekrieg durchzusetzen. 1697 wurde mit dem Frieden von Rijswijk beschlossen, dass Elsass und Lothringen künftig zu Frankreich gehörten, allerdings vorläufig nur für 20 Jahre. Danach sollte der Status noch einmal geprüft werden, doch das ist dann in Vergessenheit geraten. So wurde auch Straßburg zu einer französischen Stadt, obwohl es zumindest als Universitätsstadt eine deutschsprachige Stadt gewesen war. Diese Vorgeschichte ist ziemlich wichtig für das Verständnis der deutschen Wahrnehmung Frankreichs.

HMD: Aus der französischen Sicht von damals sollte der Rhein die Grenze werden. Und das, was in Deutschland als Annexion von Straßburg und dem Elsass empfunden wurde, war in der französischen Sprache die »Reunionspolitik«. Was heißt Reunion? Gemeint war das Wiedervereintsein, also die Wiederherstellung eines früheren Zustandes. Nur was ist der Bezugspunkt, wenn man etwas wiederherstellen will, das es früher gegeben hat? Man könnte bis zum Vertrag von Verdun im Jahre 843 zurückgehen, als das Reich Karls des Großen zwischen seinen Enkeln geteilt wurde. Danach nahmen Ostfranken wie Westfranken das Gebiet dazwischen (Lothringen) für sich in Anspruch. Dabei war im 17. Jahrhundert auch den Franzosen völlig klar, dass Straßburg im Mittelalter eine freie Reichsstadt gewesen war, und niemand konnte leugnen, dass im Elsass eine eher deutsche Kultur gepflegt wurde usw.

Du hast völlig recht damit, diese Vorgeschichte zu erwähnen, denn wenn wir als angeblichen Anfangspunkt einer deutsch-französischen Erbfeindschaft den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 nennen, vergessen wir, dass es diese lange Vorgeschichte gibt. Sowohl in den Kriegshandlungen als auch in der Symbolik einiger Akte wird auf frühere Traumata und erlittene Annexionen verwiesen.

AW: Wobei natürlich diese deutsche Darstellung Ludwigs XIV. und des absolutistischen Frankreichs als »Raubstaat« auch etwas Heuchlerisches hat. (HMD: Ja!) Im Grunde handelt es sich um eine charakteristische, nachträglich vorgenommene Konstruktion im Zeitalter des Nationalismus, die mit den tatsächlichen Verhältnissen in der Frühen Neuzeit nicht so viel zu tun hatte. In der Frühen Neuzeit gab es zahlreiche Tausch- oder auch Eroberungspläne, an denen sich auch die deutschen Staaten – Preußen vorneweg – rege beteiligten. Damals war die Frage, welcher Sprache oder welcher Kultur eine bestimmte Bevölkerung angehörte, sekundär. Sie war nicht bedeutungslos, aber es gab davon unabhängig viele Ideen, wie man Territorien für sich reklamieren konnte. Fast immer ging es um die Inanspruchnahme älterer Rechtstitel. Die regelmäßig erhobenen dynastischen Ansprüche etwa führten fast ebenso regelmäßig zu Erbfolgekriegen. Und das geschah zunächst einmal unabhängig davon, welcher Nation die jeweilige Bevölkerung angehörte. Aber auch die unverblümte Annexionspolitik gehörte zum Repertoire der frühneuzeitlichen Mächte, wenn man etwa an die polnischen Teilungen zwischen 1772 und 1795 denkt. Preußen erhielt auf diese Weise seine Ostprovinzen, in denen nicht nur polnische Minderheiten lebten, sondern sogar die Mehrheit der Bevölkerung polnisch war.

Insofern ist es höchst problematisch, die Kategorie der Nation einfach auf die Frühe Neuzeit zurückzuprojizieren, und das gilt erst recht für das 17. Jahrhundert und die Reunionspolitik Ludwigs XIV. Eine nationale Vorstellung von Deutschland gab es damals gar nicht, jedenfalls nicht von Deutschland als geschlossenem Staat. Stellt man sich Deutschland einfach als Opfer dieser französischen »Raubüberfälle« im 17. Jahrhundert vor, dann führt das in die Irre.

HMD: Aber diese Vorstellung spielt eine Rolle, wenn wir vom Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erzählen wollen. Im französischen Sprachgebrauch ist beispielsweise nie die Rede von einem »Deutsch-Französischen Krieg«, sondern man sagt in Frankreich la Guerre de 70 , ›der Krieg von 1870‹. Es wird also diese deutsch-französische Komponente, diese Gegnerschaft, nicht betont. Oder sie ist als Demütigung so eingebrannt, dass sie nicht genannt zu werden braucht. Viel stärker in der Erinnerung geblieben ist das Trauma von Versailles, nämlich der Umstand, dass nach der französischen Niederlage der deutsche Feind am 18. Januar 1871 ausgerechnet den Spiegelsaal im Schloss des Sonnenkönigs Ludwigs XIV., das Herzstück der französischen Monarchie, entweihte. Nicht nur hatte der Feind so schnell den Krieg gewonnen, er wagte es auch, genau dort das Deutsche Kaiserreich zu proklamieren.

Es ist kein Zufall, dass jene Inszenierung gerade in diesem Raum stattfand. Die deutsche Reichsgründung, die Erhebung Wilhelms I. von Preußen zum deutschen Kaiser Wilhelm I. sollte genau im schönsten Saal des Schlosses von Versailles stattfinden. Das war eindeutig die Absicht der deutschen Seite, und die Botschaft wurde sehr gut verstanden in Paris wie auch in ganz Frankreich. Nicht nur in Deutschland wurde das Gemälde von Anton von Werner berühmt, das man in allen Schulbüchern sieht. Im Grunde handelt es sich dabei interessanterweise um die dritte Fassung, auf der Bismarck mit weißer Uniform in der Mitte steht.

AW: Ein Fake …

HMD: Ein Fake, ja, dass Anton von Werner Bismarck in die Mitte stellte, ist schon eine Deutung des Geschehens. Dieses Gemälde wurde dem Reichskanzler als Chefstrategen der deutschen Einigung geschenkt, denn diese dritte Version wurde zu seinem Geburtstag für ihn gemalt. Aber auf allen drei Versionen dominiert die Präsenz der preußischen Militärs in Uniform den schönsten Schlosssaal des Sonnenkönigs. Die Inszenierung veranschaulicht sehr wohl, dass die Reichsgründung quasi ex negativo durch die Demütigung des anderen erfolgte. Die Demütigung des anderen war notwendig, um die eigene Macht zu demonstrieren.

Anton von Werner Die Proklamation des Deutschen Reiches 1885 AW Das - фото 1

Anton von Werner, Die Proklamation des Deutschen Reiches, 1885.

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