Obwohl es in dieser Region ziemlich kühl ist, weil die Strahlen der Sonne diesen Teil des Planeten nur noch mäßig mit Wärme versorgen, finden die Flugtiere ziemlich viel Nahrung. Fische, Süßwasserkrebse, Kleinsäuger, wie Lamane und Porphyre, von der Größe vergleichbar mit Ratten auf unserer Erde, oder auch mit Murmeltieren. Es gibt Zoklone, eine Art von Gemsen, die an den Berghängen steile Kletterpfade haben, und genügend Nahrung finden in Form von Gräsern und kleinblühenden Blumen. Sie sehen alle ganz anders aus, wie unsere Tiere auf der Erde.
Etwa die Porphyre tragen einen Schuppenpanzer, und haben ein hervorragendes Frühwarnsystem, wenn sich einer der Flugsaurier nähert.
Auch kleine Kriechechsen, Schnecken und Insekten gibt es hier, die in den Gräsern und Moosen leben. Manche davon auch in engen Spalten an den Berghängen, die ihnen Schutz bieten. Diese Kleinechsen wiederum leben von Spinnentieren, Fliegen und Maden. Manche von Ihnen haben Flügel aus Haut, mit denen sie sich geschickt durch die Luft bewegen können. Es ist eine gute Gegend zum Leben. Eine Gegend, in der es immer wieder zu heftigen Regenfällen kommt, wenn die Wolken an den Bergen hängenbleiben. Das gemäßigte Klima und das viele Wasser macht die Vegetation fett und grün.
Artemis kennt die verschiedenen Regionen seines Planeten, aber hier hält er sich besonders gerne auf, um die Natur zu beobachten und auf das Gleichgewicht der Arten zu achten. Das Wasser ist klar und sauber, und die Luft ist voll mit dem Geschrei der großen Flugsaurier, die in der Luft schweben, nach Aussicht auf Beute, und den Warnsignalen der Porphyre.
Obwohl die Zoklone hier die größten Säuger sind, so sind sie doch nicht wehrlos. Sie tragen gewaltige Hörner, die sie auch einsetzen, und manch ein Angriff der Flugsaurier geht ins Leere. Immer wieder werden die Saurier bei Angriffen auch von den messerscharfen Hörnern aufgeschlitzt oder aufgespießt. Dabei sind die Zoklone sonst eine äußerst friedliche Art, die ausschließlich von Pflanzenkost lebt.
1.1.2.Artemis spürt die Schwingungen und Vibrationen, als die Flotte der Xorx auf Cantara zurollt und einen Kordon um den Planeten legt. Die Cantara haben mit so etwas schon lange gerechnet. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass die Krieger der Xorx den Planeten angreifen. Bisher immer ohne Erfolg. Sie waren stets an dem Schutzgürtel gescheitert, den die Cantara um ihren Planeten gelegt haben. Sie sind sicher, auch dieses Mal werden die Xorx wieder erfolglos abziehen.
Die Cantara sind keine Krieger. Es ist ein friedliebendes Volk, auch wenn sie auf ihrem Planeten für das Gleichgewicht zwischen den Arten sorgen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass die Xorx neue Angriffswaffen entwickeln, die ihnen gefährlich werden könnten. Das ist ein Fehler, wie sich bald herausstellt.
Irgendetwas mahnt Artemis zur Vorsicht. Er zieht sich rechtzeitig in eine der Höhlen zurück, tief im Berg. Er ruft seine Freunde, und 30 von ihnen stellen sich ein, und ziehen mit ihm tief in den Berg.
Sie sind auf den Wärmebildkameras nicht mehr sichtbar, die von den Xorx jetzt auf den Planeten gerichtet werden.
Als der Beschuss mit den Schallwellen beginnt, wirkt das auf den Berg, wie ein gewaltiges Beben. Im Gestein bilden sich Risse, und an verschiedenen Stellen bricht Gestein aus der Decke. Es wird niemand ernstlich verletzt, aber diese Höhle ist nur solange sicher, wie die Decke hält. Der Eingang bricht ein und wird zum großen Teil verschüttet.
Obwohl die Cantara keine Ohren haben, anders als die Säugetiere, die es auf diesem Planeten gibt, so spüren sie den gewaltigen Energiefluss, der jetzt über die Oberfläche des Planeten fegt, wie ein Sturm, der alles zerfetzt, was sich ihm in den Weg stellt. Bäume, Gestein, Tierleiber. Nur kleine biegsame Pflanzen überleben, und auch die Völker von Insekten, sowie Tiere, die im Boden leben, wie die Globiläen, die den Wühlmäusen auf unserer Erde recht ähnlich sind, aber auch diverse Tiefseearten die auf dem Meeresboden, oder in großer Tiefe leben. Würmer, Eigelege und Maden, die im Boden eingegraben sind, die können zumindest zum Teil überleben. Mit ihnen überleben auch Amöben und mikrobiologische Organismen, vom Einzeller bis zu Viren.
Der Sturm zerfetzt die Ohren der Tiere, egal wie groß, auch die Flugechsen und Saurier. Sie haben diesen Waffen nichts entgegenzusetzen, obwohl sie furchteinflößende Tiere sind.
Der Sturm entfacht gewaltige Wellenberge, die über flache Küstenabschnitte hinwegrollen und die Flüsse hinauflaufen. Als sich die Wellen zurückziehen, reissen sie Berge von Gehölz, Erde, Stein und Tierleiber mit sich, so dass sich auf den küstennahen Meeresabschnitten kilometerweit der Unrat häuft, bevor er sich mit Wasser vollsaugt, um irgendwann auf den Meeresboden abzusinken und zu verrotten. Auch Millionen von Fischen sterben.
Auch die Gewässer in der Tantan-Region leiden. Manche Bäche und Flüsse werden in Millionen Wassertropfen zerteilt an die Steilwände getrieben, wo sie in noch kleinere Tröpfchen zerteilt werden, die sich teils in der Luft auflösen, teils am Gestein abregnen, wie feinster Nebel. Mit dem Wasser werden auch die Fische durch die Luft gewirbelt und an die Steilhänge geworfen. Viele Schluchten stürzen ein. Es kommt zu gewaltigen Geröllabgängen
Es gibt aber auch Schluchten, die im toten Winkel liegen. Sie sind trotzdem nicht gefeit von Geröllabgängen. Viele Schluchten werden regelrecht verschüttet.
Als der Beschuss nach einigen Tagen aufhört, ist auch der Großteil des Volkes der Cantara ausgelöscht. Zerstückelt, aufgespießt, zerquetscht. Artemis hat mit dem Teil seiner Gruppe überlebt, die mit ihm zusammen Schutz gesucht hat. Die anderen 30 Freunde gibt es nicht mehr.
Auch einige wenige andere Gruppen der Cantara haben überlebt, die frühzeitig Schutz gesucht haben, verteilt in kleinen Gruppen rund um den Globus, aber das weiß Artemis nicht.
Artemis schickt einen Späher nach draußen, aber er kommt nicht wieder. Er fällt den Luftlandetruppen der Xorx in die Hände, die mit ihren Wärmebildkameras die Oberfläche des Planeten nach überlebender Energie absuchen und alles, was überlebt hat, mit Schallwellen, elektromagnetischen Impulsen, Laserwaffen und konventionellen Sprenggranaten angreifen.
Sie wollen diesen Planeten erobern, aber sie brauchen die Tier- und Pflanzenwelt nicht, und auch nicht das Volk der Cantara. Sie wissen, dass es solche Wesen geben muss, denn sie haben die Energiewellen und Wärmequellen gesehen, die sie aussenden, und sie haben mit ihren Messinstrumenten auch diesen Energiegürtel gesehen, der ihnen hunderte von Jahren lang den Zugang zu diesem Planeten verwehrt hat. Die Angehörigen dieses Volkes selbst haben sie noch nie zu Gesicht bekommen, so dass sie ein Bild von ihrem Aussehen hätten. Das ist für sie unerklärbar, denn sie glauben an das Sichtbare und Nachweisbare. Natürlich ist das eine potentielle Gefahr, aber die Xorx denken in ihren Kategorien als Eroberer und mit ihrem Wissen über intelligentes Leben und intelligente Lebensformen in einem greifbaren Körper. Das schließt eine Lebensform wie die Cantara nicht ein, die ihre Form jederzeit nach Belieben verändern können, bis hin zu Gaswolken, aber das wissen die Xorx nicht.
Die Xorx haben bereits die Bewohner von 20 weiteren Planeten versklavt. Sie werden schon mit diesem Planeten und seinen Bewohnern fertig werden. Sie haben sich verrechnet, aber das wissen sie noch nicht. Sie sind in diesem Fall nur an den mineralischen Bodenschätzen interessiert. Gold, Silber, Kupfer, Erze, Granit, Sandstein, Salz, Bauxit, Uran, Gasen, Öl, Wasserstoff und seltene Erden. Deshalb sind sie gekommen. Sie wissen, dass es auf Cantara Wasser, Sauerstoff und Stickstoff gibt. Sie wissen, dass sie auf diesem Planeten die Rohstoffe ausbeuten können, weil ihnen die Atmosphäre ideale Überlebensbedingungen bietet.
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