Die Welt hat sich verändert
In Leons Kindheit und Jugend hat es in Berlin Bandenkriege gegeben. Dann hat sich das Klima verändert. Stürme, Starkregen, Dürren, Hungersnöte und dieser gewaltige Temperaturanstieg, der die Pole und Gletscher schmelzen ließ, und den Permafrost aufweichte, so dass tausende Tonnen von Gestein abbrachen und in Richtung Tal stürzten. Der Meerwasserspiegel hatte sich erhöht und zu gigantischen Sturmfluten und Orkanen geführt. Schlimm sind die lokal auftretenden lokalen Unwetter im Zuge des Global Weirding , die manchmal urplötzlich auftreten und massive Zerstörungen hinterlassen. Als Begleiterscheinung der Erhöhung der Welttemperatur waren neue Krankheiten entstanden. Pilze, Flechten, Viren hatten sich verändert. Tausende von Tier- und Pflanzenarten sind heute ausgestorben. Die Welternährung konnte nur durch gezielte Programme und genveränderte Pflanzensorten gesichert werden. Die Menschheit ist an die Grenzen der Belastbarkeit gestoßen. Dabei hatte die Erde in den letzten Jahrzehnten noch Glück gehabt. Ein unvorhergesehenes Phänomen war daran Schuld, das den Namen Maunder-Minimum trägt. Die Sonne hatte für einige Jahrzehnte ihre Strahlkraft ein Stück weit verloren. Ein Phänomen, das schon in früheren Jahrhunderten hin und wieder zu beobachten war. Im 30-jährigen Krieg fror die Ostsee sogar zu, so dass der schwedische König seine Truppe zu Fuß über das Eis zum Festland führen konnte. Allerdings hatte dieses Phänomen die fortschreitende Klimaerwärmung in den letzten Jahrzehnten nur gebremst. Im Moment steigt das Klima wieder deutlich an. Die Folgen sind kaum absehbar. Leon weiß das, aber er wird das vorhersehbare Chaos nicht mehr erleben.
Es hatte regionale Verteilungskriege um das Wasser, das Erdöl und um andere Bodenschätze gegeben. Es hatte Machtkämpfe gegeben, die sich hinter dem rechten Glauben an Gott verbargen. Riesige Flüchtlingsströme hatten die alten Machtblöcke immer wieder ins Wanken gebracht und Konflikte wurden in Stellvertreterkriegen ausgefochten.
In all diesem Chaos hatten Leon und seine Freunde stets versucht, menschliche Wärme, Zuversicht und Hilfsbereitschaft am Leben zu erhalten. Es gab viele Erfolge. Der wohl bedeutendste war die gelungene Agrarreform in den Anden, die heute immer noch als grüne Revolution gefeiert wird. Nun ja. In den Anden war das so. In einigen anderen Teilen der Welt sieht die Situation sehr trübe aus. Besonders die Ausbreitung der Wüsten hat ein erschreckendes Maß angenommen. Die Bilanz ist jedoch rückblickend insgesamt nicht schlecht, und es gab immer viel Unterstützung, auch von konservativen Unternehmern und Politikern, wenn auch oft unter sehr eigennützigen Motiven.
Schließlich ist da noch die globale elektronische Vernetzung, die allgegenwärtige Überwachung mit Kameras, die Kontrolle von Internet und Telefonie durch Unternehmen und Behörden... angeblich, um Sicherheit zu gewährleisten. Tatsächlich geht es um Macht. Sie bedienen sich in Leons Clan schon lange auch solcher Methoden, und das sehr erfolgreich. Elektronische Kontrolle über die Menschen auf diesem Planeten ist sehr einfach, wenn man weiß, wie das geht. In Wirklichkeit geht es immer um das ganz große Geschäft. Leons Clan ist nicht der einzige, der in diesem Geschäft mitmischt, und Machtzuwachs durch Informationstechnologie und Spionage, sowie die Kontrolle von Patentrechten und Wirtschaftsmärkten anstrebt
Der Clan hat in diesem Netz Position bezogen, und er hat sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Man darf in den Bemühungen nur nicht nachlassen.
Der Anschlag
Der Erfolg der Stiftung und all ihrer Unternehmen hat einem Durchmarsch geglichen, nachdem die Stiftung damals ihre erste bescheidene Firma gegründet hatte, zunächst nur, um die Not von katastrophenbedingtem Hunger einer erdbebenbetroffenen Region zu lindern. Leon und die Freunde haben die Welt Stück seither für Stück erobert und für Veränderungen gesorgt. Änderung im Bewusstsein vieler Menschen. Änderungen in Produktionsmethoden und Einflüsse auf Verteilungskämpfe. Trotz aller Erfolge hat sich der Zustand der Welt nicht gebessert. Die Freunde haben das Tempo der chaotischen Entwicklung nur abgebremst, aber nicht aufgehalten. Der Klimawandel hat die Welt fest im Griff, und es ist auch nicht immer friedlich gewesen.
Leon kann sich noch deutlich an einen Anschlag erinnern, der ihm gegolten hatte. Er ist ja schon lange Berater diverser Präsidenten der USA. Am Anfang dieser Tätigkeit hatte er sich einmal zu Sondierungsgesprächen zu dem Landsitz bringen lassen, der einem dieser Präsidenten gehörte. Der Wagen war unterwegs von irgendeinem verrückten Einzeltäter unter Feuer genommen worden. Der Fahrer war von einer Kugel tödlich getroffen worden. Das Fahrzeug hatte sich beinahe über-schlagen. Auch Leon hatte es erwischt. Er hatte das Fahrzeug mit der Kraft seiner Energie verlassen können. Er hatte sich in Deckung gebracht. Auch der Beifahrer, ein Sicherheitsbeam-ter des Präsidenten, der bei solchen Besuchen obligatorisch dabei ist, der hatte sich retten können, und das Feuer erwidert.
Die angeforderte Verstärkung hatte den Mann schließlich gefasst. Er hatte die Parole allzu ernst genommen, die einer der Präsidenten einmal ins Leben gerufen hatte, "America first". Er hatte gegen die deutsche Unternehmensführung von Mac Best Food protestieren wollen. In dieser Zeit waren immer wieder Anschläge auf deutsche, chinesische und spanische Unternehmen in den USA verübt worden. Seit damals trägt Leon zwei Narben. Eine der Kugeln hatte ihm den Schulter-knochen zerfetzt, die andere war in sein Bein gedrungen und die Schlagader nur um wenige Millimeter verfehlt. Er wäre sonst wohl an Ort und Stelle verblutet. Seine Töchter Chénoa und Clara hatten ihn damals nach Ciudad del Sol überstellen lassen, und ihn mit ihrer besonderen Heilkraft gesund gepflegt.
In der Folge war Leon vorsichtig geworden. Er hatte sich ein Netz von geheimen Wohnungen angeschafft, rund um den Globus, manchmal nur ein möbliertes Zimmer. Er nutzt seit dieser Zeit immer die Kraft, die ihm gegeben worden ist, um durch den Tunnel zu reisen, und vermeidet öffentliche Ver-kehrsmittel, Bahnhöfe und Flughäfen, soweit das geht. Seine Tochter Chénoa hatte ihm gezeigt, wie er einen Schutzgürtel um sich legen kann, so dass Kugeln abgebremst werden, und nicht so viel Schaden anrichten können. Es ist eine Hilfe, aber kein Totalschutz. Gegen Sprengstoff schon gar nicht. Auch Chénoa nutzt diese Wohnungen, wenn sie unterwegs ist, und sie hat sich selbst auch solche geheimen Wohnungen zugelegt. Safety first. Inzwischen hat sie sogar gelernt, den Schutzgürtel um sich so stabil zu machen, dass er Gewehrkugeln mit hoher Durchschlagskraft widersteht. Eine Besonderheit. Elvira, eine von Leons Enkelkindern hat diese Fähigkeit sogar perfektioniert. In ihrem heutigen Job, da braucht sie diesen ständigen Schutz.
Teil 2
Die Wächter
Der Angriff der Xorx und die Reise durch die Galaxis
1.1. Artemis sucht Schutz
1.1.1.Artemis ist gerade unterwegs in der Region der Tantangebirges. Das ist ene wild zerklüftete Berglandschaft in der gemäßigten Zone des Planeten Cantara, mit Erhebungen bis zu 2.500m Höhe, mit Steilhängen und tiefen Einschnitten in die Landschaft. Er gilt als erfahrener Gruppenführer und er ist in lockerer Begleitung von 60 Freunden.
Er liebt diese Gegend. Es gibt tiefe Einschnitte in die Landschaft. Es gibt Bäche, Wasserfälle und Schluchten mit Stromschnellen. An den Hängen gibt es Grase, Moose, Blumen und niedere Büsche. In den Steilwänden gibt es unendlich viele Höhlen. Einige gehen weit in den Berg hinein. Die Höhlen und die Steilhänge sind Nist- und Schlafplätze für zahlreiche Flugsaurier und Kleinvögel in allen Formen und Farben, und es gibt ziemlich viele davon, in ganz unterschiedlichen Größen.
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