1 ...6 7 8 10 11 12 ...34 Miller, G. A., Galanter, E. & Pribram, K. H. (1966). Plans and the structure of behavior. New York: Holt.
Rheinberg, F. & Vollmeyer, R. (2010). Paradoxe Effekte von Lob und Tadel. In D. H. Rost (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie (4. Aufl., S. 635–641). Weinheim: Beltz.
Schneider, W. & Roebers, C. (2000). Die Pädagogische Psychologie und ihre Kinder. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 47, 2–9.
Wason, P. C. (1966). Reasoning. In B. M. Foss (Ed.), New horizons in psychology (pp. 135–151). Harmondsworth, England: Penguin.
1 Ein solcher Dauerzustand ist ein objektiver Belastungsfaktor für die Ausübung des Berufs einer Schulpsychologin bzw. eines Schulpsychologen, und damit ist das Risiko erhöht, sich permanent gestresst und überfordert zu fühlen. So verwundert es auch nicht, dass in verschiedenen Befragungen von praktisch tätigen Psychologinnen und Psychologen in den letzten Jahren auf das Theorie-Praxis-Dilemma hingewiesen und zum Ausdruck gebracht wurde, dass man weite Teile der Studieninhalte nicht für den beruflichen Alltag gebrauchen könne (z. B. Schneider & Roebers, 2000; Frensch, 2013; Hasselhorn, 2009). Oftmals führt das zu Debatten, ob überhaupt ein Vollstudium in Psychologie die bestmögliche Grundausbildung für eine eigenverantwortliche Tätigkeit in der Schulpsychologie sei. Wir sind der Überzeugung, dass eine solide psychologische Vollausbildung notwendige Voraussetzung ist, um die psychologische Expertise zu sichern, die maximal erfolgreiche Lösungen bei Problemen in der Schule und rund um das Thema Schule zu finden verspricht. Dazu wird ein wissenschaftliches Selbstverständnis schulpsychologischen Handelns skizziert, das seine Grundlage in den Theorien und Befunden der wissenschaftlichen Psychologie hat, die von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen durch ihr im Studium geschultes Vermögen zum hypothetisch-deduktiven Denken reflektiert und für die Suche und Entwicklung von Problemlösungen im schulpsychologischen Alltag genutzt werden (können). Allerdings sollte der breit qualifizierende Masterabschluss in Psychologie ergänzt werden durch spezielle Weiterbildungen, die gezielt auf das Arbeitsfeld der Schulpsychologie vorbereiten. 1 1 An den Universitäten Basel und Zürich gibt es solche Weiterbildungsgänge. Die Deutsche Psychologenakademie in Berlin bietet ein Curriculum Schulpsychologie an.
An den Universitäten Basel und Zürich gibt es solche Weiterbildungsgänge. Die Deutsche Psychologenakademie in Berlin bietet ein Curriculum Schulpsychologie an.
3 Forschungsgrundlagen der Schulpsychologie
Christiane Loßnitzer, Tomasz Moschko, Caterina Gawrilow, Johanna Schmid und Marcus Hasselhorn
3.1 Einleitung
3.2 Angewandte Forschung im Kontext Schule
3.3 Conclusio
Literatur
Schulpsychologie ist einerseits »angewandte Psychologie für die Schule« (BDP Sektion Schulpsychologie, 2015, S. 3), andererseits eine – wenn auch junge, eigenständige – wissenschaftliche Disziplin, die sich der Forschungsdesigns und -methoden der gesamten Psychologie bedient. Insbesondere die Klinische Psychologie, die Pädagogische Psychologie und die Entwicklungspsychologie spielen als zentrale Bezugsdisziplinen eine große Rolle. Zudem dienen die Inhalte der Psychologischen Diagnostik und Testtheorie, Sozialpsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie und Medienpsychologie als Bezugsrahmen.
Wissenschaftliche Forschungsergebnisse bilden die Handlungsgrundlage praktisch-arbeitender Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Trotzdem ist die Dissemination wissenschaftlicher Forschungsergebnisse keine Garantie für einen gelingenden Wissenschafts-Praxis-Transfer. Dieser setzt einerseits voraus, dass entsprechend relevante Forschung vorliegt und hinreichend verständlich zur Verfügung gestellt wird. Andererseits sind wissenschaftliche Befunde kritisch zu reflektieren und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit zu bewerten. Hierzu bedarf es einer soliden Kenntnis der Forschungsgrundlagen. In diesem Kapitel werden daher typische Fragen schulpsychologischer Forschung, zentrale Forschungsdesigns und -methoden sowie Kriterien zur kritischen Reflexion wissenschaftlicher Forschungsbefunde thematisiert.
3.2 Angewandte Forschung im Kontext Schule
Schulpsychologie schließt »Forschung und Praxis des Tätigkeitsfeldes von Schulpsychologen« (Dollase, 2020, S. 1377) ein. Der BDP (2015) zählt zu den Aufgaben der Schulpsychologie (a) die Unterstützung und Beratung von Einzelnen und von Gruppen (z. B. Schüler und Schülerinnen, Eltern, Lehrkräfte, Lehrerkollegien), (b) die Unterstützung bei Fragen, die sich aus dem Lehren und Lernen in der Schule ergeben (z. B. Lern-, Entwicklungs- und Verhaltensprobleme von Schülern und Schülerinnen) sowie (c) die Unterstützung der Information und Beratung der Öffentlichkeit und Politik im schulischen Kontext z. B. zu Fragen der schulischen Erziehung, Bildung und Schulentwicklung.
Das Handlungs- und das Forschungsfeld der Schulpsychologie beziehen sich auf verschiedene Ebenen: die individuelle Ebene, die Klassen- und Schulebene und schließlich die Systemebene. Auf der individuellen Ebene gilt das Forschungsinteresse den Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens Einzelner (Schüler und Schülerinnen, Eltern, Lehrkräfte etc.). Hier werden z. B. Fragen behandelt wie: Unterscheiden sich Kinder mit ADHS von Kindern ohne ADHS hinsichtlich grundlegender exekutiver Funktionen? Zeigen sich Schwankungen exekutiver Funktionen bei Kindern mit ADHS, wenn diese wiederholt exekutive Funktionsaufgaben lösen?
Die Forschung zur Beantwortung solcher Fragestellungen folgt den Gesetzmäßigkeiten der psychologischen Grundlagenforschung. Am Ende des Forschungsprozesses stehen praktische Implikationen und konkrete Handlungsalternativen, die sich dann z. B. in der schülerzentrierten Beratung (
Teil II
– Fokus Schülerinnen und Schüler) niederschlagen können.
Klassen-, Schul- und Systemebene. Auch wenn einzelne Schüler und Schülerinnen oder Lehrer und Lehrerinnen in den Blick genommen werden, spielen verschiedene Beziehungskontexte eine entscheidende Rolle. Das System Schule besteht aus verschiedenen Akteuren mit vielfältigen Beziehungen untereinander (
Teil III
– Fokus Lehrkräfte und System Schule). Nicht zuletzt deshalb gehört Vernetzung zu den zentralen schulpsychologischen Aufgaben (
Kap. I-5 5 Beratung in der Schule – Kooperation und Vernetzung Klaus Seifried 5.1 Beratung in der Schule 5.2 Professionalisierung von Beratung in der Schule 5.3 Lösungsorientierte Beratung 5.4 Aufbau schulinterner Kompetenzteams für Beratung 5.5 Kooperationen mit außerschulischen Beratungsdienste 5.6 Schulhilfekonferenzen – Schulpsychologinnen und Schulpsychologen als Moderatoren 5.7 Lerntherapien als Jugendhilfemaßnahme 5.8 Kooperationsprojekte zwischen Schule und Jugendhilfe 5.9 Fazit: Ein Beratungszentrum statt vieler Institutionen und Helfer Literatur
). Im System Schule finden sich einerseits Gruppen, wie Schüler und Schülerinnen in Klassen oder Lehrkräfte an Schulen. Typische Forschungsfragen beziehen sich etwa auf Faktoren gelingenden Unterrichts und deren Wirkmechanismen (
Kap. III-2
). Auch Interventions- und Präventionsforschung im Kontext Schule (
Kap. II-11
) ist hier einzuordnen.
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