Chris Kraus - Aliens & Anorexie

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Ende der 1990er-Jahre fliegt Chris Kraus, die Figur dieses Romans, nach Berlin, um ihren Film «Gravity & Grace» auf einem Festival zu zeigen. Nicht auf der Berlinale natürlich, die das Filmprojekt über Hoffnung, Verzweiflung und quasireligiöse Ekstase nicht annehmen wollte, sondern nur auf einem kleinen Festival, für das sich niemand interessiert. Chris ist gescheitert. In ihrem Liebesleben sowieso, jetzt noch in ihrer Kunst und bald sicher auch in ihrem Denken. Während das neue Jahrtausend vor der Tür steht, wartet sie auf E-Mails ihres SM-Partners, der gerade in Namibia einen Hollywoodfilm dreht. Hilfe suchend wendet sie sich erneut Simone Weils Klassiker «Schwerkraft und Gnade» zu, der sie vor Jahren zu ihrem gefloppten Film inspirierte. Chris versinkt immer mehr im Leben und Denken der französischen Philosophin. Ausgehend von deren Askesepraxis sieht sie in der Anorexie eine Möglichkeit, den eigenen verhassten, dysfunktionalen Körper ein für alle Mal zu verlassen.
Durch die Auseinandersetzung mit Ulrike Mein ofs theoretischem Werk, Paul Theks Kunst und Aldous Huxleys Drogenerfahrungen gelingt es Chris, ihre Perspektive auf das eigene Scheitern und Sein zu verändern.

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Der European Film Market verwandelte sich allmählich in Zimmer 101 aus Orwells 1984 , einer Schreckenskavalkade, die einen mit den eigenen tiefsten Ängsten konfrontiert. Und alles war so barock, dass ich so gerade eben darüber schwebte und dachte: »Das alles hier kann mir jetzt nichts mehr anhaben …«

Es war unvorstellbar, noch einen einzigen weiteren Tag damit zu verbringen, auf dem Market zu versuchen, irgendwie geschäftig zu wirken. Am Mittwochmorgen schmiedete ich einen Plan: Ich würde wie immer gegen halb neun aufbrechen und dann zurück in die Wohnung schleichen, nachdem sich Gudrun zur Schule aufgemacht hatte. Am Mittwoch jedoch meldete sich Gudrun krank. Zittrig berichtete sie mir von all den Zeichen einer frühen Menopause. Hitzewallungen, lähmende Krämpfe, der schluchzende Wahnsinn, auf etwas zu warten, das niemals kommt –

Sie schloss ihre Schlafzimmertür, um zu schlafen. Ich packte meine Koffer und schrieb einen Zettel und schob den Schlüssel unter der Wohnungstür hindurch.

Draußen hielt ich ein Taxi zum Crystal Hotel an. Der Name kam mir irgendwie New Age vor, irgendwie Nazi. Es handelte sich um eine Ein-Stern-Unterkunft ganz unten auf der »Empfehlungsliste« des Market . Zwei Dokumentarfilmemacher checkten gerade aus, und glücklicherweise bekam ich ihr Zimmer.

Inzwischen fühlte sich mein ganzer Körper bereits so an, als sei er aus Glas. Ich ging an Unterkühlung zugrunde, konnte mich nicht dazu bringen, mein leeres Postfach zu checken, lächelte Gordon Laird zu, saß wieder einmal allein in einem Restaurant oder Café herum. Ich kaufte eine Schachtel Cracker und ein Stück Feta-Käse und verbrachte den Tag damit zu lesen. Die Heizung schnurrte. Ein einziger Klecks Sonnenlicht vor dem Mansardenfenster draußen bewegte sich über die Dachgeschosswände.

»Unmöglich«, schreibt Simone Weil in Schwerkraft und Gnade , »jemandem, der uns Böses zugefügt hat, zu verzeihen, wenn dieses Böse uns erniedrigt. Man muß den Gedanken wagen, daß es uns nicht erniedrigt, sondern unseren wahren Rang offenbar gemacht hat.«

Sie schrieb dies 1942 in Marseille in ihr Notizbuch, während sie mit ihren Eltern zwar nicht auf Gott wartete, sondern auf amerikanische Einreisevisa, die ihnen ihr Bruder André Weil, ein Mathematiker, der bereits sicher in New York war, dann schließlich auch besorgen sollte.

Während des gesamten Krieges wurden insgesamt weniger als 3000 französischen Juden die Einreise in die USA gewährt. Weils gebildete Bürgerfamilie war darunter. 75 000 Juden wurden während der deutschen Besatzung in Frankreich zusammengetrieben und deportiert. Von diesen überlebten nur drei Prozent. In Marseille dachte Weil über die Ungewissheiten des Zufalls nach, über all die Systeme der Kausalität, die wir nur deshalb erfinden, um so zu tun, als herrsche der Zufall nicht.

Sie schrieb, dass es »unerträglich ist, sich vorzustellen, das Kostbarste, was die Welt besitzt, sei dem Zufall ausgeliefert. Gerade weil dies unerträglich ist, soll man es betrachten. […] Das einzige Gut, das dem Zufall nicht unterworfen ist, ist jenes, das außer der Welt ist.« Obwohl, wie Weil nur allzu gut wusste, die Reichen schon immer viel mehr »Glück« gehabt haben als die Armen.

Weil fand die Sicherheit in New York unerträglich. Sie träumte davon, zurück nach Frankreich zu fliegen und per Fallschirm mitten zwischen den Nazis abzuspringen. Ihr ganzes Leben lang, seitdem sie zehn war, hatte sie mit den Armen und Entrechteten gefühlt. Ein panischer Altruismus. Sie empfand das Leiden anderer in ihrem eigenen Körper und fand eine Sprache und ein System dafür. Wert, entschied sie, existiert nur in der Verbindung zweier ehedem separater Entitäten. Wert schwindet, sobald diese Union aufgelöst wird. In ihrem Verlangen nach Einheit wand sie sich zu einem panischen Altruismus empor – zu einem Zustand, in dem es keine Grenzen zwischen dem gibt, der man ist, und dem, was man sieht.

»Ein Mensch, dessen sämtliche Angehörigen unter der Folter umgekommen wären«, schrieb sie später in London, »der selbst lange Zeit in einem Konzentrationslager gefoltert worden wäre. Oder ein Indio des sechzehnten Jahrhunderts, der als einziger der völligen Ausrottung seines ganzen Volksstammes entronnen wäre. Wenn solche Menschen an die Barmherzigkeit Gottes geglaubt haben, so glauben sie nun entweder nicht mehr daran oder ihre Vorstellung davon hat sich von Grund auf verwandelt. Ich habe dergleichen nicht durchgemacht. Aber ich weiß, daß es vorkommt: folglich, welcher Unterschied?«

Weil sie selbst brillant war, versuchte sie den Wert der Intelligenz zu diskreditieren. »Der intelligente Mensch, der auf seine Intelligenz stolz ist, ist wie ein gerichteter Mensch, der auf seine große Zelle stolz ist …« (London Notebooks)

Das übergreifende Anliegen von Weils Schreiben, das etwa fünfzehn Bände füllt, die ein halbes Jahrhundert später in den Éditions Gallimard veröffentlicht wurden, bestand darin, die Interaktionspunkte zwischen dem Mahayana-Buddhismus und den frühen Griechen zu finden. Weil sah in der griechischen Kultur die Wurzeln des westlichen Denkens. Dem Antikenforscher Pierre Vidal-Naquet zufolge war ihr gesamtes Verständnis der griechischen Kultur verrückt und ekstatisch, fehlerhaft.

Weil war viel eher Mystikerin als Theologin. Das heißt, all die Dinge, die sie schrieb, waren Feldnotizen für ein Projekt, das sie an sich selbst ausübte. Sie war eine performative Philosophin. Ihr Körper war Material. »Der Körper ist ein Hebel für das Heil«, dachte sie in ihren Notizbüchern. »Aber wie? Wie gebraucht man ihn richtig?«

Eine Mystikerin, und insbesondere eine moderne, hat etwas einfach nur Groteskes an sich. 1942 verließ sie New York in Richtung London, wo sie 15 Monate lang lebte und arbeitete, bevor sie im Alter von 34 Jahren einen tuberkularen Hungertod starb. »Sie spricht davon, entsetzliche Schmerzen für andere zu empfinden, für diejenigen, ›die mir gleichgültig oder nicht vertraut sind‹. […] Es ist fast, als spräche aus ihr eine komische Dickens-Figur«, schrieb Graham Greene. Alain, ihr Lehrer am Lycée Henri-IV, bezeichnete Simone liebevoll als Außerirdische. Ihr Spitzname war »der Marsmensch«.

Bis vor Kurzem behandelten nahezu alle Sekundärtexte zu Simone Weil ihre philosophischen Schriften als eine Art biografischen Schlüssel. Unmöglich, sich ein weibliches Leben vorzustellen, das aus sich heraustreten könnte. Unmöglich, die Selbstzerstörung einer Frau als strategisch zu akzeptieren. Weils Befürwortung der Entschaffung wird als Beweis für ihre Funktionsunfähigkeit gelesen, für ihren Hass auf ihren Körper und so weiter.

Es gibt eine mittelalterliche mystische Tradition, die das Selbst als »übelriechende Geschwulst« definiert, die zersetzt werden muss. Als Frau, die im mittleren 20. Jahrhundert lebt, geht Weil noch einen Schritt weiter: Es ist nicht nur das Selbst in der zweiten Person, das sie zu zerstören sucht. Sie beginnt mit dem, was ihr am vertrautesten ist: ihrem eigenen.

In Schwerkraft und Gnade ist für Weil das Ich das Einzige, was wir wirklich besitzen, und deshalb müssen wir es zerstören. »Benutzt das ›Ich‹«, scheint sie uns zuzurufen, »um das ›Ich‹ aufzuheben.«

Sie will sich verlieren, um größer als sie selbst zu sein. Eine Rhapsodie des Verlangens überkommt sie. Sie will wirklich sehen. Deshalb ist sie Masochistin.

»Es existiert eine Wirklichkeit«, schrieb sie in London, »jenseits der Welt, das heißt, außerhalb von Raum von Zeit, außerhalb einer jeden Sphäre, die dem Menschen mit seinen Fähigkeiten zugänglich ist. Im Innersten des menschlichen Herzen befindet sich eine Sehnsucht nach einem absoluten Guten , die dieser Wirklichkeit entspricht …«

Die Forscherin Nancy Huston kritisiert Weil für ihre Leugnung des Körpers. Sie bemitleidet sie, weil sie nie gefickt hat und deshalb an mangelndem Selbstwertgefühl gelitten haben muss. Es ist, als ob Weil, da sich insgesamt nur wenige Frauen überhaupt zu ihrer Zeit geäußert haben, einzig und allein als eine Art Rollenbild beurteilt werden muss, das »ihrer Rasse alle Ehre macht«.

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