Auch den Handschuhen ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken, denn diese müssen nicht nur einen Schutz vor Hitze und mechanischer Belastung aushalten, sondern sie müssen auch handschonend sein im Umgang mit Werkzeugen. Schutzhandschuhe müssen DIN EN 659 entsprechen. Bei Einsätzen [20]mit Handwerkzeugen wird über einen erheblich längeren Zeitraum mit den Werkzeugen gearbeitet als bei sonst üblichen Einsätzen der Feuerwehr. Es ist ein Unterschied, ob ein paar Minuten mit einem Besen eine Ölspur gekehrt wird oder mit einem Hack- oder Grabwerkzeug mehrere Stunden ein Wundstreifen angelegt werden muss. Die Handschuhe sollten wie gute Schuhe »eingearbeitet« sein, um Blasenbildung zu verhindern.
Neben einem guten Sitz sollten sie zum Jackenärmel einen dichten Abschluss bilden. Dieser kann durch ein Bündchen unter dem Ärmel oder durch eine lange Stulpe über dem Ärmel sichergestellt werden. Dies ist von dem jeweiligen Jackenmodel und dem persönlichen Empfinden des Trägers individuell abhängig und sollte durch eigenes Ausprobieren optimiert werden.
1.2.5 Weitere sinnvolle Ausrüstung
Signalpfeife
Diese sollte für jede Einsatzkraft vorhanden sein, um bei einer Lageänderung oder plötzlich auftretenden Gefahren auch unter schwierigen Verhältnissen eine schnelle Räumung des gefährdeten Bereichs durchführen zu können. Dazu muss vorher ein eindeutiges Rückzugssignal vereinbart werden, das auch allen Einsatzkräften bekannt gemacht wird. Entsprechende Schallsignale (dazu können auch Fahrzeughupen genutzt werden) sind daher auszubilden oder wenigstens vor Einsatzbeginn klar zu vereinbaren.
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[21]Achtung: Signalpfeifen können Leben retten, aber nur wenn diese am Körper, erreichbar getragen werden. |
Bild 3 zeigt eine Auswahl an sinnvoller Ausrüstung. Die beiden linken Helme sind nicht geeignet, da sie keine geschlossenen Brillen zulassen und zu schwer sind. Die beiden rechten Helme sind in Verbindung mit Flammschutzhaube und dicht am Auge schließenden Brillen (im Vordergrund und auf dem roten Helm aufgesetzt) geeignet für den Einsatz.
Bild 3: Auswahl an geeigneten (rechts) und ungeeigneten (links) Helmen, geeigneter Brillen sowie Handschuhe und Trillerpfeifen
[22]Tragegurt
Ein einfacher stabiler Gürtel mit Taschen für die nötigen persönlichen Utensilien und einem Köcher für eine Trinkflasche reichen für gelegentliche Einsätze im Freien aus.
Back-Pack, Forstwirtschafts-Rucksack
Wer häufiger und vor allem über einen längeren Zeitraum zur Brandbekämpfung im Gelände unterwegs ist, wird ein Back-Pack verwenden, das den Tragekomfort eines guten Tourenrucksacks hat. Unterschied dazu: Die speziellen Back-Packs der Forest Fire Fighter bestehen aus mehreren Taschen, die bevorzugt auf der Hüfte getragen werden. Das verteilt das Gewicht nach unten und belastet den Rücken und die Schultern deutlich weniger bei gebückter Arbeitshaltung (z. B. beim Arbeiten mit Bodenbearbeitungswerkzeugen). Es hat zudem den Vorteil, dass zusätzliches Werkzeug (z. B. Motorsäge) oder Rückentragesysteme wie Rucksackspitze oder Kraxe zum Transport von Geräten im Gelände auf dem Rücken getragen werden können, ohne auf die persönliche (z. B. Trinksystem, San-Material oder Handy) bzw. lebensnotwendige Ausrüstung (z. B. Fire Shelter) verzichten zu müssen.
Bild 4: Beispiel einer optimierten Schutzkleidung einer @fire-Handcrew mit speziellen (rucksackähnlichen) Tragesystemen, die im Wesentlichen auf der Hüfte getragen werden zum Transport von Flüssigkeit, Energieriegeln, Kleinteilen, Messgeräte, kleine Werkzeuge usw. (Foto: @fire)
Brusttasche
Die Brusttasche oder auch Funk-Brustgurt ist praktisch, speziell zum Tragen der Funkausrüstung und Messgeräte. Diese kann auch zusätzlich zu Back-Packs, Rucksäcken oder Kraxen getragen werden und behindert kaum bei gebückter Arbeit. Es gibt Brusttaschen in verschiedenen Ausführungen und sie lassen sich auch für die Versorgung mit Getränken verwenden.
Bild 5: Insbesondere für Führungskräfte sind solche Brusttaschen sinnvoll, um alle erforderlichen Utensilien (wie z. B. Kompass, Kestrel, Taschenmesser) und das Funkgerät griffbereit und übersichtlich verfügbar zu haben.
Erste-Hilfe-Ausstattung
Es dürfte selbstverständlich sein, dass auf den Fahrzeugen und in der Ausstattung von Handcrews eine Erste-Hilfe-Ausstattung verfügbar ist. In Bezug auf den Einsatz im Gelände und bei Vegetationsbränden sollt diese Ausstattung auf zu erwartende Unfälle ergänzt werden. Insbesondere in Bezug auf »starke Blutung« z. B. bei Unfällen mit Motorsäge oder Schneidwerkzeugen, Verbrennungen, übermäßige Rauchintoxikation oder klassische Unfälle durch »Umknicken« oder Verdrehen des Fußgelenkes sollte reagiert werden können, da der Regelrettungsdienst in diesem Fall etwas länger braucht, um helfen zu können.
Somit ist auch die Frage des fachgerechten und schonenden Transportes des Patienten wichtig, denn es muss davon [25]ausgegangen werden, dass diese auch über eine längere Strecke im Gelände transportiert werden müssen. Verschiedene Tragehilfen für Verletzte in unwegsamen Gebieten sollten verfügbar sein. Eine kraftschonende und schnelle Methode, eine Person liegend im Gelände zu transportieren, sind Akia der Bergwacht oder Radsätze für Schleifkorbtragen.
1.3 Schutzkleidung für Motorsägenführer
Der Betrieb von Motorsägen im Einsatz bei Vegetationsbränden unterschiedet sich vom üblichen Einsatz (z. B. Beseitigung von Sturmschäden) bei der Feuerwehr in der Regel nur dadurch, dass unter teils erheblichem Zeitdruck gearbeitet werden muss und tatsächlich Fällungen von Bäumen erfolgen und nicht nur Teilen von gestürzten Bäumen. Das kann zu einer erhöhten Gefährdung des Bedieners und seines Umfeldes führen.
Im Einsatz zum Freischneiden von Wegen und Schneisen sind meist zwei Einsatzkräfte unterwegs. Eine Person schlägt mit einer Axt oder Buschhacke Äste und Büsche ab, um für den Motorsägenführer Platz zu schaffen. Selbstredend müssen dabei die Sicherheitsabstände eingehalten werden. Durch die Konzentration auf das eigene Werkzeug bzw. die eigene Arbeit kann es dann zu gefährlichen »Annäherungen« kommen (man muss bedenken, dass dabei auch ein Gehörschutz getragen wird!). Zur Sicherheit sollten beide Einsatzkräfte komplette Schutzausrüstung tragen und in diesem Fall nicht [26]nur eine Schnittschutzhose, sondern zusätzlich auch Schnittschutzjacke und Handschuhe, wie sie bei Arbeiten im Korb einer Drehleitern vorgeschrieben wird.
In Deutschland wird der Einsatz vermutlich nicht direkt an der Flammenfront erfolgen (sondern nur rückwärtig zur Vorbereitung einer Schneise), wie dies im Gegensatz dazu in nordamerikanischen Ländern praktiziert wird. Sollte doch einmal an der Flammenfront agiert werden müssen, wird dringend empfohlen, dass der Schnittschutz ölfrei und hitzebeständig ist. Synthetische Stoffe können schnell schmelzen bzw. abbrennen und die Träger der Kleidung gefährden. In den USA werden dazu spezielle »chaps« getragen. Eine Art geteilter Beinschutz (nicht als Beinlinge umlaufend ausgeführt, sondern hinten offen), der nur für die Zeit der Arbeit mit der Motorsäge über die normale Schutzkleidung getragen wird. Durch die Einlage aus Kevlar und einen hitzebeständigen Oberstoff sind diese deutlich zweckmäßiger und sicherer für diese Anwendung.
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