Sie haben es selber in der Hand: Fangen Sie heute noch an, Disziplin zu üben. Es lohnt sich.
P. Jörg Müller SAC
08 Humus und Humor
Humor ist eine der kostbarsten und köstlichsten Früchte, die auf dem Humus eines gütigen und guten Herzens wächst. Humor hat nicht nur in den „tollen Tagen“ der Fastnacht Hochkonjunktur. Diese Frucht stärkt Gesunde und wirkt heilend auf Kranke. Wenn der Humus fruchtbar sein soll, gehört auch etwas Feuchtigkeit dazu, was ursprünglich das Wort „Humor“ bedeutet. Hier muss man nicht gleich ans Bier oder an den Wein denken. Diese hier gemeinte Feuchtigkeit saugt der Humor aus dem „Humus“ eines tiefen Vertrauens und Zutrauens ins Leben. Wer Humor hat, liebt das Leben. Er steht über den Dingen, auch über sich selbst, und das kann nur, wer sich nicht wichtig nimmt. Gilbert Keith
Chesterton vermutet, dass die Engel nur deswegen fliegen könnten, weil sie sich leicht nähmen.
Wer Humor hat, glaubt an einen Sinn, an einen letzten Sinn, den Gott selbst dieser seiner Welt eingestiftet hat. Darum kann der mit Humor Begabte auch über die vielen Eitelkeiten und Verrücktheiten der Gegenwart lächeln.
Aus dem vom Glauben durchtränkten Humusboden wächst uns der Humor zu, der in seiner feinen und gütigen Art Verständnis hat für die Schwächen unserer Zeitgenossen. Der Humor kennt keine Verbitterung, weil er hinter allen geschäftigen Händen Gottes gütige Vaterhand sieht. Aus dieser Hand fallen wir nicht heraus. Und diese Hand wird einmal die Ordnung schaffen, an der wir Menschen seit Jahrtausenden vergeblich herumbasteln. „Der Humor nimmt die Welt hin, wie sie ist, sucht sie nicht zu verbessern und zu belehren, sondern sie mit Weisheit zu ertragen“ (Charles Dickens).
Manches kann ärgern, etwa wenn auf einem Spaziergang ein Vogel direkt über uns fliegt und „etwas“ lässt. Mancher mag wütend reagieren, nicht aber der fromme Heitere. Er sagt lächelnd vor sich hin: „Ein Glück, dass die Kühe keine Flügel haben!“
An eine Kuh wird auch eine Generaloberin erinnert, die im Sterben liegt. Nach dem Empfang der Sterbesakramente äußert sie einen letzten Wunsch: „Ein Glas warme Milch.“ Die Schwestern wollen ihrer Oberin zu Hilfe kommen und geben in das Glas Milch einen ordentlichen Schuss Whisky. Die Oberin trinkt einen Schluck, stockt ein wenig, setzt das Glas ab und trinkt es dann in einem Zug aus. Dann folgt ihr letztes Wort: „Oh, eine gute Kuh! Auf die müsst ihr besonders aufpassen!“
P. Heribert Niederschlag SAC
09 Versuchungen sind wie Vagabunden
Wir stehen am Beginn der Fastenzeit. Nach den tollen Tagen lenken wir unseren Blick auf Jesus, der 40 Tage in der Wüste gefastet hat. Bis dahin war er umhegt von der Liebe seiner Mutter. Er suchte Johannes auf und reihte sich ein in die Schar derer, die sich taufen lassen. In der Taufszene schwebte der Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und dann hörte er die Himmelsstimme: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Gleich am 1. Fastensonntag werden wir mit einer grotesken Szene konfrontiert: Der Versucher, der Satan, nähert sich Jesus. Am Ende der langen Fastenzeit meldet sich in Jesus ein quälender Hunger, so dass er geradezu Steine anbeißen möchte. In dieser Situation hört er die Stimme des Versuchers: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann sprich, dass diese Steine zu Brot werden“. Jesus weist den Versucher zurück, und gleichzeitig gibt er ihm einen Einblick in das, was ihn erfüllt und wonach er sich sehnt, jedenfalls nicht nach dem, was der Satan ihm anbietet. Jesus kennt eine andere Speise. „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat“, wird er später sagen. Jetzt in der Versuchungsszene verweist er auch auf das Wort Gottes: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Nur wenige Wochen zuvor hatte er bei der Taufe vom Himmel her gehört: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Das ist gleichsam seine Speise geworden, die ihn über diese vierzig Tage des rigorosen Fastens hinweg getragen hat. Ehe Jesus öffentlich auftritt, wird er einer Prüfung unterzogen, was ihn zu seinem Tun bewegt: Der Hunger oder das Wort Gottes. Er geht aus dieser Anfechtung als eindeutiger Sieger hervor. Nicht der Hunger bestimmt seine Entscheidung, sondern das Hinhören auf das, was vom Vater kommt. Das Wort und der Wille des Vaters ist die Speise, die Jesus ersehnt und stärkt.
Auch in der für uns inzwischen angebrochenen Zeit der Vorbereitung auf Ostern kommt es auf die Frage an, die wir an uns selbst richten: Was bestimmt mein Handeln? Bin ich es selbst, mein Hunger nach Speise, nach Anerkennung und nach Lob, oder lasse ich mich bestimmen vom Wort und den Willen des Vaters? Was bedeutet mir in meinem Alltag das Wort Jesu: „Suchet zuerst das Reich Gottes und alles andere wird euch dazu gegeben“?
Oft ertappen wir uns bei dem Versuch, nun endlich mit unserem Vorhaben ernst zu machen und uns am Evangelium auszurichten, dass wir uns selbst beschwichtigen und auch entschuldigen: „Eigentlich“ will ich ja, aber … Und dann tappen wir in gewohnter Regelmäßigkeit in die Versuchungsfalle. Dieses harmlose Wörtchen „eigentlich“ kann uns auf die schiefe Bahn locken und sich sogar gefährlich auswirken. Am Ende der Fastenzeit, in der Karwoche, werden wir von Pilatus, dem damaligen Richter über Leben und Tod, hören, wie er allmählich umkippte und schließlich einen Justizmord beging. Pilatus findet keine Schuld, für die Jesus den Tod verdient hätte. „Eigentlich“ wollte er Jesus freilassen. Doch dann kommen Ängste über ihn und er verliert die innere Festigkeit. Aus Angst, er könnte nicht mehr als „Freund des Kaisers“ gelten, gibt er denen nach, die den Tod Jesu fordern. Pilatus ist offensichtlich von der Begegnung Jesu sehr beeindruckt. Er spürt etwas von der inneren Größe, die Jesus auch als Gefangener ausstrahlt. Vielleicht ahnt Pilatus sogar etwas von dessen Geheimnis. Doch er verschließt sich dieser Ahnung und entscheidet gegen seine Überzeugung, weil er seine Position nicht aufs Spiel setzen will. Der Blick auf Pilatus zeigt mir: Es ist wichtig, von Anfang an keine falschen und faulen Kompromisse einzugehen. Es lauert die Gefahr, dass wir uns auf eine schiefe Ebene begeben und immer tiefer abrutschen. Wir müssen den Anfängen wehren. Sie sehen manchmal ganz harmlos aus und verleiten zur Nachgiebigkeit. Wenn wir nachgeben, geraten wir auf eine Ebene, auf der wir den Halt verlieren. Das Wörtchen „eigentlich“ offenbart zwar unseren guten und zunächst ernst gemeinten Vorsatz. Doch dann folgt in der Regel das „Aber“, der Einwand. Dem zu folgen, was wir uns fest vorgenommen haben, und daran festzuhalten, auch wenn es bisweilen unbequem ist, das wär’s! Das sollte in den Wochen vor Ostern wieder von neuem eingeübt werden. Dann wäre auch die Warnung von Mark Twain überflüssig: „Versuchungen sind wie Vagabunden. Wenn man sie freundlich behandelt, kommen sie wieder und bringen andere mit.“
P. Heribert Niederschlag SAC
10 Abgeschminkt
„Das musst Du Dir zunächst einmal schön abschminken! Das müssen wir uns für’s Erste einmal abschminken! Das schminken Sie sich ein für alle Mal ab!“ Eine Redensart; einmal als freundlicher Rat gemeint oder als ernster Hinweis angesprochen; oder gleichsam als Diktat mit guten Gründen ohne Wenn und Aber ausgesprochen. Eine Wortwahl mit reichen Zwischentönen und einem Geltungsbereich für privates, häusliches, wirtschaftliches, politisches, selbst auch kirchliches Miteinander. Sie bedarf wenig Erklärung oder Erläuterung; sie spricht für sich selbst mit dem Kernwort: „Abschminken“!
Читать дальше