Ajana Holz - Vom Leben getragen

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Ajana Holz ist Bestatterin mit Leib und Seele, sie versteht ihren Beruf als Lebensaufgabe. Mit ihrem bundesweit mobilen Bestattungsunternehmen DIE BARKE begleitet sie seit über 20 Jahren die Toten in ihrem Übergang und die Lebenden beim Abschied und in ihrer Trauer. In diesem Buch widmet sie sich den vielen tabuisierten Themen rund um Tod und Bestattung.
Wie gehen wir als Gesellschaft mit unseren Toten um oder: Welchen Umgang lassen wir zu? Ist unser Körper «nur eine Hülle»? Und welche Folgen hat diese Annahme? Was ist alles bei einer Bestattung zu bedenken, was ist erlaubt und was nicht? Und was sollte sich daran ändern? Wie war unsere Bestattungskultur früher? Wie ist der professionelle Umgang heute? Das sind nur einige der Fragen, die in diesem Buch gestellt werden.
Ajana Holz will Mut machen. Mut für den eigenen Weg beim letzten Abschied, für die ganz eigene, unvergleichliche Art, der Trauer Ausdruck zu geben. Doch auch Mut dazu, auf manche Fragen keine abschließende Antwort zu haben – und sie trotzdem zu stellen.

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Der Höhepunkt dieser Verfolgung, der übrigens nach unterschiedlichen Schätzungen neben 75 bis 90 Prozent Frauen auch Männer zum Opfer fielen, fand also nicht, wie viele meinen, im „finsteren Mittelalter“ statt, das im Übrigen bei Weitem noch nicht so finster war – und die kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten gingen dabei häufig Hand in Hand und sehr systematisch vor. 17Doch darüber später im Buch mehr.

Es folgte das Zeitalter des Kolonialismus, in dem die Kolonialherren überall auf der Welt unzähligen Völkermord an UreinwohnerInnen verübten beziehungsweise die Befehle für den systematischen Mord erteilten, wie zum Beispiel von deutscher Seite aus der Genozid an den Nama und Herero in Namibia, der bis heute noch nicht in aller Konsequenz von Deutschland anerkannt wurde. Bei diesen auf absolut grausame Weise verübten Genoziden überall auf der Welt sind Millionen Menschen ermordet worden 18und sie sind bis heute nicht annähernd aufgearbeitet oder angemessen anerkannt. Das ist ein sehr großes, schweres Thema, dem ich in diesem Buch sicher nicht gerecht werden kann – und über das die ganze Menschheit hoffentlich einmal gemeinsam wird trauern können. Das wünsche ich mir jedenfalls …

Allein im 20. Jahrhundert gab es zwei Weltkriege mit unzähligen Toten und Schwerverwundeten, nicht nur unter den Soldaten, sondern auch unter allen anderen Menschen, die aber die meisten Kriegsdenkmäler nicht erwähnen. Auch heute noch leiden und sterben vor allem die ganz „normalen“ Menschen („Zivilbevölkerung“ genannt) in den Kriegen dieser Welt, an denen auch deutsche Unternehmen viel verdienen … Und schließlich gab es noch die Zeit des Nationalsozialismus, in der etwa sechs Millionen jüdische Menschen ermordet wurden. Dazu kommen die nichtjüdischen Toten und Verfolgten: russische und andere Kriegsgefangene, polnische Menschen, politisch Verfolgte, Sinti und Roma, homosexuelle Menschen, Menschen mit sogenannter Behinderung und zahlreiche weitere.

Am Beispiel der Vergangenheit dieses Landes, in dem wir jetzt leben, wird überaus deutlich, welche weitreichenden Auswirkungen Kolonialismus, Krieg, Faschismus, Rassismus, Frauenhass und die daraus resultierende Gewalt haben und welche Folgen bis heute jeder Hass auf diejenigen hat, die zum Beispiel als „anders“ oder „fremd“ erklärt werden. 19

Die Verfolgung und Ermordung unzähliger Menschen gehört zu unserer Geschichte und muss mit einbezogen werden, um einen Teil des schweren Umgangs mit Tod in diesem Land zu erklären. Die letzten Überlebenden der Verfolgung aus unserer nahen Vergangenheit leben noch unter uns. Genauso wie die letzten Täter und die letzten Überlebenden der Kriegsjahre, die all die Grausamkeiten des Krieges noch miterlebt haben. Viele waren als Kind auf der Flucht und haben Schreckliches erlebt und mit ansehen müssen. Etliche Frauen haben (nicht nur im Krieg) Vergewaltigungen und sexualisierte Gewalt überlebt und ihr ganzes Leben zu vergessen versucht – bis sie manchmal im Alter tatsächlich alles vergaßen. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls schon oft bei der Bestattungsbegleitung, wenn ich dabei die Lebensgeschichte so mancher alten Frau von den Angehörigen erfuhr. 20

Die Nachkriegszeit war eine Zeit, in der über „diese Dinge“ in der Regel nicht gesprochen wurde. Die meisten versuchten, die schlimmen Kriegserlebnisse zu vergessen, oder haben sie verdrängt, um zu überleben. Manche sind Kinder von den Verbrechern, die so viele Menschen ermorden ließen oder es in den Lagern persönlich getan haben. Manche sind Kinder, deren ganze Familien in den Lagern ermordet wurden. Soldaten kamen an Körper und Seele verwundet nach Hause.

All diese traumatischen Ereignisse hinterließen Spuren. Bei denen, die dies alles selbst erlebt hatten, aber auch bei ihren nach dem Krieg geborenen Kindern und Enkelkindern. medica mondiale ist eine feministische Frauenrechts- und Hilfsorganisation, die Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt. Auf ihrer Website war im Dezember 2020 unter vielem anderen Folgendes zu diesem Thema zu lesen:

„Um das Schweigen über ihre traumatische Familiengeschichte zu beenden, spricht die in Köln lebende Regisseurin Katja Duregger seit kurzem öffentlich über das Tabuthema Kriegsvergewaltigung. Ihre Großmutter wurde 1938 von italienischen Besatzern in einem Südtiroler Bergdorf vergewaltigt. In der Folge wurde ihr Vater geboren.“ 21

Die Auswirkungen, die dies für so viele und über mehrere Generationen hinweg hatte und immer noch hat, reichen bis heute noch weit in unsere Gesellschaft, in unser heutiges Leben hinein. Und die Bedeutung von Vergewaltigung, die ganz gezielt als „Kriegswaffe“ benutzt wird, wurde zum ersten Mal in den 1990er-Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bewusst, als die furchtbaren Vergewaltigungslager im sogenannten Bosnienkrieg entdeckt wurden.

Über diese Gewalt, den Schmerz, das Entsetzen über die vielen Toten und die Trauer wurde zum damaligen Zeitpunkt und wird zu einem großen Teil bis heute nicht gesprochen. Das war und ist einfach zu überwältigend. Verdrängung war meiner Ansicht nach oft die einzige Möglichkeit, mit dem Leben in der Besatzungszeit (in der häufig weitere, bis heute tabuisierte Gewalterfahrungen für Frauen hinzukamen) irgendwie weitermachen zu können, denn es ging in diesen ersten Jahren hauptsächlich auch darum, die Trümmer der Zerstörungen des Krieges aufzuräumen, nicht zu verhungern, nicht zu erfrieren und alles Notwendige zum Leben zu beschaffen, um einfach nur zu überleben. So konnte es geschehen, dass nach dem Krieg bei vielen unerträgliche Erinnerungen wieder angerührt wurden, sobald nahestehende Menschen starben.

Ein natürlicher Tod, der zum normalen Kreislauf des Lebens gehört, konnte von all der erlebten Gewalt und den sinnlosen schrecklichen Toden so vieler Menschen überschattet werden. Die Eltern und Großeltern waren deshalb oft nicht in der Lage, einen natürlichen, unbefangenen und angstfreien Umgang mit Tod und Trauer zu vermitteln. Auf allem lastete das Schweigen. Kinder aber spüren gerade das Unausgesprochene der Erwachsenen um sie herum sehr stark. Es ist davon auszugehen, dass sie das namenlose Entsetzen spürten und die Trauer, die nicht gefühlt werden durfte und zum Schock erstarrte, den viele in sich tief vergraben hatten. Sie nahmen die bedrückende Last der niemals ganz zu verarbeitenden Erlebnisse wahr, die so viele Eltern und Großeltern in sich trugen – und so manche trugen diese Last weiter. Niemand konnte mit den Kindern darüber reden und das hat vielen natürlich Angst gemacht. Die Erwachsenen haben zu dieser Zeit sicher so manches Mal bei Bestattungen nicht nur um die jetzt gerade zu betrauernden Toten geweint, sondern auch um jene furchtbaren Erlebnisse und um die Toten, um die sie während der Kriegsjahre nicht trauern konnten – auch um jene, die sie gar nicht persönlich kannten, aber nach einem Bombenangriff auf der Straße sehen mussten …

Ähnliches erleben wir auch heute noch bei Trauerfeiern: So manche weinen und trauern bei diesen Gelegenheiten wohl noch um etwas, für das es zu einer anderen Zeit keinen Raum gab. Sehr oft erzählen uns Menschen, die wir begleiten durften, von lange zurückliegenden Abschieden, bei denen sie nicht so trauern konnten, wie es gut für sie gewesen wäre. Aber Trauer braucht Raum und Zeit – und eine angstfreie Begleitung.

Vielen Menschen fällt es auch heute noch schwer, über den eigenen Tod zu sprechen, mit ihren Kindern oder ihren Lieben über ihre Bestattungswünsche zu reden, sich ihre Bestattung überhaupt vorzustellen, selbst dann, wenn sie schon sehr alt oder sehr krank sind. Das wird auch heute noch oft vermieden, manchmal von beiden Seiten: den Jüngeren wie den Alten. Die meisten Menschen wollen sich lieber nicht damit befassen, dass sie selbst oder geliebte, nahestehende Menschen einmal sterben könnten. Indem sie Gedanken daran oder Gespräche darüber nicht zulassen, glauben sie sich vielleicht davor sicher. Etwas, das in weiter Ferne liegt oder anderen zustößt.

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