Mensch. Maschine. Kommunikation.
Beiträge zur Medienlinguistik
Sarah Brommer / Christa Dürscheid (Hrsg.)
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Umschlagabbildung: A 3D-printed android robot by a University of Lincoln research team. Photo: University of Lincoln © 2014; Hintergrundbild: vchal © iStock 2014
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Prof. Dr. Sarah Brommer
Universität Bremen
Fachbereich 10 I
I Sprach- und Literaturwissenschaften
Universitäts-Boulevard 13
D-28359 Bremen
https://orcid.org/0000-0002-1792-4328
Prof. Dr. Christa Dürscheid
Universität Zürich
Philosophische Fakultät
Deutsches Seminar
Schönberggasse 9
CH-8001 Zürich
https://orcid.org/0000-0001-9141-7562
DOI: http://doi.org/10.24053/9783823394716
© 2021 · Sarah Brommer/Christa Dürscheid
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Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen
Internet: www.narr.de
eMail: info@narr.de
Satz: pagina GmbH, Tübingen
ISBN 978-3-8233-9471-6 (Print)
ISBN 978-3-8233-0319-0 (ePub)
Mensch-Mensch- und Mensch-Maschine-KommunikationMensch-Maschine-Kommunikation
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Sarah Brommer & Christa Dürscheid
Gibt es so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen gegenüber den MaschinenMaschine und falls ja, worin besteht es? Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Berufe künftig automatisierbar sind, ob die Post noch Briefträger und die Zeitung noch Sportreporter braucht. Vielmehr geht es um die Definition dessen, was Menschsein im digitalen Zeitalter bedeutet.
Ulrich Schnabel
Liest man das diesem Beitrag vorangestellte Zitat, dann möchte man aus linguistischer Sicht spontan darauf antworten: Die Sprache ist ein solches Alleinstellungsmerkmal; die Mensch-Maschine-KommunikationMensch-Maschine-Kommunikation wird nie an das heranreichen, was die Mensch-Mensch-Kommunikation zu leisten vermag. Doch ist das so? Wo liegen die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten und welche Merkmale charakterisieren das Sprechen von MaschinenMaschine? Im Folgenden wird es um diese und andere Fragen gehen, die das Themenfeld «Mensch. Maschine. Kommunikation» betreffen. Zuvor aber sind zwei Vorbemerkungen erforderlich. Diese beziehen sich sowohl auf den Haupt- als auch auf den Untertitel des vorliegenden Sammelbandes.
1 Der Haupttitel ist ein Trikolon. Er besteht aus drei Teilen, die zwar durch Punkte getrennt sind, aber eine Einheit bilden. Die Reihung soll anzeigen, dass es im vorliegenden Buch keineswegs nur um das Thema Mensch-Maschine-Kommunikation Mensch-Maschine-Kommunikation geht (wie es eine Durchkoppelung mit Bindestrich nahegelegt hätte), sondern dass die Perspektive weiter gefasst ist und auch solche Aspekte behandelt werden, die sich auf die Mensch-Mensch-Kommunikation beziehen. Das ist im ersten Themenblock des Sammelbandes der Fall, in dem z.B. die Verwendung von Animojis thematisiert wird (vgl. den Beitrag von Tanchis/Walder i.d.B.). Der Fokus liegt hier auf der Beschreibung von Interaktionspraktiken in der interpersonalen Online-KommunikationKommunikationinterpersonale. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass Menschen mit Menschen kommunizieren – und zwar mittels MaschinenMaschine bzw. technischerTechnik Unterstützung (z.B. via HandySmartphone). Allerdings wird sich schon in diesen ersten Beiträgen zeigen, wie schwer die Abgrenzung von Mensch-Mensch- und Mensch-Maschine-Kommunikation im Einzelfall ist. So kann man nicht immer sicher sein, mit einem Menschen zu kommunizieren, wenn man z.B. die Posts auf InstagramInstagram oder FacebookFacebook liest und darauf reagiert (vgl. den Beitrag von Jenni i.d.B.). Und selbst wenn man weiss, dass man nicht mit einem Menschen, sondern mit einer MaschineMaschine interagiert: Kann das nicht auch Emotionen auslösen? Freut man sich vielleicht darüber, wenn der ChatbotChatbot schreibt, man habe eine besonders kluge Frage gestellt?Auf solche Fragen rund um das Thema Mensch-Maschine- vs. Mensch-Mensch-Kommunikation geht die Sozialpsychologin Nicole C. Krämer in einem sehr interessanten Interview ein, das die Überschrift «Mit Robotern sprechen» trägt.1 In diesem Interview liegt der Schwerpunkt auf den psychologischen Aspekten im Umgang mit RoboternRoboter, wir dagegen werden uns dem Thema vorrangig aus linguistischer, genauer: aus medienlinguistischer Sicht (s.u.) nähern, und wir werden nicht nur die Kommunikation mit RoboternRoboter (d.h. mit MaschinenMaschine), sondern auch die Kommunikation via MaschineMaschine betrachten. Den Ausdruck Maschine Maschine verwenden wir zunächst als Sammelbezeichnung für verschiedene – vorsichtig ausgedrückt – technischeTechnik Vorrichtungen, subsumieren darunter also sowohl RoboterRoboter, Chatbots, SprachassistentenSprachassistenz (VoicebotsVoicebot) als auch technische Apparate wie HandySmartphone und ComputerComputer. Weiter unten werden wir diesen Terminus genauer fassen.
2 Nun zur Zuordnung des vorliegenden Bandes zur Medienlinguistik: Wie lässt sich das begründen? Womit befasst sich die Medienlinguistik? Auf der Website der Zeitschrift Journal für Medienlinguistik ( jfml ) werden zwei Aufgabenbereiche genannt, die die «thematischen Eckpfeiler der Zeitschrift bilden» (siehe unter https://jfml.org/about): 1.) «Die theoretische und empirische Durchdringung des Verhältnisses zwischen Medialität und Sprachlichkeit» und 2.) «Die Erforschung von Sprache und Kommunikation unter dem Einfluss medialer Veränderungen». Wir orientieren uns an Punkt 2.), da es aus unserer Sicht dieser ist, der das Kernthema der Medienlinguistik treffend umschreibt. Zum Untersuchungsgegenstand der Medienlinguistik gehört demnach, wie sich der Sprachgebrauch in der massenmedialen KommunikationKommunikationmassenmediale gestaltet (vgl. dazu Burger/Luginbühl 2014), aber auch, welchen Einfluss «mediale Veränderungen» auf die interpersonale KommunikationKommunikationinterpersonale haben (so z.B. die Nutzung des SmartphonesSmartphone). Zugrunde legen wir dabei einen technologischen Medienbegriff. Dieser besagt, dass MedienMedium/Medien «materiale, vom Menschen hergestellte Apparate zur Herstellung, Modifikation, Speicherung, Übertragung oder Verteilung von sprachlichen (und nicht-sprachlichen) Zeichen» sind (Habscheid 2000: 137, vgl. auch Holly 1997: 69f.). Face-to-Face-GesprächeFace-to-Face-Gespräch fallen nach unserer Auffassung also nicht in den Gegenstandsbereich der Medienlinguistik,TechnikFace-to-Face-Gespräch2 sehr wohl aber beispielsweise Telefonate (mündlich) oder WhatsAppWhatsApp-Konversationen (schriftlich), da beide mit Hilfe von MedienMedium/Medien erfolgen. Allerdings berücksichtigt die Holly-Habscheid’sche Definition nicht die Rezeptionsseite, weshalb wir an dieser Stelle noch ergänzen wollen: MedienMedium/Medien sind vom Menschen hergestellte Apparate, die sowohl zur Produktion, zur Distribution als auch zur Rezeption von Zeichen dienen (vgl. dazu auch Posner 1985: 255).Versteht man den Terminus
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