Ich habe bereits 1000 Leben gelebt, ich komme, um zu leben und ich sterbe, um an einem anderen Ort geboren zu werden.
VERFASSER UNBEKANNT
Um besser zu verstehen, warum manche Kinder früh sterben, müssen wir wissen, dass wir mehrmals wiedergeboren werden. Dieser Prozess der Wiedergeburt ist notwendig, weil die Seele gewisse Erfahrungen machen muss. Für mich war lange Zeit die Wiedergeburt ein sehr schwieriges Thema, das ich kaum nachvollziehen konnte. Ich habe viel darüber gelesen, als ich noch in der Ausbildung zum Medium war, doch vieles hat mich verwirrt. So kam bei mir immer mehr die Frage auf:
»Wie kann ein Medium mit Verstorbenen in Kontakt treten, wenn doch die Seele vielleicht schon wiedergeboren wurde?« Das war für mich ein ziemlicher Widerspruch. Ich wusste, dass es vergangene Leben gibt, denn ich hatte sie – genauso wie bei mir selbst – schon manchmal bei meinen Freunden hellsichtig wahrnehmen können. Doch ich wusste auch, dass ich mit Verstorbenen kommunizieren kann und das zum Teil Jahrhunderte zurück. Somit machte es für mich zunächst keinen Sinn, dass die Seele eine gewisse Zeit in der Geistigen Welt bleibt und dann erst wieder inkarniert. Irgendetwas musste anders sein. Ich weiß noch, wie ich damals meinem Lehrer diese Frage gestellt habe und er mich mit einem »Finde es heraus!« wieder auf mich selbst verwiesen hat. Seine Antwort hat mich damals ziemlich genervt, doch heute sage ich meinen Schülern dasselbe.
Danach habe ich vier Monate damit verbracht, mich meditativ mit meinem Geistführer zu verbinden, bevor ich eine ganz spannende Theorie vor Augen hatte. Wie gesagt, ich habe vier Monate gebraucht, um diesen kompletten Vorgang zu verstehen und dann auch so zu verarbeiten, dass ich ihn weitergeben kann. Das Resultat nannte ich »Brotteigtheorie«. Das ist ein komischer Name, ich weiß, doch für mich ist es wichtig, alles so einfach wie möglich zu erklären. Gerade besonders komplizierte Vorgänge versuche ich immer, mit passenden und anschaulichen Bildern zu erklären.
Falls du meine anderen Bücher gelesen hast, kennst du die Brotteigtheorie sicher schon; nach wie vor ist sie für mich sehr schlüssig und stimmt zum größten Teil auch heute noch. Als ich begann, mich für dieses Buch vorzubereiten, kam mir ein Buch von einem anderen Autor in die Hände. Während ich las, was er über die Wiedergeburt schrieb, machte das alles überhaupt keinen Sinn für mich. Obwohl von einem bekannten Autor geschrieben, war ich schon ziemlich skeptisch bei diesem Buch. Ich habe früh gelernt, meinen eigenen Erfahrungen zu vertrauen und nur das als »Wahrheit« anzunehmen, was ich selber wahrnehme – jenseits dessen, was in Büchern steht oder was mir meine Lehrer erzählen. Dazu fordere ich meine Schüler immer wieder auf, wie auch dich, lieber Leser. Nimm wirklich nur das, was sich für dich richtig anfühlt, den Rest lass weg – das ist der Schlüssel für deinen Erfolg. Ich selber kenne für mich die absolute Wahrheit! Ja, das ist so! Aber es ist nur meine persönliche Wahrheit, und das heißt nicht, dass sie auch für dich richtig sein muss.
Das vorhin erwähnte Buch war für mich jedoch äußerst positiv, denn ich konnte so alles noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten und sogar Unstimmigkeiten in meiner Brotteigtheorie feststellen. Ich merkte, dass ich viele Dinge nicht schlüssig erklären konnte und bat deshalb meinen Geistführer, er möge mir helfen, die Brotteigtheorie noch verständlicher zu gestalten.
Kurz darauf begann ich, in das vor mir liegende Buch ein Bild zu zeichnen. Zehn Minuten später war es fertig und auf einmal war mir alles klar. Überglücklich schrie ich auf:
»Schatz, ich habe die Theorie komplett, jetzt ergibt alles Sinn!« Meine Freundin schaute mich ziemlich geschockt an und krümmte sich vor Schmerzen, sie hatte gerade Wehen bekommen. Ich allerdings war so glücklich über meinen eben gefundenen »Missing Link«, dass ich ihr sofort alles erzählen musste. Doch sie hatte keinen Kopf dafür, sie wollte nur noch ins Krankenhaus. Im Auto, auf dem Weg ins Krankenhaus, erzählte ich weiter. Aber alles, was von ihr kam, war »Hmmm« und »Fahr schneller!« Auch später wollte sie nichts von meinem Brotteig wissen, sondern wies mich zurecht: »Ich trage gerade deinen Sohn aus und deine Wiedergeburt ist mir sch... egal, jetzt geht es um ihn und um sonst gar nichts!« »Oh, ja, sorry«, erwiderte ich leicht zerknirscht. Ich gebe es zu, ich habe dann vergessen, ihr weiter über die Theorie zu erzählen, doch dafür habe ich ja jetzt dich. Danke, dass du mir zuhörst, denn es ist ein unheimlich spannendes Thema. Du findest auf der nächsten Seite die Grafik, die ich damals gezeichnet habe, mit ihr ist es leichter zu verstehen.
Am besten, du schaust immer wieder auf die Grafik, während ich die Wiedergeburt erkläre. Das Thema ist sehr komplex, doch ich habe versucht, es so einfach wie möglich darzustellen.
Die Hauptperson in dieser Grafik ist Tom. Toms Seele ist und bleibt für immer in der Geistigen Welt (1), und wenn Tom geboren wird, geht nicht seine Seele in den Körper auf die Erde, sondern nur ein Aspekt von ihr (2). Stell es dir so vor: Toms Seele (1) ist ein Brotteig. Aus diesem Brotteig wird ein Teil herausgenommen und ein Brotmännchen geformt (2). Dieses Brotmännchen heißt dann Tom und ist ein Mensch. Doch obwohl Tom nur ein Aspekt seiner Seele ist, enthält er doch alle Informationen von Tom und der gesamten Seele. Mit anderen Worten: Es ist genau wie bei unserem Körper. Wir wissen, dass in einer einzelnen Zelle die komplette Information für den ganzen Körper gespeichert ist. Toms Seelenaspekt ist im Grunde eine einzelne Körperzelle, in der das komplette Wissen für die Gesamtheit des Körpers beziehungsweise der Seele enthalten ist. Wenn Tom stirbt (2), geht er wieder zurück in die Geistige Welt und verschmilzt mit der Seele (1).
Nimmt nun ein Medium mit Tom Kontakt auf, kommuniziert es eigentlich mit der Seele (1), doch da Tom als Individuum in der Seele enthalten ist, kann das Medium den Aspekt von Tom (2) herauslesen und mit diesem Aspekt allein kommunizieren. Ich hoffe, du kannst mir bis jetzt folgen.
Wenn Tom jetzt wieder inkarnieren würde, inkarniert nicht der gerade besprochene Aspekt von Tom (2), sondern ein neuer Aspekt der gesamten Seele (1). Da Tom auch ein Teil von dieser Seele ist, wird Tom im weitesten Sinn wiedergeboren, weil auch alle Erfahrungen von Tom in den neuen Aspekt mit einfließen. So kann der wiedergeborene Aspekt nicht nur auf Toms Erfahrungen zurückgreifen, sondern zugleich für ihn diejenigen karmischen Verstrickungen lösen, an denen Tom gescheitert ist. Deswegen ist es gut möglich, dass wir Talente oder auch Probleme von vergangenen Inkarnationen mit in unser Erdenleben nehmen.
Doch gehen wir noch einmal einen Schritt zurück: Während Toms Seelenaspekt (2) auf der Erde lebt, kann es sehr gut sein, das gleichzeitig ein weiterer Aspekt seiner Seele (1) auf der Erde inkarniert ist. Auf der Grafik nenne ich diesen weiteren Seelenaspekt Maria (3).
Maria hat denselben Ursprung wie Tom und sie hat auch ähnliche Aufgaben auf der Erde zu lösen. Diese beiden Aspekte helfen und ergänzen sich darin, ein bestimmtes Thema für die Seele erfahrbar zu machen und es aufzulösen. Ich nenne solche Verbindungen dann Seelenpartner (4). Das klingt zunächst romantisch, aber schauen wir es uns genauer an. Es kann sehr gut sein, dass Tom und Maria sich im Leben treffen und eine Beziehung eingehen, meistens sind solche Beziehungen aber nicht immer die leichtesten. Denn die Aspekte inkarnieren, um viele Dinge auf der Erde zu erfahren und zu lösen, und das gelingt oft schneller, wenn es unangenehm ist. Viele denken, mit dem Seelenpartner hat man eine glückliche und friedliche Beziehung, aber meistens ist genau das Gegenteil der Fall.
Es ist auch möglich, das sich die Seelenpartner im Leben gar nicht kennenlernen, sondern auf verschiedenen Erdteilen leben. Trotzdem haben sie vielleicht zusammen eine Aufgabe, die sie dann jedoch erledigen, ohne einander zu unterstützen und ohne voneinander zu wissen. So kann Tom zum Beispiel eine Friedensbewegung in der Schweiz ins Leben rufen, die sehr erfolgreich wird. Maria erfährt in den USA von Toms Aktivitäten und lässt sich davon für ihre eigene Bewegung in den USA inspirieren. Tom erfährt vielleicht nie von Marias Existenz, obwohl sie eigentlich eng verbunden sind.
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