1 ...6 7 8 10 11 12 ...20 ■Wählen Sie fettarme, weiche Nahrungsmittel mit moderatem Ballaststoffgehalt in kleinen Mahlzeiten
Denken Sie an das Bild von Ihrem Magen als „Mischmaschine“, welches ich in diesem Kapitel schon einmal verwendet habe. Muss Ihre „Mischmaschine“ eine Mahlzeit verflüssigen, damit sich der Magen entleeren kann und arbeitet diese „Mischmaschine“ nicht sehr gut – sagen wir mal, sie pulsiert nur, püriert aber nicht – welche Nahrungsmittel lassen sich dann wahrscheinlich am schnellsten verflüssigen? Ein Hackbraten oder ein fettes Steak? Ein Salat aus geschmorten Roten Beten oder einer aus rohem Grünkohl? Ein Smoothie aus Obst oder eine große Schüssel frische Ananas? Eine Schüssel Hafergrütze oder eine Schüssel Popcorn? Erdnussbutter oder eine Handvoll ganze Erdnüsse?
Die Konsistenz der Nahrung, die in Ihrem Magen ankommt, ist enorm wichtig, wenn es darum geht, wie schnell Ihr träger Magen sie passieren lassen kann. Daher entscheidet die Konsistenz der Nahrung, die Sie zu sich nehmen, darüber, wie gebläht Sie sich danach fühlen. Alles, was Sie tun können, um Ihre Mahlzeit schon vor dem Schlucken zu zerkleinern, ist hilfreich und trägt dazu bei, die Teilchengröße der Nahrung im Allgemeinen und die der Ballaststoffe im Besonderen zu verringern, sodass sie schneller verflüssigt werden. Zu den Tipps, die ich meinen Patienten gebe, gehören diese:
■Entscheiden Sie sich für gekochtes Gemüse, anstatt für rohes – es vermischt sich beim Kauen besser und wird von der Magensäure schneller aufgespalten.
■Wählen Sie unter den rohen Früchten weiche, reife ohne Schale, die nur wenige Kerne enthalten.
■Essen Sie Suppen, trinken Sie Smoothies und/oder Säfte, die es Ihnen ermöglichen, größere Mengen an ballaststoffreichen Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, etwa Obst, Blattgemüse und alle Produkte mit viel Schale, viel Struktur und vielen Kernen. Diese Nahrungsmittel sind als Ganzes – roh oder gekocht – eventuell schwer verträglich, insbesondere in großen Portionen.
■Entscheiden Sie sich für Vollkornprodukte mit feinerer Struktur wie etwa Instantflocken aus Vollkornmehl, Instant-Haferflocken, Vollkorn-Pfannkuchen oder Waffeln aus Mehl oder helles/weiches Vollweizen-Sandwichbrot. Die feine Struktur des Vollkornmehls passiert den Verdauungstrakt schneller als zähe, ganze gekochte Körner, etwa vom Weizen, als Hafergrütze oder Vollkorngerste.
■Nehmen Sie etwas ballaststoffarmes raffiniertes Getreide oder stärkehaltige Kohlenhydrate dazu, wenn der Verzehr von zu vielen Vollkornprodukten Ihre Blähbeschwerden verschlimmert; dazu gehören weißer Reis, Kartoffeln ohne Schale und weiße Brotsorten.
■Nehmen Sie Bohnen und Hülsenfrüchte in pürierter Form zu sich, etwa als Hummus oder fettfreies Bohnenmus anstelle von ganzen Bohnen.
■Wählen Sie Erdnussbutter oder andere Nussbuttersorten anstatt ganzer Nüsse oder Studentenfutter.
■Suchen Sie sich weiche, feuchte, fettarme Proteine aus, etwa Eier, Fisch, Meeresfrüchte, Tofu, fettarme Milchprodukte und Geflügel anstelle von fetteren zäheren Proteinen wie Steaks, Rippchen, Lammfleisch oder alles Frittierte.
■Schneiden Sie Ihr Essen klein und kauen Sie es ganz besonders gut.
In Kapitel 12wird die Sanfte Ernährung für den Gastrointestinaltrakt detailliert und umfassend besprochen, die speziell für den Umgang mit Blähbeschwerden aufgrund einer Gastroparese konzipiert wurde; enthalten sind auch Listen der Nahrungsmittel mit der besten Konsistenz, nach Nahrungsmittelgruppen geordnet, sowie die Nahrungsmittel mit der problematischsten Konsistenz, die ebenfalls nach Nahrungsmittelgruppen geordnet sind. Das Kapitel enthält auch Ideen und Rezepte für Mahlzeiten. Schlagen Sie es schon mal auf, wenn Sie mit diesem Kapitel fertig sind und holen Sie sich ganz praktischen Rat, auf welchen Grundnahrungsmitteln Sie Ihre Ernährung aufbauen sollten und welche Ihnen eventuell Probleme bereiten.
Bei einer Gastroparese spielt außer der Konsistenz Ihrer Nahrung auch die Menge, die Sie auf einmal essen, eine Rolle dabei, wie gebläht Sie sich fühlen. Wenn Sie vier oder fünf kleine Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen, fühlen Sie sich besser, als wenn Sie dreimal täglich „ordentlich“ essen. Früher wurde GP-Patienten zwar geraten, sechs- bis achtmal täglich zu essen, doch mir ist noch nie einer begegnet, der mehr als fünf ganz kleine Mahlzeiten täglich problemlos vertragen konnte; vier sind bei den Patienten, mit denen ich gearbeitet habe, üblicher. Das kommt daher, dass die meisten von ihnen dem Magen – selbst zwischen bescheidenen Mahlzeiten von entsprechender Konsistenz – geschlagene vier Stunden Zeit geben müssen, sich zu entleeren, bevor sie wieder beschwerdefrei essen können.
Die zeitliche Planung der Mahlzeiten spielt im Umgang mit Blähbeschwerden durch eine Gastroparese eine wichtige Rolle. Wenn Sie morgens gleich nach dem Aufwachen etwas essen können, dann empfehle ich Ihnen, das zu tun. So können Sie Ihre Mahlzeiten besser über den Tag verteilen und die Zeiträume dazwischen sind lang genug. Es ist nämlich genau der kumulative Effekt von zu kurz aufeinanderfolgenden Mahlzeiten, die zu Ihren sich tagsüber zunehmend verschlechternden Blähbeschwerden beitragen. Wenn Sie morgens um 6.30 aufwachen, aber nicht vor 10.30 frühstücken, lassen Sie die Gelegenheit verstreichen, eine komplette Mahlzeit unterzubringen – insbesondere eine, die Sie höchstwahrscheinlich vertragen, denn Ihr Magen hatte über Nacht mehr Zeit sich zu entleeren. Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen in den Morgenstunden den größten Appetit haben; der im Laufe des Tages wieder nachlässt.
Beispiel für einen Essensplan bei GP
Frühstück: 6.30 bis 8.00
Die eine Hälfte des Mittagessens: 11.00 bis 12.00
Die andere Hälfte (oder ein Imbiss): 15.00 bis 16.00
Kleines Abendessen: 19.00 bis 20.00
Wenn Sie morgens aufwachen und sich gebläht fühlen, es Ihnen übel ist oder Sie sich meistens erbrechen müssen, dann bedeutet das vermutlich, dass Sie zu viel und/oder zu spät zu Abend gegessen haben. Versuchen Sie in diesem Fall, volle drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen gar nichts mehr zu essen und suchen Sie nach Möglichkeiten, Ihre Nahrungsaufnahme zeitlich vorzuziehen, entweder indem Sie früher und dann etwas mehr essen oder vor dem Abendessen einen Snack einschieben, sodass Ihre Abendmahlzeit weniger opulent ausfallen kann.
Wenn Sie abends gerne etwas Süßes naschen, ist der beste Zeitpunkt dafür bald nach dem Abendessen – sagen wir, bis 21.00 – und nicht direkt vor dem Zubettgehen. Dadurch wird das Risiko verringert, beim Hinlegen einen Reflux zu bekommen – oder sogar zu erbrechen. Auch hier sind fettarme Flüssigkeiten und Püriertes immer eine bessere Wahl als eine feste Substanz. Beispielsweise eine Tasse heiße Schokolade, etwa 150 g fettarmer Joghurt oder Kefir, weiches Eis am Stiel aus Früchten oder eine kleine Schale Früchtesorbet, eine kleine Schale fettfreie/fettarme Eiscreme oder gefrorenes Joghurt-Dessert, der sogenannte Frozen Yogurt, Apfelmus, fettfreier/fettarmer Pudding und Götterspeise. Mehr Ideen finden Sie in Kapitel 12.
Haben Sie auch dann noch mit Blähbeschwerden zu kämpfen, wenn Sie Ihre Nahrungsmittel in veränderter Konsistenz zu sich nehmen und Ihr Essensplan gut über den Tag verteilte Mahlzeiten vorsieht, gibt es ein paar weitere Tricks, die Sie ausprobieren können. Eine Möglichkeit, die sich bei meinen Patienten gut bewährt hat, ist der Wechsel zwischen festen und flüssigen Mahlzeiten im Laufe des Tages. Nimmt man nach einer festen Mahlzeit eine flüssige, wie etwa eine Suppe oder ein Smoothie, zu sich, kann der Magen vor der nächsten festen Mahlzeit leer werden, da die feste Nahrung etwas länger im Magen verbleibt als flüssige. Besteht Ihr Frühstück aus einer festen Mahlzeit – sagen wir, aus Eiern und Toast –, könnten Sie das Mittagessen in flüssiger Form zu sich nehmen. Alternativ könnten Sie den Tag auch mit einer flüssigen Mahlzeit beginnen – sagen wir, mit einem Smoothie aus Obst und Proteinen – und mittags eine feste Mahlzeit planen – beispielsweise die Hälfte eines Puten-Sandwichs mit einer Beilage von gedünsteten Babykarotten. Und so weiter. (Bitte beachten Sie, dass die Amerikaner ihre Hauptmahlzeit in der Regel am Abend einnehmen. Passen Sie die Vorschläge also entsprechend an, wenn Ihre Hauptmahlzeit das Mittagessen ist; Anm. d. Übers.)
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