1 ...7 8 9 11 12 13 ...20 Wenn es bei vier Mahlzeiten am Tag immer noch zu starken Blähbeschwerden kommt, Sie aber kein Normalgewicht halten und Ihren Nahrungsbedarf mit drei kleinen Mahlzeiten nicht decken können, dann versuchen Sie, folgendes Modell: Wechseln Sie zu drei Mahlzeiten am Tag und fangen Sie das Nahrungsdefizit durch klare, mit Nährstoffen angereicherte Getränke ein wenig auf. Viele Menschen mit einer Gastroparese trinken weiterhin sehr viel Wasser oder Tee für den Flüssigkeitsspiegel, doch das kann im Magen viel wertvollen Platz beanspruchen, der dann für nahrhaftes Essen nicht mehr zur Verfügung steht. Daher sollten Sie stattdessen versuchen, die klaren Flüssigkeiten, die Sie für Ihren Flüssigkeitshaushalt trinken, mit ein paar Nährstoffen anzureichern. Beispiele sind hier mit Proteinen angereichertes Kokoswasser oder Kaffeegetränke, Wasser, angereichert mit Proteinpulver mit Fruchtgeschmack oder ein flüssiger Mahlzeitenersatz oder ein Proteingetränk im Laufe des Tages (entsprechende Produkte gibt es im Handel). All diese Getränke eignen sich auch zum Einfrieren als Eis am Stiel für Leckereien zwischendurch oder als Eiswürfel, um Wasser damit anzureichern.
Eine Gastroparese wird normalerweise nicht von selbst besser – obwohl es natürlich von jeder Regel Ausnahmen gibt und Menschen oft feststellen, dass die Schwere der Symptome im Laufe der Zeit schwanken kann. Wenn Sie also herausgefunden haben, wie Sie Ihre Nahrungsmittel auswählen sollten und Ihre Mahlzeiten mithilfe der Sanften Ernährung für den Gastrointestinaltrakt so gestalten, dass Sie sich damit wohlfühlen, sollten Sie sich langfristig auf diese Art der Ernährung einstellen.
■Diabetiker sollten ihren Blutzucker unter Kontrolle halten
Ein extrem hoher Blutzuckerspiegel, eine Hyperglykämie, kann bei Menschen, die an Diabetes Typ 1 oder 2 leiden, die Magenentleerung verlangsamen. Eine akute hyperglykämische Episode – etwa mit Blutzuckerspitzen von bis 200 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) oder höher – reicht dafür bereits aus. (Zum Vergleich: Ein normaler Blutzuckerwert sollte eine Stunde nach dem Essen nicht höher als 155 mg/dl und zwei Stunden danach nicht höher als 140 mg/dl betragen.) Diese akuten Blutzuckerspitzen können vorkommen, wenn Sie vergessen haben, (Insulin zu spritzen oder) Ihr Blutzuckermedikament zu nehmen oder es falsch dosiert haben. Doch selbst wenn mit der Medikation alles in Ordnung ist, kann es zu einer Hyperglykämie kommen, wenn Sie eine große Portion von etwas Zucker- und/oder Stärkehaltigem auf einmal zu sich nehmen – etwa Saft oder Limonade trinken, auf einer Party Kuchen oder Kekse essen, nachts die Süßigkeiten Ihrer Kinder plündern, oder wenn Sie an einem Feiertag eine kohlenhydrat-/zuckerreiche Mahlzeit zu sich nehmen.. Wenn Sie zu raschen Blutzuckerspitzen neigen, ist es vielleicht hilfreich, zu Nahrungsmitteln mit hohem Kohlenhydratanteil Protein- oder Fetthaltiges zu essen, um die Auswirkungen auf den Blutzucker abzuschwächen; meiden Sie mit Zucker gesüßte Getränke und Säfte und achten Sie darauf, wie viele stärkehaltige Nahrungsmittel und Süßes Sie im Lauf eines Tages zu sich nehmen.
■Schränken Sie medizinisch nicht notwendige Pillen und Nahrungsergänzungsmittel ein
Menschen mit einer Gastroparese sollten mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Pillen, die therapeutisch nicht notwendig sind, sehr zurückhaltend sein. (Ich persönlich glaube, es gibt ohnehin keine pflanzlichen Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Magenentleerung beschleunigen.) Denn Pillen haben Ummantelungen, die sich im Magen nur sehr schwer abbauen lassen. „Retard“-Medikamente können ganz besonders problematisch sein, denn ihre Ummantelungen sind speziell so konzipiert, dass sie sich im sauren Magenmilieu nicht auflösen, man nennt sie magensaftresistent. Viele dieser sich langsam auflösenden Pillen können zu einem Passage-Engpass am Magenpförtner, dem Pylorus, führen und dadurch die Magenentleerung noch weiter verzögern. Menschen mit einer Gastroparese haben auch ein erhöhtes Risiko für eine außergewöhnliche Art der Blockade, den sogenannten Pharmacobezoar, das heißt im Wesentlichen, dass eine große Menge unverdauten Pillenmaterials verklumpt und den Pylorus versperrt, sodass überhaupt nichts mehr in den Dünndarm gelangen kann. Das verursacht einen Rückstau, der zu schwerem Erbrechen führt und oft einer Aufnahme ins Krankenhaus bedarf.
Wenn Sie unter einer GP leiden und aus einem berechtigten medizinischen Grund doch Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel nehmen müssen, dann suchen Sie nach Flüssigkeiten, Kautabletten, gummiartigen/geleeartigen Präparaten, sublingualen Tabletten, die unter die Zunge gegeben werden oder Pulvern, die sich in Wasser auflösen, und bevorzugen Sie diese Verabreichungsformen, wann immer Sie sie bekommen können. Oft sind die für Kinder gedachten Vitaminpräparate ein prima Ersatz für Tabletten. Eine Möglichkeit, die Nährstoffzufuhr ohne Pillen zu erhöhen, ist, Fertiggerichte fürs Frühstück ausfindig zu machen, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind, etwa Getreideerzeugnisse mit mittlerem bis geringen Ballaststoffanteil (zum Beispiel Cornflakes; informieren Sie sich über die Inhaltsstoffe, die auf den Packungen angegeben sind), Instant-Haferflocken, feiner Grieß oder Grütze (Achten Sie auch hier auf die Inhaltsstoffe; Anm. d. Übers.). Denken Sie daran, dass die Bio-Versionen dieser Fertiggerichte fürs Frühstück tendenziell nicht zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind.
Operative Behandlungen der Gastroparese
Die chirurgische Behandlung der GP ist recht selten und wird im Allgemeinen nur in schweren Fällen vorgenommen, bei denen durch die Nahrung und angereicherte Getränke sowie selbst mithilfe von Medikamenten die Untergrenze eines gerade noch gesunden Gewichts nicht eingehalten werden kann. Es gibt ein paar Optionen, die Ihr Arzt eventuell in Betracht zieht, dazu gehören die Implantation eines Magenschrittmachers, der eine regelmäßigere Magenperistaltik unterstützt; die Jejunostomie, bei der eine Verbindung zwischen der Bauchdecke und dem oberen Dünndarmabschnitt, dem Leerdarm oder Jejunum geschaffen und durch diese Öffnung eine Darmsonde zur künstlichen Ernährung unter Umgehung des Magens gelegt wird; eine Pylorus-Dilatation, die Dehnung des Magenpförtners oder seine vollständige Entfernung, um Engpässe zu beseitigen, die die Magenentleerung verhindern; und die Botox-Injektion (Botulinumtoxin) – die über eine Endoskopie vorgenommen wird –, um den Pylorussphinkter, den Ringmuskel des Magenpförtners, zu entspannen, sodass die Nahrung leichter vom Magen aus weiterfließen kann. Ihr Arzt sagt Ihnen, ob für Sie eines dieser Verfahren infrage kommt.
Die Geschichte von Sashas Gastroparese: Ein Tauziehen zwischen dem oberen und unteren Verdauungstrakt
Sasha war eine hochgewachsene, athletische Frau von 24 Jahren, deren einziges gesundheitliches Problem von Kind an in einer Neigung zur Verstopfung bestand. Infolgedessen bemühte sie sich sehr um eine stark ballaststoffreiche Ernährung, zu der Grundnahrungsmittel wie das skandinavische Kleieknäckebrot zum Frühstück, Grünkohlsalat zum Mittagessen, rohe Karotten mit Hummus als Imbiss und ballaststoffreiches Getreide mit Beeren zum Abendessen gehörten. Ihre ballaststoffreiche Ernährung wirkte Wunder und sorgte für regelmäßigen Stuhlgang, ihr Darm entleerte sich täglich, oft sogar mehrmals, leicht und vollständig.
Nach einer kurzen Krankheit aufgrund eines Magen-Darm-Infekts vor etwa zwei Jahren kam es bei Sasha jedoch plötzlich zu einem sichtbaren Blähbauch sowie Übelkeitsgefühlen nach dem Essen – und in zunehmendem Maße konnten sie auch von Erbrechen begleitet sein. Zwei bis drei Wochen lang konnte sie sich völlig normal fühlen, doch dann flackerten die Beschwerden wieder auf; es kam vor, dass sie sich bis zu viermal in der Woche nach dem Abendessen übergeben musste. Sasha ging zu einem Gastroenterologen, der eine Gastroskopie, eine endoskopische Untersuchung des Magens und der Speiseröhre, und eine Koloskopie, eine endoskopische Untersuchung des Dickdarms machte – beide waren ohne Befund. Ein zweiter Gastroenterologe führte einen Atemtest durch, um eine bakterielle Überwucherung auszuschließen (s. Kapitel 8), er war ebenfalls negativ, doch sie bekam trotzdem Antibiotika und sollte sich FODMAP-arm ernähren (s. Kapitel 13). (FODMAP, soviel schon vorab, steht für fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols, zu Deutsch fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole, was etwa vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole bedeutet; Anm. d. Übers.). Nichts davon veränderte auch nur das Geringste, und die Blähbeschwerden, die Übelkeit und das regelmäßige Erbrechen hielten an.
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