Das Enzym (s. Anhang, Lexikon ) Neuraminidase benötigen manche Viren, um sich von der befallenen Wirtszelle zu befreien. Wird das Enzym gehemmt, bleiben die Viren in der infizierten Zelle „eingeschlossen“. Das führt zu ihrer Inaktivierung. Damit wird auch der Virenbefall benachbarter Zellen verhindert und eingedämmt.
– Steigerung der Interferonbildung .
– Steigerung der Phagozytenfunktion (Phagozyt, s. Anhang, Lexikon ):
Wie Sie bereits gelesen haben, sind Phagozyten Bestandteil unseres Immunsystems. Sie „fressen“ sozusagen die Viren und andere Krankheitserreger. Eine deutliche Verbesserung der Funktion dieser Zellen im Blut konnte für Umckaloabo (s. S. 184) nachgewiesen werden. Hinzu kommt die Bildung sogenannter reaktiver Sauerstoffarten, die die phagozytierten Erreger zusätzlich schädigen.
– Hemmung der RNA- oder DNA-Polymerase : Dies entdeckte man zum Beispiel in dem Wirkstoffgemisch der Mariendistelfrüchte (s. S. 70, Silymarin). Im Modellversuch hemmte Silymarin die RNA-Polymerase. Dieses Enzym ist im Wesentlichen für die Vermehrung des Virus nötig.
Um sich bei der Fülle verschiedenster Viren leichter zu tun, unterteilt man diejenigen, die Menschen krank machen, nochmals in DNA- und RNA-Viren. DNA und RNA sind die Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure (DNA, mit A für engl. acid = Säure) und Ribonukleinsäure. Beide sind die biochemische Form der Erbsubstanz, die wir auch in unseren Zellen haben, die DNA im Zellkern, die RNA außerhalb davon. Sie unterscheiden sich etwas in ihrer Biochemie. Viren genügt zur Ausprägung ihrer Eigenschaften eine Sorte des Erbmaterials, also DNA oder RNA.
Neben der Form der DNA gibt es noch andere Einteilungskriterien, etwa die Symmetrie der Virushülle. Zahlreiche DNA-Virus-Kapside haben zum Beispiel eine kubische Form, ihr Kapsid gleicht also einem vielflächigen Würfel (lat. cubus = Würfel). Viele davon sind Ikosaeder (Zwanzigflächner). Andere Kapside haben zwar keine Würfelform, sind aber trotzdem regelmäßig gebildet (z. B. Pockenviren). Man unterscheidet drei große Gruppen:
DNA-Viren enthalten in ihrer Erbsubstanz nur DNA. Sie reicht aus, um sich in den Wirtszellen zu vermehren, die Zelle umzuprogrammieren, sodass sie nur noch Viren produziert. Sie haben eine Eiweißkapsel, das sogenannte Kapsid, um ihre DNA zu schützen. Auch die DNA kann in unterschiedlichen Variationen vorliegen. Dies ermöglicht es Wissenschaftlern, DNA-Viren verschiedenen Virusfamilien zuzuordnen. Die wichtigsten der 20 DNA-Virusfamilien sind:
4. Herpesviren (z. B. Herpes-simplex-Virus, Zytomegalievirus)
5. Papillomaviren (z. B. humanes Papillomavirus)
6. Parvoviren (z. B. Parvovirus)
7. Adenoviren (z. B. humane Adenoviren)
8. Pockenviren (z. B. Variolavirus)
9. Hepadnaviren (z. B. Hepatitis-B-Virus)
Die Struktur der DNA-Viren ist relativ stabil. Bei ihnen kommt es seltener zu Veränderungen im Erbgut (sogenannte Mutationen).
Außerdem nutzen DNA-Viren ein spezielles Enzym der Wirtszelle, die DNA-Polymerase, eine Art Korrektureinheit der Zelle. Auch diese Eigenschaft sorgt dafür, dass das Erbgut von DNA-Viren stabiler ist und es seltener zu Mutationen kommt.
Im Unterschied zu DNA-Viren besteht die Erbinformation dieses Virustyps aus RNA, der Ribonukleinsäure.
Auch bei den RNA-Viren gibt es um das Erbgut herum eine schützende Struktur: das Kapsid. Wie bei den DNA-Viren kann es unterschiedliche Formen haben. Bei ihnen findet man Kapside mit einer:
– kubischen Symmetrie : vielflächiger Würfel, z. B. Ikosaeder (Zwanzigflächner),
– komplexen Symmetrie : Kapside mit regelmäßiger Form, aber ohne eindeutige Symmetrie.
Manche dieser RNA-Viren sind, außer dem Kapsid, von einer weiteren Hülle umgeben. Je nach diesen Strukturmerkmalen teilt man die RNA-Viren in bestimmte Familien ein. Zu den wichtigsten Krankheitserregern beim Menschen gehören zum Beispiel:
– Picornaviren (z. B. Polio-Virus, Coxsackie-Viren; s. Anhang, Lexikon )
– Hepeviren (z. B. Hepatitis-E-Virus)
– Reoviren (z. B. Rotavirus)
– Coronaviren (z. B. SARS-CoV-2)
– Togaviren (z. B. Röteln-Virus)
– Flaviviren (z. B. FSME-Virus, Dengue-Virus)
– Arenaviren (z. B. Lassa-Virus)
– Filoviren (z. B. Ebola-Virus)
Das Erbgut dieser Viren ist aufgrund seiner chemischen Struktur nicht ganz so stabil wie das Erbgut von DNA-Viren. Die Folge ist, dass man bei Ihnen Erbgutveränderungen, also Mutationen, häufiger findet als bei DNA-Viren. Ihre Vermehrung läuft genauso ab wie die der DNA-Viren.
Bei den Retroviren ( Retroviridae ) handelt es sich um umhüllte, kugelförmige RNA-Viren. Sie transportieren im Viruspartikel zusätzlich ein Enzym (s. Anhang, Lexikon ) namens Reverse Transkriptase, an dem alternative Heilmethoden ansetzen. Vermehrt sich das Virus, wird die RNA mithilfe dieses Enzyms in eine DNA-Zwischenstufe überführt, die in das Erbgut, also die DNA der Wirtszelle, eingebaut wird.
Typisch für Retroviren ist, dass von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung mitunter Jahre vergehen können. Einige Wissenschaftler meinen, dass Multiple Sklerose (MS) durch sie verursacht wird. Wie zum Beispiel für MS typisch, hat die Erkrankung selbst meist auch einen langsamen, chronischen Verlauf. Ein verwandtes Virus ist ein Vertreter der Lentiviren: das Aids-Virus (Humanes Immundefizienz-Virus = HIV), das ebenfalls zu den Retroviren gehört.
Viren und Antibiotika
Warum helfen konventionelle Antibiotika nicht gegen Viren?
Konventionelle Antibiotika wirken definitionsgemäß nur gegen Bakterien und sie enthalten üblicherweise nur einen Wirkstoff. Krankheiten wie Erkältungen, die durch Viren verursacht werden, können infolgedessen durch die üblichen Antibiotika nicht geheilt werden, da sie einer völlig anderen Gruppierung als Bakterien angehören. Aus sogenannten pflanzlichen Antibiotika wird üblicherweise jedoch keine einzelne Substanz isoliert oder chemisch entwickelt und angewendet, sondern ganze Pflanzen oder Teile davon – und einige Stoffe in diesem Substanzcocktail wirken auch gegen Viren. Daher ist der Begriff „pflanzliche Antibiotika“ eigentlich nicht korrekt. Keimhemmende – beziehungsweise keimtötende – Wirkung haben zum Beispiel ätherische Öle, wie sie in Gewürzpflanzen enthalten sind, etwa Thymian, Rosmarin und Salbei (s. folgende Kapitel). Ätherische, also flüchtige Öle, bestehen aus einer Mischung verschiedener Stoffe, die der Pflanze zur Selbstverteidigung und Selbstheilung dienen. Setzt sich das Pflanzentherapeutikum aus mehreren ätherischen Ölen zusammen, kann es meist ein sehr breites antimikrobielles Spektrum abdecken und gegen zahlreiche Krankheitserreger wirksam sein. Bekannte Beispiele für Pflanzen mit mehreren antibiotisch wirkenden Inhaltsstoffen sind zum Beispiel Knoblauch (es enthält u. a. Allicin, das eine dem Penicillin ähnliche Wirkung hat), Isländisch Moos (Flechtensäuren) und Efeu (Saponine).
Nicht nur, dass Antibiotika gegen Viren nicht wirken, es gibt auch Hinweise, dass Kinder, die sehr früh ein Antibiotikum verabreicht bekommen, im Alter von sieben Jahren etwa 2,5-mal häufiger an Asthma leiden und doppelt so häufig von einer Allergie betroffen sind. Das Problem der Resistenz (Unempfindlichkeit) beginnt oft schon nach Einnahme der ersten Tablette und hält lange an. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Man hatte mit Resistenzen jahrzehntelange Erfahrungen im Bereich der Pestizide (Schädlingsbekämpfungsmittel). Sie richten sich in erster Linie gegen Insekten – und auch sie werden relativ rasch resistent gegen die Wirkstoffe. Einer der unzähligen Nachkommen verträgt den Wirkstoff oder kann ihn chemisch verändern. Ja, es gibt sogar Exemplare, die abhängig sind von der Substanz und es nicht überleben würden, wenn man das Pestizid nicht mehr anwendet. Klar ist, dass Bakterien, die deutlich kleiner sind und eine wesentlich höhere Vermehrungsrate aufweisen als Insekten, umso schneller unempfindlich werden. Viren sind noch einmal kleiner und haben eine noch höhere Vermehrungsrate, daher werden auch sie gegen einen Wirkstoff (sogenannte „Antiviralia“ oder „Virostatika“) schnell unempfindlich. So liegen die Raten der resistenten Viren gegen das Virenmittel Oseltamivir zwischen 12,3 und 98 Prozent! Kein beruhigendes Resultat. Auch gegen Neuraminidasehemmer (s. S. 21) gibt es Resistenzen. Leider ist das auch schon für das Aids-Medikament Aciclovir bekannt. Es wirkt hauptsächlich dadurch, dass es die DNA-Polymerase (s. S. 22) der Viren hemmt und sie so an der Vermehrung hindert.
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