Gertrude Aretz - Gesammelte Werke

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Gertrude Aretz war eine deutsche Historikerin, bekannt für das Schreiben von Biographien berühmter historischer Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte, Elisabeth I., Kaiserin Katharina II und anderen.
Diese Sammlung enthält:
"Berühmte Frauen der Weltgeschichte" – Jede Frau in diesem Buch spielte eine Rolle in der Geschichte ihres Heimats oder in der Weltgeschichte.
"Königin Luise" – Dieses Buch erzählt über das Schicksal von Königin Luise nicht nur als Frau von Friedrich Wilhelm III, sondern auch über ihre persönlichen Erfahrungen, Leiden und die Opfer, die sie für den Aufstieg Preußens gebracht hat.
"Elisabeth von England" – Lebensgeschichte der der mächtigen jungfräulichen Königin
"Glanz und Untergang der Familie Napoleons" – Napoleon Bonaparte wäre nicht das, was er wurde, wenn seine Familie nicht wäre. Dieses Buch erzählt Ihnen von seinen Verwandten und ihrem enormen Einfluss auf die Geschichte Europas.
"Die elegante Frau" – Die Geschichte der Eleganz durch die Linse der Mode der verschiedenen Jahrhunderte

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Jetzt waren es der Schicksalsschläge genug. Da Letizia im Jahre 1830 durch einen Fall während eines Spazierganges einen Oberschenkelbruch erlitten hatte, war sie für die letzten Jahre ihres Lebens gelähmt und fortan ans Zimmer gefesselt. Sie hatte oft die entsetzlichsten Schmerzen zu leiden, wollte sich jedoch keiner Operation unterziehen, wie es die Aerzte rieten. Endlich, am 2. Februar 1836, machte der Tod ihrem Leiden ein Ende. An ihrem Sterbelager standen von ihren Kindern nur Jérôme und Alexandrine, die Gattin Luciens. Die Mutter Napoleons starb, «aller Verehrung würdig» und mit der Hoffnung, dass doch einmal der Tag kommen werde, an dem auch Frankreich wieder ihrer Familie die Tore öffne.

Juliette Récamier

Inhaltsverzeichnis

Unter den berühmten Frauen des Direktoriums des Konsulats des Kaiserreichs - фото 9

Unter den berühmten Frauen des Direktoriums, des Konsulats, des Kaiserreichs und der Restauration ist vor allem eine zu nennen, deren Namen die ganze Welt kennt, obwohl man eigentlich nur von ihr sagen kann, dass sie sehr schön war: Juliette Récamier. Sie hat weder eine ausschlaggebende politische Rolle gespielt, noch als Schriftstellerin, Schauspielerin oder auf irgendeinem anderen Gebiete Erfolge davongetragen. Und doch gilt sie als die Repräsentantin einer grossen Epoche. Sie hat die bedeutendsten Männer ihrer Zeit begeistert und von ihrem Salon aus Einfluss auf alle wichtigen Fragen der Politik, der Gesellschaft, der Kunst, der Literatur und des Geschmacks genommen.

Juliette Récamier, geborene Bernard, wurde im Jahre 1777 als Tochter eines Bankiers in Lyon geboren. Ihr Vater liess sich 1784 unter der Protektion des Finanzministers Calonne in Paris nieder und gewann durch glückliche Finanztransaktionen ein beträchtliches Vermögen. 1793 heiratete sie den Bankier Récamier. Fünf Jahre später erwarb ihr Gatte vom Finanzminister Necker dessen Palais, wodurch Juliette die Tochter Neckers, Madame de Staël, kennenlernte. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft, die bis zum Tode der Staël dauerte. Unter dem Konsulat begannen die Récamiers eine bedeutende Rolle zu spielen. Angehörige der alten Aristokratie, wie Adrien und Mathieu de Montmorency, bemühten sich ebenso um ihre Freundschaft wie die neu emporkommende Gesellschaft, in erster Linie Männer wie Lucien Bonaparte, General Moreau, General Bernadotte.

Als das Kaiserreich errichtet wurde, versuchte der Polizeiminister Fouché, die Récamiers für den neuen Hof zu gewinnen. Er bot Juliette an, Ehrendame am Hofe Napoleons zu werden. Juliette Récamier lehnte jedoch ab und geriet nach und nach in den Kreis der Opposition, die sich um Frau von Staël geschart hatte. Als ihr Gatte grosse finanzielle Verluste erlitt, zog sie sich eine Zeitlang auf das Schloss ihrer Freundin nach Coppet zurück. Dort lernte sie den Prinzen August von Preussen kennen, der sich sterblich in sie verliebte. Eine Zeitlang trug sie sich mit der Absicht, diesen Neffen des Grossen Friedrich zu heiraten. Dieser Plan kam nicht zustande, obwohl ihr Gatte sich mit der Scheidung einverstanden erklärte. Als Napoleon sie ebenso wie Madame de Staël aus Paris verbannte, lebte sie eine Zeitlang bei der Familie ihres Gatten. In den folgenden Jahren band sie sich eng an Benjamin Constant, dann an Chateaubriand. Sie war die Frau, die den Männern Hoffnungen machte, diese aber nie erfüllte. Bittere Streitigkeiten waren oft die Folge dieser Taktik, die bei einer schönen und liebenswürdigen Frau unerklärlich erscheint. Schon zu ihrer Zeit hatte man versucht, dieses rätselhafte Verhalten aufzuklären. Es wurde behauptet, dass ein physischer Mangel sie verhindere, wirklich Weib zu sein. Um diese Frau, deren Schönheit so viele Männer begeisterte, ist viel gelitten worden. Juliette Récamier starb im Jahre 1846 an der Cholera.

*

In der Zeit, als die schöne Theresia Tallien die vergnügungssüchtige Gesellschaft des Direktoriums durch ihre Extravaganzen in Staunen setzte, ging auch der Stern der Juliette Récamier auf. Beide Frauen sind anerkannt die schönsten und elegantesten Frauen der Gesellschaft des Direktoriums gewesen. Als sie sich zum erstenmal begegneten, gab es eine kleine Theaterszene. In eine Privatgesellschaft, in der Madame Tallien bisher immer als die Schönste gefeiert worden war, kam eines Tages auch Juliette Récamier mit ihrem hübschen verführerischen Gesicht, ihrer weichen geschmeidigen Gestalt. Sie betonte in ihrer Eleganz die raffinierteste Einfachheit. Madame Tallien fühlte sich sofort von dieser neuen Rivalin bedroht. Heftig stand sie auf, warf den feuerroten Schal, den sie noch über den Schultern hatte, ab und stand nun in ihrer ganzen Schönheit neben Madame Récamier. Ihre wundervolle Gestalt, die nackten Arme, die Grazie, jenes Ensemble der Schönheit, das nur wenige Frauen besitzen, wurden bemerkt und bewundert – sogar von der Récamier. Juliettes feine, bescheidene Eleganz und naive Liebenswürdigkeit erhoben nicht den Anspruch, den Glanz auszulöschen, den Theresia Tallien um sich verbreitete. Sehr bald wurden sie die besten Freundinnen. Madame Récamier war die Idealgestalt des «nach spartanischen Tugenden dürstenden Republikaners», und der Maler David hat sie in seinem berühmten Bilde als solche verewigt. Sie ruht auf einem Diwan aus Mahagoniholz im Stile der Zeit, mit ein paar Seidenrollen als einzige Kissen. Ihre Füsse und Arme sind nackt. Der schlanke Körper ist nur mit einem hauchdünnen, hemdartigen weissen Gewand bekleidet. Das Haar ist kurz gelockt à la Titus und nur mit einem Bande gehalten. Das reizende Gesicht drückt Zärtlichkeit, Weichheit, Gefühl und beinahe kindliche Bescheidenheit aus. Die ganze Gestalt atmet Anmut und Natürlichkeit. Sie hat eine halb liegende, halb sitzende Stellung inne. Es ist die Stellung und Kleidung, in der die Damen des Direktoriums ihre Gäste empfingen als Ersatz für die Levers des Ancien Régime, für die Morgenempfänge im Bett und im Bad.

Madame Récamier und Madame Tallien waren nicht nur die Königinnen der Schönheit, sondern auch der Mode. Thibaudeau spricht in seinen Memoiren ausdrücklich davon, als er die Veränderung beschreibt, die nach dem 9. Thermidor vor sich ging. «Paris riss wieder die Herrschaft der Mode und des Geschmacks an sich. Zwei durch ihre Schönheit berühmte Frauen, Madame Tallien und etwas später Madame Récamier gaben den Ton an. Zu jener Zeit vollzog sich in den Sitten und Gewohnheiten des Privatlebens jene Umwälzung, die politisch 1789 begann. Die von David bereits in die Kunst eingeführte Antike verdrängte in der Kleidung und den Frisuren der Damen, ja sogar im Ameublement alles Bizarre, Feudale und jenes schreckliche Gemisch der Formen, welches die Sklaverei der französischen Höfe erfand.»

Die Goncourts führen uns in die Chaussée d'Antin, jenes Viertel, wo der Luxus der Millionäre Orgien feierte. Und wo auch Récamier für seine entzückende Frau vom Finanzminister Necker eines der schönsten Palais gekauft hatte. Später besass sie noch viele andere. Ihre Wohnung war ganz im Stile der Zeit eingerichtet. Die Möbel waren fast alle aus Mahagoniholz. Madame Récamiers Haus nennen die Goncourts ein Pompeji, wo weder die Bronzekandelaber noch die Marmorstatuen fehlen. Ihr Schlafzimmer war ein Traum der Antike. Zwei Schwäne von Goldbronze halten über dem Kopfende des Bettes mit ihren Schnäbeln eine Girlande aus dem gleichen Material. Der Komponist Reichhardt erzählt, die Wände wären von oben bis unten mit Spiegeln bedeckt gewesen; das «ätherische Götterbett» habe sich mit seinen duftigen Decken und Kissen aus weissem hauchdünnem indischem Mull darin widergespiegelt. Wenn Madame Récamier im Bett lag, konnte sie ihre Schönheit «von dem Scheitel bis zur Zehe ganz im Spiegel» betrachten, berichtet ein wenig naiv Reichhardt. Auch das Badezimmer der schönen Juliette war mit dem gleichen Luxus ausgestattet.

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