Gregor Schorberger - Gregorsbriefe

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Schwul und katholisch sein – das ist für Gregor Schorberger selbstverständlich. «Bestimmt bist Du, Papa, gespannt zu hören, was aus Deinem ›Stammhalter‹ geworden ist.» In 20 biografischen Briefen erzählt er seinem verstorbenen Vater Stationen von einem bewegten Leben: Kindheit, Lehrzeit als Postbote, Ordenszeit in Frankreich, Coming-out, Begegnungen in der Seelsorge mit AIDS-Patienten und als Seelsorgeausbilder.
Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie man gegen Vorurteile, Diskriminierung und Ungerechtigkeit eine überzeugende Grundhaltung bewahrt, wie man als schwuler Christ ein spirituelles Leben lebt.
"Kämpferische Gelassenheit" Pierre Stutz, Theologe

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Als Briefträger war ich oft in den Bergmannssiedlungen des Altenessener Nordens eingesetzt. Diese einfachen Menschen wuchsen mir ans Herz. Ich freute mich, mit ihnen über Glückwunsch- oder Urlaubspost und Geldzuweisungen zu reden. Ebenso litt ich mit ihnen bei schlechten Nachrichten durch Trauerbriefe, Gerichtsbriefe und nicht bezahlte Rechnungen. Monatlich bekamen die Bergleute die Gewerkschaftszeitung »Werk und Wir«, die meine Tasche dermaßen beschwerte, dass ich erneut Knieschmerzen bekam. Auch andere Krankheitssymptome in den Füßen und Beinen, Schmerzen in der Magen- und Herzgegend überfielen mich in den ersten Jahren nach meinem Krankenhausaufenthalt. Hatte ich dazu noch Kopf- und Ohrenschmerzen, Übelkeit und Schwindel, dann musste ich mich krankschreiben lassen, da ich nicht fähig war, meinen großen Bezirk zu meistern. Von manchen Postvorgesetzten erhielt ich Mitleid, sodass sie mich wegen meiner erlittenen Krankheitsrückfälle zeitweise für den Innendienst in der Zeitungsstelle des Postamtes freistellten.

Nach meinem langen Krankenhausaufenthalt wurden wir beide uns wieder so fremd, dass wir uns gegenseitig ständig auf die Nerven gingen. Nichts, aber auch gar nichts konnte ich Dir recht machen. Deine Schimpftiraden habe ich noch heute im Ohr: »Ständig gibst du Widerworte!«, »Zum tausendsten Mal habe ich dir gesagt, nimm die Hände vom Gesicht!«, »Wenn du mich noch einmal so anguckst, schmeiße ich dich die Treppe hinunter!«. Ständig hattest Du mit strafendem Blick etwas an mir auszusetzen. Aus jedem Fehlverhalten meinerseits machtest Du eine gewaltige Sache. Als ich Dich auf dem Hof nicht mit »Guten Morgen!« begrüßte, warst Du so verärgert, dass Du auf meinen Zuruf: »Du sollst mich nicht so anschreien!«, resigniert sagtest, ich solle meiner Wege gehen, dann hättest Du endlich Ruhe vor mir und ich vor Dir. Mama sagte mir oft genug mit traurigem Gesichtsausdruck nach solchen Ereignissen: »Nimm Papas Aussagen nicht so ernst, du musst dich wieder mit ihm vertragen, Papa hat es nicht so gemeint.« Statt von zu Hause fortzulaufen, wie ich es öfter nach solch einem Vorfall vorhatte, blieb ich auch diesmal, aus Liebe zu Mama. Mit meiner Empörung blieb ich indes allein. Auf andere Gedanken kam ich einerseits im Klagegebet an Gott und andererseits, indem ich alles in mein Tagebuch niederschrieb.

»Die 175er« nanntest Du, Papa, in meiner Jugendzeit während der 1960er Jahre Männer, die Männer lieben, wie mir kürzlich Marlene und Christiane berichteten. Wer diese Menschen waren und auf welche Weise Du mit ihnen dienstlich zu tun hattest, erfuhren wir damals von Dir nicht. Aus heutiger Sicht ist mir klar, dass »die 175er« eine der indirekt diskriminierenden Bezeichnungen für homosexuelle Männer ist. Fühltest Du, Papa, Dich als 21jähriger junger Mann in Deiner Männlichkeit durch solche Männer bedroht bzw. gezwungen, Deinen eigenen homoerotischen Anteilen begegnen zu müssen? Ob auch Du mit dem völkischen Nationalismus sympathisiert hast, der schon in der Kaiser- und Weimarer Zeit seine generelle Verachtung von Minderheiten wie jüdischen Familien, Sinti und Roma sowie homosexuellen Menschen proklamierte? Die diskriminierende Politik der Kirchen gegenüber homosexuellen Menschen hat schon in der Weimarer Zeit auch Deine und Deiner Familie prüde Sexualmoral maßgeblich beeinflusst. Wie konntest Du Dich über Erichs graziöse Ballettaufführungen in unserer Wohnung freuen und mit ihm und seinen Eltern befreundet bleiben, während gleichzeitig friedliebende schwule Männer wegen des § 175 in Essen verhaftet wurden? Als junger Essener Polizist der 1930er Jahre war Dir das schwule Lokal »Eldorado« bekannt. Weit über Essen hinaus war dieses neben anderen schwulen Lokalen beliebt und gesellschaftlich anerkannt. Heute steht auf der Gedenktafel am Geringplatz in Essen: Bis zum 2. Mai 1933 befand sich in diesem Haus unter dem Inhaber Willi Hartenfels das Tanzlokal »Essener Eldorado«, ein beliebter Treffpunkt homosexueller Männer und Frauen. Mit seiner Schließung begann die systematische Ausgrenzung von Schwulen und Lesben in Essen. Die von der Gestapo durchgeführte Aktion gegen Homosexuelle zerstörte das Leben der Betroffenen. Willkürliche Schutzhaft, Misshandlungen und Internierung in Konzentrationslagern gehörten zum Schicksal von Männern, die Männer liebten. Frauen, die Frauen bevorzugten, galten als »asozial«. Durch den § 175 StGB noch bis 1994 kriminalisiert, wurden die Opfer totgeschwiegen. Welche Kuriosität, dass gerade mein Verlag an der Technischen Universität Dortmund mit dem gleichen Namen »Eldorado« meine Dissertation »Studie zum Projekt: schwul und katholisch in der Gemeinde Maria Hilf« kostenlos ins Internet gestellt hat.

Sind es zwei oder mehrere Seelen in Deiner Brust, mit denen Du als Polizeiangehöriger vor und nach dem Zweiten Weltkrieg im Umgang mit homosexuellen Menschen zurechtkommen musstest? Nicht selten sah ich Dich, Papa, mit einem traurigen, wehmütigen oder nachdenklichen Blick in die Ferne schauen und fragte mich schon damals, woran Du Dich wohl gerade erinnert hattest und was in Dir vorging. Heute bedauere ich, Dich nicht gefragt zu haben. Mama habe ich auch nicht gefragt, wie sie als junge gebildete Frau die Hetze von Kirche und Staat gegen homosexuelle Menschen oder jüdische Kinder, Frauen und Männer in Kamp-Lintfort und später in Essen erlebt hat. Bei Mama vermute ich zu diesen Themen ein noch stärkeres absolutes Tabu als bei Dir, Papa. Die Reaktion Mamas mit abweisendem Blick im Januar 1965: »So was muss man doch nicht zeigen« auf eine Fernsehreportage veranlasste mich, in mein Tagebuch zu schreiben: »Ein arbeitsreicher Tag liegt hinter mir. Nach dem Fernsehstück über Geisteskranke während der Hitlerzeit entstand zwischen Mama, Christiane, Marlene und mir eine heftige Diskussion über Sinn und Zweck dieser Filme. Sie waren gegen mich, weil ich mich für diese Filme ausgesprochen habe. Ich sagte Mama, dass es sehr wichtig sei, solche Themen öffentlich zu machen, weil der Film den ermordeten Menschen damals und den heutigen geistig und körperlich Behinderten im Nachhinein eine Würde gibt. Nur so können tiefsitzende diskriminierende Vorurteile in der deutschen Bevölkerung angegangen werden.« Als Briefträger des Essener Nordens habe ich oft genug erlebt, wie Eltern ihre körperlichen und geistig behinderten Kinder in den Wohnungen versteckten, wissend, dass die auch in den Kirchen nicht erwünscht waren, da sie sabbern oder Laute von sich geben konnten. Mir griffen diese Kinder besonders in den Obdachlosensiedlungen ans Herz. Zu Weihnachten brachte ich einigen von ihnen Spielzeug und den Eltern Kaffee und Süßigkeiten, wenn der Vater arbeitslos und in vielen Fällen gleichzeitig Alkoholiker war. Bei der Zustellung hatte ich ihr Vertrauen gewonnen und fühlte mich nach diesen Weihnachtsaktionen als der durch diese Erlebnisse besonders Beschenkte. Ist es doch viel leichter zu geben, als nehmen zu müssen.

Permanent warst Du, Papa, über mein widerspruchsvolles Verhalten als Jugendlicher enttäuscht. Heute würde ich sagen, dass ich überhaupt nicht Deinem national-deutschen, preußischen Sittenbild entsprach: stark, sportlich, tapfer, pflichtbewusst, diszipliniert, wachsam, gefügig und gehorsam gegenüber der Obrigkeit. Ja, Papa, trotz meiner Uniform als Briefträger bin ich nicht zu dem geworden, wie Du mich haben wolltest. In Deinen Augen war ich eben kein dem traditionellen Familienbild entsprechender Mann. Natürlich hätte ich nie gewagt – hier wirkten sowohl mein Unterbewusstsein als auch unausgesprochen die kirchlichen Verurteilungen homosexueller Männer in mir –, Dir zu sagen, dass ich mich erotisch zu Männern hingezogen fühlte. Nur mein Körper reagierte immer stark bei homoerotischen Begegnungen, wie in der Straßenbahn, als ich nach meiner Briefzustellung diesen überaus schönen, schwarzgelockten Jungen mit großen blauen Augen ansah. Er kam aus dem Leibniz-Gymnasium, das neben dem Postamt lag, und benutzte am frühen Nachmittag die gleiche Straßenbahn, um wie ich nach Hause zu fahren. Seine anmutige, auf mich ansprechend wirkende Gestalt und sein gewinnendes Lächeln zogen mich wie ein Magnet an. Ich spürte sofort Schmetterlingsgefühle im Bauch, wenn ich ihn an der Haltestelle oder im Straßenbahnwagen antraf. Nach wochenlanger Stummheit und erregtem Herzklopfen kam es dann zu einem ersten Gruß, an späteren Tagen zu kurzen Gesprächen über seine Lieblingsfächer Kunst und Geschichte. Ich erzählte ihm stolz von meinen Schwestern, die diese gleichen Fächer an der Realschule hatten und deren Inhalte sie mit mir teilten. Ich war beglückt und erleichtert über diese sympathischen, erotisierenden, mehr und mehr unverkrampften Begegnungen. Nach einigen Monaten verloren wir uns sprichwörtlich aus den Augen.

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