Gegen solche Argumente kommt man nicht an.
Ich zog mich um, hörte: „Und ZWIEBELN, nicht die großen, sondern die kleinen!“
Meine Güte, das arme Mädchen dreht mir durch, dachte ich.
Man(n) ist geknebelt und gefesselt.
Ihr Einsamen in Altona, seid froh!
Andererseits ist sie lieb, meine Freundin. Und es ist schön, neben ihr einschlafen zu dürfen.
Auf Spaziergängen hält sie meine Hand.
Sie hätte einen besseren Mann verdient.
Sag mir quando, sag mir wann
Vor einigen Jahrzehnten gab es ein Lied, das namentlich bei unseren Eltern bzw. Großeltern den allergrößten Anklang gefunden hatte. „Sag mir quando, sag mir wann, sag mir quando quando quando.“ Caterina Valente.
Wenn man mit solchen Liedern aufwächst, ist man geschädigt fürs Leben, sagen nun manche. Aber gemach gemach.
Als Tony auf der Großen Bergstraße entlang schlich und dort der Lisa begegnete, fragte diese ihn, wann er denn gedenke wieder einmal glücklich zu sein. Immerhin mangele es nicht an Sonnenschein, rein klimatisch gäbe es auch schlechtere Zeiten.
„Sag mir quando, sag mir wann“, ließ Tony krächzend verlauten. Lisa kannte dieses Lied. „Sag mir quando, quando, quandooo“, stimmte sie mit ein, nahm ihren schwarzen Hut vom Kopfe und schwenkte ihn. Und gemeinsam: „Ich dich wiedersehen kann, quando quando quando.“
Zwei harmlose Irre, sie hakten sich unter und trällerten dieses Lied, die Große Bergstraße hinunter tänzelnd.
Und es geht doch, das mit dem Glücklich sein.
Anmerkung: Passt mir mit diesem Lied auf, liebe Leute. Das kriegt man tagelang nicht mehr aus seinem Kopf heraus!
So viel Zeit muss sein
Da wird man in diese Welt hinein geworfen, ungefragt, Einverständnis auf die fragwürdigste Weise vorausgesetzt, hat dies und das zu erleiden, auch die seltenen Freuden mit zu nehmen, und sieht sich Jahrzehnte später auf einer Parkbank hocken. Altonaer Balkon, den Hafen im Blick.
Ein Radfahrer kommt heran geprescht, bremst ab in einer eleganten Kurve und wirbelt Staub dabei auf. Er trägt solch einen Fahrradhelm, nicht unähnlich dem Lederkopfschutz der Herren Rugbyspieler, nimmt ihn herunter, ebenso seinen Vorratsbeutel vom Gepäckträger, sagt freundlich „Guten Tag“ und setzt sich neben mich auf die Parkbank.
Nun, wenn man seine Ruhe haben möchte, dann ist der Altonaer Balkon ein schlechter Ort dafür, so viel ist klar.
Wie gesagt, da wird man also in diese Welt hinein geworfen, und Jahrzehnte später kristallisiert sich als Lebensweisheit unter anderem heraus, dass man den Sprüchen seiner Mitmenschen unmöglich entkommen kann. Redensarten, Metaphern á la „Da beißt die Maus keinen Faden ab!“ und die Maus beißt wahrlich keinen Faden ab. Was für einen Faden, welche Maus überhaupt, denkt sich der unbedarfte, im Geschwätz der Menschheit noch nicht gestählte Mensch.
Der Radfahrer setzte sich also, nahm ein Fläschchen Mineralwasser zur Hand, sagte zu mir „So viel Zeit muss sein!“ und ließ, gluck gluck, den Inhalt der Flasche in seinen Bauch fließen.
Scheinbar abwesend nickte ich in seine Richtung.
Das verstand er als Aufmunterung, aus seinem Leben zu erzählen. Dazu bedarf es so wenig, die Menschen reden so gerne.
In jedem zweiten Satz ließ er – glücklich lächelnd – eine Phrase hinein fließen. „Da lasse ich nun mal die Katze aus dem Sack!“, meinte er, bei der Enthüllung eines neuerlichen Lebensumstandes, welcher ihm widerfahren sei.
„Hilfe!“, dachte ich, wollte aber nicht sogleich verschwinden, was er nicht zu Unrecht als Flucht vor ihm hätte auffassen können. Und warum soll man die Leute AUF TEUFEL KOMM RAUS beleidigen wollen? Tut ja nicht Not.
Er sagte noch Sachen wie „Ist bei mir der Groschen gefallen“, und „Wo der hinhaut, da wächst kein Gras mehr!“
Ich verstand überhaupt nicht, worum es jeweils ging, aber etwas wie Faszination stellte sich bei mir doch ein. Begierig wartete ich darauf, seine nächste Phrase zu hören.
Aber er schien seines Vortrages (von Gespräch konnte ja nicht die Rede sein) müde zu werden, so verabschiedete er sich mit den Worten, jetzt „Einen auf die Lampe gießen zu wollen.“
Diesen Spruch kannte ich noch gar nicht, bei späterer Recherche erwies sich, dass dieses redensartliche Bild von der Öllampe stammt, in die man Öl nachfüllt, damit sie weiter brennen möge.
„Ja, viel Spaß noch“, sagte ich auch mal was und sah ihn davon radeln.
Und welchen Spruch haben Sie, werter Leser, so als Standard drauf?
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